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Die Mauer muss weg!

Dieses Thema wurde geschlossen. (max. 200 Beiträge)

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15.09.2019 00:06
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Der 9. November 1989.

30 Jahre ist es nun her!
Der Tag der Rückbesinnung rückt näher.
Unfassbar lang her und dennoch wird es bei nur einer Film Sequenz wieder präsent bei all jenen, die es erlebten, erleben durften.
Ich gehörte dazu.
Einschneidend. Nicht greifbar in seiner Urgewalt.
Noch heute automatisch Gänsehaut durch und durch, Tränen bei diesen Filmen, der Begleitung der damaligen Landsleute, der gespürten Freude, Nochangst oder Schonfreude in den Augen in ihren Berichten.

Geöffnete Türen, Tore und Herzen.
Verschlossene Menschen die spüren wollten, wie sich öffnen anfühlt.
Was es mit ihnen macht, der plötzliche Wechsel von Diktatur zur Demokratie, einer Gesellschaftsordnung zur nächsten folgen müssend ohne affektive Möglichkeit der stillen Aufnahme und Verarbeitung.
Die eigene Angst zuvor mit starkem Mut in vielen Demos diszipliniert erstickt.
Disziplin konnten wir. Das gewaltfreie, ausdauernde, leise Vorgehen - vielleicht auch nur daraus geboren.
Der Mauerfall letztendlich ein Zufallsergebnis eines unvorbereiteten Ministers, weil zum ersten Mal kein stagnativer Plan vorhanden.
Die Ossis durchqueren auf Wanderschaft alle Tore durch ein Zufallsprodukt.
Auch unfassbar, aber geschriebene Geschichte.

Und ich freue mich heute noch, dass es passiert ist, auch mir passiert ist!
Keine Reue, auch nicht beim durchbeißen müssen.
Weder bei Begegnung von Unverständnis, Gleichgültigkeit oder anfänglich erspürter Duldung.
Alles andere war und wurde größer zum erkunden.
Ich bin glücklich und dankbar darüber, in meiner kleinen Lebensspanne dadurch frei leben zu können. Ohne Unterdrückung. Heute noch.
Immer wieder, immer noch.

Die DDR bis zum Ende meiner Tage...trügerisch-geschenkte Sicherheiten.
Der Garant, dass eingeschränkteste und langweiligste Dasein zu führen, mit dem ständigen Hauch einer Ahnung und präsenter Grenze nur wenige Kilometer von meinem damaligen Ort entfernt.

Die Nostalgie zur DDR lasse ich durch, aber nur an Stellen die ihrer Rechtfertigung bedürfen, mit klaren Blick zum Detail und dem großen Ganzen.
Eine Liebeserklärung die auf beiden Seiten ihren Platz hat, aber mit vollkommen unterschiedlicher Begründung und Grundlage.

Es hat mich bewegt, mein Leben verändert, mich verändert.
Und geöffnet in meinem Sein, denn erst als ich begriff, dass das Tor wirklich offen ist, konnte ich hindurchgehen und atmen.

15.09.2019 03:02
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Die Mauer ist weg!

& warum wird mir gerade etwas übel?

Stimmt, die vielen AFD-Wähler & so, die ja das Volk sind…


15.09.2019 07:51
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Ich komme auch aus der Ex-DDR, aufgewachsen in Berlin.
Damals im Dezember 1988 wollte ich mit 2 anderen Freundinnen, mit ein festen Willen, den Abflug schaffen. Alles war für meine Verhältnisse gut geplant aber trotzdem scheiterte es an ein gemeinen Verrat weil ein "guter Freund" uns verraten hat. Verurteilt wegen "Republikflucht" und Staatsfeindliche Hetze! Die damalige Krönung der Stasi die mich noch weiter verurteilt sehen wollte, war, das ich Kontakt zu Westmedien hatte.
Geschnappt, verurteilt, und 2 Tage vor dem Fall der Mauer wurde ich entlassen.
Alles umsonst gewesen.

