Forum » Transgender/Intersexuell » Thread

"Divers" das neue Geschlecht . . .

Thema abonnieren antworten

Seite: 1 | 2 | 3 |

15.08.2018 19:26
HiddenNickname

Auch hier, weil es Zeit wurde . . .

Zitat

"Divers" ist das neue Geschlecht: Im Geburtenregister soll künftig neben "männlich" und "weiblich" der Eintrag einer dritten Option möglich sein. Der Opposition und Betroffenen geht dies aber noch nicht weit genug.


https://web.de/amp/33117312



15.08.2018 19:29
15.08.2018 19:30
15.08.2018 23:53
HiddenNickname

Den Eintrag "Divers" finde ich sehr unglücklich gewählt.
Was uns dann noch bevorsteht, nach dieser Ankündigung:
"... In einem nächsten Schritt gehe es jetzt darum, rasch weitere unzeitgemäße Regelungen für Transsexuelle zu beseitigen.", da erwarte ich wenig positives.

Weiter im Artikel:
"... Familienministerin Franziska Giffey (SPD) betonte, das derzeit geltende Transsexuellengesetz müsse aufgehoben und durch ein modernes Gesetz zur Anerkennung und Stärkung von geschlechtlicher Vielfalt ersetzt werden. Damit sollten auch Zwangssachgutachten über die geschlechtliche Identität von Menschen künftig nicht mehr zulässig sein.".
Das ist sehr gut, endlich mal was positives. Kein sich nackig mehr machen vor mindestens zwei Menschen.

Aber die Grünen monieren:
"... Die Abgeordneten Sven Lehmann und Monika Lazar sprachen von einem „Trauerspiel für die geschlechtliche Selbstbestimmung“; die Diskriminierung von Trans- und Intersexuellen werde fortgeschrieben. Nicht akzeptabel sei, dass bei der Änderung des Personenstandes ein ärztliches Attest vorgelegt werden solle. Auch Operationen und Hormonbehandlungen an Säuglingen seien abzulehnen. Im parlamentarischen Bundestag würden die Grünen auf deutliche Korrekturen drängen.

Auch die „Bundesvereinigung Trans*“ kritisierte, die Bundesregierung habe eine historische Chance vergeben. Es sei zwar zu begrüßen, dass im Gegensatz zur Vorlage des Bundesinnenministeriums nun das Wort „divers“ statt „weiteres“ für den dritten Personenstand benutzt werde. Dass für eine Änderung aber eine medizinische Bescheinigung benötigt werden soll, sei „nicht nachvollziehbar“."

Fazit: Pro:
- es gibt dann diverse,
- keine Zwangsbegutachtung.
Contra:
- medizinische Bescheinigung ist weiterhin notwendig,
- Intersexuelle Säuglinge werden weiterhin mit Hormonen und Operationen verstümmelt - seelisch, wie körperlich.

editiert am 15.08.2018 23:57 Beitrag melden Zitatantwort
16.08.2018 01:03
HiddenNickname

Danke für den Thread.

Ich finde, der Mensch da im Video im Faz-Link sagt etwas sehr wichtiges. Gerichten war es bisher wichtiger die "Ordnungfunktion" aufrecht zu erhalten als das Persönlichkeitsrecht, was aber verfassungswidrig ist.

Wer zum Geier braucht diese Ordnungsfunktion denn überhaupt? Wer genau profitiert im Jahr 2018 davon?



16.08.2018 20:45
HiddenNickname

@aim oder wer auch immer sich auskennt, wenn mein kind inter ist, kann mich doch niemand dazu zwingen, dieses kind mit hormonen vollzupumpen oder operieren zu lassen...oder wie...?

16.08.2018 21:31
HiddenNickname

Wenn ich mich mal bei deiner Frage zu Wort melden darf, Kalle . . .

Wissbegierig wie ich bin, bin ich, nachdem es hier geschrieben wurde, der Frage nachgegangen und habe die Antwort "nein" bekommen.

Eltern können und dürfen angebotene Operationen ablehnen.

w.



16.08.2018 21:34
HiddenNickname

Als Unwissende eine Frage - kann man Eltern davon abhalten? Ich dachte, genau dieses ist die Problematik...

16.08.2018 21:42
HiddenNickname

Ich habe nun noch einmal das Internet bemüht, dort las ich, leider folgendes:

Zitat
Zudem verlangt das neue Gesetz ärztliche Gutachten für die "Diversen" und verhindert gleichzeitig nicht, dass Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen operiert werden. Das aber verletzt die Rechte der Babys, die noch nicht selbst entscheiden können.


