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Wie mit Forschung umgehen?

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23.09.2017 11:02
von:
Leothenara
Status: offline  

Wie geht ihr mit Resultaten von seiösen und neutralen Meinungsforschungsinstituten um, die "unliebsame" Ergebnisse in ihren Recherchen erhalten haben, die sie selber in dem Ausmaß nicht erwarteten?

http://www.pewforum.org/2 [...] verview/

http://www.pewforum.org/2 [...] orality/

http://www.pewforum.org/2 [...] society/

http://www.pewforum.org/2 [...] -sharia/

Diskutieren? Verschweigen? Ignorieren? Anerkennen, dass in großen Teilen der islamischen Welt eben religiös fundamentalistische Glaubensinhalte doch krass vorherrschen, obwohl natürlich in einigen wenigen geografischen Regionen auch liberale Meinungen vorkommen?

23.09.2017 11:37
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Studien sind immer gut, die Interpretation und Anwendung im richtigen Kontext stellt meist eine Herausforderung dar. Selbst habe ich nur einen Link geöffnet und es fiel das Stichwort Scharia. Dieses Wort allein ist ein Schreckgespenst. Kann ich verstehen, mir geht es auch oft so. Und jedes Mal muss ich mich daran erinnern, dass die Scharia kein Buch mit festgelegten Regeln ist, sondern eher eine ethische Richtlinie. Viele Gruppierungen ranken sich um die Deutungshoheit, von Extremisten bis modernen Denkern.

Verschweigen solle man nie etwas - aber auch nie unkritisch betrachten. Egal, um was für eine Studie es sich handelt. Bei dieser Studie und vielen anderen in Bezug auf Muslime frage ich mich: Existieren aktuelle Studien auch über Christen? Oder andere Religionsgemeinschaften?

23.09.2017 11:44
von:
Antikoerperr
Status: offline  

Diskutieren kannst du immer alles. Ich finde es schwer mit einzelnen Studien und Schlagworten, wenn es um Dinge am anderern Ende der Welt geht. Die Lebensrealität ist in unendlich vielen Bereichen so komplett anders als hier, was will ich damit erreichen, das hier zu thematisieren?

Lieber wäre mir, die Situation hier zu thematisieren. Und dann eben mit Studien und Befragungen von hier vor Ort.

Oder willst du Religionen im Allgemeinen auf der ganzen Welt betrachten? Dann müsstest du mehr Studien anbringen.

editiert am 23.09.2017 11:46 Beitrag melden Zitatantwort
23.09.2017 12:10
von:
Ninnife
Status: offline  

ZitatAntikoerperr schrieb am 23.09.2017 um 11:44:

Diskutieren kannst du immer alles. Ich finde es schwer mit einzelnen Studien und Schlagworten, wenn es um Dinge am anderern Ende der Welt geht. Die Lebensrealität ist in unendlich vielen Bereichen so komplett anders als hier, was will ich damit erreichen, das hier zu thematisieren?

Lieber wäre mir, die Situation hier zu thematisieren. Und dann eben mit Studien und Befragungen von hier vor Ort.

Oder willst du Religionen im Allgemeinen auf der ganzen Welt betrachten? Dann müsstest du mehr Studien anbringen.


Eine Uni hier kümmert sich schon darum. Die Studie startet anfangs Oktober, da ich bei der mitmache, sitze ich um so zu sagen, an der Quelle der Zahlen. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wie mich diese Mitbürgerinnen aufnehmen

Zwischen beinah 8 Mrd. Menschen und ihren Gesellschaften ist alles Mögliche und Unmögliche vorzufinden. Ethnisch-religiöse Konflikte, Korruption, Terrorismus und politische Dysfunktionalität werden oft mit theokratischen Gesetzgebungen "ausgebügelt".

