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Verlangen (9)

von Any1217


Teil 9

Dieser eine flüchtige Kuss, nach dem ich mich so gesehnt hatte, hatte alles verändert. Ich glaubte jetzt zu wissen, wie Marie fühlte. Aber ich durfte und konnte ihr nicht zeigen, dass es mir genauso ging. Und doch war es das, was mein Herz wollte. Es schrie danach, Marie meine Gefühle zu gestehen und mit ihr im Liebestaumel zu verschmelzen. Ich malte mir aus, was passieren würde, wenn ich es täte. Tränen der Freude, ein strahlen, eine Umarmung. Sanfte, zärtliche Küsse, die immer leidenschaftlicher werden. Berührungen. Forschende Hände. Ich musste schlucken. Seit dem Kuss war mein Verlangen noch stärker geworden.

Leider hatte sich mit diesem Kuss auch unser Verhältnis zueinander geändert. Marie schien mir auszuweichen. Sie hatte selten Zeit, war sehr beschäftigt. Meist sahen wir uns nur flüchtig. Ich wollte ihr Nahe sein und es verletzte mich, sie so selten zu sehen. Sehnsüchtig sah ich immer wieder aus dem Fenster, in der Hoffnung Marie zu sehen. Zu meinem Verlangen gesellte sich jetzt eine nie gekannte Sehnsucht. Ich war unglücklich und übellaunig.

"Wann kommt Marie mal wieder zum spielen?" fragte mich Mia. "Ich weiß nicht mein Schatz, ich glaube sie hat momentan wenig Zeit." sagte ich traurig. "Habt ihr euch gestritten? Dann müsst ihr euch wieder vertragen!" sagte Mia plötzlich. "Wie kommst du denn darauf?" "Naja, ihr seid doch beste Freundinnen und jetzt kommt sie nicht mehr. Warst du gemein zu ihr?" fragte Mia vorwurfsvoll. "Ich... ähm.. nein Mia. Sie hat eben momentan nicht so viel Zeit." Mia machte ein nachdenkliches Gesicht. Dann sagte sie, dass sie zum Spielen in den Garten gehen will. Ich half ihr beim anziehen ihrer Matschhose und nahm ihr das Versprechen ab, dass sie im Garten bleibt.

Als ich gerade dabei war zu bügeln, klingelte es. Das war bestimmt Mia. Ich eilte hinunter und öffnete die Tür. Mia stand mit Marie an der Hand vor der Tür. "Was..?" sagte ich verdutzt. "Ich bin nicht aus dem Garten raus Mama, ich hab Marie gesehen und hab sie gerufen." grinste Mia schelmisch. "Was ist denn passiert? Mia hat gesagt ich muss ganz dringend kommen?" fragte Marie. "Äh, nichts. Eigentlich." ich sah Mia fragend an. "Na ihr müsst euch ganz dringend wieder vertragen, dass wir wieder zusammen spielen können!" erwartungsvoll sah Mia uns an. Marie und ich sahen erst Mia etwas verdutzt an, dann sahen wir uns an. "Willst du rein kommen?" fragte ich Marie und sah ihr flehend in die Augen. Sie nickte. Mia strahlte. "Kommst du mit raus in den Garten wenn ihr euch wieder vertragen habt?" fragte Mia. "Äh.. klar!" erwiderte Marie. "Ich geh schon mal vor" quiekte sie vergnügt und lief grinsend aus der Haustür.

