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Verlangen (8)

von Any1217


Teil 8

Es vergingen einige Wochen und Marie und ich kamen uns nicht mehr so nahe. Wir umarmten uns zur Begrüßung und Verabschiedung, das wars dann aber auch schon mit körperlicher Nähe. Keiner von uns sprach noch einmal über die Situation hinterm Spielplatz.

Mittlerweile schien Marie auch über ihre Trennung von Manu einigermaßen hinweg zu sein. Sie wirkte glücklicher, was mich ebenfalls glücklich machte. Wir unternahmen viel zusammen, mal zu zweit, mal mit Mia und ab und zu sogar mit Thomas. Das kam aber selten vor, da er nach wie vor viel zu tun hatte mit dem Großprojekt. Ich hoffte ein bisschen auf einen härteren Winter, dann gäbe es nicht so viele Baustellen. Der Herbst war bislang allerdings noch recht warm, auch wenn sich die Blätter der Bäume zusehends in den schönsten Tönen färbten.

Als Marie eines Nachmittags mit Mia und mir zum Kastanien sammeln unterwegs war, kamen wir uns wieder näher. Während Marie und ich große Laubhaufen auftürmten, durch die Mia dann lachend lief, berührte Marie immer wieder wie zufällig meinen Arm. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass sie mich häufiger als sonst ansah. Wenn ich ihren Blick dann erwiderte, grinste sie oft verlegen und sah weg. Zunächst war ich etwas irritiert, doch dann merkte ich, dass auch ich immer häufiger Marie ansah. Wie dumm von Manu, so eine hübsche, liebenswerte Frau zu verlassen. Lachend ließen sich Marie und Mia rückwärts in einen Laubhaufen fallen. Ich tat es Ihnen nach und ließ mich zwischen die beiden fallen. Als wir so da lagen, legte Marie vorsichtig und behutsam ihre Hand auf meine und verschränkte ihre Finger in meinen. Mein Herz pochte und ich umschloss ihre Hand zaghaft. "Nochmal!" rief Mia und versuchte mich hoch zu zerren. Nur widerwillig ließ ich Maries Hand los und stand auf. Auch Marie stand auf, sie sah mich an und machte einen Schritt auf mich zu. Sie stand jetzt so dicht vor mir, dass ich ihren Geruch wahrnahm. Marie hob ihre Hand, strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr und zupfte mir ein Blatt aus dem Haar. Meine Knie wurden weich und mein Herz schlug wie verrückt. Ich fühlte mich wie ein verknallter Teenager. "Du bist so hübsch Lena.." hauchte Marie mir zu. Wie gern ich sie jetzt küssen würde. Mein Herz schlug Purzelbäume, ich lächelte und merkte wie mein Gesicht ganz heiß wurde. Ich war bestimmt Knall rot. Marie beugte sich vor und gab mir einen Kuss auf die Wange. "Auf zum nächsten Laubhaufen!" sagte sie, nahm meine Hand und lief Mia hinterher, die schon einige hundert Meter weiter den nächsten Laubhaufen in Beschlag genommen hatte. Ich fühlte mich so glücklich und zugleich frei. Tief atmete ich die kühle Herbstluft ein und drückte strahlend Maries Hand.

In den nächsten Tagen gab es immer wieder ähnliche Situationen. Marie ergriff meine Hand, nahm mich in den Arm, küsste mich auf die Wange. Manchmal hatte ich das Gefühl, wir würden uns verliebt ansehen und es kam mir in solchen Momenten vor, als wären wir ein Paar. Ich wusste nicht wirklich, wie Marie fühlte. Zwar war ich mir meiner Verliebtheit jetzt sehr bewusst, aber es war schwer Maries Verhalten richtig zu deuten. Hatte sie ebenfalls Gefühle für mich entwickelt, oder festigte sich unsere Freundschaft? War es enge Vertrautheit oder waren es Annäherungsversuche? Immer öfter zerbrach ich mir darüber den Kopf. Eindeutige Zeichen, dass Marie auch in mir mehr als eine gute Freundin sah, konnte ich nicht finden. Selbst wenn ich wüsste, dass Marie etwas empfindet - was würde sich ändern? Wie würde es unser miteinander beeinflussen? Ob Marie etwas von meinen Gefühlen ihr gegenüber ahnte, oder ob es ihr wie mir ging? Egal wie sehr ich grübelte und darüber nachdachte, Antworten wollten mir nicht einfallen.