Ich kenne persönlich zwei Paare, die ihre Kinder nicht haben operieren lassen, von anderen weiss ich dieses nur vom hören sagen.

Auch weiss ich, dass sich gerade die Ärzte sehr schwer tun und möglichst schnell eine OP vorschlagen.

Da müssen Eltern schon sehr selbstbewusst auftreten.

Von vielen Hebammen weiss ich, dass sie mit demThema viel offener umgehen.

w.

editiert am 16.08.2018 21:49 Beitrag melden Zitatantwort
16.08.2018 21:51
HiddenNickname

Am 01.12.2016 hiess es:

Zitat
Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität belegt, dass die Zahl „kosmetischer Eingriffe“ an intersexuellen Kindern nicht zurückgeht. Sie liegt noch immer bei rund 1700 Operationen pro Jahr.


Wobei ich nicht weiss, wie viele Kinder als "Inter" geboren werden.

Während ich schon immer erstaunt über die bekanntgegeben Zahlen war und bin.

Jetzt, mit dem neuen Gesetz, frage ich mich, ob sich da und wie schnell etwas ändern wird.

w.



editiert am 16.08.2018 21:56 Beitrag melden Zitatantwort
16.08.2018 21:55
HiddenNickname

Genau dieses entspicht meinem Kenntnisstand - nicht die Ärzte entscheiden, ob operiert wird, sondern die Eltern (ausser, es wäre etwas Lebensbedrohliches). Somit wird sich nichts ändern, wenn Ärzte weiterhin zur OP raten und Eltern eher für sich das Baby operieren lassen, da sie sich mit der Thematik nicht befassen. Soviel ich weiß, hinterlassen kosmetische Eingriffe an Genitialien bei Säuglingen oft langfristige ungute Folgen. Vom Selbstbestimmungsrecht eines Menschen mal ganz abgesehen.

17.08.2018 02:01
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 16.08.2018 um 21:42:

Ich habe nun noch einmal das Internet bemüht, dort las ich, leider folgendes:

Zitat
Zudem verlangt das neue Gesetz ärztliche Gutachten für die "Diversen" und verhindert gleichzeitig nicht, dass Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen operiert werden. Das aber verletzt die Rechte der Babys, die noch nicht selbst entscheiden können.


Ich kenne persönlich zwei Paare, die ihre Kinder nicht haben operieren lassen, von anderen weiss ich dieses nur vom hören sagen.

Auch weiss ich, dass sich gerade die Ärzte sehr schwer tun und möglichst schnell eine OP vorschlagen.

Da müssen Eltern schon sehr selbstbewusst auftreten.

Von vielen Hebammen weiss ich, dass sie mit demThema viel offener umgehen.

w.

@all: Danke fürs Beteiligen an der Diskussion.
Soweit ich es mitbekam im privaten Umfeld üben die Weißkittel einen ganz schönen Druck auf die jungen Eltern aus. Viele sind erst einmal überfordert und willigen ein, in Unkenntnis, wieviele Operationen nun noch auf sie zukommen werden.

Das wäre es für den Gesetzgeber ein leichtes diesem Tun einen Riegel vorzulegen. Ich würde es begrüßen, wenn bis zum 6 Lebensjahr nichts passiert. Kinder wissen schon recht früh für sich, wer sie sind, wie sie Leben wollen.

Operationen sollten nur nach klärenden Gesprächen durch einen Zweitgutachter, eines fremden Krankenhauses, erlaubt. Ähnlich dem legalen Schwangerschaftsabbruch. Sofern das Kind einwilligt. Das sollte die letzte Instanz sein und nicht die Eltern/Ärzte.

17.08.2018 09:36
HiddenNickname

Eine nicht notwendiger medizinischer Eingriff im Säuglingsalter verstößt nicht nur gegen Selbstbestimmungsrechte, sondern erfüllt für mich den Tatbestand der Körperverletzung, für die meines Erachtens operationsgeile Chrirugen angezeigt werden müssten.

Der über das Geschlecht eines Menschen bestimmende Eingriff solte nach meiner Meinung nicht vor Eintritt in die Pubertät überhaupt angedacht werden - weil dies der Zeitraum ist, in dem relativ eindeutig deutlich wird, welchem Geschlecht sich ein Kind zugeneigt fühlt (es sei denn, dies ist zu einem früheren Zeitpunkt klar zu erkennen) - und wenn es sich keinem eindeutig zugeneigt fühlt, sollte auf eine Operation einfach verzichtet werden. Auch lebenslang, wenn der betroffene Mensch glücklich und zufrieden ist und organisch gesund.
Hier hat einfach die Ärztelobby zu viel Einfluss auf den Gesetzgeber, für den es nicht schwierig sein sollte, diese Eingriffe bei einem Baby einfach komplett zu verbieten - außer bei tatsächlich nachgewiesener medizinischer Notwendigkeit.

