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14.01.2019 00:04
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... Kinder in die Welt zu setzen?

Dieses kontroverse Thema läuft gerade im Politikforum

https://de.lesarion.com/f [...] umbottom

ich bin aber leider stumm geschaltet, als Userin ohne Identitätsbestätigung. Deswegen probiere ich es mal hier, und mal schauen was passiert. Vielleicht gibt es noch andere, die zu dem Thema was zu sagen haben, aber wie ich mit der Idee der Identitätsbestätigung hadern.

Also was ich dazu sagen wollte:

Als Mutter zweier Kinder finde ich es absolut irre Kinder in die Welt zu setzen. Eine völlig bescheuerte Idee. Auch immer schon gewesen. Alles andere als verantwortlich gegenüber den Kindern und sich selbst. Allein schon deswegen, weil Menschen so schrecklich miteinander umgehen. Und was neuerdings noch dazu kommt, sind natürlich noch die bereits erwähnten Umweltprobleme und die Überbevölkerung.

Mit (hetero)sexueller Lust hat uns die Natur eine Falle gesetzt, um uns in die Elternschaft zu locken. Wir haben es geschafft in diesem Punkt die Natur zu überlisten, mit der Empfängnisverhütung und anderen Tricks. Doch das entsprechende Umdenken in der Gesellschaft ist noch nicht weit genug vorangeschritten. Kinderhaben wird noch immer als etwas sehr positives verkauft, das höchste Glück schlechthin, und die Entscheidung für Kinderlosigkeit wird immernoch zu wenig akzeptiert.

Ich bin generell dagegen jemandem etwas zu verbieten. Aber angemessene Aufklärung darüber, was es WIRKLICH heißt, Kinder in die Welt zu setzen, welche Konsequenzen es hat, für eine selbst, für die Kinder und für die Umwelt, ist dringend nötig. Als vielleicht etwas krasses Beispiel muss ich da an die aktuelle Kampagne gegen Rauchen denken. Was wenn alle Kinder- und Schwangerschaftsprodukte statt strahlenden Kindergesichtern eine obligatorische Warnung "Kinder bekommen schadet der Gesundheit der Frau/der Umwelt" tragen würde, und noch Bilder dazu von überkotzer Kleidung, spektakulären Tantrums, oder die CO2-Werte die die Verbrennung einer Windel erzeugt? Das klingt vielleicht etwas dystopisch, aber ich finde es wichtig dass angemessene Aufklärung die Anzahl der Menschen minimiert die aus FALSCHEN Gründen Kinder bekommen. Es gibt dann bestimmt immernoch eine Minderheit die sich für Kinder entscheidet, aber hoffentlich eben nur diejenigen die die Kinder wirklich der Kinder willen wollen, und weil sie ein besonderes Talent dafür haben, Kinder zu erziehen, mit ihnen zu leben und sie glücklich zu machen. Wenn jede Entscheidung, für oder gegen eigene Kinder, mit voller Verantwortung gefällt wird, soll jeder solchen Entscheidung mit größtem Respekt begegnet werden.

Das alles soll aber nicht so verstanden werden: Wenn jemand "aus falschen Gründen" ein Kind bekommt, dann ist es sein/ihr Problem. Sobald ein Kind da ist, aus welchen Gründen auch immer, sollten nicht nur die Eltern, sondern die gesamte Gesellschaft für sein Wohl zuständig sein. Inclusive der Kinderlosen. Heutige Kinder sind schließlich diejenigen die später unsere Leichen und sonstigen Sch**ß entsorgen müssen.


14.01.2019 23:25
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Warum hast Du Deine zwei Kinder in diese Welt gesetzt?

15.01.2019 09:04
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Aus falschen Gründen halt. Ich hätte meinen Kinderwunsch kritischer hinterfragen sollen und mich besser informieren sollen.


15.01.2019 12:31
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Jetzt hast du sie aber. Sie werden grösser und du wirst wieder mehr Freiheiten/Raum für dich haben.

editiert am 15.01.2019 12:33 Beitrag melden Zitatantwort
15.01.2019 12:32
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Ich weiß ja nicht, wie alt deine Kinder sind, aber besprichst du diese Meinung mit ihnen? Und mit deinem Partner? Welche Position vertritt er?
Kennst du „Regretting Motherhood“?

