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Kann mich nicht outen

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21.06.2019 19:23
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Hallo Zusammen,
ich hab jetzt lange überlegt, ob ich mich hier anmelden soll. Doch ich habe mich getraut.
Ich lebe seit etwa 15 jahren ein Doppelleben. für meine Umwelt bin ich hetero. Doch ich liebe Frauen. Hatte auch schon einige Beziehungen, die es toleriert haben, dass ich mich aus verschiedenen Gründen nicht outen kann. Ich lese aber immer, dass es für viele ne Zumutung ist mit jemandem zusammenzusein, der nicht geoutet ist. Ist das wirklich so? Bin jetzt seit etwa 4 Jahren Single. Hab aber Sehnsucht nach einer Freundin.Doch ich traue mich nicht, weil ich nicht vor die Wahl gestellt werden will.

Ist das Outen wirklich so wichtig? Oder zählt die Liebe mehr? Bin etwas verunsichert.

LG

21.06.2019 19:34
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 19:23:

Hatte auch schon einige Beziehungen, die es toleriert haben, dass ich mich aus verschiedenen Gründen nicht outen kann.


Scheint mir für alles, was mehr ist, als heimlich miteinander ins Bett gehen, ziemlich unpraktisch zu sein...

21.06.2019 19:38
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Ich bin meinen Freundinnen immer ganz selbstverständlich nah gewesen, auch in der Öffentlichkeit. Wenn der Anderen das unangenehm ist, weil sie nicht geoutet ist (oder gleich aus welchen Gründen), führt das zwangsläufig zu Spannungen.

Für mich käme das also nicht in Frage.

Was hindert Dich denn am Outing, wenn man mal so fragen darf?

21.06.2019 19:42
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Wäre durch ein Coming Out Dein Leben bedroht?

Welchen Grund außer diesem kann es denn geben dafür PERMANENT zu LÜGEN und PERMANENTES LÜGEN von der/ den einzigen Eingeweihten zu verlangen?

Gibt es nichts in Dir, was dem widerstrebt/ was Dich verstehen läßt, daß das für Mitgezwungene eine Qual sein kann/ ist?



21.06.2019 19:50
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Meine Ex war auch nicht geoutet (nur bei der Familie) dadurch kam ich mir permanent wie das kleine Geheimnis vor !
Sie war mit in meinem Freundeskreis und allein bei ihren Freunden.... hat mich schon arg belastet!!!

Was hält dich davon ab, dich zu outen? Du lebst in einer großen Stadt

21.06.2019 19:56
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Ich habe mich nie geoutet, wurde aber schon geoutet

- von einem Arbeitgeber, der dem Nachfolger mitteilte, dass ich auf Frauen stehe. Dem war das aber wurscht.

- und geoutet von einer Hausbewohnerin, die eine neu einziehende Frau über mich 'aufklärte'

Da meine Familie in Norddeutschland lebte und ich im Süden habe ich immer getan, was mir gefiel, ohne Rechenschaft abzulegen.

Mit meiner Partnerin besuchte ich dann irgendwann meine Eltern und es war kein Problem. Sie waren sogar begeistert von ihr, obwohl sie immer gesagt hatten 'komm mir bloß nicht mit einer Frau an'. Als sie dann persönlich vor ihnen stand war alles anders.

Fazit:
Musst du dich wirklich outen ?



21.06.2019 19:56
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 19:23:

(...)
Ist das Outen wirklich so wichtig? Oder zählt die Liebe mehr? Bin etwas verunsichert.

LG


Man muss sich nicht "outen" - tun Heterosexuelle auch nicht mit Anküdigung. Sie verheimlichen nur nicht, wer sie sind und wen sie lieben - bezogen auf die sex. Orientierung. Da wird zwischen Kaffeeautomaten und nächstem Projektmeeting erzählt, was man so am WE mit den Lieben unternommen hat.

Für dich ein Problem? Und falls ja, warum? Oder reicht die Liebe nicht für dich und deine Partnerin, um mal den Liebesspieß umzudrehen?

Um es auf den Punkt zu bringen - wer nicht zu mir stehen kann - so voll und ganz, da gehe ich nicht mehr mit. Wer nicht zu sich selbst stehen kann, so voll und ganz, da würde ich eine Weile mitgehen und versuchen zu unterstützen, damit sich das ändert. Aber, an sich wollte ich das nie wieder tun - Selbstliebe, Liebe, Respekt .
Da bräuchte es für mich echt schwerwiegende Gründe, warum jemand nicht zur eigenen Homosexualität stehen kann.

21.06.2019 20:00
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 19:56:

Man muss sich nicht "outen" - tun Heterosexuelle auch nicht mit Anküdigung...


Weil Heterosexualität eh als Standardfall erwartet wird...

21.06.2019 20:20
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 20:00:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 19:56:

Man muss sich nicht "outen" - tun Heterosexuelle auch nicht mit Anküdigung...


Weil Heterosexualität eh als Standardfall erwartet wird...