Was nun an "divers" besser sein soll als an "weiteres" erschließt sich mir übrigens absolut nicht. Und ich überlege gerade, ob es nicht einfacher umzusetzen gewesen wäre, den Geschlechtseintrag im Personenstandsregister ganz wegzulassen.

Damit wäre die Vorlage irgendwelcher Nachweise - und daraus resultierende Gefühle der Diskriminierung und Pathologisierung Betroffener - überflüssig geworden. Und hinsichtlich des bürokratischen Aufwands wäre dieser wahrscheinlich auch geringer, denn wo erst gar kein Geschlecht eingetragen wird, müsste der Eintrag ja auch nie korrigiert werden - wie es heutzutage gem. TSG noch der Fall ist, sondern nur noch die Vornamen geändert.

Staatliche Möglichkeiten zur Kontrolle und Aufrechterhaltung einer Ordnung könnte es auch auf andere Weise geben (dazu fällt dem Gesetzegber doch immer etwas ein!). Hier bedürfte es kreativer Köpfe, die sich Gedanken machen, wie einerseits eine so wenig wie möglich aufgrund persönlicher Merkmale diskriminierende Betitelung aussehen könnte, mit der zugleich gewährleistet wäre, dass die Identität eines Menschen geklärt ist, um Missbrauch zu verhindern.

Bin jedenfalls gespannt auf die zukünftige Entwicklung.

17.08.2018 18:09
HiddenNickname

@maruru, danke dir sehr für die info.
meinem kind eine solche optionsverhindernde operation anzutun hätte kein Arzt dieser erde geschafft.
aber dann ist es doch letztlich auch irgendwie viel rauch um nix, oder?



editiert am 17.08.2018 19:15 Beitrag melden Zitatantwort
17.08.2018 20:15
HiddenNickname

@ Kalle . . .

Als dein Kind geboren wurde, was wusstest du da von den verschiedenen Gendern, was von Inter, Trans und und und . . .

Viel Rauch um nichts . . .

Nun es ist wieder ein ganz kleiner Schritt zur "Normalität" hin, in der Mensch so sein kann und darf, wie Mensch eben ist . . .

Und . . .

Zitat
Die große Koalition setzt damit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2017 um. Darin wurde die geltende Regelung als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes gewertet. Bis Ende 2018 muss die Gesetzesänderung in Kraft treten.


w.

PS.
@ Mabelka - Danke - ja, schön wäre so einiges, besonders sinnvoll würde es sein, meiner Meinung nach, wenn bei derartigen Gesetzesänderungen, Menschen dabei wären, die sich damit auskennen, in erster Linie vor allem Betroffene.



editiert am 17.08.2018 20:27 Beitrag melden Zitatantwort
19.08.2018 07:06
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 17.08.2018 um 20:15:

PS.
@ Mabelka - Danke - ja, schön wäre so einiges, besonders sinnvoll würde es sein, meiner Meinung nach, wenn bei derartigen Gesetzesänderungen, Menschen dabei wären, die sich damit auskennen, in erster Linie vor allem Betroffene.



@maruru - Dein Hinweis liest sich ein bisschen so, als wären Betroffene bisher gar nicht beteiligt. Das ist aber so nicht richtig.

Ohne die unermüdliche Arbeit der Betroffenenverbände wäre dies Thema doch nie in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, und der Gesetzgeber hätte sich vermutlich gar nicht damit befasst.

Die Änderung der Bezeichnung "weiteres" in "divers" entspricht z.B. einer Forderung des Betroffenverbandes e.V. (s. beigef. Link, wenn er denn funktioniert)

http://www.im-ev.de/pdf/2 [...] PStG.pdf

Aber ihren Forderungen wird bisher nicht in vollem Umfang stattgegeben.