Kinderlose finanzieren Kinder übrigens durchaus mit (durch Steuern, die für Kinderbetreuung, Schulen etc genutzt werden) und können sich sowohl beruflich (bspw als Lehrkräfte) als auch ehrenamtlich (bspw bei Wellcome) oder im Bekannten-/ Verwandtenkreis um Kinder kümmern. (Manchmal klappt es halt auch nicht bei allen mit dem Kinderwunsch...) ODER sie können mit Kindern nix anfangen, dann ist es auch okay. 😊
Sorry für diesen kleinen Exkurs, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass Kinderlose gebasht werden - das stört mich.
Gut, das Problem hast du ja nicht...
Oh, ich bin gespannt auf die Diskussion hier!

editiert am 15.01.2019 12:37 Beitrag melden Zitatantwort
15.01.2019 12:35
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.01.2019 um 12:32:

Sorry für diesen kleinen Exkurs, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass Kinderlose gebasht werden - das stört mich.


Versteh ich und stört mich auch!

15.01.2019 23:15
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Ich wollte auf keinen Fall Kinderlose bashen, sorry wenn es so rübergekommen ist. Im Gegenteil, ich bin für mehr Wertschätzung für bewusste Kinderlosigkeit.

Und was den Beitrag an Kindererziehung angeht: Natürlich zahlen Kinderlose Steuer, und nehmen beruflich oder ehrenamtlich teil am Großziehen der Kinder, und das ist gut so! Sie haben dafür meinen großen Dank! Was aber davon am anderen Ende ankommt ist noch lange nicht genug. Ob es jetzt heißt dass kinderlose Einzelpersonen oder kinderlose Großkonzerne nochmal zur Kasse gebeten werden sollten, lasse ich mal offen...

Insofern finde ich die Beiträge 11.01.2019 22:57 und 12.01.2019 12:58 im gleichnamigen Thread im Politikforum sehr interessant:
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
(Sorry, als Nicht-Bestätigte kann ich auch die Nicks der Verfasserinnen nicht sehen, deswegen muss ich mit Datum darauf verweisen.)

Also, in beiden Beiträgen ärgern sich professionelle Kindererzieherin(nen) (o.ä.) über verantwortungslose Eltern, die Geburtstagskuchen und Windel vergessen und die Erwartungshaltung haben, "dass Fremde, die dafür bezahlt werden, eine Erziehungsleistung erbringen". Genau so ein Elternteil bin ich, oder war ich zumindest. Denn wie soll man anders Beruf und Familie unter einen Hut bringen können? Als ich Kinder bekommen habe, war mir nicht bewusst, dass das nicht geht. Ich dachte, alles was mir an Mutterarbeit zu viel ist, kann ich in Auftrag geben. Ich brauche denke ich niemandem zu erklären, dass es eine große Enttäuschung war.

Okay. Was ist die Lösung? Dazu kann es verschiedene Meinungen geben.

Eine, die mir vom Haus aus am nächsten liegt: Institutionen sollen die Kinder nicht nur aufbewahren, sondern eben auch die Erziehungsleistung erbringen (und die Windeln besorgen sowieso). Aber klar, das kostet. Die Bedingungen müssen dafür geschaffen werden. Die Erzieherinnen müssen darauf entsprechend vorbereitet werden, und viel viel mehr verdienen! Und jemand muss das alles bezahlen. Für eine Frau allein, oder ein durchschnittlich verdienendes Elternpaar ist es zu teuer. Es braucht ein Dorf um ein Kind großzuziehen.

Eine andere mögliche Meinung, die scheinbar von den hier zitierten Erzieherinnen vertreten wird: die Eltern sollen selbst um ihre Kinder kümmern, das entspricht den Bedürfnissen der Kleinkinder, incl. Körperkontakt, Bindung, usw. usw. Alles andere produziert nur Bindungsstörungen en masse.

Die letzteren könnten durchaus Recht haben. Meine bindungsgestörte Tochter ist möglicherweise ein Beweis dafür. Das verrückte dabei ist aber folgendes:

Jemand muss Kinder erziehen. Jemand muss für sie da sein, auf eine langfristig zuverlässige Art und Weise. Das ist eine schwere, verantwortungsvolle Aufgabe, die einiges an Qualifikationen erfordert. Nur, die einen (professionelle Erzieherinnen) werden dafür bezahlt (nicht genug, aber daran sollte man was ändern), können damit ihre Rente aufbauen, können sich krank schreiben oder weniger Arbeiten wenn es ihnen zu viel wird, oder gar den Job wechseln, haben geregelte Arbeitszeiten, während die anderen (die Eltern, meistens die Mütter) werden nicht bezahlt, können nicht ihre Rente aufbauen, müssen ihre Arbeit machen auch wenn sie krank sind, müssen rund um die Uhr in Bereitschaft sein und können nicht kündigen. Und dann gibt es noch Menschen die andere Berufe ausüben, die weniger schwer sind, noch viel besser als die Erzieherinnen bezahlt werden, und viel mehr Respekt in der Gesellschaft ernten. Jetzt kommt die Frage: Wie kann ein klar denkender Mensch sich freiwillig für den Job der Mutter entscheiden?