Angst habe ich vor solchen Anachronismen nicht, denn mensch wird ganz schnell "demokratisch", wenn man ihm die Möglichkeit dazu gibt - siehe dazu Beispiel Bangladesch -

editiert am 23.09.2017 12:13 Beitrag melden Zitatantwort
23.09.2017 14:52
von:
Antikoerperr
Status: offline  

ZitatNinnife schrieb am 23.09.2017 um 12:10:

ZitatAntikoerperr schrieb am 23.09.2017 um 11:44:

Diskutieren kannst du immer alles. Ich finde es schwer mit einzelnen Studien und Schlagworten, wenn es um Dinge am anderern Ende der Welt geht. Die Lebensrealität ist in unendlich vielen Bereichen so komplett anders als hier, was will ich damit erreichen, das hier zu thematisieren?

Lieber wäre mir, die Situation hier zu thematisieren. Und dann eben mit Studien und Befragungen von hier vor Ort.

Oder willst du Religionen im Allgemeinen auf der ganzen Welt betrachten? Dann müsstest du mehr Studien anbringen.


Eine Uni hier kümmert sich schon darum. Die Studie startet anfangs Oktober, da ich bei der mitmache, sitze ich um so zu sagen, an der Quelle der Zahlen. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wie mich diese Mitbürgerinnen aufnehmen

Zwischen beinah 8 Mrd. Menschen und ihren Gesellschaften ist alles Mögliche und Unmögliche vorzufinden. Ethnisch-religiöse Konflikte, Korruption, Terrorismus und politische Dysfunktionalität werden oft mit theokratischen Gesetzgebungen "ausgebügelt".


Schön, dass sich schon jemand drum kümmert, dann muss ich nicht immer auf meine private Statistik zurückgreifen.

ZitatNinnife schrieb am 23.09.2017 um 12:10:
Angst habe ich vor solchen Anachronismen nicht, denn mensch wird ganz schnell "demokratisch", wenn man ihm die Möglichkeit dazu gibt - siehe dazu Beispiel Bangladesch-


Mensch wird auch ganz schnell wieder undemokratisch.

Siehe "postdemokratische autoritäre Gesellschaftsstrukturen in Europa" , ein Stichwort aus unten verlinkter Sendung.

Rechtspopulismus - Gefahr aus der gesellschaftlichen Mitte?
http://www.br.de/mediathe [...] 100.html


23.09.2017 18:55
von:
Leothenara
Status: offline  

Vielen Dank für die engagierten Antworten und Links.

Ja, tatsächlich wird man, wenn man über die im Eingangspost gezeigten Untersuchungsergebnisse spricht, oft schnell in die rechte Ecke gestellt. Oder das Institut wird entwertet. Oder die Methode der Meinungsumfrage wird generell kritisiert oder in Teilen als nicht repräsentativ gebrandmarkt. Es scheint fast so, als könne in den Augen einiger Menschen, die sich für weltoffen und tolerant halten, nicht sein, was nicht sein darf...

Nun, selbstredend halte ich mich nicht für rechts oder versteckt rechts oder intolerant und fühle mich von solchen Vorwürfen nicht angegriffen.
Ich war vor Jahren mit einem Ägypter zusammen und durfte den Islam in Ägypten ein wenig von innen kennlernen. Dennoch haben mich die Umfrageergebnisse von Pew Research erschreckt, obwohl ich selbst am eigenen Leib erfahren habe, dass sehr einfache und liebe Menschen aus meiner SChwiegerfamilie ähnlich fundamentalistisch dachten zu den hier abgebildeten Themen. Meine persönlichen Erfahrungen in Ägypten decken sich also in weiten Teilen mit den aufgelisteten Mehrheitsmeinungen. Meine persönlichen Erfahrungen in Deutschland decken sich glücklicherweise nur zum Teil mit diesen Ansichten. Aber das bildet die Untersuchung ja auch ab.

