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HERZGEFLÜSTER

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27.11.2018 22:16
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Irgendwo, wo ich noch niemals war

Irgendwo, wo ich noch niemals war, freudig jenseits
jeder Erfahrung, haben deine Augen ihre Stille:
in der zartesten deiner Gesten sind Dinge, die mich umschließen,
oder die ich nicht zu berühren vermag, weil sie so nahe sind.

Ein kleiner Blick von dir wird mich aufschließen,
mich, der ich mich selbst verschlossen habe wie Finger,
du entblätterst mich Blatt um Blatt so wie der Frühling
(geschickt, geheimnisvoll) seine erste Rose öffnet.

Wenn du mich aber schließen willst, so werden mein Leben
und ich uns in Schönheit verschließen, jäh,
als stelle sich das Herz dieser Blume
den sanften Fall des Schnees vor.

Nichts von dem, was wir in dieser Welt gewahren, gleicht
der Macht deiner radikalen Zerbrechlichkeit: deren Gewebe
mich mit der Farbe seiner Länder zwingt,
Tod und Ewigkeit mit jedem Atemzug aufzugeben

(ich weiß nicht, was es ist, das in dir schließt
und öffnet; nur etwas in mir begreift,
dass die Stimme deiner Augen tiefer ist als alle Rosen)
Niemand, nicht einmal der Regen, hat solch kleine Hände.

E.E. Cummings



28.11.2018 19:35
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MAN HÖRT AUF MICH

Ich habe gesagt: Wolken:
bedeckt die Geliebte
wenn ihr die Sonne zu heiß wird.
Fluß: teil dich, wenn sie ans Ufer kommt.
Häuser: nehmt sie auf, wenn sie ermüdet
und Tische: laßt sie zu.
Wiesen: bindet ihr einen Strauß
und Vögel: singt ihr ein Lied,
wenn sie erwacht. Steine:
geht aus dem Weg, den sie nimmt
und Berge: versetzt euch, wenn nötig.
Meere: tragt ihren Körper zu den Kontinenten.
Städte: seid freundlich.
Menschen: liebt, die ich liebe.
Ich habe gesagt. Nun geh.
Hab keine Angst. Man hört auf mich.

Peter Maiwald


29.11.2018 23:46
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Folge mir nicht

Folge mir nicht,
wenn mich die Irrwege
meiner Gedanken und
Worte verführen.

Schließ´ deine Augen
Und erkenne all das,
was ich nicht sagen kann
für diesen Moment.

Verweile eine Zeit
Und sei dir gewiß,
der Kompass meines Herzens
führt mich sicher
zu dir zurück.

(Smilla Magnusson)


03.12.2018 20:42
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WAS MICH BEWEGT

Man muss den Dingen
die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann,
alles ist ausgetragen -
und dann geboren...

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst
dass dahinter kein Sommer kommen könnte.

Er kommt...!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor Ihnen läge,
so sorglos, still und weit.

Man muß Geduld haben
gegen das Ungelöste im Herzen
und versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Rainer Maria Rilke



03.12.2018 20:50
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Somewher i have never travelled

Somewhere i have never travelled
any experience, your eyes have their silence:
in your most frail gesture are things which enclose me,
or which i cannot touch because they are too near

your slightest look easily will unclose me
though i have closed myself as fingers,
you open always petal by petal myself as Spring opens
(touching skilfully, mysteriously)her first rose

or if your wish be to close me, i and
my life will shut very beautifully, suddenly,
as when the heart of this flower imagines
the snow carefully everywhere descending;

nothing which we are to perceive in this world equals
the power of your intense fragility : whose texture
compels me with the color of its countries,
rendering death and forever with each breathing

(i do not know what it is about you that closes
and opens;only something in me understands
the voice of your eyes is deeper than all roses)
nobody, not even the rain, has such small hands

Englische Version

09.12.2018 17:45
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Schlaflied

Einmal wenn ich dich verlier,
wirst du schlafen können, ohne
das ich wie eine Lindenkrone
mich verflüstre über dir?