Okay, es gibt Menschen die sich für einen Beruf nicht wegen materiellen Reizen, sondern weil ihnen die Arbeit an sich Spaß macht, entscheiden. Das ist prima! Es wird bestimmt immer auch solche Menschen geben, die sich aus diesem Grund für die Elternschaft entscheiden (obwohl ich würde stattdessen immernoch Erzieher(in) empfehlen). Das sind keine falschen Gründe! Das ist verdammt richtig! Aber ich denke, wenn alle klar denken würden und über die Herausforderungen der Elternschaft angemessen aufgeklärt wären, würde es sich herausstellen, dass es gar nicht so viele solche Menschen gibt.


15.01.2019 23:30
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 15.01.2019 um 12:32:

Ich weiß ja nicht, wie alt deine Kinder sind, aber besprichst du diese Meinung mit ihnen?


Nein, dafür sind sie zu jung. Und überhaupt, ist es einem Kind zumutbar, zu wissen dass seine Mutter es bereut? Aber es sickert leider trotzdem durch.

Zitat Und mit deinem Partner? Welche Position vertritt er?


Er weiß Bescheid. Und versucht neuerdings mehr die Sorge für die Kinder zu übernehmen. Aber das macht ihn nicht überglücklich. Genauso wie ich, hat er für Kindererziehung überhaupt kein Talent und arbeitet lieber außer Haus.

ZitatKennst du „Regretting Motherhood“?


Aber sicher.


16.01.2019 17:23
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Zuerst: Es gehört viel Mut dazu, sich so ehrlich zu äussern und das verdient Respekt. Zumal es genug militante Muttis gibt, die gerne scharf schiessen, auch aus nichtigen Gründen teilweise. Das meine ich nicht auf diese Community bezogen sondern basiert auf meinen Erfahrungen. Meinen Respekt hast du auf jeden Fall. Ich stelle mal eine These auf, nämlich dass jene, die sich ihrer Herausforderungen und (vermeintlichen oder tatsächlichen) "Defizite" bewusst sind, nicht halb so viel Unheil für ihre Kinder bedeuten wie jene, die weder gewillt noch imstande sind, sich selbst zu hinterfragen.

Ohne meinen Eltern jetzt was zu wollen....ich war so ein Kind. Meiner Ansicht nach haben mich meine Eltern aus den bereits thematisierten "falschen" Gründen bekommen mit allerlei Begleiterscheinungen, die über das Vergessen eines Geburtstagskuchens und dergleichen deutlich hinausgingen. Natürlich habe ich meine Macken und Störungen davon getragen. Ein kritischer Beobachter hätte sicherlich Gründe gefunden, zu sagen: Es war verantwortungslos. Trotzdem denke ich, dass meine Eltern IHR Möglichstes versucht haben. Und nochmal, ich will ihnen nichts. Ich sehe heute, dass meine Eltern nicht die einst allmächtig erscheinenden Übermenschen sind, für die ich sie als kleines Kind gehalten habe. Sie sind Menschen, die selbst scheisse viel gelitten haben und Talente und Defizite haben. Und ich kann ehrlich sagen, dass ich sehr sehr gerne lebe und froh bin, dass ich dieses Leben bekommen habe, mit all seinen Schatten, die es mit sich gebracht hat und bringt. Dies als kleiner Versuch eines Perspektivwechsels.