Meine Fragen sind immer wieder, ob ich lieber schweigen soll zu dem, was ich erlebt habe und lese. Denn man eckt schnell an, wenn man darüber redet. Oder es wird lapalisiert mit: "Das sind ja nur Einzelfälle." Ich möchte nicht so behandelt werden wie Laleh Hadjimohamadvali, die vor dem gelebten Islam im Iran floh und gegen die heute wegen ihrer aus eigenem Erleben begründeten Islamkritik in Deutschland wegen Volksverhetzung ermittelt wird.



24.09.2017 09:56
von:
Antikoerperr
Status: offline  

Ich wüsste nicht, an welcher Stelle ich persönliche Erfahrungen zur Lappalie erklärt hätte. Ich finde es nur wirklich ganz schwierig, über Dinge zu reden, die weit weg passieren. Deswegen meine Frage nach Studien von hier vor Ort.

Vielleicht musst du konkreter sagen, was du damit willst. Hast du Angst davor, dass Männer mit einem frauenverachtenden Weltbild zu uns flüchten und uns ihre Regeln aufdrücken? Ich finde diese Angst durchaus berechtigt, und sie muss auch gehört werden. Man muss damit umgehen. Man muss den Männern erklären, dass es hier ein bisschen anders läuft. Meine persönliche Erfahrung ist eben auch, dass man das kann. Dass zumindest verstanden wird, dass hier die Regeln andere sind. Ob das in ein persönliches Weltbild eingebaut wird, dazu kann ich nichts sagen.

Und ja, die Islamfeindlichkeit ist ein klassischer Punkt, wo sich Rechte mit „Normalos“ treffen und es ist klassisches Eintrittstor, sich den Rechten zuzuwenden. Deswegen finde ich es wichtig, darauf hinzuweisen. Demokratie ist nicht in Stein gemeißelt, es muss nicht unsere letzte Gesellschaftsform hier sein. Gerade sehe ich viele Entwicklungen in Europa mit großer Sorge.


24.09.2017 10:06
von:
Ninnife
Status: offline  

Ich finde die Frage der Absicht (Intention) sehr wichtig bei sich selbst.

Was will ich damit, was suche ich, was brauche ich ..... ?

Wenn kein Handlungsbedarf besteht, dann kann ich mich beruhigt etwas anderes zuwenden.

Ansonsten wäre es ziemlich anstrengend, mich ständig um Probleme zu kümmern, die nicht meine sind und zu denen weder Lösungen, noch neue Einsichten geben kann / könnte.

BTW: Mal überlegt, welches % die Analphabeten in o.g. Studie ausmachen? Es gibt Studien darüber, wie das Denken bei Analphabetismus und in Feldern verläuft.

Wichtiger ist es für mich persönlich, die Gefühle hinter meinen eigenen Gedanken aufzuschlüsseln .......

editiert am 24.09.2017 10:11 Beitrag melden Zitatantwort
24.09.2017 10:16
von:
Ninnife
Status: offline  

ZitatAntikoerperr schrieb am 23.09.2017 um 14:52:

ZitatNinnife schrieb am 23.09.2017 um 12:10:

ZitatAntikoerperr schrieb am 23.09.2017 um 11:44:

Diskutieren kannst du immer alles. Ich finde es schwer mit einzelnen Studien und Schlagworten, wenn es um Dinge am anderern Ende der Welt geht. Die Lebensrealität ist in unendlich vielen Bereichen so komplett anders als hier, was will ich damit erreichen, das hier zu thematisieren?

Lieber wäre mir, die Situation hier zu thematisieren. Und dann eben mit Studien und Befragungen von hier vor Ort.

Oder willst du Religionen im Allgemeinen auf der ganzen Welt betrachten? Dann müsstest du mehr Studien anbringen.


Eine Uni hier kümmert sich schon darum. Die Studie startet anfangs Oktober, da ich bei der mitmache, sitze ich um so zu sagen, an der Quelle der Zahlen. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wie mich diese Mitbürgerinnen aufnehmen

Zwischen beinah 8 Mrd. Menschen und ihren Gesellschaften ist alles Mögliche und Unmögliche vorzufinden. Ethnisch-religiöse Konflikte, Korruption, Terrorismus und politische Dysfunktionalität werden oft mit theokratischen Gesetzgebungen "ausgebügelt".


