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Geister aus der Vergangenheit...

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14.01.2018 03:07
von:
Quinn7
Status: mobile  

Hallo,

mich interessiert, wie man Gedanken an Menschen aus der Vergangenheit abstellen kann? Bzw. mit Dingen abschließen kann? Ich versuche, nicht zu weit auszuholen, aber ein wenig Kontext muss ich liefern:

Vor mehr als zwei Jahren zerbrach der Kontakt mit meiner damals besten Freundin.
Der Auslöser war auch an sich nichts Großes. Sie hatte mich versetzt. Wieder Mal. Und das auch sehr kurzfristig (hätte ich sie nicht angeschrieben, ob sie schon unterwegs sei, ich hätte mich dumm und dämlich gestanden am Treffpunkt)
Damals hatte sie eine schwere Lebensphase und ich hatte ein paar Kleinigkeiten besorgt, um ihr zu zeigen, dass ich für sie da bin. Die wollte ich ihr bei dem Treffen geben.
Ich hatte sogar meine Arbeitszeiten an dem Tag so geplant, dass es ihr zeitlich passt. Sie hatte auch fest versprochen, dass sie auf jeden Fall Zeit haben wird. Doch dann kam eben total kurzfristig wieder eine SMS, dass sie nicht kann und dass etwas dazwischen gekommen ist. Ich hatte dann gehofft, dass sie dann abends anruft und mir erzählt, was passiert war, aber die nächsten paar Tage kam nichts. Erst am Montag dann eine Nachricht, in der sie hoffte, dass ich nicht allzu sauer auf sie war. Ich wollte dann natürlich erst wissen, warum sie wieder abgesagt hatte. Und als ich den Grund gelesen habe, wurde ich richtig wütend. Sie schrieb, dass sie mit ihrem Freund "spontan" entschieden hatten nach Bulgarien zu fahren. Wir hatten an einem Donnerstag um 23 Uhr telefoniert und uns für 12:30 am darauffolgenden Freitag verabredet. Egal, wann sie diesen "spontanen" Entschluss gefasst haben, ich finde, dass man 2 min für eine SMS hätte finden können, um kurz zu sagen, dass man nicht kann.
Als sie sich dann eben erst am Montag gemeldet hat und - wie ich finde - auch nicht wirklich durchscheinen lies, dass es ihr Leid tut, habe ich ihr einfach gesagt, dass ich es blöd finde, dass sie sich immer nur danach richtet, was ihr Freund plant. (Der Trip war seine Idee)
Es kam auch schon oft vor, dass ich zu hören bekam " Ich muss erst gucken, was E. macht. Wenn er nichts geplant hat, habe ich Zeit."
Warum kann man nicht auch in einer Beziehung ein eigenständiger Mensch bleiben? Wieso mutieren viele dann zu einer Art Symbiose oder gar siamesischen Zwilling..?

Tagelang war dann Funkstille. Aus Tagen wurden Wochen. Als dann meine Wut und mein Ärger abebbten, fing ich an alle Situationen, in denen sie mich versetzt hatte, nochmal vor meinem geistigen Auge abzuspielen. Und ich erkannte, dass sie und ich unterschiedliche Ansichten hatten zum Thema Freundschaft. Sie ist der Typ "wenn ich Zeit habe" wohingegen ich der Typ "ich nehme mir die Zeit" bin.

Das Traurige an Allem: zu dem Zeitpunkt waren wir schon über 10 Jahre befreundet. Sie hatte sich mit jeder neuen Beziehung immer mehr verändert und irgendwie auch distanziert. Ich hatte mit ihr auch Gespräche darüber geführt, dass sie dann anders war, und sie war froh, dass ich es ihr sagte.

Im Prinzip haben wir uns super verstanden und hatten in den ganzen Jahren nie einen richtigen Streit. Bis zu dieser Sache 2015, als mir der Kragen geplatzt bzw. die Schuppen von den Augen gefallen sind.

Und nun zu meiner eigentlichen Frage: wieso ist es so, dass ich immer noch an sie denken muss? Ich will keinen Kontakt mehr zu ihr. Es würde sich einfach nichts ändern, die Probleme wären die selben.

Ich weiß auch nicht wirklich was ich mir hiervon erhoffe, aber vielleicht hilft dieses "Auskotzen" hier, die Sache etwas besser zu verarbeiten.

Danke an Alle, die bis hierhin gelesen haben und ggf. ein paar Tipps oder so haben.