DDR? Nie wieder will ich sie wieder haben.
Denn das was ich erreicht und erlebt habe hätte ich nie geschafft wenn die Mauer nicht gefallen wäre.

Freiheit ist für mich ein sehr hohes Gut das man sich erkämpfen musste!

LG Svenja

editiert am 15.09.2019 08:09 Beitrag melden Zitatantwort
15.09.2019 11:12
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.09.2019 um 03:02:

Die Mauer ist weg!

& warum wird mir gerade etwas übel?

Stimmt, die vielen AFD-Wähler & so, die ja das Volk sind…


& warum wird mir gerade etwas übel?

Weil es hier nicht um AFD-Wähler geht, die ganz nebenbei erwähnt, nicht nur auf der Ostseite ihr Kreuzchen machen und schon gar nicht Alle Ostdeutschen.
Sondern um die Rückbesinnung derer geht, die hier mit Berichten, Austausch und Emotionen erinnern, egal auf welcher Seite und mit welchem Erleben dessen.

Aber herzlich willkommen im Land der Vorurteile!
Und dein korrigierter Thread-Titel erhält automatisch dadurch seine Entkräftung😉
Die Mauer muss weg!

editiert am 11.11.2019 12:49 Beitrag melden Zitatantwort
15.09.2019 11:16
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PS: Kann das auch nicht ab wenn einige das Thema für sich heranziehen wollen/müssen.

15.09.2019 11:18
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.09.2019 um 03:02:

Die Mauer ist weg!

& warum wird mir gerade etwas übel?

Stimmt, die vielen AFD-Wähler & so, die ja das Volk sind…


Als wenn es in den Alten Bundesländern keine Drecksnazis gibt!
NICHT NUR IM OSTEN!

15.09.2019 11:46
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...ach faszi als Kind der DDR weiß ich, wovon Du schreibst, wunder mich, dass dies alles schon 30 Jahre her ist und brauche solche Tage nicht, um mich daran zu erinnern, weil ich es in mir trage.

In der DDR habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht. Ohne je mit dem Regime sympathisiert zu haben, mag ich mich gern daran erinnern. An all die Liebe, die Lust, die Freiheit, die wir uns nahmen in all der Enge.

Ich mag die Freiheit des Denkens im jetzt geeinten Deutschland, ich mag nicht, was mitunter daraus gemacht wird (siehe AfD, aber das ist ein anderes Thema und nicht nur im 'Osten')

Ich werde immer ein Kind des Ostens sein. Ich finde nichts schlimmes, nichts abwertendes dabei, dass so zu schreiben / sagen. Das ist Geschichte, meine Geschichte und auch Heimat für mich, selbst nach all den Jahren.

Die neue Generation weiß davon nur aus Erzählungen, kennt nicht mehr die Grenze und die Teilung. Für sie ist es ganz selbstverständlich in einem Deutschland aufzuwachsen und das ist gut so.

ps. Ich bin auch das Volk und viele andere mehr auch



editiert am 15.09.2019 11:49 Beitrag melden Zitatantwort
15.09.2019 11:57
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.09.2019 um 11:18:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.09.2019 um 03:02:

Die Mauer ist weg!

& warum wird mir gerade etwas übel?

Stimmt, die vielen AFD-Wähler & so, die ja das Volk sind…


Als wenn es in den Alten Bundesländern keine Drecksnazis gibt!
NICHT NUR IM OSTEN!


jo. die haupträdelsführer diesbezüglich sind allesamt 'wessis' (höcke usw.).

...bei allem verständnis für aufgestauten und berechtigtem frust...

seit ihr völlig bekloppt??

...die afd verarscht und instrumentalisiert euch ganz offensichtlich nach strich und faden.

...