Schön, dass sich schon jemand drum kümmert, dann muss ich nicht immer auf meine private Statistik zurückgreifen.

ZitatNinnife schrieb am 23.09.2017 um 12:10:
Angst habe ich vor solchen Anachronismen nicht, denn mensch wird ganz schnell "demokratisch", wenn man ihm die Möglichkeit dazu gibt - siehe dazu Beispiel Bangladesch-


Mensch wird auch ganz schnell wieder undemokratisch.

Siehe "postdemokratische autoritäre Gesellschaftsstrukturen in Europa" , ein Stichwort aus unten verlinkter Sendung.

Rechtspopulismus - Gefahr aus der gesellschaftlichen Mitte?
http://www.br.de/mediathe [...] ungen/pl anet-wissen/rechtspopulismus-gefahr-aus-der-g esellschaftlichen-mitte-100.html


Ja, es gab schon immer solche Pendel-Bewegungen in der Geschichte, bzw. solche Phasen so als ob die Menschheit vergessen würde, wie viel Kampf, Blut und Träne, die jetzigen Errungenschaften gekostet haben

Aber es gab noch nie so viele freien Ressourcen wie jetzt, um die dringendsten Probleme der Menschheit zu lösen ....

Und WIR waren noch nie so viele

Empört Euch und engagiert Euch!

https://de.lesarion.com/f [...] d=399713



25.09.2017 08:16
von:
Leothenara
Status: offline  

Nun, es ist prima, dass es hier Frauen gibt, die respektvoll und fair miteinander umgehen. Das war's für mich auch schon. Es freut mich wirklich. Und alles andere lasse ich beiseite.

Inhaltlich will ich ja nicht diskutieren, das wäre ein anderer Thread. Da könnte man dann im Bezug auf die aufgetretene Behauptung einmal fragen, wie denn eine moderne Interpretation der Sharia genau aussieht, z.B. im Punkt der abzuhackenden Gliedmaßen oder der Steinigung von Frauen bei Ehebruch oder auch der Todesstrafe für Muslime, wenn sie von ihrem Glauben ablassen. Das würde mich wirklich interessieren, vielleicht hätte eine dazu konkrete Beispiele einer modernen Interpretation. Aber das ist, wie gesagt, ein anderes Thema.

Wichtig war mir die Frage, wie wir miteinader umgehen. Ein Dankeschön an alle, die sich engagiert eingebracht haben.

25.09.2017 10:05
von:
Sportstute
Status: offline  

ZitatLeothenara schrieb am 23.09.2017 um 11:02:
Verschweigen? Ignorieren? Anerkennen, dass in großen Teilen der islamischen Welt eben religiös fundamentalistische Glaubensinhalte doch krass vorherrschen, obwohl natürlich in einigen wenigen geografischen Regionen auch liberale Meinungen vorkommen?


Nicht zu vergessen, diejenigen, die diese "unliebsamen" Ergebnisse zur Kenntnis bringen, zu diskreditieren, zu marginalisieren und in rechten Ecken verorten. Wurde schon mehrfach erprobt: funktioniert prima!


25.09.2017 10:29
von:
Ninnife
Status: offline  

Also, in Afrika sind 360 Mio. Frauen, deren Genitalien aufgrund patriarchalischen Vorstellungen "chirurgisch" in der Kindheit behandelt wurden.

Will sich jemand echauffieren?

Falls ja, bitte sehr ... falls nein, genauso.

Ich nehme an, dass jede hier weiß, dass ihre Energie kostbar genug ist, geschweige denn von ihrer Zeit.