Ich war selbst über weite Strecken alleinerziehend mit 3 Kindern. Ich kenne das Gefühl, nicht zu genügen....es nicht zu schaffen, an alles zu denken (Geburtstagskuchen, liebe Erzieherinnen! Ja hier ist eine von denen!). Unsere Gesellschaft erzwingt es geradezu, dass Eltern (auf jeden Fall die Mütter aber sicher auch einige Väter) mit einem schlechten Gewissen rumlaufen. Ständig könnte man was besser machen. Die Berufstätigen fragen sich, ob es dem Kind besser ginge, wäre man zu Hause, die seltene Spezies der Vollzeitmuttis blickt auf die berufstätigen Muttis und fühlt sich manchmal ebenfalls defizitär. Der Chef will fitte, leistungsfähige, pünktliche, flexible Mitarbeiter und das Kind zu Hause kotzt nächtelang Bett, Teppich und Sofa voll und steckt natürlich das Geschwisterkind an, das postwendend weiterkotzt. Das Kind hat das Bedürfnis nach einem ausgeruhten, präsenten Elternteil, der seinerseits aber einen unterschriebenen Arbeitsvertrag zu erfüllen hat ....inklusive aller Punkte, die man NICHT unterschrieben hat natürlich! Ich hatte so oft das Gefühl, die eierlegende Wollmilchsau angeben zu müssen, was mir natürlich nicht gelang. Ohhh, ich habe auch bööööse Erzieherinnenblicke kassiert. Prädikat: mangelhaft. Deutlich sichtbar auf meiner Mutterstirn. Mit demütig gesenktem Blick schlich ich mich manchmal an den strengen Damen vorbei. (Nachtrag: Die meisten von ihnen und später in der Schule auch die meisten Lehrer waren ganz wunderbare Menschen, die einen wahrhaft grossartigen Job gemacht haben.)

Ich habe keine Tipps, keine Antworten und keine Lösungen. Nur ein verstehendes Nicken. Ich kenne das Gefühl, nicht zu genügen, nicht gut zu sein in dem, was man macht.

Trotzdem sind meine drei gross geworden, mir ist es gelungen, irgendwie das nötige Geld ran zu schaffen und sehe drei zufriedene, empathische junge Erwachsene/Teenager vor mir. Ihr Vater hat sich vor über 10 Jahren aus dem Staub gemacht und auch sie haben ihr Päckchen zu tragen. Ich bin glücklich, dass sie (zwar unperfekt ...) gross geworden sind und trotz der Päckchen und der defizitären Eltern gerne leben, lachen und ihre Zukunft planen.

Ich glaube, du machst das besser als du denkst.



editiert am 16.01.2019 17:46 Beitrag melden Zitatantwort
17.01.2019 21:08
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Ach, liebe bing, danke für deine Unterstützung. Ich hatte mich schon auf ein Tsunami von Hohn eingestellt, dieses Forum bietet aber immer neue Überraschungen, auch angenehme.

Aber zurück zum Thema, ob es heute noch vertretbar ist Kinder zu bekommen. Jetzt angenommen dass die Menschheit es irgendwie schafft, ein Gleichgewicht zwischen dem eigenen Fortbestehen und der Erhaltung der Umwelt zu finden, wie soll eine Gesellschaft aussehen, in der es vertretbar ist Kinder in die Welt zu setzen? Wie müssen wir uns organisieren damit Eltern nicht ständig mit dem schlechten Gewissen leben müssen, als ob sie eine Straftat begangen haben? (Oder ist es doch eine Straftat?) Was müssen wir tun damit diejenigen die Kinder erziehen (sei es Eltern oder professionelle Kräfte) die dafür notwendigen Ressourcen haben und den verdienten Respekt bekommen? Oder ist es vielleicht gar nicht so wichtig, dass neue junge Menschen kommen, und damit die Sache jedes einzelnen, wie das halten von Wellensittichen und Meerschweinchen, eine Art Hobby?

Eure Meinungen dazu würde ich gerne hören. Und Ideen. Auch wilde Fantasien sind herzlich willkommen!

17.01.2019 22:10
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Kennst du Nicola Schmidt - Artgerecht?
Oder Nora Imlau, Herbert Renz-Polster etc?
Attachment Parenting, Bedürfnisorientierte Erziehung?

Sie sprechen alle davon, dass die bürgerliche Kleinfamilie für alle Beteiligten eine Überforderung darstellt - und die Eltern, v a die Mütter, sich Clan-Strukturen schaffen sollen - getreu dem afrikanischen Sprichwort, nach dem man, um Kinder großzuziehen, ein ganzes Dorf brauche.
Wo Clanstrukturen heute fehlen, können Wellcome, Babysitter, kinderlose Freund*innen einspringen - oder man zieht in ein Haus mit vielen Familien.
All die genannten Autor*innen beschäftigen sich übrigens auch mit Nachhaltigkeit.