15.09.2019 15:51
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Im November '89 war ich im Bauch meiner Mama. Was Werte und Lebensweisen betrifft, wurde ich "ostdeutsch" sozialisiert, habe aber die DDR niemals erlebt.
Ich habe mich schon als Kind gefragt, warum behauptet wird, ich käme aus dem Osten, wo doch meine thüringische Heimat gar nicht im Osten liegt, sondern genau in der Mitte Deutschlands.
Heute, ein dreiviertel Jahr vor meinem 30. Geburtstag, ist noch immer vom Osten die Rede, in dem ich nie gelebt habe, den ich nicht kenne, weil er zum Zeitpunkt meiner Geburt nicht mehr existiert hat.
... und ich bin inzwischen zu der traurigen Überzeugung gelangt, dass ein "Volk" welches sich nach vollen 30 Jahren nicht als Einheit empfindet, es niemals tun wird.


15.09.2019 18:40
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Ich war damals 17 und ein Westkind. In der Stadt feierten die Punks und riefen laut rüber...hey die Mauer ist offen.
Wir, die Waver, sind geschlossen zu ihnen rüber und haben mitgefeiert. Auch die Skater kamen dazu. Da war soviel Freude und Emotionen zu spüren. Zuhause sah ich meine Mama vor dem Fernseher weinen und sie sagte immer: "wie furchtbar, was man den Menschen angetan hat." Und dann meine Oma, die berichtet hat wie schlimm der Krieg war. Es hat soviel bewegt in den Menschen. Es geht doch nicht nur um eine Mauer und ein Land...es geht um Schicksale...um schreckliche Erlebnisse.
Und neben Punks, Wavern und Skatern gab es auch eine Clique etwas weg von der Innenstadt und zwar die Nazis. Damals schon stark präsent und nicht gerade wenige. Diese stürmten dann ab und an mal in die Stadt, um sich mit den Punks zu prügeln. Sie machten mir damals als Jugendliche schon Angst mit ihren "Auftritten" oder wenn ich im Bus saß mit meinem "gegen Nazis" Aufnäher auf der Jacke und ein paar von denen einstiegen, dass ich nicht heile nach hause komme. Die gab es schon immer und überall.
Ich hatte 10 Jahre lang eine Beziehung mit einer Frau aus dem Osten. Ihr Vater erzählte mir öfter aus seiner Zeit zu Ostzeiten. Ebenso ein älterer Arbeitskollege, der rüber kam und einige andere auch, die ich in den ganzen Jahren bis heute kennengelernt habe. Und ich bin jedes Mal aufs neue sprachlos, was sie oder Angehörige teilweise erlebt hatten.


15.09.2019 20:50
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.09.2019 um 18:40:

Und ich bin jedes Mal aufs neue sprachlos, was sie oder Angehörige teilweise erlebt hatten.


Die Macht der Stasi war das schlimmste. Habe diese selbst zu spüren bekommen. Furchtbar das man diese Leute NIE entkommen konnte.
Ich war hilflos und konnte nix aber auch gar nix dagegen tun.
Der Knast war die schlimmste Erfahrung die ich je in mein Leben machen musste.

15.09.2019 21:01
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Meine Erinnerungen an die DDR sind äußerst spärlich. Erzählungen anderer kenne ich mehr als genug...

Was mich nach 30 Jahren Mauerfall traurig macht, ist immer noch diese Kategorisierung "Ossi" und "Wessi"...

Die Mauer muss weg!

...ich weiß leider bloß nicht, wie...

16.09.2019 09:46
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.09.2019 um 21:01:

Meine Erinnerungen an die DDR sind äußerst spärlich. Erzählungen anderer kenne ich mehr als genug...

Was mich nach 30 Jahren Mauerfall traurig macht, ist immer noch diese Kategorisierung "Ossi" und "Wessi"...

Die Mauer muss weg!

...ich weiß leider bloß nicht, wie...


