Um LESARION optimal zu gestalten und fortlaufend zu verbessern verwenden wir zur Auswertung Cookies. Mehr Informationen über Cookies findest du in unseren Datenschutzbestimmungen. Wenn du LESARION nutzst erklärst du dich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.




Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Thread

FRÜHLINGSERWACHEN

Thema abonnieren antworten

Seite: 1 | 2 | 3 |

23.02.2020 12:38
HiddenNickname

Im warmen Frühlingssonnenschein

Im warmen Frühlingssonnenschein
Erblühn die Orchideen,
Die, wenn der Winter bricht herein,
Noch voll in Blüte stehen.

Vom Frühling bis zur Winterszeit,
Alltäglich, jede Stunde,
Spriesst auch in mir mein altes Leid,
Brennt meine Herzenswunde.

Mir ist's, als ob am Himmelszelt
Mein Lieb auf Wolken stände.
Und eine ganze weite Welt
Sich zwischen uns befände.

Ich wandele im Mondenschein,
Im Schatten der Cypressen,
Und unter Seufzern denk' ich dein,
Die ich nicht kann vergessen.

Es mag wohl meines Herzens Qual
Nicht jedermann verstehen,
Mir will in dem Gedankenschwall
Schier der Verstand vergehen.

(Chinesisches Liebeslied von Mei-Tscheng)


editiert am 23.02.2020 16:22 Beitrag melden Zitatantwort
23.02.2020 16:10
HiddenNickname

Novalis, Es färbte sich die Wiese grün

https://www.youtube.com/w [...] YqBCYYd4

Novalis (1772-1801)

Es färbte sich die Wiese grün

Es färbte sich die Wiese grün
Und um die Hecken sah ich blühn,
Tagtäglich sah ich neue Kräuter,
Mild war die Luft, der Himmel heiter.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Und immer dunkler ward der Wald
Auch bunter Sänger Aufenthalt,
Es drang mir bald auf allen Wegen
Ihr Klang in süßem Duft entgegen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Es quoll und trieb nun überall
Mit Leben, Farben, Duft und Schall,
Sie schienen gern sich zu vereinen,
Dass alles möchte lieblich scheinen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

So dacht ich: ist ein Geist erwacht,
Der alles so lebendig macht
Und der mit tausend schönen Waren
Und Blüten sich will offenbaren?
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Vielleicht beginnt ein neues Reich -
Der lockre Staub wird zum Gesträuch
Der Baum nimmt tierische Gebärden
Das Tier soll gar zum Menschen werden.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Wie ich so stand und bei mir sann,
Ein mächtger Trieb in mir begann.
Ein freundlich Mädchen kam gegangen
Und nahm mir jeden Sinn gefangen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Sie ging vorbei, ich grüßte sie,
Sie dankte, das vergess ich nie -
Ich musste ihre Hand erfassen
Und sie schien gern sie mir zu lassen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
Und wie das wurde, was ich sah.

Uns barg der Wald vor Sonnenschein.
Das ist der Frühling, fiel mir ein.
Kurzum, ich sah, dass jetzt auf Erden
Die Menschen sollten Götter werden.
Nun wusst ich wohl, wie mir geschah
Und wie das wurde, was ich sah.



23.02.2020 19:52
HiddenNickname

Unnennbare Tage

von Eduard Mörike

Hier lieg' ich auf dem Frühlingshügel,
die Wolke wird mein Flügel,
ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag' mir, alleinzige Liebe,
wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
es dringt der Sonne goldner Kuss
mit tief bis ins Geblüt hinein;
die Augen, wunderbar berauschet,
tun, als schliefen sie ein,
nur noch das Ohr der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das,
ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
mein Herz, o sage,
was webst du für Erinnerung
in golden grüner Zweige Dämmerung?
Alte, unnennbare Tage!


23.02.2020 19:55
HiddenNickname

Frühling

von Theodor Fontane

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh;
Er kam, er kam ja immer noch,
die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuss auf Schuss;
im Garten der alte Apfelbaum,
er sträubt sich, aber er muss.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei;
es bangt und sorgt: Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.


24.02.2020 20:52
HiddenNickname

Kleines Liebeslied

Lässt Du mich allein, mein Lieber,
Gibt es viel, worüber ich
Mich betrübe, und mich härme.
Plötzlich denke ich an Dich.
Da erfasst mich eine Wärme,
Schnell und strahlend, zart und nah',
Wie ein rasches, leichtes Fieber,
Und mir scheint, Du wärest da.

Was ich habe, was ich bin,
Von dem Kopf bis zu den Füssen,
Denkt an Dich, träumt zu Dir hin,
Und lässt grüssen, lässt Dich grüssen! -

Und es scheint mein Herz voll Ruhe,
Und verhaltner Kraft zu sein.
Und es hüllt mich diese Welle
Süß und heiter brennend ein.
Und das Dunkle und das Helle,
Mischt sich sanft, wie schöner Samt,
Was ich denke, was ich tue,
Ist verzaubert, ist entflammt. -

(Lessie Sachs)


25.02.2020 10:55
HiddenNickname

Ich und Du

Ich bin die Frühlingswolke. Endlos fließt
der Regen meiner Tränen in die Tiefe.