"Magst du einen Kaffee Marie?" fragte ich. Als ich mit dem Kaffee ins Wohnzimmer kam, saß Marie auf dem Sofa und sah mich an. "Ich weiß nicht, wie Mia darauf kommt. Ich denke sie vermisst dich sehr. Weißt du.. ich dich auch." ich setzte mich neben sie und sah sie an. Was sollte ich jetzt sagen. Ich wollte das alles wieder gut wird. Das ich sie wieder öfter sah. Aber ich konnte ihr nicht mehr geben, war das fair ihr gegenüber? Marie sah mich an, wich dann aber meinem Blick aus und sah verlegen auf den Boden. "Es tut mir leid das ich dich geküsst habe Lena.." sagte sie leise. "Ich.. fühle mich zu dir hingezogen. Ich weiß, dass du verheiratet bist. Es tut mir so leid, ich hätte meinen Gefühlen nicht nachgeben, dich damit nicht bedrängen sollen." ihre Stimme brach und ich hörte ein leises schluchzen. "Ich hab alles kaputt gemacht..." brachte sie heraus. Sie weinte jetzt. Mein Herz krampfte sich zusammen, ich geriet schon wieder in eine Starre. Nein, nicht jetzt - ermahnte ich mich und gab mir einen Ruck. Ich nahm Marie in den Arm. "Nein, hast du nicht! Ich habe dich vermisst und bin so froh, dass du jetzt hier bist!" Auch ich musste jetzt schlucken und war den Tränen nahe. Ich schmiegte meinen Kopf an ihren Hals. Sie roch so gut. Ihre Haare hatte sie offen und ich vergrub mein Gesicht darin. Sanft streichelte ich ihr über den Rücken und merkte an ihrem Hals, wie sie Gänsehaut bekam. Ich strich ihre Haare zärtlich aus ihrem Gesicht und sah sie liebevoll an. "Ich.. ähm.. also..." ich wollte ihr sagen, was ich empfand. So kurz war ich davor, brachte aber doch keinen Ton heraus. Ich griff nach ihrer Hand. Sie sah mich fragend und immer noch etwas geknickt an. Ihre Augen glänzten feucht und ihre Wangen waren leicht gerötet. Wieder überkam mich das starke Gefühl, sie berühren, sie küssen zu wollen. Ich sah nur noch ihr hübsches Gesicht, alles andere schien zu verschwimmen. Fast von alleine, kam ich ihr immer näher. Ich konnte mich meiner Gefühle nicht mehr erwehren, die Situation ließ mich alles auf eine Karte setzen. Ob mein Verstand wollte oder nicht. Er schien momentan ohnehin außer Gefecht zu sein. Ich legte meine Hand in ihren Nacken, schloss die Augen. Zog sie zu mir heran und küsste sie. Vorsichtig und zaghaft. Ihre weichen Lippen schienen zu beben. Ich spürte ihre Hand an meiner Seite, wie sie mich fest umschloss und näher zu sich zog. Marie erwiderte meinen Kuss. Jetzt gab es kein zurück mehr. Kein zurück und kein halten. Es brach wie ein Sturm über uns herein, aus meinem anfänglich zaghaften Kuss wurde sehr schnell etwas sehr leidenschaftliches. Unsere Körper schmiegten sich eng aneinander. Immer intensiver und fordernder wurden unsere Küsse, unsere Zungen berührten sich. Ich stöhnte. Marie atmete nur noch stoßweise. Sie strich mit ihrer Hand meine Seite entlang nach oben, knapp an meinem Busen vorbei. Ich spürte wie es anfing unglaublich zwischen meinen Beinen zu pochen. Mir wurde heiß und ich wollte mehr. Viel mehr. Unsere Zungen tanzten miteinander, schwer atmend drückten wir uns aneinander. Ich fuhr ihr mit der freien Hand durch die Haare, was sie aufstöhnen ließ. Dann klingelte es. Erschrocken hielt ich inne, drehte mich weg und stand auf um die Tür zu öffnen. Ich fühlte mich ertappt. Meine Wangen glühten und ich sah zu Marie, die mich mit einem Verlangen in den Augen ansah, dass ich wieder weiche Knie bekam. Ich schloss meine Augen, atmete tief durch und öffnete die Tür. "Wann kommst du Marie?" Mia wuselte an meinen Beinen vorbei und winkte Marie vom Hausflur aus zu. "Gleich Süße, gib mir noch 5 Minuten, ja?" Dann stapfte Marie wieder nach draußen und rief "Aber nicht länger, ich warte schon so lang!". Ich schloss die Tür hinter Mia und wandte mich wieder Marie zu. Keiner von uns sagte etwas. Verlegen aber mit einem Grinsen im Gesicht sahen wir uns an.

Langsam setzte mein Verstand wieder ein und das grinsen in meinem Gesicht erlosch. Was hatte ich getan? Wozu hatte ich mich hin reißen lassen? "Das darf nicht nochmal passieren.. Marie... ich kann nicht..." brachte ich heraus. Auch Marie hatte aufgehört zu grinsen. Sie sah nachdenklich aus. "Ich.. möchte dich weiterhin sehen. Aber ich kann nicht mehr als eine gute Freundin sein. Es geht einfach nicht.." versuchte ich es weiter. Marie nickte "Ich geh mal zu Mia.." sagte sie und stand auf. Ich wünschte, sie hätte mehr gesagt. Was hatte ich mit dieser Offenbarung meines Verlangens nur getan? Wie sollte es jetzt weiter gehen?



copyright © by Any1217. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.



Kommentare


- Unglaublich.
Wirklich total ergreifend. Wahnsinn!
mk1987 - 02.03.2017 13:56
- Teil 10-15 (auf AllesAnne.com)
 
Any1217 - 26.02.2017 09:24
- Sehr schön
 
Imcuriousabtu - 22.02.2017 15:57
- Verlangen
 
Speedtec - 19.02.2017 17:28
- Es geht schon weiter
 
Any1217 - 21.01.2017 11:18

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Linni67: Marietta komm mit deinem Gewissen klar, denn du bist Schuld      +++     >>> Laufband-Message ab nur 5,95 € für 3 Tage! <<<