18.01.2019 09:22
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Guten Morgen, guten Tag, wie gut, dass du das aussprichst! So viele Frauen tappen in die Falle ungerechter Verantwortungs- und Arbeitsverteilung, sobald Kinder da sind! Liebe Grüße, Monika

editiert am 04.02.2019 08:03 Beitrag melden Zitatantwort
18.01.2019 18:27
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 14.01.2019 um 00:04:

Heutige Kinder sind schließlich diejenigen die später unsere Leichen und sonstigen Sch**ß entsorgen müssen.


Zur Frage, ob es nun sinnvoll ist, sich auf diesem Planeten noch zu vermehren, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Ganz sachlich betrachtet bleibt es ja nicht beim reinen Entsorgen unserer Leichname, wofür Nachkommen erforderlich sein werden. Bis wir überhaupt mal in einen entsorgbaren Zustand geraten, werden viele von uns eine mehr oder weniger anspruchsvolle Phase erleben, in welcher wir auf Unterstützung von ( in der Regel ) jüngeren Artgenossen angewiesen sein werden. Diesbezüglich wird wohl eher mehr Manpower vonnöten sein als für den reinen Entsorgungsvorgang. Letzteres geht schnell und unkompliziert, wenn man will. Wenn uns bis dahin keine Ausserirdischen beehren, sehe ich nicht besonders viele Möglichkeiten, hier auf menschliche Fortpflanzung verzichten zu können. Tiere können wir nicht zu Altenpflegern ausbilden. Ich glaube auch nicht an Pflegeroboter, die uns zufriedenstellend betreuen können. Da fehlt mir irgendwie der zwischenmenschliche Faktor. Ausserdem stellt sich mir die Frage der Umsetzbarkeit... sollte man aus unerfindlichen Gründen hierzulande zum Schluss kommen, ein weiterer Fortbestand lohne sich für unsere Spezies nicht, werden sich wohl kaum weltweit alle Menschen freiwillig mit einem entsprechenden Vorgehen einverstanden erklären. Wie stellt man sich das vor? Der geregelte Abgang der Spezies Mensch von diesem Planeten wird beschlossen und von einer Art eingesetztem Insolvenzverwalter möglichst umweltschonend koordiniert? Naja, immerhin gibt's in der Schweiz ein paar Vereine, die sich mit Sterbehilfe auskennen.... Ganz ehrlich! Irgendwie kann ich mir gewisse apokalyptische Schweissperlen nicht verkneifen, wenn ich länger drüber nachdenke. Vielleicht Gedankenstoff für ganz, ganz misanthrope Momente in meinem Leben.

Klar, all diese Überlegungen entspringen einer egoistischen Denkweise....WIR brauchen im Alter Pflegekräfte und Totengräber, dafür brauchen WIR Kinder. Ob WIR unseren Nachkommen jedoch eine lebenswerte Welt zur Verfügung stellen, damit all diese Kinder gut leben können (die ja schliesslich ihrer Zeugung nicht zugestimmt haben), sollte hier der allerwichtigste Faktor sein und genau DA sehe ich die Verantwortung! Die meisten Menschen, die ich kenne, leben grundsätzlich ganz gerne und möchten dies auch noch eine Weile tun. Wenn wir es schaffen, die Lebensumstände für alle Menschen gerechter zu machen, sind wir auf einem guten Weg. Es liegt an uns, unsere Kinder nach unseren Möglichkeiten zu umsichtigen, empathischen, verantwortungsvollen Erwachsenen zu erziehen und darauf zu hoffen, dass sie es eines Tages besser machen als unsere heutige Generation. Dafür ist es hoffentlich nicht zu spät. Es darf nicht sein, dass Menschen an Unterernährung sterben oder Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten erleben und darunter leiden müssen. Wie das jedoch gelingen könnte, weiss ich leider auch nicht...ein erster Schritt wäre, zu lernen über den Tellerrand zu blicken. Pessimistisch stimmt mich der Umstand, dass immer noch zu viele Personen mit hohen Psychopathiewerten ganze Länder unter ihrer mörderischen Fuchtel haben. Es gibt viel zu tun.

So das war meine wilde, ungeordnete Phantasie zu dem Thema.

editiert am 18.01.2019 18:42 Beitrag melden Zitatantwort
02.02.2019 22:03
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So. Endlich habe ich wieder die Möglichkeit was zu schreiben.

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 17.01.2019 um 22:10:
Kennst du Nicola Schmidt - Artgerecht?
Oder Nora Imlau, Herbert Renz-Polster etc?
Attachment Parenting, Bedürfnisorientierte Erziehung?