Ohne dass ich hier wache und
Worte, beinah wie Augenlider,
auf deine Brüste, auf deine Glieder
niederlege, auf deinen Mund.

Ohne dass ich dich verschließ
und dich allein mit Deinem lasse
wie einen Garten mit einer Masse
von Melissen und Stern-Anis.

R.M.R.

13.12.2018 22:40
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Noch bist du da

Noch bist du da
Wirf deine Angst
in die Luft

Bald
ist deine Zeit um
bald wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends

Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da

Sei was du bist
Gib was du hast

(Rose Ausländer)


13.12.2018 22:46
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Regenwörter

Regenwörter
überfluten mich
Von Tropfen aufgesogen
in die Wolken geschwemmt
ich regne
in den offenen
Scharlachmund
des Mohns

(Rose Ausländer)

editiert am 13.12.2018 22:47 Beitrag melden Zitatantwort
14.12.2018 19:51
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Manchmal spricht ein Baum
durch das Fenster mir Mut zu
Manchmal leuchtet ein Buch
als Stern auf meinem Himmel
Manchmal ein Mensch
den ich nicht kenne
aber meine Worte erkennt

Rose Ausländer

14.12.2018 20:42
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Du einverleibt
dem Du
im Rosenschlaf
Gewittertief
nie aufhörender
Augenblick
aus dem Schatten geschält
dein Gesicht

Der Traum hat
offene Augen

(Rose Ausländer)

16.12.2018 01:01
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Die Liebende

Ja ich sehne mich nach dir.
Ich gleite mich verlierend
selbst mir aus der Hand,
ohne Hoffnung, dass ich das bestreite,
was zu mir kommt wie aus deiner Seite
ernst und unbeirrt und unverwandt.

...jene Zeiten: O wie war ich Eines,
nichts was rief und nichts was mich verriet;
meine Stille war wie eines Steines,
über den der Bach sein Murmeln zieht.

Aber jetzt in diesen Frühlingswochen
hat mich etwas langsam abgebrochen
von dem unbewussten dunklen Jahr.
Etwas hat mein armes warmes Leben
irgendeinem in die Hand gegeben,
der nicht weiß, was ich noch gestern war.

RILKE

16.12.2018 20:28
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MÜDE

Von dem Suchen und dem Finden.
Von dem Ankommen und der Flucht.
Von dem Lachen und dem Weinen.
Von der Stille und dem Geschrei.
Von der Last auf meinen Schultern.
Von der Angst und den Zweifeln,
den begründeten und den unbegründeten.
Von den abertausenden Prüfungen
die ich bestanden habe, oder nicht,
wer weiß das schon?
Von den echten Gefühlen und den nur vorgetäuschten.
Von den wahren Worten und den nur gut getarnten Lügen.
Von der Liebe und ihrem Preis.
Müde.
Müde.
Müde.

Saina Bayatpour


22.12.2018 22:34
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Versöhnung

Wieder ein Morgen
ohne Gespenster
im Tau funkelt der Regenbogen
als Zeichen der Versöhnung
Du darfst dich freuen
über den vollkommenen Bau der Rose
darfst dich im grünen Labyrinth
verlieren und wiederfinden
in klarerer Gestalt
Du darfst ein Mensch sein
arglos
Der Morgentraum erzählt dir
Märchen du darfst
die Dinge neu ordnen
Farben verteilen
und wieder
schön sagen an diesem Morgen
du Schöpfer und Geschöpf

(R. Ausländer)


22.12.2018 23:44
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Nichts bleibt wie es ist

Ich träume mich satt
an Geschichten
und Geheimnissen

Unendlicher Kreis aus Sternen
ich frage sie
nach Ursprung Sinn und Ziel
sie schweigen mich weg

Den Orten die ich besuche
gebe ich neue Namen
nach den Wundern
die sie mir offenbaren

Nichts bleibt wie es ist
es verwandelt sich
und mich

(Rose Ausländer)

23.12.2018 20:08
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EINES TAGES

Eines Tages
werde ich dir ein Gedicht schreiben,
das weder die Luft erwähnt
noch die Nacht,
ein Gedicht,
das die Namen der Blumen auslässt,
in dem es keinen Jasmin
und keine Magnolien gibt.

