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Bedarf an Psychotherapeutischer Versorgung

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14.12.2018 10:00
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Im Parallel-Thread wird diskutiert, ob die Änderung im Zugang zu therapeutscher Leistung hilfreich ist oder nicht.

Mich beschäftigt etwas anderes. Schaut man sich Aspekte am "anderen Ende" der zugrunde liegenden Problematik an, dann habe ich das Gefühl, dass:
- Die Anzahl, wie auch der Prozentsatz der Bevölkerung, die anderen Menschen "Krankes" antun (inkl. Arbeitgeber), in den letzten 30 Jahren stark gestiegen ist
- Die Härte, Perversität, ... dieses "Kranken", das anderen (Mit-)Menschen angetan wird, immens gestiegen ist. Dass es auch hier eine Art "Weiter, Höher, Schneller, ..." gibt, weil vieles, eigentlich "Kranke", mittlerweile leider schon zur Normalität gehört - bzw. in einem Ausmaß zur Normalität gehört, dass Täter z.B. daraus keinerlei Befriedigung mehr ziehen können oder Pille-Palle-Strafen, sofern sie denn überhaupt verhängt werden, als Kollateralschaden billigend in Kauf genommen werden.

Und diese beiden o.g. Aspekte (Prozentsatz an Tätern & Härte/Perversität) treffen vor allem auf "anonymere" Ballungsgebiete zu. Hier fühlen sich Täter durch die "Anonymität" wesentlich geschützter.
Zugleich wird sich eine Psychotherapeutische Praxis im ländlichen Bereichen wesentlich schwerer tragen. Ergo: Psychiater & Psychotherapeuten zieht's in die Großstadt.
Arbeitsplätze finden sich auch vermehrt im Bereich der Großstädte.

Und damit sind wir letztendlich dann bei dem, was Mr. Spahn als "Entschuldigung" bzw. "Erklärung" für die Art der Novellierung beim "Zurück-Rudern" meinte anführen zu müssen/können.
"In den Bereichen mit der höchsten Dichte an Therapie-Angebot gibt's auch die längsten Wartezeiten".

Hmmm, kann man das so sehen?

Hanna

editiert am 14.12.2018 10:12 Beitrag melden Zitatantwort
14.12.2018 10:30
14.12.2018 10:39
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hab noch was: ist die selbstkontrolle ein muskel?
(bahnbrechende frage in existenzdingen)

https://scholar.google.co [...] _sdt=0,5

14.12.2018 10:59
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ZitatZugleich wird sich eine Psychotherapeutische Praxis im ländlichen Bereichen wesentlich schwerer tragen.


Wieso? Es gibt durchaus Bedarf in ländlichen Bereichen.

http://0cn.de/rdnq

Wobei der Bericht von 2012 ist und sich das Ganze erheblich verschärft hat.
Von wegen 4 Monate Wartezeit auf einen Therapieplatz. Das wäre gut....



editiert am 14.12.2018 11:28 Beitrag melden Zitatantwort
14.12.2018 16:25
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Ich hab' im beruflichen Umfeld gehört, dass z.B. Psycho-Trauma-Therapeuten , insbesondere für komplex traumatisierte Menschen, z.T. auch auf die Warteliste(n) nichts mehr setzen können, weil der "Rück-Stau" für Jahre ausreichend ist.

Hanna

editiert am 14.12.2018 20:08 Beitrag melden Zitatantwort
14.12.2018 16:31
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Als ich eben auf 'antworten' klickte, kam kurz die Werbung für Stimmungsaufheller.
Hab ich Wahrnehmungsstörungen, oder hat das auch schon wer anders erlebt?

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 14.12.2018 um 16:25:

Ich hab' im beruflichen Umfeld gehört, dass z.B. Psycho-Trauma-Therapeuten , insbesondere für komplex traumatisierte Menschen, z.T. selbst nichts mehr Wartelisten setzen können, weil der "Rück-Stau" für Jahre ausreichend ist.