Eine Frage beantwortete sich schlagartig an einem regnerischen Vormittag. Ich saß mit Marie bei uns auf dem Sofa. Mia war im Kindergarten, Thomas war arbeiten. Wir unterhielten uns, als Marie sich plötzlich ganz nah an mich kuschelte. "Ich bin so froh dich kennen gelernt zu haben Lena. Es tut mir echt gut, was mit dir und Mia zu unternehmen." sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter und sah mich an. Mein Herz pochte und ein wohliger Schauer durchfuhr mich. Das alt bekannte Kribbeln setzte wieder ein. "Ich bin auch froh, dass wir uns getroffen haben Marie. Es ist toll, wie gut du mit Mia umgehst und ich... finde es sehr schön mit dir." Den letzten Teil sagte ich sehr leise, ehr zu mir selbst als zu Marie. Natürlich hörte sie es trotzdem. Wir sahen uns tief in die Augen, unsere Wangen erröteten und das Kribbeln breitete sich aus. Marie war mit ihrem Gesicht sehr nah vor meinem. Dann schloss sie die Augen und küsste mich sanft auf die Lippen. In mir entbrannte ein Feuerwerk, das Verlangen das jetzt aufflammte war so stark, dass es körperlich schon fast weh tat. Ihre Lippen waren so weich, so sanft und warm. Ich erstarrte. Marie ließ ihre Lippen eine kurze Zeit auf meinen ruhen. Dann löste sie den Kuss und sah verlegen weg. Ich konnte mich nicht bewegen, nichts erwidern, nicht denken und nicht atmen. Ich hörte meinen Puls im Ohr pochen. Ich spürte die Hitze zwischen meinen Beinen. Ich wollte etwas sagen, bekam aber keinen Ton heraus. Ich starrte Marie mit großen Augen an, die sich jetzt sichtlich immer unwohler fühlte. Nun sag schon was, versuchte ich mich zu überwinden. Ich konnte nicht, saß da wie versteinert. Marie stand auf und murmelte "Entschuldigung Lena.." sie drehte sich um und ging zur Tür. Glitzerten Tränen in ihren Augen? Mit einem Rums fiel die Tür ins Schloss. Ich zuckte zusammen und endlich löste sich meine Starre. -Oh nein, nein, nein. Was mache ich denn da? Ich muss zu Marie. Aber.. Was, wenn.. ich kann nicht! Thomas und Mia.. aber Marie, ich will zu ihr! Was soll ich tun?- Ich fühlte mich wie erstickt, versuchte den Klos in meinem Hals hinunter zu schlucken. Dann konnte ich nicht anders und begann zu weinen. Ich war verzweifelt. Marie empfand also doch mehr für mich. Wie ich für Sie. Das konnte ich ihr jedoch nicht zeigen, jetzt glaubte sie bestimmt, sie wäre zu weit gegangen. Ist sie das nicht auch? Aber genau danach habe ich mich schon so lange gesehnt. Was sollte ich jetzt tun? Wenn ich ihr hinterher lief, um alles richtig zu stellen, war der Ausgang fast besiegelt. Damit aber auch meine Ehe in Gefahr. Meine Familie. Nein, ich konnte ihr nicht hinterher gehen. Und doch wollte ich es so sehr. War Marie gekränkt, traurig, verletzt? Was dachte sie jetzt? Unaufhörlich liegen mir Tränen die Wangen hinab. Ich wünschte, die Frage nach Maries Gefühlen für mich, hätte sich nicht beantwortet - die Situation war unerträglich. Ich war gefangen zwischen meinem Herz und meinem Verstand. Wem sollte ich nachgeben?








copyright © by Any1217. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.




Linni67: Marietta komm mit deinem Gewissen klar, denn du bist Schuld      +++     >>> Laufband-Message ab nur 5,95 € für 3 Tage! <<<