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Verlangen (4)

von Any1217


Teil 4

Ich schreckte auf, als ich eine Tür ins Schloss fallen hörte. Thomas war wohl nach Hause gekommen, dämmerte es mir als ich mich verschlafen von der Couch aufrappelte. Ich musste eingedöst sein, der Tag im Schwimmbad war wohl doch anstrengender als gedacht. Zudem hatte ich ja die Nächte vorher kaum geschlafen. "Hallo Schatz, bist ja noch gar nicht im Bett." "Hmm, bin auf der Couch eingeschlafen" murmelte ich und wollte mich auf den Weg ins Bad machen um dann möglichst schnell ins Bett zu verschwinden. "Also ich wollte nochmal mit dir sprechen Lena." setzte Thomas an. Ohne abzuwarten redete er weiter "Ich finde es nicht gut, dass du Mia heute hast schwänzen lassen. Sie muss doch lernen, dass es Pflichten gibt." Jetzt fing das schon wieder an. Er, der kaum zu Hause ist, will mir vorschreiben wie ich mich um Mia zu kümmern habe. "Von Pflichten redest du? Meine Güte Thomas, es geht hier um einen Tag im Kindergarten! Du hast ja keine Ahnung, wie voll das da sonst Nachmittags immer ist!" "Dennoch muss sie begreifen, dass man nicht einfach machen kann, was man will. Das müsste dir doch klar sein" antwortete er in seinem belehrenden Ton. Ich wurde ziemlich wütend, warum machte er zu so später Stunde noch so einen Wind um eine solche Kleinigkeit? "Und dir müsste klar sein, dass du als Vater NICHT deinen Pflichten nachkommst. Mia sieht dich kaum, weil du vor lauter Arbeit ja nie Zeit hast dich mit deiner Tochter zu beschäftigen!" "Komm mir nicht so" wetterte Thomas zurück. "Schließlich muss ja einer das Geld verdienen - du mit deinem Bürojob kannst ja nicht viel beisteuern!" Bevor mir der Kragen platzte, ging ich wutentbrannt ins Bad, ohne noch ein Wort zu sagen. Mir standen Tränen in den Augen. Vor Wut und Zorn. Aber auch weil es mich traurig machte, dass Thomas mir keine Anerkennung schenkte. Für ihn war ich die Hausfrau und Mutter, die viel Freizeit hat und in der Kindererziehung die Zügel viel zu lose in der Hand hielt. Ähnliche Streitereien hatten wir schon öfter und jedes Mal hatte ich das Gefühl, ihm nicht sonderlich viel wert zu sein. Auch wenn er sich am nächsten Tag oft per SMS entschuldigte, das schlechte Gefühl blieb. Ich putzte Zähne und ging ins Bett. Thomas saß glücklicherweise im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Kurz dachte ich noch an den Streit von gerade, als ich auch schon einschlief.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte ich den Duft von frischem Kaffee in der Nase. Ich ging nach unten und fand Thomas und Mia in der Küche. Diesen Samstag hatte sich Thomas frei gehalten um sich mal wieder ausgiebiger um seine Familie kümmern zu können. Wie er da so saß und mit Mia, die ein Nutella verschmiertes Gesicht hatte, herum alberte, war schön zu sehen. Solche Momente waren leider viel zu selten. Mein Ärger über den Streit gestern Abend verflog schnell und ich setzte mich gut gelaunt an den Frühstückstisch.

Es war schon bald Mittag, da klingelte Thomas Diensthandy. Er ging zum telefonieren nach draußen, man hörte ihn aber immer wieder lauter werden. Das konnte ja nichts gutes heißen, ich rechnete schon damit, dass er gleich weg musste um "eine Kleinigkeit" zu regeln, die dann letztendlich doch so groß ist, dass er erst spät in der Nacht zurück kommt. Und ich sollte recht behalten. Kurze Zeit später kam Thomas mit hochrotem Kopf wieder rein und erzählte was von falschen Lieferungen, dem neuen Großprojekt und wichtigen Terminvereinbarungen für die kommende Woche. Es sei sehr dringend und es täte ihm leid. Ein kurzer Kuss und schon war er weg. Mia wirkte sehr unglücklich. "Ach Schatz, wir machen uns trotzdem einen tollen Nachmittag! Soll ich Marie mal fragen ob sie Lust hat rüber zu kommen?" zwinkerte ich ihr zu und versuchte meine eigene Enttäuschung zu verbergen.