Daran leisten aber auch sämtliche Medien einen ordentlichen Anteil. Da braucht man sich nur mal die übliche Darstellung von "Ossis" im TV anzuschauen, die dazu geführt hat, dass praktisch jeder im "Westen" davon ausgeht, dass die Menschen im ehemaligen DDR-Gebiet sächseln, völlig egal ob sie überhaupt aus Sachsen oder aus Brandenburg oder Mecklenburg kommen - Ossi ist halt Ossi und im Osten wird gesächselt, egal ob oben am Meer oder an der hessischen Grenze (wo übrigens auch im Osten hessisch gesprochen wird, genauso wie fränkisch in Südthüringen). Dieses Vorurteil wird doch tagtäglich angeheizt. Ist also irgendwo auch gewollt.
Immer wenn ich online eine Frau kennengelernt habe (was fast nur im "Westen" der Fall war) wurde mir beim ersten Treffen oder Gespräch gesagt wie erleichtert sie doch seien, dass man mir nicht anhört woher ich stamme. Weil Thüringen ja im Grunde Sachsen ist und weil in Sachsen ja jeder sächselt, es also überraschend ist, dass ich Hochdeutsch spreche.
Ich habe das immer mit Humor genommen und werde das auch weiterhin ... aber dennoch zeigt diese Annahme doch wie Vorurteile von Eltern an ihre Kinder weitergetragen werden und wie perfekt das funktioniert. Würde man beim Kennenlernen einer Hessin im ersten Gespräch erleichtert sagen: Oh, wie schön, dass du Hochdeutsch sprichst? Wohl eher nicht.

16.09.2019 10:07
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.09.2019 um 09:46:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.09.2019 um 21:01:

Meine Erinnerungen an die DDR sind äußerst spärlich. Erzählungen anderer kenne ich mehr als genug...

Was mich nach 30 Jahren Mauerfall traurig macht, ist immer noch diese Kategorisierung "Ossi" und "Wessi"...

Die Mauer muss weg!

...ich weiß leider bloß nicht, wie...


Daran leisten aber auch sämtliche Medien einen ordentlichen Anteil. Da braucht man sich nur mal die übliche Darstellung von "Ossis" im TV anzuschauen, die dazu geführt hat, dass praktisch jeder im "Westen" davon ausgeht, dass die Menschen im ehemaligen DDR-Gebiet sächseln, völlig egal ob sie überhaupt aus Sachsen oder aus Brandenburg oder Mecklenburg kommen - Ossi ist halt Ossi und im Osten wird gesächselt, egal ob oben am Meer oder an der hessischen Grenze (wo übrigens auch im Osten hessisch gesprochen wird, genauso wie fränkisch in Südthüringen). Dieses Vorurteil wird doch tagtäglich angeheizt. Ist also irgendwo auch gewollt.
Immer wenn ich online eine Frau kennengelernt habe (was fast nur im "Westen" der Fall war) wurde mir beim ersten Treffen oder Gespräch gesagt wie erleichtert sie doch seien, dass man mir nicht anhört woher ich stamme. Weil Thüringen ja im Grunde Sachsen ist und weil in Sachsen ja jeder sächselt, es also überraschend ist, dass ich Hochdeutsch spreche.
Ich habe das immer mit Humor genommen und werde das auch weiterhin ... aber dennoch zeigt diese Annahme doch wie Vorurteile von Eltern an ihre Kinder weitergetragen werden und wie perfekt das funktioniert. Würde man beim Kennenlernen einer Hessin im ersten Gespräch erleichtert sagen: Oh, wie schön, dass du Hochdeutsch sprichst? Wohl eher nicht.


das stimmt meiner ansicht nach so auch nicht immer.

aber das 'ossis' und 'wessis' tatsächlich einen völlig anderen hintergrund haben, lässt sich auch in noch so vielen öffentlich-rechtlichen talkrunden nicht wegdiskutieren.

der sogenannte osten und der westen haben eine völlig unterschiedliche sozialisation genossen, und das betrifft auch die generation derjenigen, die nach dem mauerfall geboren worden sind, weil sie die kinder ihrer eltern sind und deren geschichte. kennen.

ein einigermaßen empathische 'wessi' würde die von dir genannten Äusserungen übrigens niemals von sich geben.

editiert am 16.09.2019 10:11 Beitrag melden Zitatantwort
16.09.2019 10:44
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30 Jahre schon... und ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Noch immer kommen diese tiefen Gefühle von damals... ich war 16... in mir hoch.
Trauer, Wut, Angst ... das waren die vorherrschenden.