25.09.2017 12:52
von:
lindenblüte
Status: offline  

ZitatSporthuhn schrieb am 25.09.2017 um 10:05:
Nicht zu vergessen, diejenigen, die diese "unliebsamen" Ergebnisse zur Kenntnis bringen, zu diskreditieren, zu marginalisieren und in rechten Ecken verorten. Wurde schon mehrfach erprobt: funktioniert prima!


Diese "unliebsamen Erkenntnisse" werden nicht erst seit IS und Boko Haram in hochoffiziellen Medien wie Tagesschau, Weltspiegel, auslandsjournal, in der FAZ, ZEIT, Le Monde Diplomatique usw. ohne Maulkorb und in aller Drastik beschrieben.

Weite Teile (Südost-)Asiens und Afrikas durchleben islamistische Bürgerkriege, bzw. eine Radikalsierung islamischer Rechtsauslegung, entweder wird das Staatsgesetz durch islamisches Recht abgelöst oder parallel geduldet. In Indonesien, Bangladesh, Nigeria, Kenia, in Iran, Irak Afghanistan und vielen anderen Staaten (oder Regionen innnerhalb von Staatsgebieten) überwacht eine Sittenpolizei den öffentlichen Raum und verhängt drastische Strafen für Händchenhalten, unislamische Kleidung und andere "Rechtsbrüche" wie Homosexualität, gern in Form öffentlicher Auspeitschung oder Steinigung.

Opposition wird unter Strafe gestellt und mund- (bzw. "richtig" ) tot gemacht. Für Menschen, die ihre Freiheit und Unversehrtheit lieben, bleibt nur Flucht und Exil, wer sein Leben liebt und Abstriche machen kann, unterwirft sich. Es gibt keine intellektuelle Schicht mehr in radikalisierten islamischen Ländern, die Aufklärung oder Umdenken bewirken kann.

Ich finde das besorgniserregend und ich denke, diese weltweite Entwicklungen kann jede*r besorgniserregend finden, egal welcher politischen Partei angehörig. Schade, dass eine rechte Partei Alleinanspruch auf kritische Betrachtung weltweiter islamistischer Tendenzen beansprucht und dass von den Intellektuellen dieses Landes kaum noch Positionen zu internationaler Politik zu vernehmen sind.

editiert am 25.09.2017 12:55 Beitrag melden Zitatantwort
25.09.2017 13:04
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Zitatlindenblüte schrieb am 25.09.2017 um 12:52:

(...)
...dass von den Intellektuellen dieses Landes kaum noch Positionen zu internationaler Politik zu vernehmen sind.


Empfindest du es so? Was würdest du dir wünschen? Von meiner Seite wuerde ich mir wünschen, dass autoritären Regimen und patriarchalischen Hinterwäldlern politisch/diplomatisch das Wasser abgegraben wird. Aber, dies geschieht nicht mal bei einem Erdogan oder Orban.

25.09.2017 13:49
von:
lindenblüte
Status: offline  

ZitatWeirdo2013 schrieb am 25.09.2017 um 13:04:
Zitatlindenblüte schrieb am 25.09.2017 um 12:52:

(...)
...dass von den Intellektuellen dieses Landes kaum noch Positionen zu internationaler Politik zu vernehmen sind.


Empfindest du es so? Was würdest du dir wünschen? Von meiner Seite wuerde ich mir wünschen, dass autoritären Regimen und patriarchalischen Hinterwäldlern politisch/diplomatisch das Wasser abgegraben wird. Aber, dies geschieht nicht mal bei einem Erdogan oder Orban.


Gute Frage, was ich mir wünschen würde... Es ist heutzutage ohnehin schwierig eine öffentliche politische Position, gerade zu Religion, jenseits von Parteien- und Fraktionsschutz zu vertreten, weil jeder Mensch selbst mit vernünftigen und hassfreien, dezidierten Positionen (egal welcher Tendenz) sofort Shitstorms, Unterstellungen und Morddrohungen ausgesetzt ist (auch egal aus welcher Richtung). Sich öffentlich mit eigenem Namen zu äußern, verlangt ein Mega-Dickes-Fell - und daher bewundere ich Menschen wie Dunja Hayali oder Carolin Emcke sehr.