Hanna


Viele PsychotherapeutInnen haben gar keine Warteliste mehr, weil die viel zu lang wäre. Sie ändern, wenn sie wieder was frei haben, kurz die Ansage auf ihrem AB von 'keinen Platz frei' zu einer Zeit, in der die Menschen anrufen können und sind ratzfatz wieder komplett ausgelastet.

Und es gibt nicht soo viele, die mit komplex Traumatisierten arbeiten.
Das ist hartes Brot.



editiert am 14.12.2018 16:33 Beitrag melden Zitatantwort
14.12.2018 20:15
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Hartes Brot: Ja, da kommt das Thema "Sekundär-Traumatisierung" zum Tragen - und "psychische Hygiene" seitens der Therapeuten.
Irgendjemand meinte 'mal, die hätten Möglichkeiten zur Supervision, d.h. könnten selbst mit speziell ausgebildeten anderen Therapeuten sprechen und abklären, warum sie selbst das von Patientinnen/Patienten Erzählte so "mitnimmt".

Ja, mit Sicherheit gibt's für komplex Traumatisierte viel zu wenig Therapeuten - wie auch die Traumafolgen/Traumafolgestörungen oft so sind, dass Betroffene nicht gerne 'drüber reden; selbst in der heutigen Zeit. Und dann beszteht die Gefahr, dass die (und/oder die Umwelt/der-die social Circle) versuchen diese Dinge zu vertuschen.

Hanna

14.12.2018 21:40
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 14.12.2018 um 20:15:

Hartes Brot: Ja, da kommt das Thema "Sekundär-Traumatisierung" zum Tragen - und "psychische Hygiene" seitens der Therapeuten.
Irgendjemand meinte 'mal, die hätten Möglichkeiten zur Supervision, d.h. könnten selbst mit speziell ausgebildeten anderen Therapeuten sprechen und abklären, warum sie selbst das von Patientinnen/Patienten Erzählte so "mitnimmt".

Ja, mit Sicherheit gibt's für komplex Traumatisierte viel zu wenig Therapeuten - wie auch die Traumafolgen/Traumafolgestörungen oft so sind, dass Betroffene nicht gerne 'drüber reden; selbst in der heutigen Zeit. Und dann beszteht die Gefahr, dass die (und/oder die Umwelt/der-die social Circle) versuchen diese Dinge zu vertuschen.

Hanna


Supervision mit anderen TherapeutInnen wohl immer wenn TherapeutInnen merken, da geht es nicht weiter oder wenn es zu heftig wird, weil eigene Geschichten angetickt werden.
Ich glaube, das ist wichtig, also, dass sich da nichts vermischt. Sonst agieren TherapeutInnen wild an KlientInnen vorbei und schrammen sie dabei böse.



14.12.2018 21:43
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nochmal entkuddeln. spahn sagt, wo meer psychos da mehr bedarf, städte ... daher muss das geregelt werden. meer psychos schaffen also meer bedarf. pfiffig gedacht.
weniger psychos auf land weniger bedarf ... also muss man den städte bedarf (zb freiburg, leben in freiburg muss also ungesund sein psychisch) lösen- die kammern stossen sich an der studie, weil ist das so?
wie gemessen? wartezeit durch stundenanzahl od pro psycho(da sind ganztagspsychos,halbtagspsychos,dreiviertelps ychos)? da sind fallstricke der statistik.

und apropos mal bka statistiken ansehen, das verbrechen an sich ist rückläufig.

wenn also meer psychos meer bedarf wecken, muss also ... ?

editiert am 14.12.2018 21:58 Beitrag melden Zitatantwort
15.12.2018 07:09
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Die Bundestherapeutenkammer: In Freiburg arbeiten 121,5 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner. Das ist nicht der "höchste Versorgungsgrad" in der psychotherapeutischen Versorgung, aber ein deutlich besserer Versorgungsgrad als im Bundesdurchschnitt. Im Bundesdurchschnitt sind es 25,1 Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner.