Ich ging an jenem Herbstmorgen zu meiner Vorlesung. Ich hatte gerade mein Studium als Lehrerin begonnen. Auf dem Berliner Bahnsteig grölten und jubelten mir Kommilitonen entgegen und riefen, dass sie jetzt in den Westen fahren. Ich begriff nichts und ging in die Vorlesung.
Bis einer aus dem 4.Semester aufstand und den Lehrer aufforderte, sich zu den nächtlichen Ereignissen zu äußern. Es entstand ein Sprachtumult und die Vorlesung wurde abgebrochen. Es wurde uns freigestellt, den Rest des Tages den politischen Ereignissen nachzugehen... Alle stürmten aus der Uni...

Da stand ich nun inmitten der tosenden Massen, die plötzlich extrem verächtlich über unser Heimatland sprachen. Mir machte das Angst... waren es doch die Gleichen, die gestern noch völlig ruhig und zufrieden schienen.

In den darauffolgenden Jahren gab es offenbar kaum jemanden, der in der DDR glücklich war. Jeder dritte schien im Jugendwerkhof oder im Stasi-gefängnis gewesen zu sein.

"Wankende Menschen in einer wankenden Gesellschaft".... das ging mir damals oft durch den Kopf.
Nichts war mehr wie vorher. Berufe, Produkte, Zahlungsmittel, Geschäfte, Bezeichnungen, Gebäude, ganze Städtenamen verschwanden von heute auf morgen. Für eine Jugendliche, die im Normalfall langsam Abschied von ihrer Kindheit nimmt, blieb keine Zeit des Abschieds.

Die Ossis... oft belächelt und unterschätzt... gerne als soziales Experiment genommen, um die eigene Eitelkeit zu stillen und sich selbst auf die Schulter zu klopfen, wie gönnerhaft man doch ist... und plötzlich überholt er mit seinem nagelneuen Auto den alten VW... der Ossi blieb nicht bescheiden und unterwürfig...
er ist erwachsen und souverän geworden... selbstbewusst, weil er es sich erlauben kann... weil er sich anpassen konnte und dennoch sein Ziel erreicht... das hat er gelernt... deshalb blieb die Mauer in den Köpfen... es ist das Ego, was da tobt...

Und doch... ich möchte keine dieser Erfahrungen missen. Sie haben mich zu dem gemacht, was ich bin. Und die Gefühle von damals sind der Freude, Stolz, Neugier und Mut gewichen...

ich bin in der DDR aufgewachsen... behütet und geschützt von der Gemeinschaft... auch wenn diese oft meinte, zu wissen, was gut für mich war... sie war bei mir ...
und ich durfte in der Freiheit groß werden... welch Glück ich doch hatte

Und an dem Tag, an dem wir die Unterschiedlichkeiten von Menschen akzeptieren und ohne Mitleid oder Missgunst Begegnungen zulassen, werden die Mauern fallen... es gab nicht nur die eine... Sie war nur der Anfang in die Chance zur Freiheit

***

Edith meinte, noch etwas umformulieren zu wollen.

editiert am 16.09.2019 11:09 Beitrag melden Zitatantwort
09.11.2019 08:27
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30 Jahre ist es nun her!


Lasst uns erinnern, berichten, Anteil nehmen.

Und deswegen möchte dieser Thread wieder aus dem Keller, an die Luft, in die Freiheit...

editiert am 09.11.2019 08:40 Beitrag melden Zitatantwort
09.11.2019 08:30
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OT aus gegebenem Anlass

Ich gehe davon aus, dass es uns schreibenden wenigstens heute hier möglich gemacht wird, unseren Erinnerungen gegenüber den Respekt zu erweisen.

