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Farben des Lebens: 8.Farbe: Enttäuschung

von SC4Y


Die Tage sind wie im Flug vergangen. Die Aktion fand großen Anklang. Viele haben gespendet. Das Warten auf die Ergebnisse ist das Schlimmste. Diese Passivität macht Alisha ganz verrückt, das Nichtstun, die Ungewissheit. Gerade stellt sie ein paar frische Blumen in eine Vase, die sie für Clarke mitgebracht hat, als sie zwei Hände spürt, die sich auf ihre Hüften legen. Heißer Atem in ihrem Nacken löst eine Gänsehaut auf ihrem ganzen Körper aus. "Clarke." haucht sie und schließt die Augen. "Du brauchst eine kleine Ablenkung. Du bist viel zu nervös." raunt Clarke ihr verführerisch ins Ohr. "Wie kann sie das wissen?" denkt sich Alisha und dieses wärmende Gefühl steigt in ihr auf und hüllt sie ein. Hände gleiten sanft an ihren Seiten hinauf und streifen ihre Brüste seitlich. Alisha muss sich auf die Lippen beißen. Was macht diese Frau nur mit ihr? Sie dreht sich zu ihr um. Ganz nah kommen sie sich. Clarkes Bein schiebt sich langsam, aber unaufhaltsam zwischen ihre. "Sind wir real?" fragt Alisha mit einem Flüstern. Clarke lächelt und küsst sie sanft auf ihre Lippen, die nur darauf gewartet haben. Die Zärtlichkeit des Kusses hätte sie beinahe überfordert. Ihr Herz schlägt zu schnell. Clarks Kuss wird fordernder, leidenschaftlicher. Ihre Hände wandern von ihrem Rücken wieder zu ihren Seiten und suchen einen Weg unter Alishas Shirt. Sanft drückt sie Clarke ein wenig von sich. "Clarke." Sie muss nach Luft schnappen. "Wir sind im Krankenhaus." entfährt es ihr atemlos. "Ich weiß, Süße." erwidert Clarke und schon liegen wieder Lippen auf Lippen. Alisha entfährt ein leises Stöhnen, als Clarkes Finger suchend über ihren nackten Bauch gleiten. Clarke lächelt in den Kuss hinein und nach einer Weile lösen sie sich wieder voneinander. Sie sprechen beide kein Wort, sondern blicken sich nur in die Augen und sagen sich so viel mehr. "Ich weiß, wo wir sind." grinst jetzt Clarke und ihr Zeigefinger malt einen Kreis um Alishas Bauchnabel. "Glaub mir, sonst würde ich ganz andere Dinge mit dir machen." Alisha schießt die Röte in die Wangen und nervös geht sie zu dem Stuhl, auf dem ihre Tasche steht. Sie spürt noch immer Clarkes Blick auf sich, die wieder ganz nah ist, von hinten ihre Hände greift und sich an sie schmiegt. Alisha schließt ihre Augen erneut. Doch diesmal nicht vor Erregung, sondern weil die Nähe von Clarkes Körper sie beruhigt. Es gibt ihr ein Gefühl, dass sie nicht richtig einordnen kann. Sie weiß nur, dass sie sich geborgen und sicher fühlt und ein wenig zur Ruhe kommt. "Würdest du gern meine Familie kennen lernen?" fragt Clarke auf einmal. Alisha muss nicht lange nachdenken. "Ja - ja!" Sie läßt eine Hand los und wendet sich wieder Clarke zu. Diesmal küsst sie Clarke, die zuerst überrascht davon ist, doch dann den Kuss innig erwidert.

Ihre Küsse werden abrupt durch ein ernergisches Klopfen an der Tür beendet. Alisha geht einen Schritt zur Seite. Clarkes Arm liegt immer noch um ihr und ruht auf ihrer Hüfte. "Herein." knurrt Clarke und Alisha muss dabei über sie lächeln. Es ist Dr. Bernado. Er ist der behandelnde Arzt von Clarke und hat auch die Spendenaktion betreut. Sein Haar ist tiefschwarz und leicht gewellt, seine Haut dunkel gebräunt. Doch sein symphatisches Lächeln fehlt heute. Alisha beschleicht ein ungutes Gefühl. Sie läßt ihre Hand auf Clarkes Hüfte gleiten. Sie halten sie gegenseitig und wappnen sich für die Ergebnisse der Spendenaktion. Dr. Bernado rückt kurz noch seine schwarze Hornbrille zurecht, bevor er zum Reden ansetzt: "Wir hatten letzte Woche eine große Resonanz bei der Spendenaktion." "Ist er nervös?" wundert sich Alisha. Seine Stimme klingt normalerweise fester. Clarke ahnt bereits, was jetzt kommen wird. "Es tut mir leid. Aber bei den Spendern war kein passender für sie dabei Frau Sullivan." Er schaut ihr dabei mit einem festen Blick in die Augen. "Trotzdem Danke." sagt Clarke emotionslos. Er nickt. Sein Piepser geht an und er verabschiedet sich.

