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Farben des Lebens: 4. Farbe: Verwirrung

von SC4Y


Vier Wochen sind inzwischen vergangen. Doch Alisha hat nichts mehr von Clarke gehört. Sie ist enttäuscht, sie ist wütend, sie ist traurig. Was ist das zwischen ihnen gewesen? Es hatte sich nach soviel mehr angefühlt. "Das Leben geht weiter!" denkt sich Alisha und stürzt sich in die Arbeit. Aber trotzdem schleicht sich immer wieder Clarke in ihre Gedanken und macht ihr das Herz schwer. Vergessen kann sie nicht.

"Am Wochenende gehen wir tanzen." beschließt Mila, mit der sie sich zusammen ein Büro auf der Arbeit teilt. "Es wird Zeit, dass du mal jemanden kennenlernst." dabei grinst sie anzüglich. "Einen richtigen Kerl zum Beispiel." Alisha wendet ihren Blick nicht von ihrem Bildschirm. "Wenn du meinst. Von mir aus." Aber eigentlich will sie nicht fortgehen, will niemand anderen kennenlernen, vor allem keinen Mann. Sie will sich auf ihrem Sofa unter einer Decke verstecken und mit dem Leben hadern. Dieses Gefühl in ihrem Herzen ist so tief und intensiv. Es sorgt dafür, dass sie sich so verlassen fühlt, innerlich so leer. Noch immer kann sie die Berührungen von Clarke auf ihrer Haut spüren, ihre Küsse schmecken. Aber das kann sie niemanden sagen.

Ihre Chef betritt das Büro und begrüßt sie. "Mila, heute kommt die Sportfirma wegen der Anzeige vorbei. Bitte übernimm du 15 Uhr den Termin. Und Alisha, dich schicke ich ins Kreiskrankenhaus. Die wollen gleich eine ganze Anzeigenserie bei uns schalten. So ein großer Auftrag ist perfekt für uns. Der Termin ist für 14 Uhr vereinbart. Ihr seid meine zwei Besten! Ich verlass mich dabei auf euch." Mit diesen Worten verschwindet er wieder. "Ich wette, Ben sagt das zu jedem: Ihr seid meine Besten!" scherzt Mila, während sie zu dem großen Schrank hinüber geht und den Gang von Ben, ihrem Chef imitiert. Das bringt Alisha zum Lachen und das genau hat Mila gewollt. Sie zieht einen Ordner heraus und reicht in ihr und holt sich selbst auch einen. "So so, du übernimmst also das Krankenhaus. Das wird ein Großprojekt und bringt für die Zeitung eine Menge Geld und für dich eine Menge Arbeit." Mila grinst und blättert durch ihren Ordner. Alisha seufzt, viel Arbeit ist gut, dass bedeutet Ablenkung und weniger Zeit zum Grübeln.

13.45 Uhr - Alisha tritt durch die sich automatisch öffnente Eingangstür des Krankenhauses. Sie weiß, sie muss nach rechts, dann wieder rechts abbiegen und dann durch den langen gläsernen Gang. Als sie ihn durchquert blickt sie kurz durch die Scheiben hinaus in die Grünanlagen und den Eingangsbereich, der gleiche Weg, den sie vorhin vom Parkplatz aus genommen hat. Sie bleibt stehen und erstarrt. Ihr Blick heftet sich auf eine Person, die in wenigen Augenblicken ebenfalls das Krankenhaus betreten wird. Sie kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber sie ähnelt so sehr Clarke. Die sportliche Figur, Tanktop und dieses Piratentuch auf dem Kopf. Ihr Herz schlägt schneller. Sie blickt auf ihre Uhr 13:53 Uhr. Egal, sie muss es wissen. Schnellen Schrittes läuft sie zum Eingang zurück und schaut sich suchend um, aber keine Clarke. Hat sie sich so geirrt? Wieder ein Blick auf die Uhr - 13:58 Uhr. Gehetzt macht sich sich auf den Weg. Immerhin wird sie erwartet.