Eines Tages
werde ich dir ein Gedicht schreiben
ohne Vögel und Quellen,
ein Gedicht,
das das Meer umgeht
und das nicht in die Sterne schaut.

Eines Tages
werde ich dir ein Gedicht schreiben,
das sich darauf beschränkt,
mit den Fingern
über deine Haut zu fahren
und das deinen Blick
in Worte verwandelt,
ohne Vergleiche, ohne Metaphern.

Eines Tages
werde ich dir
ein Gedicht schreiben,
das nach dir riecht,
ein Gedicht
mit dem Rhythmus deines Pulses,
mit der Kraft,
dem Druck deiner Umarmung.

Eines Tages werde ich dir
ein Gedicht schreiben,
den Gesang meines Glücks.

Dario Jaramillo Agudelo


26.12.2018 10:42
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Unglaublich schön.... dem ist nichts hinzuzufügen.

26.12.2018 21:05
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DAS IST DER FELS

Das ist der Fels, an dem
die Besten scheitern:
dass sie aufhören
zu lieben,
wenn sie anfangen
zu erkennen.

Wohl jenem,
der Erkenntnis errungen
und Liebe bewahrt hat -
der die Welt
ihr zum Trotz
liebt.

Ernst von Feuchtersleben


26.12.2018 21:14
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für einen eher prosaisten ... geht's

„befragung zur mitternacht“
wo, die meine hand hält, gefährtin,
verweilst du, durch welche gewölbe
geht, wenn in den türmen die glocken
träumen daß sie zerbrochen sind,
dein herz?

wo, welchen kahlschlag durcheeilst du,
die ich berühre wangenzart, welch ein
betäubendes nachtkraut streift dich,
träumerin, welch eine furt benetzt
deinen fuß?

wo, wenn der hohle himmel graut, liebste,
rauschst du durch traumschilf, streichelst
türen und grüfte, mit wessen boten
tauscht küsse, der leise bebt.
dein mund?

wo ist die flöte, der du dein ohr neigst,
wo das geheul das lautlos dein haar
bauscht, und ich liege wie ein gelähmter
und horch und wach und wohin
dein gefieder?

wo, in was für wälder verstrickt dich,
die meine hand hält, gefährtin,
dein traum?

enzensb.

editiert am 26.12.2018 21:15 Beitrag melden Zitatantwort
26.12.2018 21:34
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Liebeslied

Komm zu mir in der Nacht – wir schlafen eng verschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.

Es öffnen Blumen sich vor allen Quellen
Und färben sich mit Deiner Augen Immortellen …

Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen
Und Liebe eingehüllt spät in mein Zelt.
Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen.

Wir wollen wie zwei seltene Tiere liebesruhen
Im hohen Rohre hinter dieser Welt.

Lasker-Schüler

editiert am 26.12.2018 21:35 Beitrag melden Zitatantwort
26.12.2018 22:15
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Nur Dich

Der Himmel trägt im Wolkengürtel
den gebogenen Mond.
Unter dem Sichelbild
will ich in deiner Hand ruhn.

Immer muss ich wie der Sturm will,
bin ein Meer ohne Strand.
Aber seit du meine Muscheln suchst,
leuchtet mein Herz.

Das liegt auf meinem Grund
verzaubert.
Vielleicht ist mein Herz die Welt,
pocht -
und sucht nur noch dich -
wie soll ich dich rufen?

E. Lasker-Schüler


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