So kam es, dass wir uns Nachmittags mit Marie und Manu auf dem Abenteuerspielplatz trafen. Mia war schnell darüber hinweg gekommen, dass ihr Vater sie mal wieder versetzt hatte. Zum Glück hatte Marie sie super abgelenkt und war auf jeden Baum und jedes Gerät mit geklettert. Ich unterhielt mich währenddessen mit Manu. "Und, was steht bei euch morgen an?" fragte ich sie. "Ach, nichts besonderes - Marie hat Frühdienst und ich werd wohl mal wieder die Bude auf Vordermann bringen" Auch wenn ich zu Anfang mit Manu gut aus kam, so entstanden jetzt doch große Pausen - viel zu erzählen hatten wir uns nicht. So beobachteten wir die Kleinen beim Spielen und schwiegen uns an.

Es war schon später Nachmittag, da kamen Mia und Marie erschöpft zu uns. Beide mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Wie schön, die beiden so glücklich zu sehen. Als Marie sich ganz nah neben mich fallen lies, mischte sich wieder dieses Kribbeln in meine Gefühlswelt. Etwas verlegen rückte ich ein wenig, um Marie mehr Platz zu lassen. Erst jetzt merkte ich, dass Manu und Marie heute etwas distanzierter voreinander waren. "Mama, kann Marie mich heute ins Bett bringen?" fragte Mia. "Mein Schatz, ich weiß nicht. Marie muss sich bestimmt ein wenig ausruhen und morgen muss sie arbeiten." Mia sah flehend erst zu mir, dann zu Marie. "Ach, klar kann ich das Mia - mach ich gern!" sagte sie und wandte sich zu mir. "Also wenn ich darf" zwinkerte sie mir zu. "Natürlich" - "Dann sehen wir uns später - ich komm dann gegen 19 Uhr rüber, ja? Muss vorher unbedingt noch duschen nach diesem anstrengenden Nachmittag" lachte Marie.

Wie erwartet war Thomas noch nicht zu Hause als wir wieder kamen. Ich machte uns Abendbrot und freute mich schon darauf, Marie nochmal zu sehen. Kurz nachdem wir gegessen hatten, klingelte es auch schon an der Tür. "Hey Marie, schön das du da bist" begrüßte ich sie und nahm sie in den Arm. Sie duftete so gut, ihre Wangen waren noch leicht gerötet und warm vom duschen. Ich drückte sie für einen kurzen Moment noch etwas fester an mich und seufzte fast lautlos. Marie schien es dennoch bemerkt zu haben und strich mit ihrer Hand sanft meinen Rücken entlang. Ich bekam Gänsehaut und musste schneller atmen. Das Verlangen begann wieder zu erwachen und es flackerten Bilder der kaum bekleidete Marie, die sich mit ihrem nassen Bikini auf mich legt, vor meinem inneren Auge auf. Noch bevor ich weiter denken konnte und womöglich noch die Beherrschung verlor, quetschte sich Mia zwischen uns und quiekte freudig. "Hallo Marie, bringst du mich jetzt ins Bett? Kannst du mir noch was vorlesen? Biiiitte" gluckste sie. Wir lösten unsere Umarmung und ich bildete mir ein, dass Maries Wangen noch ein wenig mehr erröteten. "Na dann komm" sagte Marie, nahm Mia an der Hand und verschwand mit ihr im Kinderzimmer.