Weil es in Freiburg mehr Psychotherapeuten als im Bundesdurchschnitt gibt, warten die Menschen dort auch nicht so lange auf einen Termin bei einem Psychotherapeuten. In Freiburg beträgt die Wartezeit auf einen ersten Termin in der Sprechstunde 3,4 Wochen (Bundesdurchschnitt: 5,7 Wochen) und auf einen Behandlungstermin (Richtlinienpsychotherapie) 12,5 Wochen (Bundesdurchschnitt: 19,9 Wochen). Die Wartezeiten sind in Freiburg also deutlich kürzer als anderswo
.

Das ist aus meiner Sicht die gleiche Augenwischerei, weil ein Erstgespräch nicht den Behandlungsbeginn markiert.

Wartezeiten sind für viele ein Problem.
Dennoch ist sowohl die ärztliche als auch die psychotherapeutische Versorgungslage im groben Ländervergleich und die entstehenden Kosten betreffend spitzenmässig in Deutschland. Das betrifft genauso eine Arbeitssituation, wobei leider nicht jeder Bereich gleichermassen profitiert.

Wie können Wartezeiten sinnvoll überbrückt werden?
Alle mit psychiatrischen Erkrankungen mögen zu Psychiatern gehen. Das heisst: schizophrener Formenkreis, schwere und schwerste Depressionen, Zwangserkrankungen und zur Überbrückung auch Traumatisierte sowie Menschen mit Persönlichkeitsproblematiken (andauernde Schwierigkeiten mit anderen) in Krisen

Alle anderen können sich zur Überbrückung problemlos in die Hände guter systemischer Aufsteller begeben, die wie Sand am Meer vorhanden sind. Das erspart im gleichen Zug mindestens 5 Jahre Psychoanalyse und mindestens eine erste Lage psychotherapeutischer Sitzungen.


editiert am 15.12.2018 07:10 Beitrag melden Zitatantwort
15.12.2018 21:54
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 14.12.2018 um 20:15:

Hartes Brot: Ja, da kommt das Thema "Sekundär-Traumatisierung" zum Tragen - und "psychische Hygiene" seitens der Therapeuten.
Irgendjemand meinte 'mal, die hätten Möglichkeiten zur Supervision, d.h. könnten selbst mit speziell ausgebildeten anderen Therapeuten sprechen und abklären, warum sie selbst das von Patientinnen/Patienten Erzählte so "mitnimmt".

Hanna


Es ist zutiefst berührend, wie Userinnen von Lesarion sich hier für die seelische Gesundheit von Psychotherapeutinnen einsetzen und ihre Gedanken, Handlungen in dieser Richtung extrem flexibilisieren.

An dieser Stelle sei mal ein grosses XXL Service Dankmal gesetzt.


16.12.2018 12:26
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Leider kann jeder Arbeitgeber ohne eine Ausbildung oder wenigstens einen kurs wie man Personal anständig führt hantiren wie er / sie will und wie viele Opfer existieren die von ihren Arbeitgeber systematisch gebrochen wurden, leider zu viele.

Arbeitgeber müssten zwingend einen Kurs belegen und ihn immer wieder auffrischen wie man mit Personal und deren Gesundheit umgheht.

Und Arbeitgeber müssten entlich mal zur Kasse gebeten werden wenn sie Schuld daran haben und so was könnte auch geprüft werden und bei jeder anstellung von einem Arbeitnehmer müsste so ein Chef dann seine Gütesiegel oder Note vorweisen können ob er ein guter Chef ist.

16.12.2018 14:05
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.12.2018 um 21:54:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 14.12.2018 um 20:15:

Hartes Brot: Ja, da kommt das Thema "Sekundär-Traumatisierung" zum Tragen - und "psychische Hygiene" seitens der Therapeuten.
Irgendjemand meinte 'mal, die hätten Möglichkeiten zur Supervision, d.h. könnten selbst mit speziell ausgebildeten anderen Therapeuten sprechen und abklären, warum sie selbst das von Patientinnen/Patienten Erzählte so "mitnimmt".

Hanna


Es ist zutiefst berührend, wie Userinnen von Lesarion sich hier für die seelische Gesundheit von Psychotherapeutinnen einsetzen und ihre Gedanken, Handlungen in dieser Richtung extrem flexibilisieren.

An dieser Stelle sei mal ein grosses XXL Service Dankmal gesetzt.