Debatten über Islam tendieren selbst in Deutschland und selbst unter Muslimen und Muslima zu Zerwürfnissen; und egal, wie man sich als Aussenstehende positioniert, es wird einem ganz schnell Tendentialismus unterstellt (zu Islam-freundlich, zu Islam-feindlich, zu links, zu rechts, falsche Auslegung der Schriften, zu wenig Kenntnis der Geschichte, zu undifferenziert, zu differenziert, zu verallgemeinernd, zu speziell auf Einzelfälle ausgerichtet.)

Eigentlich wäre eine Neuauflage von Religionskritik (allgemein) und eine Renaissance des Humanismus nötig. Allerdings wird eine*r*m nun (vielleicht zu Recht) vorgehalten, dass die Position der Aufklärung eine rein europäische ist, und dass Europa historisch ja gerade dabei ist zu zerfallen, somit auch die Aufklärung. Die Freiheit, die sich in Europa entwickelt hat, könnte tatsächlich langfristig davor stehen, unterzugehen, und dies nicht nur aufgrund weltweiter Einflüsse, sondern sogar von innen heraus. Das Thema ist wohl insgesamt die Dialektik der Aufklärung und ob es überhaupt noch eine Rettung für die Ideen der Aufklärung gibt.

25.09.2017 16:17
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Zitatlindenblüte schrieb am 25.09.2017 um 13:49:

(...)
Eigentlich wäre eine Neuauflage von Religionskritik (allgemein) und eine Renaissance des Humanismus nötig
(...)


Sehr gerne, meine Stimme hast du Unsere Zeit bietet alles. Informationen auf Knopfdruck, Meinungen in Massen, unterschiedlichste geistige Fuehrer - Und dennoch scheinen viele orientierungslos zu sein.

editiert am 26.09.2017 14:05 Beitrag melden Zitatantwort
26.09.2017 10:12
von:
Ninnife
Status: offline  

Ich fände sinnvoller*, sich manche aktuellen Wahlergebnisse anzuschauen...

Die könnten erwiesenermaßen auch darüber Auskunft geben, wie und warum manche Verläufe möglich sind - sogar in hochentwickelten Gesellschaften! -

*Sinnvoller nur, weil es bei religiösen Einstellungen (wie bei allen (Teil-)Identitäten) - egal welcher Art - nicht viel zu tun ist, weder informieren, noch bekämpfen .... von außen.

Ein Beispiel dafür ist die engagierte Islam-Religionspädagogin in Dinslaken, deren fünf Schüler in den Dschihad zogen.

https://www.waz.de/staedt [...] 263.html

Oder, wie auch Zimbardo sagt: „Nicht die Äpfel sind faul, sondern das Feld.“

Anders ist es natürlich für diejenige, die mit manchen Gruppierungen hier arbeiten. Da ist der Ausgleich zum alltäglichen Stress gewiss eine bewundernswerte Herausforderung.



27.09.2017 11:05
von:
lisa3x29
Status: mobile  

ZitatLeothenara schrieb am 23.09.2017 um 11:02:

Wie geht ihr mit Resultaten von seiösen und neutralen Meinungsforschungsinstituten um, die "unliebsame" Ergebnisse in ihren Recherchen erhalten haben, die sie selber in dem Ausmaß nicht erwarteten?

http://www.pewforum.org/2 [...] e-worlds -muslims-religion-politics-society-overview/

http://www.pewforum.org/2 [...] e-worlds -muslims-religion-politics-society-morality/

http://www.pewforum.org/2 [...] e-worlds -muslims-religion-politics-society-women-in-s ociety/

http://www.pewforum.org/2 [...] e-worlds -muslims-religion-politics-society-beliefs-ab out-sharia/

Diskutieren? Verschweigen? Ignorieren? Anerkennen, dass in großen Teilen der islamischen Welt eben religiös fundamentalistische Glaubensinhalte doch krass vorherrschen, obwohl natürlich in einigen wenigen geografischen Regionen auch liberale Meinungen vorkommen?