Natürlich und genauso können sich auch alle anderen Menschen jenseits der Heternormativität verhalten. Man kassiert immer noch manchmal schräge Blicke, und offene Münder - aber, hey, es ist das Jahr 2019, mit der Ehe für alle - wie lange soll man noch so tun, als wäre es etwas Falsches?

Dieses Versteckspielen schadet am Ende auch einen selbst. Natürlich kenne ich die Gründe nicht, warum sich die TE nicht outen mag, aber oft sind es keine lebensbedrohlichen Bedingungen, sondern die Scheu vor Konflikten. Das muss die Partnerin dann mit ausbaden. Und meist ist es dann so, wie manche es schon oben berichtet haben - es existieren dann zwei Welten - bei eigenen Freunden und der Familie ist alles kein Problem, aber in der Welt der Partnerin muss man so tun, als wäre man nur eine gute Freundin. Das ist für eine kurze Zeit o.k, aber irgendwann mag man nicht mehr das dreckige Geheimnis sein. Da geht es nicht erstrangig um irgendeinen Status, sondern um die eigene Identität und der Selbstachtung.



21.06.2019 20:28
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 20:20:

Man kassiert immer noch manchmal schräge Blicke, und offene Münder - aber, hey, es ist das Jahr 2019, mit der Ehe für alle - wie lange soll man noch so tun, als wäre es etwas Falsches?

Dieses Versteckspielen schadet am Ende auch einen selbst. Natürlich kenne ich die Gründe nicht, warum sich die TE nicht outen mag, aber oft sind es keine lebensbedrohlichen Bedingungen, sondern die Scheu vor Konflikten. Das muss die Partnerin dann mit ausbaden. Und meist ist es dann so, wie manche es schon oben berichtet haben - es existieren dann zwei Welten - bei eigenen Freunden und der Familie ist alles kein Problem, aber in der Welt der Partnerin muss man so tun, als wäre man nur eine gute Freundin. Das ist für eine kurze Zeit o.k, aber irgendwann mag man nicht mehr das dreckige Geheimnis sein. Da geht es nicht erstrangig um irgendeinen Status, sondern um die eigene Identität und der Selbstachtung.


Ja -

aber ich wollte mit meinem Einwurf auf etwas anderes hinaus:

Es gibt hinsichtlich des Outen keine Symmetrie zwischen Hetero/as und queers, solange Heterosexualität - trotz aller Liberalisierung weiterhin - als Standardfall vorausgesetzt wird:

Die Nicht-Explizierung von Heterosexualität führt zu keiner Fehlwahrnehmung, weil sie eh erwartet wird.

Die Nicht-Explizierung von queerness führt dagegen zu Fehlwahrnehmung, weil nicht sie, sondern weiterhin Heterosexualität als Standard erwartet wird.


editiert am 21.06.2019 20:29 Beitrag melden Zitatantwort
21.06.2019 20:29
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Hab ich eine falsche Vorstellung von Outen??

Man muss ja nicht gleich mit einem Schild rumlaufen, auf dem steht “ ich liebe Frauen“ aber wenn der Freundeskreis und die Familie Bescheid wissen, macht es das Miteinander doch etwas einfacher oder ungezwungener ....?

21.06.2019 20:30
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Dass es "eine Zumutung" sei, ist sehr hart formuliert.

Ich würde eher sagen es ist für viele einfach umständlich, unpraktisch und nur schwierig damit zu leben, wenn die eigene Partnerin nicht geoutet ist und dies auch nicht möchte. Es ist ein permanentes Versteckspiel. In der Öffentlichkeit, vor der Familie, vor Freunden evtl. auch ...

Mit meiner Partnerin möchte ich auch unterwegs mal Händchen halten, ihr einen Kuss geben, wann immer mir danach ist und auch von ihr geküsst werden, wenn die Stimmung passt, völlig egal wo man sich befindet ... Ich möchte nicht darüber nachdenken, ob es jemand sieht.
Für mich findet ein Beziehungsleben nicht nur hinter verschlossenen Türen in den eigenen vier Wänden statt ... Ich möchte sagen können "Für mich bitte einen Cappuccino und für meine Frau einen Espresso und bringen Sie uns bitte auch die Dessertkarte."

Am ehesten funktioniert eine nicht-geoutete Beziehung wohl mit einer Frau, die es genauso handhaben möchte ... Für eine, die grundsätzlich geoutet ist und im Alltag offen lebt, ist das vermutlich immer schwierig.

21.06.2019 20:39
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 20:28:

Ja -

aber ich wollte mit meinem Einwurf auf etwas anderes hinaus:

Es gibt hinsichtlich des Outen keine Symmetrie zwischen Hetero/as und queers, solange Heterosexualität - trotz aller Liberalisierung weiterhin - als Standardfall vorausgesetzt wird:

Die Nicht-Explizierung von Heterosexualität führt zu keiner Fehlwahrnehmung, weil sie eh erwartet wird.

Die Nicht-Explizierung von queerness führt dagegen zu Fehlwahrnehmung, weil nicht sie, sondern weiterhin Heterosexualität als Standard erwartet wird.