Danke für die Lesetipps, moos. Die Bücher kannte ich nicht, habe aber ein Paar andere Dinge gelesen, die von der Idee her in eine ähnliche Richtung gehen.

Ja, Clans sind superwichtig. Wenn wir aber diesen Gedanken etwas weiter verfolgen:

Traditionell ist es ja so, dass man in ein Clan reingeboren u./o. reingeheiratet wird. Dann kümmern Omas, Opas, Tanten usw. mit. An sich eine ganz gesunde Konstellation, die heute noch auch hierzulande gern gelebt wird, auch wenn die Bedingungen des Arbeitsmarktes eher gegenwirken. Wenn wir das aber als DAS Modell sehen würden, was heißt es in Bezug auf die Entscheidung Kinder zu bekommen oder nicht? Heutzutage wird es (glaube ich) meistens so praktiziert, dass ein Paar sich darüber verständigt, ob sie Kinder haben wollen. Wenn eine Frau ein Kind "reinschmuggelt", wird es nicht hart verurteilt, aber doch nicht so gern gesehen. Das ist auch sinnvoll: Wenn der Mann oder Co-Mutter das mittragen muss, sollte er/sie auch mitentscheiden dürfen. Und wenn der Clan das mitträgt? Sollte er nicht auch mitentscheiden dürfen? Ist es dann nicht bis zu einem gewissen Grade rechtfertigt, dass der Clan sich in das Fortpflanzungsverhalten eines Individuums einmischt. Ich bin keine Historikerin und keine Soziologin, aber sind nicht die "arranged marriages" eine traditionelle Antwort auf diese Frage?

Nun leben wir glücklicherweise in einer Zeit und an einem Ort, wo Selbstbestimmung in Sachen Sexualität und Partnerschaft groß geschrieben wird. Das sollte dann logischerweise auch für Clans gelten. Man wird nicht in ein Clan reingeboren, sondern sucht sich einen aus, oder baut sich einen auf, so wie moos das auch meint. Dann stellt sich aber die Frage, wem unser Balzverhalten gelten soll: Dem künftigen Co-Elternteil, oder dem Clan? Muss man sich dann bei einem Clan bewerben?

Und was ist dann mit der arbeitsmarktbedingten Mobilität? Es ist schon sehr schwer für ein Paar von A nach B umzuziehen. Einen Clan mitzunehmen ist dann schlichtweg unmöglich. Was passiert dann mit dem Kind wenn man sich von dem Clan scheiden lässt? Kommt das Kind mit, oder bleibt es bei dem Clan? (Ich gehe dabei davon aus dass der Clan wirklich einen wesentlichen Beitrag zur Kindererziehung macht, und nicht nur kurz aufpassen, d.h. das Kind hat wichtige Bindungspersonen in dem Clan, was ja auch sein sollte.)

Das sind so die Gedanken die mir immer kommen, wenn ich an Clanstrukturen zu Zwecken der Kindererziehung denke.



02.02.2019 22:20
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Also die von mir zitierten Autor*innen sehen das jetzt eher niedrigschwellig: dein Clan kann die Wellcome-Oma, die Babysitterin (bspw Nachbarstochter) sowie die nette Mutter aus der Rückbildungsgymnastik sein, ebenso die kinderlose Freundin oder deine Patentante, deren Kids schon aus dem Haus sind.
Und ja, wenn du umziehst, musst du dir wieder ein neues tragfähiges Netz weben - und dein Kind muss sich in diese Strukturen einpassen.

Das andere, was du andeutest, stelle ich mir so spannend wie herausfordernd vor: dass Freund*innen gemeinsam ein Kind bekommen, ohne in Partnerschaft miteinander zu sein. Das können zwei, drei, vier... Menschen sein (na gut, mehr als vier ist eher unwahrscheinlich), die sich die Verantwortung und CareArbeit teilen.
Wird gerade in der linken Szene hip, aber auch bei Regenbogenfamilien schon seit langem gelebt.
Finde ich einerseits toll, wäre mir persönlich andererseits aus diversen Gründen nix.

Mhm, wie geht es dir denn inzwischen? Sorgst du gut für dich?

02.02.2019 23:38
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.02.2019 um 22:20:

Also die von mir zitierten Autor*innen sehen das jetzt eher niedrigschwellig: dein Clan kann die Wellcome-Oma, die Babysitterin (bspw Nachbarstochter) sowie die nette Mutter aus der Rückbildungsgymnastik sein, ebenso die kinderlose Freundin oder deine Patentante, deren Kids schon aus dem Haus sind.
Und ja, wenn du umziehst, musst du dir wieder ein neues tragfähiges Netz weben - und dein Kind muss sich in diese Strukturen einpassen.