Ähnlich erging es doch auch den Homosexuellen mit ihrer Forderung nach der Ehe für alle.
Hat ewig gedauert, bis diese umgesetzt wurde und wäre vielleicht nie realisiert worden ohne das unablässige Engagement Betroffener und deren Unterstützer.
Insofern bin ich zuversichtlich, dass auch dieses jetzt beschlossene etwas unbeholfene Stückwerk, um den Intersexuellen im Personenstandsrecht Raum zu geben (obwohl dieses bürokratische Detail meines Erachtens nachrangig ist verglichen mit der Dringlichkeit eines Verbots der Operationen im Säuglings- und Kindesalter, aber da wagt sich der Gesetzgeber mit Rücksicht auf die Ärztelobby- wie ich vermute- nicht so ohne Weiteres heran), nur den Anfang einer Entwicklung darstellt, an dessen Ende dann hoffentlich ein Umgang mit den Betroffenen steht, der deren Bedürfnissen in vollem Umfang gerecht wird und auch deutlich macht, dass alle sexuellen/geschlechtlichen Erscheinungen - abseits der bisher im Bewusstsein der Mehrheit der Bevölkerung vorhandenen - einfach Teil und Ausdruck der Vielfalt der Natur sind.

19.08.2018 11:03
HiddenNickname

Es gab einen Gesetzesentwurf des Vereins (?) für Menschenrechte, der sehr gut war, wurde aber nicht übernommen. Lieber das BMI rumpfuschen lassen, die machen als nächstes auch die Überarbeitung des TSG, obwohl das im Entwurf der Menschenrechtsorganisation mit drin gewesen war.

Ich würde nicht sagen, dass es nur die Ärztelobby ist. Z.B. werden 50-60% der Kinder abgetrieben, die pränatal mit Turner Syndrome oder Klinefelter Syndrome diagnostiziert werden. Man will eben doch nicht zu viel vom cis-Standard abweichen. Ich bin so froh, dass man noch keine pränatale Diagnostik zu trans gefunden hat. Weiß nicht, was da so die Logik ist - ob man selbst unbedingt ein "normales Kind" möchte oder denkt man erspart dem Kind "das Leiden" - dabei leidet man eigentlich immer nur an der Gesellschaft ...

Viel Rauch um "nichts": 1 von 1500 bis 2000 Kindern wird (der Schätzung) nach mit klar sichtbarer "Abweichung" geboren, es gibt aber noch viel mehr, bei denen erst mal nichts klar ist. (Ich will eigentlich nicht das Wort Abweichung benutzen, weil das so klingt, als wäre die cis-Norm so normal/gut ... )

Drum testet man trans Menschen gleich noch auf Intersex, bevor die HRT los gehen kann - es ist eben nicht alles "klar".

Es geht eben auch um gesellschaftliche Akzeptanz - dann würden Ärzt_Innen und Eltern auch anders reagieren.

Ansonsten ... das was aim22 und Mabelka gesagt haben. Man sollte wirklich den kompletten Eintrag abschaffen.

Wobei ich mich hier auch noch anschließen muss, dass Kinder recht früh wissen, wer sie sind und man nicht unbedingt bis Eintritt der Pubertät warten sollte bzw. dann notfalls Hormonblocker geben oder wie die Dinger heißen.



24.08.2018 21:30
HiddenNickname

War auf einem Seminar die Woche gewesen und der Dozent konnte sich seine Bemerkungen zum Thema 'Divers' nicht verkneipfen. Empfahl ihm einen Kurs in Genderstudis zu belegen, an seiner Hochschule.
Scheint somit selbst im Wissenschaftsbetrieb noch viel Aufklärungsarbeit von Nöten zu sein.

13.10.2018 09:11
HiddenNickname

Erste Lesung im Bundestag, auch zum Anschauen:
https://www.bundestag.de/ [...] r/570762

Oder nur zum Nachlesen (TOP 10):
http://dipbt.bundestag.de [...] 9055.pdf

Ich fand den Großteil der Reden erfreulich nachdenklich. Auch bei den Redner*innen der CDU/CSU schwang mit, dass der Entwurf, wie er aus dem Innenministerium kam bzw. nun von der Regierung in den Bundestag eingebracht wurde, nicht der Weisheit letzter Schluss ist. So klang da die Bereitschaft an, über die Notwendigkeit einer ärztlichen Bescheinigung (wie sie im Regierungsentwurf steht) nochmal nachzudenken und da doch evtl. eine andere Lösung zu finden.



13.10.2018 17:19
HiddenNickname

https://www.deutschlandfu [...] 18-10-10

hier gibt es einen informativen Radiobeitrag zum - dritten Geschlecht -


Thema abonnieren antworten

Seite: 1 | 2 | 3 |








>>> Laufband-Message ab nur 5,95 € für 3 Tage! <<<