Ein großes Schweigen voller Hilflosigkeit, Enttäuschung und Angst breitet sich im Zimmer aus. Clarke spürt Alishas Betroffenheit. Sie selbst hat sich nicht zuviel davon erhofft. Schon eine Weile hat sie sich mit dem Thema beschäftigt und auch mit dem möglichen Ende auseinander gesetzt, aber Alisha ist so verletzlich. Sie hält sie fest und streicht ihr zärtlich über das Haar. Alisha will nicht weinen. Sie will ihre Gefühle nicht zeigen. Aber es gelingt ihr nicht. Sie kann es sich nicht erklären. Sie war immer professionell und konnte Emotionen gut verbergen, aber in Clarkes Nähe fühlt sie sich wie hauchdünnes Glas. Aber die starken Arme, die sie in eine Umarmung ziehen, geben ihr Halt. Sie atmet ihren Duft tief ein. Es tut so gut - sie zu spüren, denn dass heißt, dass sie da ist und noch nichts verloren ist. Ein paar Schluchzer rutschen ihr heraus und ihre Schultern beben. Aber Clarke hält sie solange fest, bis sie sich wieder beruhigt hat. Dann löst sie sich und wischt beschämt die Tränen weg. "Es tut mir leid. Das wollte ..." Ihr Satz wird von einem Kuss unterbrochen. "Entschuldige dich niemals für deine Gefühle." sagt Clarke ernst, aber Alisha hört die Zärtlichkeit in ihrer Stimme.

Mila betritt das Büro und stellt Alisha eine Tasse Kaffee an den Schreibtisch. "Hey, Alisha. Was soll ich nur mit dir machen?" Erst jetzt wendet die Angesprochene ihren Blick vom Bildschirm und blinzelt Mila fragend an. "Ich kann sie doch nicht einfach sterben lassen." Alishas Stimme bricht. "Jetzt, wo ich sie gerade erst gefunden habe." Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Sie weiß nicht, wie viele davon sie in den letzten Tagen bereits vergossen hat. Sie gibt sich Mühe nicht in Clarkes Gegenwart zu weinen, aber oft kommt es über sie, wenn sie spät in der Nacht in ihrem Bett liegt. Mila reicht ihr ein Taschentuch. "Es tut mir leid." Es klingt wie ein Geständnis. Alisha schnaubt geräuschvoll. "Was tut dir leid?" Mila räuspert sich. "Das ich dir nicht geglaubt habe, dich nicht für voll genommen habe." Alisha versteht kein Wort. "Als du mir von Clarke erzählt hast, vorgeschwärmt hast, da konnte ich es nicht glauben. Ich meinte, es wäre ein Rausch, der vorüber geht. Eine Erfahrung, eine Phase. Aber ich habe mich geirrt. Sie ist dein Gegenstück, dein Puzzleteil." Alisha steht auf und nimmt Mila in den Arm. "Danke. Danke, du furchtbare, beste Freundin." Beide müssen lachen. "Du solltest dich aber jetzt erst einmal frisch machen, deine Schminke." Mila macht eine Wischgeste. "Pandabär - du verstehst." Mila grinst und setzt sich an ihren Schreibtisch. "Hast du dich eigentlich auch testen lassen?" fragt Mila plötzlich, gerade als Alisha das Büro verlassen will. Alisha dreht sich wie versteinert zu ihrer Freundin und Kollegin um. "Nein." entfährt es ihr entsetzt. Vor lauter Arbeit und Organisation hat Alisha das ganz vergessen. "Ich ..." Sie kann es nicht fassen. "Ich muss ..." Kein klarer Gedanke sammelt sich in ihrem Kopf. Wie konnte sie nur sich selbst vergessen. Mila schüttelt gespielt den Kopf. "Du gehst jetzt in den Waschraum und richtest dich wieder her und ich rufe gleich im Krankenhaus wegen einem Termin für dich an." Alisha bringt kein Wort heraus und kann nur dankbar nicken.

Vor drei Tagen hat sie den Test machen lassen, ganz unkompliziert, ganz schmerzlos. Sie kommt immer noch nicht darüber hinweg, dass sie nicht daran gedacht hat, sich selbst testen zu lassen. Gedankenverloren gießt sie Wasser in den Blumentopf ihrer Palme im Wohnzimmer. Sie blickt auf die Uhr, denn sie will noch zu Clarke ins Krankenhaus. Ihre Telefon klingelt. Alisha zieht es aus ihrer Hosentasche und geht ran. "Mum?" Sie ist so überrascht, dass sie vergißt, die Gießkanne zur Seite zu stellen und das Wasser läuft über. Fuck. Beinahe wäre ihr auch noch die Kanne aus der Hand gefallen, als ihre Mutter den Grund ihres Anrufes ohne Umschweife nennt. Ihre Augen weiten sich und ihr Mund bleibt offen stehen. Ihre Mutter spricht weiter. Alisha muss schlucken, bevor sie antwortet: "Ja, Mum. Ich bin unterwegs."



copyright © by SC4Y. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.



Kommentare


- Fortsetzungen
sind hochgeladen und warten nur noch auf die Freischaltung :-)
SC4Y - 03.09.2017 23:54
- Die Fortsetzung ...
 
SC4Y - 20.08.2017 23:29
- Spannend
 
Nini321 - 19.08.2017 13:24
- Teil 2
 
surfermausw46 - 17.08.2017 09:57
- Spannung pur
 
surfermausw46 - 17.08.2017 09:55

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