Das andere, was du andeutest, stelle ich mir so spannend wie herausfordernd vor: dass Freund*innen gemeinsam ein Kind bekommen, ohne in Partnerschaft miteinander zu sein. ...


Wahrscheinlich verfalle in solche sozialpolitische Phantasien, weil es mir überhaupt nicht gelungen ist, Strukturen die auf den "niedrigschwelligen" Optionen basiert sind in meinem Leben einigermaßen aufzubauen. Ich habe auch ihre Bedeutung absolut unterschätzt. Und habe auch schon einen Duzend von berufsbedingten Ortswechsel (zum Teil international) hinter mir, davon ca. 5 mit den Kindern. Also, kein Wunder, dass meine Tochter eine Bindungsstörung entwickelt.

Aber zurück in die Phantasiewelt: Ich denke es würde für mich viel besser funktionieren, wenn ich einen Clan heiraten würde, um damit Kinder zu bekommen, und meine romantische Beziehungen außerhalb dieser Struktur halten würde.

Aber in unserer Gesellschaft gibt es dafür keinen Platz. Die bürgerliche Kleinfamilie, die für die Kindererziehung nicht taugt, wird von der Gesellschaft unterstüzt und geschützt. Es gibt das Institut der Ehe mit dem ganzen rechtlichen Drumherum. Ich weiß nicht was da die Linken treiben, aber für größere Kindererzehungsgemeinschaften gibt es gar keine rechtliche Grundlage.

ZitatMhm, wie geht es dir denn inzwischen? Sorgst du gut für dich?


Danke für die Frage. Mir geht's ganz gut. Ich sorge gut für mich, aber weniger gut für meine Kinder. Ich habe nämlich vor ein Paar Monaten meinen Mann mit den Kindern sitzen lassen - naja, ich bin zwei Straßen weiter gezogen, und bin immernoch 2-3 Mal pro Woche drüben. Aber sie vermissen mich und fragen mich ständig wann ich zurückkomme. Ich will aber gar nicht zurückkommen. Ich finde es für mich prima so. Und die Kinder müssen leiden.


editiert am 02.02.2019 23:40 Beitrag melden Zitatantwort
02.02.2019 23:56
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Du bist also bei deiner Familie ausgezogen und fühlst dich wohl.
Wie geht es deinem Mann? Seid ihr noch als Paar zusammen oder ebenfalls getrennt? (Du bist ja auch sicher nicht zufällig hier im Forum...)
Hat ER Unterstützung für die Kinder? Und: sind die beiden in einer kindertherapeutischen Begleitug?
Entschuldige diese Frage, aber liebst du deine Kinder?
Oder bist du gerade gar nicht in der Lage, da etwas zu empfinden?

Es liest sich für mich, als hättest du die Notbremse für dich gezogen.

Der häufige Wohnortwechsel klingt für mich, als wäre es an der Zeit, dass ihr nun alle wieder zur Ruhe kommt. Ankommt. Auch und gerade in getrennten Wohnungen.
Anders als die gängige Meinung bin ich nämlich der Überzeugung, dass Kinder nicht zwangsläufig ihre Mutter brauchen - aber verlässliche und stabile Erwachsene, die sich gut um sie kümmern.
Ich hoffe, deine Kids haben das - und dass ihr alle euren Weg gehen könnt.

PS: Habe gerade gelesen, dass dein Partner auch nicht scharf auf Kinderbetreuung ist.
Nun will ich sicher nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, aber habt ihr mal über eine Pflegefamilie nachgedacht?

editiert am 03.02.2019 00:01 Beitrag melden Zitatantwort
04.02.2019 10:23
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 18.01.2019 um 18:27:

Zur Frage, ob es nun sinnvoll ist, sich auf diesem Planeten noch zu vermehren, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht. Ganz sachlich betrachtet bleibt es ja nicht beim reinen Entsorgen unserer Leichname, wofür Nachkommen erforderlich sein werden. Bis wir überhaupt mal in einen entsorgbaren Zustand geraten, werden viele von uns eine mehr oder weniger anspruchsvolle Phase erleben, in welcher wir auf Unterstützung von ( in der Regel ) jüngeren Artgenossen angewiesen sein werden. Diesbezüglich wird wohl eher mehr Manpower vonnöten sein als für den reinen Entsorgungsvorgang. Letzteres geht schnell und unkompliziert, wenn man will. Wenn uns bis dahin keine Ausserirdischen beehren, sehe ich nicht besonders viele Möglichkeiten, hier auf menschliche Fortpflanzung verzichten zu können. Tiere können wir nicht zu Altenpflegern ausbilden. Ich glaube auch nicht an Pflegeroboter, die uns zufriedenstellend betreuen können. Da fehlt mir irgendwie der zwischenmenschliche Faktor. Ausserdem stellt sich mir die Frage der Umsetzbarkeit... sollte man aus unerfindlichen Gründen hierzulande zum Schluss kommen, ein weiterer Fortbestand lohne sich für unsere Spezies nicht, werden sich wohl kaum weltweit alle Menschen freiwillig mit einem entsprechenden Vorgehen einverstanden erklären. Wie stellt man sich das vor? Der geregelte Abgang der Spezies Mensch von diesem Planeten wird beschlossen und von einer Art eingesetztem Insolvenzverwalter möglichst umweltschonend koordiniert? Naja, immerhin gibt's in der Schweiz ein paar Vereine, die sich mit Sterbehilfe auskennen.... Ganz ehrlich! Irgendwie kann ich mir gewisse apokalyptische Schweissperlen nicht verkneifen, wenn ich länger drüber nachdenke. Vielleicht Gedankenstoff für ganz, ganz misanthrope Momente in meinem Leben.

...


Ich finde das Bild, das du hier malst, toll! Es zeigt ganz deutlich das wir die jungeren Generationen brauchen. Deswegen ist Kinder großziehen kein Privatvergnügen, sondern ein Auftrag der Gesellschaft, solange wir uns nicht auf Insolvenz geeinigt haben.

04.02.2019 15:25
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Danke Ixte. Das denke ich auch. Ich bin auch sicher, dass sich diesbezüglich was tun muss und tun wird in den kommenden Jahren/Jahrzehnten.

05.02.2019 10:03
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.02.2019 um 23:56:

Du bist also bei deiner Familie ausgezogen und fühlst dich wohl.
Wie geht es deinem Mann? Seid ihr noch als Paar zusammen oder ebenfalls getrennt? (Du bist ja auch sicher nicht zufällig hier im Forum...)
Hat ER Unterstützung für die Kinder? Und: sind die beiden in einer kindertherapeutischen Begleitug?
Entschuldige diese Frage, aber liebst du deine Kinder?
Oder bist du gerade gar nicht in der Lage, da etwas zu empfinden?

Es liest sich für mich, als hättest du die Notbremse für dich gezogen.

...

PS: Habe gerade gelesen, dass dein Partner auch nicht scharf auf Kinderbetreuung ist.
Nun will ich sicher nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, aber habt ihr mal über eine Pflegefamilie nachgedacht?


Mein Mann und ich haben schon seit über einem Jahr keinen Sex mehr, aber wir eiern immernoch rum und wissen nicht, ob wir unseren heutigen Stand noch als Ehe oder schon als Trennung bezeichnen sollen.

Das Jugendamt ist schon lange dabei und hat uns schon diverse Vorschläge zur Unterbringung der Kinder gemacht. Mein Mann ist aber eher dagegen, und versucht sich gerade mit der Elternrolle anzufreunden. Manchmal denke ich, er überschätzt sich total, anderseits aber habe ich viel Respekt dafür, dass er nun die Verantwortung übernimmt. Er hat da auch schon deutliche Fortschritte gemacht.

Ob ich meine Kinder liebe? Wahrscheinlich schon. Es sind zwei einzigartige kleine Persönlichkeiten, und es wäre schade wenn es sie nicht gäbe. Schön wäre es aber, wenn ich nicht ihre Mutter sondern Tante, oder höchstens Vater wäre. Und? Liebe ich sie?

Immer wenn ich antworten muss, ob ich jemand liebe, muss ich zucken. Denn wenn ich sage, dass ich liebe, habe ich immer diese Vorahnung, das das was als nächstes kommt ist eine Aufforderung meine Liebe zu beweisen. Nach dem Motto: "Wenn Du sie liebst, wie kannst du denn ... ???!!!" Ich will und werde aber niemandem etwas beweisen. Im Zweifelsfall sage ich dann lieber, dass ich sie nicht liebe.

Also, ja, Notbremse... Man könnte es so bezeichnen.



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