14.01.2018 03:22
von:
Quilma
Status: offline  

Hallo, tut mir leid für dich, dass die Freundschaft für dich nicht mehr tragbar ist. Ich habe das auch mit einer sehr langen Freundin erlebt und denke auch immer wieder mal an sie. Mir hat geholfen damit emotional besser zurecht zu kommen, wenn ich denn mal wieder an sie denke, dass ich mir vor Augen führe, warum ich diese Grenze gesetzt habe und sage mir, dass das für mich nunmal so besser und das auch ok ist. Natürlich waren da auch viele Dinge in der Freundschaft die mir dann gefehlt haben. Kein Mensch, den man mal gern hatte, ist ersetzbar, doch man kann die Dinge, die man in einer Freundschaft mal teilte auch mit anderen neuen Menschen teilen...das dauert eben eine gute Weile, bis man dafür bereit und für diese neuen Menschen offen ist.

Alles Gute

14.01.2018 03:27
von:
Pflaenzchen
Status: offline  

ich hätte auch gern Tips zum aktiven vergessen - verdrängen...

----

das ist doch kein Wunder, nach 10 Jahren, Dein Gehirn hat sich so lsng daran gewöhnt, daß sie in Deinem Leben ist...

und erwartest Du denn, sie wirklich völlig zu vergessen? das klänge mir ganz unnatürlich...

aber weniger schmerzhaft wird es mit der Zeit i.d.R. schon

...sie "ersetzen" quasi, könnte helfen...


hast Du "genug" um sie getrauert?


ich wünsche Dir warme neue Menschen



14.01.2018 04:16
von:
geheimgangste..
Status: offline  

meine "mitten in der Nacht brainfog Spontangedanken", keine Ahnung ..viell. völlig am Thema vorbei..

Das Bild mit der Geistererscheinung finde ich sehr passend.. da Geister ja rumspuken, wenn Konflikte ungelöst sind..
Ich gehe zur Zeit mit meinen Geistern so um... als erstes mach ich mir klar, dass der Geist immernoch vor allem anderen ein Mensch ist, den ich mag/liebe/schätze /respektiere.
Ich stelle mir die Frage, muss ich alles neu aufrollen und will ich den Geist nochmal materialisieren? In echt in meinem Leben haben ( du sagst nein, bin mir nicht sicher, ob du das ernst oder trotzig meinst)

Dass ich diesen Menschen geliebt oder gemocht habe, bedeutet für mich, dass ich ihm irgendwann verzeihe (wir reden ja hier nicht von Kapitalverbrechen) und dass ich mir wünsche, dass er mir verzeiht , was ich verbockt habe.
Letzteres kann man aber nicht erzwingen, mir hilft es, dass ich mit mir im Reinen bin, dass ich es aufrichtig bedaure und die Hand zum Friedens- Angebot, ausstrecke ohne etwas zu fordern.
Danach stellt sich evtl nochmal die Frage nach dem Loslassen oder Neuanfang (vielleicht hast du dich ja doch noch nicht ganz von dem (unterbewußten) Gedanken/Wunsch gelöst, den Kontakt doch wiederaufleben zu lassen)
Im Falle des Loslassens: sich fragen, warum das "im Kopf rumgeistern" immernoch negativ empfunden wird.
Irgendwann wird mir bewußt, dass dieser Mensch in der Gesamtheit betrachtet für mich nicht nur aus dem Anteil besteht, was er evtl zum Schluss Blödes mit mir gemacht hat, oder was einfach nicht gepasst hat Zu meinem eigenen Seelenwohl und Glücklichsein gebe ich allen anderen Anteilen, den schönen, allen guten Erinnerungen das Hauptgewicht und das Spuken wird zum angenehmen, evtl noch wehmütigen, aber positiven Erinnnern und wärmt mein Herz.

Manchmal mußte ich sogar irgendwann lachen, weil ich mir selber albern dabei vorkam in Endlosschleife gedanklich einem Menschen immer wieder irgendeine fucking Verfehlung vorzuwerfen. Wenn man sich ernsthaft in einer Eitelkeitsmauer des Nachtragens einzementiert, und nach Aeonen immer noch von dem brennenden Wunsch zerfressen wird , Recht zu bekommen und zerknirscht um Verzeihung gebeten zu werden, oder beschworen zu bekommen, dass man sich nun "bessert", hat man es wohl nicht anders verdient als von Geistern heimgesucht zu werden.