Ich habe dich vollkommen verstanden und frage - wie soll sich das ändern? Warten, bis eine Schleife um das Geschenk der Gesellschaft, Familie etc. überreicht wird? Alle haben es vorhergegangen Generationen zu verdanken, dass man dafür hier nicht mehr verfolgt, verhaftet ( und Schlimmeres) wird. Muss natürlich jede*r für sich selbst entscheiden, in wie weit man weiter sich selbst und andere belügen mag.

21.06.2019 20:39
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Ich hatte keine Wahl.
Aber ich erinnere mich an die inneren Kämpfe.

Aber jetzt ist es einfacher...
Ich kann ganz ich sein.

Aber ich kann genauso verstehen wenn jemand glaubt sich nicht outen zu können.

Es kostet Kraft und Energie.

Ich wünsche der TE diese Kraft und Energie und mehr Zuversicht.


21.06.2019 20:45
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 20:39:

wie soll sich das ändern? Warten


Nein, sage ich ja gar nicht (siehe schon meine allererste Antwort: 21.06.2019 19:34).

Ich wollte mich nur gegen eine Lesart wenden, die sagt: 'Weil sich Hetero/as nicht outen müssen, 'müssen' wir es auch nicht.' Doch wir 'müssen' es, wenn wir nicht fehlrezipiert werden wollen.

21.06.2019 20:45
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Hallo Creativ78,

vor dem äusseren Coming Out, braucht es erst ein inneres Coming Out. Oder, beides läuft parallel ab. Wenn man keine Unterstützung erfährt, alleine ist, oder sogar angefeindet wird oder dies befürchten muss, dann ist das natürlich sehr schwer. Da kann ich nur ein Umfeld mit queeren Menschen als moralische und freundschaftliche Stütze empfehlen. Auf die Schnelle habe ich nichts anderes gefunden, aber vielleicht können sie Tipps geben, an wem man sich als Erwachsene wenden kann
http://www.sunrise-dortmu [...] ing-out/

Und...deine Stadt hat auch einen CSD - falls du noch nie dort warst, lohnt sich vielleicht ein Abstecher Um Frauen, queere Menschen kennenzulernen und auch zu erleben, wie es ist, wenn man nicht die Einzige ist.

http://www.csd-dortmund.de/


21.06.2019 20:51
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 20:45:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 21.06.2019 um 20:39:

wie soll sich das ändern? Warten


Nein, sage ich ja gar nicht (siehe schon meine allererste Antwort: 21.06.2019 19:34).

Ich wollte mich nur gegen eine Lesart wenden, die sagt: 'Weil sich Hetero/as nicht outen müssen, 'müssen' wir es auch nicht.' Doch wir 'müssen' es, wenn wir nicht fehlrezipiert werden wollen.


Hier hast du mich wiederum falsch verstanden - ich meinte, dass man sich nicht hinstellen muss und sich als Lieschen Müller, Lesbe, Bisexuelle etc. vorstellen muss. Natürlich ist es immer noch ein Coming out, wenn man jemanden sagt - du, ich habe mich in Maria, meine Nachbarin verliebt. Oder, nein, ich habe keinen Freund, sondern eine Freundin etc. etc. etc. Bei den eigenen Eltern, Familie, engen Freunden ist das auch etwas anderes - da holt man meist etwas mehr aus, weil man auch oft Angst hat, abgelehnt zu werden.

21.06.2019 20:53
HiddenNickname

Boah ne....sorry ich finde es richtig daneben! Mit einer Frau zusammen sein zu wollen aber nicht zu ihr zu stehen. Du lebst in Deutschland!! Hier dürfen Homosexuelle mittlerweile heiraten. Selbst die Rechtspopulisten haben hier eine Lesbe als Parteivorsitzende.Du bist jetzt auch keine Teenagerin die Angst vor Mobbing haben muss. Wenn mich Leute deswegen ablehnen, können sie sich ins Knie nicken. Steh zu Dir und den Frauen die Du liebst!

editiert am 21.06.2019 20:56 Beitrag melden Zitatantwort
21.06.2019 21:04
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Das "outen" kann man womöglich unterschiedlich ausleben.

Wir sind einfach überall gemeinsam hingegangen.

Eine detaillierte Erklärung, wie unser Innenverhältnis ist, haben wir nicht abgegeben.

Wem, ausser der Familie und Freunden, muss man denn erklären, in welcher persönlichen Verbindung man steht ?
(ernst gemeinte Frage)

Wann tritt da ein ernstes Problem auf ?



21.06.2019 21:08
HiddenNickname

Also, ich kann mich aus beruflichen und familieären Gründen nicht outen. Würde ich es tun, wäre meine Lebensgrundlage weg. Auch im Jahr 2019 ändern sich manche Dinge nicht. Mir steht es nicht auf der Stirn geschrieben, dass ich lesbisch bin und jeder, der meint ich wäre hetero, den lass ich in dem Glauben. Nur meine engsten Freunde wissen es.

Trotzdem fehlen mir gewisse Dinge. Und ich habe mich mittlerwile damit abgefunden. Und nein, meine Beziehungen haben sich nicht nur in meinen oder ihren 4 Wänden abgespielt.


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