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Farben des Lebens: 10. Farbe: Liebe

von SC4Y


Ein paar Monate sind seit dem Anruf von Dr. Bernado vergangen. Alisha kommt gerade aus der Dusche. Sie trocknet sich ab und macht sich fertig. Als sie in ihre schwarze Hose schlüpft, späht sie auf ihren Wecker: 8.00 Uhr. Okay, sie hat noch Zeit für einen Kaffee. Sie greift sich eine Bluse und den dunklen Blazer. Ihr ist etwas flau im Magen, aber essen kann sie jetzt nichts. Die Maschine läßt gequält langsam das dunkle Gebräu in ihre Tasse laufen. Heute kann sie es nicht genießen. Denn heute ist der Tag. Sie flucht leise, als sie sich den Mund verbrennt. Eigentlich weiß sie ja, dass der Kaffee immer heiß ist, wenn er frisch aus der Maschine kommt. Sie checkt noch ihr Handy. Eine Nachricht von Mila: "Liebe Grüße aus den Bergen" und ein Photo von ihr und Jeremy. Alisha muss lächeln. Die zwei passen wirklich gut zusammen. Erstaunlich was sich in ein paar Monaten alles verändern kann.

Ein wenig nervös trommelt sie auf das Lenkrad. Ausgerechnet jetzt muss Stau sein. Sie blickt immer wieder auf die Uhr, noch liegt sie gut in der Zeit. Nach ein paar Minuten geht es weiter. Es dauert nicht lange, als sie von der Bundestraße abbiegt. Nach weiteren 5 Minuten Fahrt erreicht sie den großen Parkplatz, der gesäumt ist von vielen Bäumen. Ihr Auto ist das einzige an diesem Morgen. Sie steigt aus und schlingt die Arme um ihren Körper. Der Wind, der ihr Haar ganz zerzaust, ist frisch. Sie hätte doch lieber noch ein Tuch mit nehmen sollen. Alisha tritt auf das große schmiedeeisener Tor zu, dass bereits einen Spalt offen steht. Sie muss schlucken. Auch wenn hier alles so friedlich und ruhig ist, umgebend von Wald und Wiesen. Es ist immer schmerzlich für sie, hierher zu kommen. Als sie den Weg entlag geht, kommt ihr ein Mann in grüner Kleidung und Rechen entgegen und nickt nur zum Gruss. Sie kennt ihn vom Sehen. Er arbeitet hier als Gärtner. In einem Seitenweg bleibt sie schließlich stehen. In diesem Moment fühlt sie sich ein wenig verloren. Ihr Blick hängt an dem grauen Grabstein. Sie seufzt und vergräbt nachdenklich ihre Hände in den Taschen. Sie hört Schritte, aber wendet den Blick nicht ab. Erst als jemand neben ihr stehen bleibt, schaut sie auf. "Mum." ruft sie erstaunt. "Alisha." Ihre Mutter kommt ihr so weit weg vor, so fremd. Wann hat sich verändert oder war sie schon immer so? Sie wirkt sehr schmal in ihrem langen dünnen Mantel. Die Arme trägt sie vor sich verschränkt und weicht Alishas fragenden Blick aus. "Wie geht es dir?" will Alisha wissen. "Gut." antwortet sie und presst gleich wieder ihre schmalen Lippen aufeinander. Es ist nicht der Wind, der Alisha frösteln läßt. Da ist eine ganz andere Kälte, die ihr begegnet. Aber Alisha spürt, dass die Kälte ihrem Herzen nichts mehr anhaben kann. "Weißt du was? Dad hatte Recht. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Ihre Mutter schweigt. Ist sie verbittert, enttäuscht? Müsste da nicht etwas viel Größeres sein? Liebe, Verständnis? Alisha blickt auf ihre Uhr. "Mum, ich muss. Mach's gut. Du weißt, wie du mich erreichen kannst." Sie geht den Weg zurück zum Parkplatz ohne sich nochmal umzudrehen. Sie schaut nach vorn und das ist gut so. Sie weiß, es ist die Liebe, die uns zu besseren Menschen macht. Ein so übermächtiges Ding, das uns stark macht und alles ertragen läßt, was uns Hoffnung gibt und uns von innen wärmt. Ein Lächeln liegt auf ihren Lippen, als sie in ihr Auto steigt und verschwindet nicht mehr.

Als Alisha auf die großen Glastüren zusteuert, öffnen sie sich automatisch. Sie kennt den Weg blind. Der sterile Geruch hängt in der Luft, sie beachtet ihn schon längst nicht mehr. Ihr Ziel ist nur eine Tür. Sie klopft an und öffnet dann schwungvoll. Dr. Bernado steht noch im Zimmer mit dem Rücken zu ihr. Sie geht auf ihn zu und hört dabei, wie er mit seiner tiefen Stimme eine Verabschiedung spricht. Als er sich endlich umdreht, gibt er den Blick frei auf den Menschen, den Alisha schon den ganzen Tag sehen will. "Clarke!" Clarke muss lachen, stellt ihre Reisetasche ab und zieht dieses wundervolle Mädchen ganz nah an sich heran bis ihre Lippen sich zu einem zarten, sinnlichen Kuss vereinen. Sie legt ihre Arme um Alisha, als wollte sie sie nie wieder gehen lassen. "Nimmst du mich mit nach Hause?" will sie mit einem breiten Lächeln wissen und ihre grauen Augen funkeln dabei geheimnisvoll. Als Antwort erhält sie nur einen langen Kuss. Dr. Bernado räuspert sich. Alisha errötet und dreht sich zu ihm um. Clarke gibt ihr dabei Spielraum, läßt sie aber nicht frei. "Dr. Bernado, ich, ..." Die Stimme droht ihr kurz zu versagen. "Ich will ihnen nochmals von Herzen danken, für alles." Er tippt sich verlegen auf seine Brille. "Keine Ursache. Aber das meiste haben sie selbst geschafft. Clarke und sie." Er reicht beiden die Hand und verabschiedet sich.

Alisha strahlt. Sie strahlt von innen und von außen, denn sie ist glücklich. Sie wendet den Blick beim Fahren nicht von der Straße ab, aber sie weiß, Clarke ist da und sie wird bleiben. Endlich - ein Teil von ihrem Leben sein. Sie denkt zurück an den Tag, als Dr. Bernado bei ihr anrief. Sie hatte das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren, als er ihr sagte, sie sei ebenfalls als Spender für Clarke geeignet. Sie konnte es nicht glauben. Fortgezogen von allen diesen übermächtigen Gefühlen, die sie in diesem Moment überfielen, musste sie sich setzen. Sie hörte weiter die Worte von Dr. Bernado, konnte aber nichts mehr verstehen. Alisha ist erfüllt von Glück und Liebe für diese Frau neben ihr, die Vergangenheit beginnt bereits zu verblassen. Umso mehr denkt sie an ihre gemeinsame Zukunft. Sie spürt Clarkes Hand auf ihrem Oberschenkel. In dieser Geste liegt für sie soviel Zuneigung und Geborgenheit. Und Alisha ist sich sicher: Wir gehören zusammen. Wir sind stark. Wir sind eins.






copyright © by SC4Y. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.




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