Über eine Stunde später kam Marie die Treppe herunter geschlichen. Sie setzte sich nah neben mich auf die Couch. "Zähne wurden ordentlich geputzt, Schlafanzug brav angezogen, es würde sich auch hinter den Ohren gewaschen und vor Erschöpfung ist Mia noch beim vorlesen der Geschichte eingeschlafen" meldete Marie und hielt ihre Hand flach an die Stirn wie ein Soldat. "Super, vielen Dank! Möchtest du noch ein Glas Wein mit mir trinken oder wirst du drüben erwartet?" Marie wirkte etwas unglücklich nachdem ich das fragte. Hatte ich was falsches gesagt? Noch bevor ich weiter überlegen konnte antwortete sie "Ich bleibe gern noch etwas länger. Einen Wein mit dir lasse ich mir doch nicht entgehen!" zwinkerte sie und der leicht unglückliche Ausdruck auf ihrem Gesicht verschwand.

Wir hatten bereits die zweite Flasche zur Hälfte leer getrunken, da erzählte Marie, dass Manu keine Kinder möchte. Jetzt kam wieder der unglückliche Gesichtsausdruck zum Vorschein. Diesmal unverhohlen und intensiv, Tränen glitzerten in Marie's Augen. "Dabei möchte ich unbedingt Kinder. Auch wenn das nicht ganz so einfach ist, möglich ist es!" Jetzt kullerte ihr eine einzelne Träne die Wange hinunter. Ich schluckte und wusste nicht so recht, was ich sagen sollte. Ich sah ja, wie gut Marie mit Kindern umging und wie glücklich sie dabei war. Es machte mich selbst ganz traurig sie so zu sehen. Ohne noch länger zu zögern nahm ich sie in den Arm und drückte sie zärtlich an mich. Sanft strich ich ihr über den Rücken. Diesmal spürte ich kein Kribbeln - es war etwas anderes. Es schien als würde mein Herz implodieren wollen. Ich wollte ihr so gern helfen, sie unglücklich zu sehen versetzte mir einen Stich ins Herz. Nur wusste ich, dass ich ihr nicht helfen konnte. Ohne Vorwarnung schob Marie plötzlich ihre Hand leicht unter mein Shirt und berührte meinen Rücken mit ihren Fingerspitzen. Ich bekam Gänsehaut und schlagartig war es nicht nur das bekannte Kribbeln. Es war viel ehr, als hätte mich ihre Berührung unter Strom gesetzt. Mir wurde heiß und ich begann tiefer und schneller zu atmen. Ich schmiegte meinen Kopf näher an ihren Hals und sog ihren Geruch ein. Mir war ein wenig schwindlig - ob vom Wein oder von ihr, vermochte ich nicht zu sagen. Wir verharrten in unserer Umarmung, ich strich ihr weiter über den Rücken, sie strich mir jetzt sanft mit ihren Fingerspitzen die Seite entlang. Als ich merkte, wie auch Marie schneller zu atmen schien, musste ich kurz aufstöhnen. Oh nein, was passierte hier? Keiner von uns beiden wagte es, sich aus der Umarmung zu lösen, geschweige denn noch weiter zu gehen. Würde sie überhaupt weiter gehen wollen? Lag es am Alkohol? Bildete ich mir gerade zu viel ein? So viele Fragen. Und dann.. Nichts. Ich schloss die Augen, hörte auf zu denken und genoss den Augenblick. Ich weiß nicht, wie lange wir so verharrten, uns gegenseitig wie paralysiert über den Rücken strichen und uns im Arm hielten.

Als wir einen Schlüssel an der Tür klappern hörten, stoben wir verschämt auseinander. Ich sah verlegen zu Boden, Marie stand auf und ging Richtung Tür. Thomas kam herein. "Oh, hey Marie - so spät noch hier?" "Äh, ja. Wollte gerade gehen. Bis dann Lena." sagte sie ohne sich umzudrehen und verließ das Haus. Ich blieb zurück, übermannt von Gefühlen die ich nicht einordnen konnte und wollte. Ohne mich dagegen wehren zu können, fing ich wieder an zu denken - Schlaf würde ich wohl auch diese Nacht kaum finden...



Fortsetzung folgt ;) über Feedback würde ich mich freuen!






copyright © by Any1217. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.



Kommentare


- Verlangen
Du schreibst echt so toll
Nirgendeine - 11.02.2017 20:49
- Verlangen
 
wellenritt12 - 05.01.2017 14:38

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