Wenn es manifestierte Trauer ist, dass der andere sich nicht demenstprechend ändert, wie man ihn haben möchte, dann muss man sicher gründlich über seine eigenen Bedürfnisse nachdenken, bzw darüber, dass die durchaus legitim sind, aber dass kein Mensch verpflichtet ist, sie zu erfüllen, dass man eben im Leben immer suchen und checken muss, mit wem es passt , wo es einfach fluppt mit dem Geben und Nehmen und Wohlfühlen..

ach und der Soundtrack dazu:
Thomas D - Uns trennt das Leben

https://www.youtube.com/w [...] 6PzTbtDM



editiert am 14.01.2018 04:26 Beitrag melden Zitatantwort
14.01.2018 09:00
von:
Nemesis12
Status: offline  

Meine Erfahrungen diesbezüglich: Zerbricht die Freundschaft oder auch Beziehung und man hat das Gefühl, dass der Streit, Konflikt nicht richtig abgeschlossen ist, fällt es schwer, dass man selber abschließt. Es gibt immer wieder Fälle, in dem man sich nicht miteinander auseinander setzen konnte, der Konflikt, gefühlt nicht ausreichend geklärt bzw. zur Sprache gebracht werden konnte. Oder aber man hat miteinander gestritten aber im Nachhinein ist das Gefühl da, dass noch viel zu sagen wäre oder man selber in dem Streit den Kürzeren gezogen hat. Dabei ist es egal, ob das objektiv tatsächlich so ist. Es geht um subjektive Gefühle.
Es ist als ist hinter der Geschichte kein Punkt, kein Abschluss gesetzt und das hängt im Unterbewußtsein fest.

Helfen kann, sich eingehend mit dem Thema zu befassen, Sich Zeit zu nehmen und in irgendeiner Form den Schlußstrich selber zu ziehen. Schreib Deine Gedanken zu der Freundschaft in einem Brief an sie. Der Brief hat nicht das Ziel abgeschickt zu werden, so dass sie ihn liest. Schreib alle Gedanken, Gefühle hinein. So als stände sie vor Dir und Du hättest die Möglichkeit ihr das ins Gesicht zu sagen. Ist alles gesagt, kannst Du den Brief aufheben oder symbolisch verbrennen. Und schau, ob es geholfen hat. Wobei es eine Zeit dauern kann, bis der Abschied im Unterbewußtsein auch ankommt.

14.01.2018 12:28
von:
Minerva_
Status: offline  

Einen Brief zu schreiben find ich auch eine gute Idee. Danach kannst Du ihn behalten, verbrennen, vergraben, per Flaschenpost auf die Reise schicken, was auch immer. Vielleicht aber hast Du eine ganz andere Idee für ein Ritual.
Das kann helfen, etwas zum Abschluss zu bringen.



14.01.2018 12:29
von:
Fuzzylogic
Status: offline  

ZitatQuinn7 schrieb am 14.01.2018 um 03:07:

Hallo,

mich interessiert, wie man Gedanken an Menschen aus der Vergangenheit abstellen kann? Bzw. mit Dingen abschließen kann?

...

Und nun zu meiner eigentlichen Frage: wieso ist es so, dass ich immer noch an sie denken muss? Ich will keinen Kontakt mehr zu ihr. Es würde sich einfach nichts ändern, die Probleme wären die selben.

Ich weiß auch nicht wirklich was ich mir hiervon erhoffe, aber vielleicht hilft dieses "Auskotzen" hier, die Sache etwas besser zu verarbeiten.

Danke an Alle, die bis hierhin gelesen haben und ggf. ein paar Tipps oder so haben.


Ich kann es nicht, weder Gedanken abstellen noch mit Menschen abschließen. Deshalb hab ich dafür auch keine Tipps.
Ich weiß nur, dass es mir in so einer Situation hilft, den betreffenden Menschen noch einmal zu treffen. Oder auch öfter. Dann passiert etwas, das so ähnlich ist wie "mit Dingen abschließen", aber eben doch auch anders: Ich merke, wie unser Verhältnis im Moment bei der neuen Begegnung ist, kann die Veränderung registrieren und sehe dadurch klarer, was von früher noch da ist und was nicht - und was evtl. neu. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass ich nicht mehr alleine in meinem Kopf die Dinge durchspiele, sondern sie sich in dieser realen Begegnung besser sortieren. Und der Fokus ist ein anderer, ich finde es auch spannend zu sehen, wie sich dieser Mensch verändert hat.
Kurz: Es hilft mir, von "alten" schwierigen Situationen wegzukommen.