Vielen Dank!


editiert am 09.11.2019 08:31 Beitrag melden Zitatantwort
09.11.2019 11:36
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Ich vergesse nie, wie ich damals meine Nase an der TV Mattscheibe platt gedrückt hatte und es nicht glauben konnte. Es rollten die Tränen und ich freute mich sehr darüber.

Irgendwann wird es keine Zeitzeugen mehr geben. Ob vor der Glotze sitzend oder leibhaftig vor Ort. Die Erinnerung und Freude über diesen historischen Moment darf nicht vergessen werden. Sie ist Teil der Geschichte. Deshalb darf man auch ein anderes Ereignis eines 9. November nicht vergessen - die Novemberpogrome. Keine Freude, sondern Entsetzen, dass sowas möglich war. Aber, auch Teil der Geschichte.

Edith: Versuche nachvollziehen, warum mich das damals so stark berührte - das ging ja alles so schnell und für mich unerwartet, weil der eiserne Vorhang so lange so unzerstörbar erschien. Die Folgen, Umbrüche, auch manche Brüche in den Lebensbiographien, konnte ich natürlich nicht in dem Moment erfassen. Aber, ich sah, wie sich zuvor getrennte Familien in den Armen lagen. Das hatte mich emotional umgehauen.



editiert am 09.11.2019 11:56 Beitrag melden Zitatantwort
09.11.2019 11:52
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Die erste Sache, die meine Eltern im Westen gekauft haben, war ein digitales Fieberthermometer und eine Flasche Multivitaminsaft in einer Apotheke in Hessen direkt hinter der thüringischen Grenze (weil alle Supermärkte schon zu hatten, sie aber nicht ohne ein Andenken wieder heim wollten).

Ich war im Bauch dabei.
(Entsprechend sind meine persönlichen Erinnerungen spärlich.)



09.11.2019 13:16
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9. November 89
Ich - süße 18 - alleine zuhause in Kreuzberg, Nahe Checkpoint Charlie. Mein Bruder ruft an „was ist bei Dir los?“
„Was soll los sein?“
„Die Mauer ist weg!“
Schaue aus dem Fenster- nichts anders als sonst. Wohl doch 100m zu weit weg vom Checkpoint.
„Hier ist nüscht. Ich hab auch keine Zeit. Muss lernen.“
....so bekam ich nichts mit, weil ich für eine „lebensverändernde“ Kunstklausur gelernt hab

Aber 10. November
Mit meiner besten Freundin begrüßten wir die Trabis am Checkpoint Charlie indem wir sie durchrüttelten.
Gingen zum Brandenburger Tor und wurden sofort auf die Mauer gezogen. Ganz schön hoch das Mistding - Blick zum Westen: Menschen ohne Ende, die feiern. Blick in den Osten: Grepos, die unsicher zu uns schauten; Wasserwerfer auf uns gerichtet. Der Gedanke per Wasserstrahl von der Mauer gefegt zu werden, ist mehr als unbehaglich. Also setze ich mich mit baumelnden Beinen an den Mauerrand und schaue auf die feiernde Menge und denke: Du erlebst hier gerade Geschichte!

30 Jahre ist das her und leider gibt es Regionen, die fast wie vergessen wurden. Was ich schade finde, dass immer noch vom „Osten“ gesprochen wird, obwohl häufig nur ein Bundesland gemeint ist. Oder von neuen Bundesländern - wie lange wird es noch dauern bis alte und neue nicht mehr unterschieden werden?

Auch wenn nicht alles optimal gelaufen ist, dürfen wir nicht vergessen, dass es kein Handbuch für die Zusammenlegung zweier politisch unterschiedlicher Länder gibt. Und dafür find ich es gar nicht so schlecht.

Ich möchte die Mauer nie mehr zurück. Für uns West-Berliner war es schon der Horror an der Grenze - diese Willkür! ... ich mag mir gar nicht vorstellen wie es dann für jemanden auf der Ostseite war.


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