Du bist ein Rosenblatt und glänzt und lächelst,
und meine Tränen machen dich noch schöner.

Dschami (1414-1492)


29.02.2020 18:32
HiddenNickname

Du & ich

Die Blumen werden immer blühen,
die Vögel singen ihr ewig Lied.
Wenn wir in den Garten gehen,
gehen wir ins Paradies.
Glücklich ist der Augenblick,
wenn wir beieinander sind.
Zwei Gestalten, zwei Gesichter,
aber eine Seele nur.
Du & ich

Sogar am Ende dieser Erde,
werden wir beisammen sein.
Wir bewohnen ewige Himmel,
sind endlose Freude hier.
Vögel stürzen mit hellen Flügeln
süßes Nass mit uns zu trinken.
Wir lachen Tränen, wenn sie betrunken
von Gottes edlem Weine sind.
Du & ich

Wundersam ist´ s hier zu sein,
leicht in die nächste Welt zu gehen.
Kein Ich mehr und kein Du besitzen,
nur die Wonne der Vereinigung.
Du & ich

(Original Rumi, Bearbeitung Dieter Halbach)

24.03.2020 21:31
HiddenNickname

Rezept von Mascha Kaléko

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im großen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.



28.03.2020 16:04
HiddenNickname

Kleines Frühlingsanfangsgedicht

Im Frühling kehr'n die Kräfte wieder
Die Menschen schreiben schmutz'ge Lieder
Die Triebe sind reanimiert
Das ist mir Freitag so passiert

Ich wachte auf und bei mir lag
Die Liason vom Donnerstag
Du lieber Suff...! Ich dachte : Nein!
Was kann der Frühling grausam sein

Ich hab die Lust ganz höflich, sacht
Doch konsequent zur Tür gebracht
Kaum war sie raus, da merkte ich
Verdamt noch mal: hier wohn ich nicht!

Ich hatte mir ne Lust gefangen
Und bin dann mit zu ihr gegangen
Das ist des Frühlings Übermut

Nun gut

Friedhelm Kändler

13.04.2020 11:06
HiddenNickname

Unnennbare Tage

Hier lieg' ich auf dem Frühlingshügel,
die Wolke wird mein Flügel,
ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag' mir, alleinzige Liebe,
wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
es dringt der Sonne goldner Kuss
mit tief bis ins Geblüt hinein;
die Augen, wunderbar berauschet,
tun, als schliefen sie ein,
nur noch das Ohr der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das,
ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
mein Herz, o sage,
was webst du für Erinnerung
in golden grüner Zweige Dämmerung?
Alte, unnennbare Tage!

Eduard Mörike


13.04.2020 17:15
HiddenNickname

Voller Apfel, Birne und Banane,
Stachelbeere... Alles dieses spricht
Tod und Leben in den Mund... Ich ahne...
Lest es einem Kind vom Angesicht,

wenn es sie erschmeckt. Dies kommt von weit.
Wird euch langsam namenlos im Munde?
Wo sonst Worte waren, fließen Funde,
aus dem Fruchtfleisch überrascht befreit.

Wagt zu sagen, was ihr Apfel nennt.
Diese Süße, die sich erst verdichtet,
um, im Schmecken leise aufgerichtet,

klar zu werden, wach und transparent,
doppeldeutig, sonnig, erdig, hiesig -:
O Erfahrung, Fühlung, Freude -, riesig!

Rilke

18.04.2020 21:32
HiddenNickname

Entzücken im Frühlinge

Es grünt das Feld,
Es blüht die Haide,
Und junge Freude
Weht durch die Welt.
Es glänzt mir das Auge, es schwillt mir die Brust
Vor Lust, vor Lust.

Ein Sehnen dringt
Mir durch die Seele,
Wenn Philomele
Im Strauche singt.
Es glänzt mir das Auge, es pocht mir das Herz
Vor Schmerz, vor Schmerz.

Und diese Lust,
Und diese Schmerzen,
In meinem Herzen,
In meiner Brust,
Sie heben vereint von der Erde Plan
Mich himmelan.

(Karl Streckfuss)



21.04.2020 19:33
HiddenNickname

Wir alle sind gleich drei Faltern,

eine Fabel sind wir in dieser Welt der Liebenden.

Der erste näherte sich der Kerze

und sprach: “Ja, ich habe die Bedeutung der Liebe gefunden!”

Der zweite flog nahe der Flamme

und sprach: “Ja, ich brannte im Schmerz der Liebe!”

Der dritte warf sich in das Feuer.

“Ja, ja, dies ist der Sinn der Liebe!”

Rumi


23.04.2020 20:05
HiddenNickname

Die Hummel oder Gestörte Einsamkeit

Allein im Freien sitzt du still
Und lauschest der Natur
Du willst gern hören, was sie will
Dir sagen, und das bei Sonne pur.