Willst du unter keinen Umständen mehr Kontakt zu ihr?
Oder nur nicht mehr den alten Kontakt als beste Freundin, weil der in dieser Form nicht funktionierte? Dann gäbe es ja die Möglichkeit, einen anderen/neuen Kontakt herzustellen zu schauen, was zwischen euch heute funktioniert (und was immer noch nicht). Und vielleicht hat sie sich ja in den zwei Jahren nicht grundlegend, aber ein kleines bisschen verändert?

Alles Gute!



17.01.2018 19:52
von:
Quinn7
Status: mobile  

Vielen Dank für die lieben Worte von euch!

Ich weiß auch nicht, warum es immer noch - teilweise recht oft - vorkommt, dass ich an besagte Freundin denken muss. Komischerweise empfinde ich dabei aber keine Art Trauer oder sonstiges. Die Bilder und Gedanken tauchen auf, bleiben kurz und sind dann wieder weg. Klar gibt es noch andere Menschen aus der Vergangenheit, an die man mal denkt und sich fragt, wie deren Leben heute so aussieht.

Nur nervt mich eben, dass ich so oft an diese bestimmte Freundin denken muss und aber nicht weiß, warum das so ist.

Kontakt will ich keinen - und das sage ich nicht aus Trotz (nach beinahe drei Jahren ist man nicht mehr trotzig^^)

Aber die Idee mit dem Brief finde ich gut und müsste ich mal ausprobieren.



17.01.2018 20:18
von:
arco-iris75
Status: mobile  

Vielleicht werden Deine Gedanken an sie durch Erinnerungen ausgelöst. Und diese wiederum völlig unbewusst durch alles Mögliche: einen Geruch, eine Silhouette, eine Geste, eine Situation, einen Ort ...
In den Jahren der Freundschaft habt Ihr viele Erlebnisse geteilt (wahrscheinlich auch viele schöne), da wäre es eher komisch, wenn nie Erinnerungen/Gedanken hochkommen.
Eine Frage ist, was dann passiert: bist Du traurig, wütend, wehmütig...? Dich an die schönen Zeiten ohne Groll zu erinnern und gleichzeitig wertzuschätzen, dass Deine Entscheidung gegen diese Art der Freundschaft eine Entscheidung für Dich und Deine Werte war könnte ein Weg sein, damit umzugehen.
Ich wünsche Dir, dass Du so viele gute Freundschaften in gesunder Balance von Geben und Nehmen findest, wie Du brauchst.

17.01.2018 20:19
von:
arco-iris75
Status: mobile  

Vielleicht werden Deine Gedanken an sie durch Erinnerungen ausgelöst. Und diese wiederum völlig unbewusst durch alles Mögliche: einen Geruch, eine Silhouette, eine Geste, eine Situation, einen Ort ...
In den Jahren der Freundschaft habt Ihr viele Erlebnisse geteilt (wahrscheinlich auch viele schöne), da wäre es eher komisch, wenn nie Erinnerungen/Gedanken hochkommen.
Eine Frage ist, was dann passiert: bist Du traurig, wütend, wehmütig...? Dich an die schönen Zeiten ohne Groll zu erinnern und gleichzeitig wertzuschätzen, dass Deine Entscheidung gegen diese Art der Freundschaft eine Entscheidung für Dich und Deine Werte war könnte ein Weg sein, damit umzugehen.
Ich wünsche Dir, dass Du so viele gute Freundschaften in gesunder Balance von Geben und Nehmen findest, wie Du brauchst.

18.01.2018 19:04
von:
Betzy79
Status: mobile  

Ich habe mal Ähnliches nur schwer loslassen können. Dabei ging es auch um eine vergangene Freundschaft, die ich nicht richtig loslassen konnte. Letztlich hat mir geholfen, was eine Freundin dazu sagte. Ein einziger Satz, der es mir ermöglichte loszulassen. Ich würde vielleicht heute noch von dieser Freundin träumen und traurig sein, wenn es nicht irgendwann "Klick" gemacht hätte.
Ein Rezept für's Loslassen gibt's wohl nicht. Ich drücke dir die Daumen, dass du es schaffst!


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