Klingt nicht gut.
Schlechte Erfahrungen gemacht?


16.12.2018 14:36
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Wie wäre es mit Selbstheilung

16.12.2018 14:46
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.12.2018 um 14:36:

Wie wäre es mit Selbstheilung


Das klappt nur, wenn der Vollmond auf die Nacht Mi/Do fällt - unmittelbar nach dem dritten Eulenschrei!

Hanna

16.12.2018 14:59
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.12.2018 um 14:36:

Wie wäre es mit Selbstheilung


Meinst du so etwas wie Selbstentzündung

Zuerst müsste man doch wissen was mit einem los ist und dazu die Techniken kennen wie man sich heilen könnte, denn bei Psychischenerkrankungen ist es schwer überhaupt eine Heilung hin zu bekommen. Eher ist es , dass man lernt damit besser um zu gehen.

Sich selbst zu reflektieren und zu erkennen was los ist, dazu benötigt man eine Therapie weil bei den Gespräche alles zum vorschein kommt.

17.12.2018 13:18
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Selbstheilung ist wie, wenn ein Anwalt sich selbst vor Gericht vertreten würde, sich selbst anästhesieren oder an den Eingeweiden operieren würde, ...

Warum macht die Supervision bei den Psychotherapeuten eine speziell ausgebildete Kollegin/Kollege, .... ?

Fazit: Das klappt wohl nicht so wirklich ...

17.12.2018 13:31
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.12.2018 um 14:59:

....

Sich selbst zu reflektieren und zu erkennen was los ist, dazu benötigt man eine Therapie weil bei den Gespräche alles zum vorschein kommt.


Wenn dem so wäre, wäre es wirklich schlimm um die Welt bestellt, vor allem im Hinblick auf die Terminknappheit. Nicht jede Störung des ICD10, Kap. V, bedarf zwangsläufig einer Therapie.

Sich selbst zu erkennen und zu reflektieren, um sich ein Stück weit selbst zu heilen, ist auch ohne Therapie möglich... zum Glück. Es bedarf vielleicht eines längeren Weges und vieler toller Begegnungen, aber es geht.


17.12.2018 13:50
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 17.12.2018 um 13:31:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.12.2018 um 14:59:

....

Sich selbst zu reflektieren und zu erkennen was los ist, dazu benötigt man eine Therapie weil bei den Gespräche alles zum vorschein kommt.


Wenn dem so wäre, wäre es wirklich schlimm um die Welt bestellt, vor allem im Hinblick auf die Terminknappheit. Nicht jede Störung des ICD10, Kap. V, bedarf zwangsläufig einer Therapie.

Sich selbst zu erkennen und zu reflektieren, um sich ein Stück weit selbst zu heilen, ist auch ohne Therapie möglich... zum Glück. Es bedarf vielleicht eines längeren Weges und vieler toller Begegnungen, aber es geht.

Manche gehen eben einfach nicht in die Therapie, obwohl sie dort hin gehörten und manch einer schnallt es nicht mal dass er / sie einen Vogel hat und denkt sein Leben lang, er sei ja so normal, nur alle andern sind doch etwas Hugo im Kopf.

Somit benötigt wirklich nicht jeder / Jede eine Therapie wenn es Personen gibt die sich komplet für gesund halten, das ist zwar ärgerlich für gewisse Mitmenschen wenn da fast kein Leidensdruck besteht, für die Person ja selbst kann es egal sein solange sie sich wohl fühlt.

Wenn jemand Bewusst ist, dass er eine ICD 10 Erkrankung hat und er weiss er bekommt das nicht alleine hin, dann braucht so ein Mensch eine Therapie. Und selbstexperiment kann auch schief gehen.

Und die Fähigkeit an sich selber zu arbeiten in einem akuten zustand ist in meinen Augen kaum möglich.



17.12.2018 13:55
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@mevolta ... da gebe ich dir Recht. Nicht immer ist der Selbstversuch angebracht. Ich wollte mit meinem Einwurf deinen zuvor generalisiert klingenden post etwas aufweichen. Alles gut.




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