Ich würde mal sagen, dass es bei seriösen und unabhängigen Studien keine "unliebsamen" Ergebnisse gibt. Ergebnis ist Ergebnis
Aber als Konsument, glaube ich, ist es wichtig sich die Studie genau anzusehen. Nicht nur wer sie gemacht hat, sondern auch wie sie ausgeführt wurde und ob die Schlussfolgerungen, die gezogen werden, überhaupt gezogen werden können (zum Beispiel kann man aus einer Studie über Muslime nicht schlussfolgern, dass Christen weniger fundamental sind, dazu müsste man vergleichen)
Bei dem konkreten Beispiel fällt mir zum Beispiel direkt auf (habs nur überflogen), dass zwar im ersten Absatz gesagt wird, dass Muslime Sharia-Gesetz unterschiedlich interpretieren aber es wird nicht weiter darauf Rücksicht genommen und es wird nicht auf unterschiedliche Glaubensrichtungen eingegangen. Außerdem glaube ich, dass andere kulturelle Aspekte die Antworten beeinflussen könnten. Das müsste man alles testen.
Und mich würde interessieren ob sich mittlerweile was verändert hat.
Also wie gesagt, ich denke, man muss immer etwas Zeit und Gehirn investieren

29.09.2017 11:58
von:
Antikoerperr
Status: offline  

ZitatLeothenara schrieb am 25.09.2017 um 08:16:

...

Inhaltlich will ich ja nicht diskutieren, das wäre ein anderer Thread.
...

Wichtig war mir die Frage, wie wir miteinader umgehen.
...


Für mich keine neue Erfahrung, in diesem Forum auf dem Schlauch zu stehen. Auch hier weiß ich wirklich wieder nicht, was du sagen möchtest. Was ist die Fragestellung, Zielrichtung des EPs?

Es gibt so unglaublich viele Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten auf der Welt, ich wäre vermutlich mehrere Tage beschäftigt, wollte ich nur das alles aufschreiben, was mir spontan in den Kopf kommt. Es muss doch irgendeinen Bezug geben, wenn ich etwas zum Thema mache, oder nicht?

Vielleicht kannst du es noch einmal präzisieren? Denn aus „Wichtig war mir die Frage, wie wir miteinader umgehen.“ lese ich nur den Vorwurf, dass du etwas nicht sagen darfst, was dir aber unter den Nägeln brennt. Das wäre dann ja eher kein News-diskutieren-Thread.



29.09.2017 12:14
von:
Pflaenzchen
 

Zitatlisa3x29 schrieb am 27.09.2017 um 11:05:

Aber als Konsument, glaube ich, ist es wichtig sich die Studie genau anzusehen. Nicht nur wer sie gemacht hat, sondern auch wie sie ausgeführt wurde und ob die Schlussfolgerungen, die gezogen werden, überhaupt gezogen werden können.


Genau so ist es. Die Studie selbst, nicht nur eine verkürzte, auszugsweise Präsentation der möglicherweise möglichen Schlüsse, was JEDE Veröffentlichung darÜBER notwendigerweise ist - manch eine gewissenhafter, manch eine sorgloser, reißerisch bis hin zu Einseitigkeiten und gröbsten Fehlschlüssen.

Wenn Du ganz sicher wissen willst, was überhaupt Ergebnisse einer Studie waren, (und welches Ziel sie überhaupt hatte...) und wie die zu beurteilen sind; ob die einen Erkenntnisgewinn über das ForschungsOBJEKT oder nur über (das F.ssubjekt,) die Forschenden, ihre Methodik bringen, dann mußt Du Dir die vollständige und gewissenhafte Dokumentation der Studie beschaffen und durcharbeiten.




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