Das Vorgespräch mit dem zuständigen Marketingleiter war sehr erfolgreich. Sie bedankt sich und schüttelt ihm zum Abschied die Hand. Ein Vertrag für ein halbes Jahr. Jede Woche eine große Anzeige. Das lohnt sich. Nun sind die Graphiker dran und zum neuen vereinbarten Termin wird sie ihm die Ideen vorstellen. Beschwingt geht sie den Weg zurück durch den gläsernen Gang. Die Freude über den erreichten Erfolg verfliegt bei den Gedanken an Clarke. Eine der Mappen, die sie unter ihren Arm trägt, rutscht und fällt zu Boden. Schnell bückt sie sich und sammelt die umherfliegenden Blätter ein. Als sie fertig ist und sich aufrichtet, steht jemand vor ihr und reicht ihr ein Blatt, das sie wohl übersehen hat. "Danke." keucht sie vor Anstrengung und blickt in das Gesicht des Helfers. Doch es sind keine fremden Augen, denen sie begegnet. Graue Augen - die sie so gern wiedersehen wollte. "Clarke." flüstert Alisha und taumelt erschrocken einen Schritt zurück. Zwei starke Arme halten sie fest, so dass sie nicht fällt. Sie hat sich nicht geirrt. Es war Clarke: schwarzes, ärmelloses Shirt, graue Jogginghose und weißes Piratentuch. Alisha blinzelt, kann es nicht glauben, dass Clarke hier nun endlich vor ihr steht. Da ist so vieles, was sie ihr gern sagen würde und so viele unbeantwortete Fragen. Aber sie bekommt kein Wort heraus. Sie fühlt nur ihr verräterisches Herz, dass ihr bis zum Hals schlägt. Ob Clarke es hören kann?

"Hi." bringt sie schließlich über ihre Lippen, damit das Schweigen zwischen ihnen nicht noch unangenehmer wird. "Hi." antwortet Clarke. Alisha kann nicht aus ihrem Gesicht lesen, ob sie sich freut sie wieder zu sehen. Sie wirkt eher erschöpft und etwas blass. Aber da ist immer noch dieses Funkeln in diesen wunderschönen grauen Augen. "Schön dich wieder zu sehen." fügt Alisha hinzu. Clarke nickt. "Arbeitest du hier?" fragt Alisha nach. Clarke fährt sich mit der Hand über Wange, Mund und Kinn. "Ich ..." Eine Krankenschwester taucht hinter ihr auf und unterbricht sie unabsichtlich: "Frau Sullivan? Sie können jetzt." Clarke dreht sich zu ihr um. "Ich komme gleich." Als sie sich wieder Alisha zu wendet, blickt sie in zwei fragende braune Augen. Alisha hebt ihre Hand in Richtung Clarkes Wange. Doch Clarke läßt nicht zu, dass sie sie berührt, sondern hält Alishas Hand fest. Sie sieht auf ihre beiden Hände, die miteinander verschmolzen sind, als wollten sie sich nie wieder trennen. Sie kann ihr nicht noch einmal in die Augen sehen. Der nächste Satz kostet sie große Überwindung, aber sie weiß, dass es so sein muss. Sie will Alisha nicht verletzen. "Es ist besser, wenn wir uns nicht wiedersehen." Dann löst sie sich, wendet sich von ihr ab und geht ohne sich noch einmal umzudrehen.

Alisha ist wie betäubt. Noch immer klingt Clarkes letzter Satz in ihren Ohren, aber es gelingt ihr nicht ihn zu verstehen. Hat Clarke vielleicht schon eine Freundin? War sie nur ein One-Night-Stand für sie? Bedeutet sie ihr nichts? Ein Schmerz durchzuckt ihren Brustkorb bei diesen bitteren Gedanken und Enttäuschung macht sich dort breit. Sollte sie sich so geirrt haben? Sind diese Gefühle nur Einbildung? Sie presst ihre Kiefer kurz aufeinander, ihre Wangenmuskeln spannen sich an. Sie will nicht weinen und sie spürt, wie es ihr hilft dagegen anzukämpfen. Sie war sich so sicher gewesen.



copyright © by SC4Y. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.




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