Und plötzlich hörst du ein Gebrummel
Es fliegt ganz dicht an dir vorbei
Es ist die große, schwarze Hummel
Sie sucht nur Nektar, eins zwei drei.

Sie stört dich kaum mit dem Gebrumm
Wenn du genießest die Natur
Nur einmal fliegt sie um dich rum
Fort ist sie ohne jede Spur.

Sie setzt sich auf das bunte Blatt
Ganz dicht vor dir, du kannst sie sehn
Sie saugt den Nektar - nun ist sie satt
Und wird nach Hause wieder gehn.

Und du kannst weiter nun genießen
Die Ruhe bei warmen Sonnenschein
Lass deine Gedanken wandern und sprießen
Du bist erneut für dich allein.


von Ludwig Strunz

23.04.2020 20:07
HiddenNickname

Alle Birken in Moor und Heid'

Alle Birken in Moor und Heid';
jeder Brambusch leuchtet wie Gold.
Alle Heidlerchen jubeln vor Fröhlichkeit;
jeder Birkhahn kollert und tollt.

Meine Augen gehen wohl hin, wohl her
auf dem schwarzen, weißflockigen Moor,
auf den braunen, grün schimmernden Heidemeer
und steigen zum Himmel empor.

Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölklein zieht,
wie ein Wollgrasflöckchen, so leicht;
und mein Herz, es singt ein leises Lied,
das auf zum Himmel steigt.

Ein leises Lied, ein stilles Lied,
ein Lied, so fein und so lind,
wie ein Wölklein, das über die Bläue zieht,
wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.


von Hermann Löns

23.04.2020 20:12
HiddenNickname

Frühlingsgedränge

Frühlingskinder im bunten Gedränge,
Flatternde Blüthen, duftende Hauche,
Schmachtende, jubelnde Liebesgesänge
Stürzen an's Herz mir aus jedem Strauche.

Frühlingskinder mein Herz umschwärmen,
Flüstern hinein mit schmeichelnden Worten,
Rufen hinein mit trunkenem Lärmen,
Rütteln an längst verschlossenen Pforten.

Frühlingskinder, mein Herz umringend,
Was doch sucht ihr darin so dringend?
Hab' ich's verraten euch jüngst im Traume,
Schlummernd unter dem Blütenbaume?

Brachten euch Morgenwinde die Sage,
Dass ich im Herzen eingeschlossen
Euren lieblichen Spielgenossen,
Heimlich und selig - ihr Bildnis trage?


von Nikolaus Lenau

23.04.2020 22:02
HiddenNickname

Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne
O wärst du da!

Johann Wolfgang von Goethe

24.04.2020 20:55
HiddenNickname

Leise Lieder...

Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
Lieder, die kein sterblich Ohr vernimmt,
noch ein Stern, der etwa spähend wacht,
noch der Mond, der still im Äther schwimmt;

denen niemand als das eigne Herz,
das sie träumt, in tiefer Wehmut lauscht,
und an denen niemand als der Schmerz,
der sie zeugt, sich kummervoll berauscht.

Leise Lieder sing ich dir bei Nacht,
dir, in deren Aug mein Sinn versank,
und aus dessen tiefem, dunklen Schacht
meine Seele ewige Sehnsucht trank.

Christian Morgenstern

24.04.2020 21:00
HiddenNickname

Ich weiß noch, wie du warst im vergangenen Herbst. Grau die Mütze; das Herz so still, als ob es schliefe.
In deinen Augen fochten Flammen des Abenddämmerns. Und es fielen die Blätter ins Wasser deiner Tiefe.
Meine Arme umklammernd, warst du wie eine Winde, die Blätter dämpften deine Stimme, als ob sie schliefe. Lähmendes Loderfeuer, in dem mein Durst verbrannte. Geknickte Hyazinthe, blau über meiner Tiefe.
Ich fühle deine Augen reisen, fern ist der Herbst: Graukappe, Vogelstimme, Herz wie ein Zuhause, wohin meine geheimen Sehnsüchte emigrierten und meine frohen Küsse wie rote Kohlen fielen.
Himmel, von einem Schiff aus. Saat, vom Felskamm gesehen. Dein Bild in mir ist Licht, Dunst, ein Teich, als ob er schliefe. Jenseits von deinen Augen flammten die Dämmerungen. Dürre Blätter des Herbstes kreisten in deiner Tiefe.

-Pablo Neruda

25.04.2020 20:57
HiddenNickname

Reise von mir zu dir

Liebe Reisende
die Zeit ist ziemlich schwer
das Ziel unerreichbar
wir fliegen in gefährlichen Höhen
seelenbrecherisch schnell

ein paar Illusionen noch
und wir sinken
an den Anfang

grübelt nicht
verlasst nicht den Sitz
bevor nicht völlig endet
die Arbeit des Herzens

Achtung!
Im Liebesmangel
öffnet sich die Rose
des Körpers instinktiv
fällt frei
die Gesetze gelten nicht!

(Katica Kjulavkova)


Thema abonnieren antworten

Seite: 1 | 2 | 3 |








>>> Laufband-Message ab nur 5,95 € für 3 Tage! <<<