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Forum » Familie & Co » Thread

Kinderlos

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19.06.2020 17:46
HiddenNickname

Hallo,

seit langer Zeit habe ich mich wieder hier angemeldet, weil mir einfach kein anderer Ort einfiel, an dem ich mich über dieses Thema austauschen könnte.

Ich fühle mich mit meinem "Problem" wirklich furchtbar alleine und hoffe, hier Austausch zu finden mit Frauen, die ähnliche Gedanken haben oder hatten.

Seit Anfang 20 habe ich einen Kinderwunsch. Mal weniger und er gerät in den Hintergrund, dann wieder mit voller Wucht, dass ich es nicht einmal ertragen kann, Mütter oder schwangere Frauen in meiner Umgebung zu haben.
Meine Geschwister haben Kinder. Als ich am Telefon von meiner Mutter erfuhr, dass nun auch meine Schwester ein Kind bekommt, dass es ein "Unfall" sei, nicht geplant gewesen ist, da habe ich gar kein Wort mehr raus bekommen. Ich habe das Telefon einfach weggestellt und mich ins Bett gelegt und nur geweint. Es hat mich traurig gemacht, dass ich nicht weiß, ob und wann ich jemals Kinder bekommen werde und die Tatsache, dass es nicht durch einen "Unfall" beim leidnschaftlichen Sex dazu kommen kann.

Ich bin nun 30 Jahre alt, sehr glücklich mit meiner Frau verheiratet und wir wünschen uns beide so sehr Kinder. Es war auch gar keine Frage, wer und wie. Sie selbst kann sich nicht vorstellen schwanger zu sein, aber ich, also wollten wir es mit einer Samenspende aus dem Ausland einfach wagen. Als wir es angehen wollten, wurde ein neues Gesetz erlassen und plötzlich konnten die Spenden nicht mehr an Privatpersonen verschickt werden. Was die Sache etwas komplizierter machte. Da wir darüber erstmal erschrocken waren und die Sache mit ärtzlichen Personal oder einer Praxis ersteinmal recherchieren wollten, verschoben wir das ganze bis nach unserer Hochzeit. Wir fanden eine Lösung, einen Spender und dann... Dann kam Corona. Ich persönlich möchte in einer so unsicheren Zeit kein solches Abenteuer mit Risiken und Nebenwirkungen starten. So sind wir nun auf dem Stand, dass wir das angehen, wenn es hoffentlich einen Impfstoff gibt bzw wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist und man absehen kann, wie das alles weitergeht. Um einen Zeitpunkt zu nennen, vielleicht klappt es ja nächsten Frühling.

Die Sache ist einfach die, dass ich oft sehr traurig deswegen bin. Weil das nun alles nicht so geklappt hat, wie wir gehofft haben. Aber auch die Tatsache, dass ich nicht weiß, ob es jemals klappen wird. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich vielleicht niemals Mutter sein werde, werde ich unendlich traurig. Gleichzeitig traue ich mich nicht, diese Trauer zu zeigen. Mir kommt der Gedanke, dass Menchen denken könnten, oder wahrscheinlich sogar werden: Selbst schuld. Hätte sie einen Mann, dann...
Freunde sagen auch schon mal, geht doch einfach mal auf eine Party, und dann...

Diese Option ist für mich schon allein deshalb keine Lösung wegen dem Risiko von Krankheiten.
Einen Samenspender zu nehmen, den ich nicht kenne, den ich nie sehen, nicht riechen nicht schmecken konnte, nicht zu wissen, ob mir dieser Mann nicht völlig unsympthisch wäre... schon alleine diese Lösung macht mir manchmal Kopfschmerzen. Auch wie es für das Kind sein wird, darüber mache ich mir Gedanken. Aber es ist die einzige Möglichkeit selbst Mutter zu werden. Es ist für uns aber auch nicht ausgeschlossen, ein Pflegekind aufzunehmen.

Ich habe das Gefühl, ich habe kein Recht traurig darüber zu sein, dass ich keine Kinder habe. Weil ich "selber schuld" bin. Ich schäme mich nicht dafür, lesbisch zu sein. Wir sind beide wie selbstverständlich geoutet. Aber bei dieser einen Sache, da fühle ich mich eben doch, als wäre ich selbst schuld, weil ich eben bin, wie ich bin...

Versteht mich irgendjemand da draußen?



19.06.2020 22:46
HiddenNickname

Hallo genja,
ich kann es verstehen, wie es dir geht... Ich kann leider mit tröstenden Worten nicht gut umgehen... deshalb versuche ich dir mit den Fakten zu zeigen, dass du keine Angst haben sollst.

- Du bist 30, hast also noch mindestens 10 -12 Jahre um dein Kinderwunsch zu verwirklichen
- Selbst wenn eine gynäkologische Erkrankung bei dir festgestellt wird, es gibt für sehr viele Sachen schon eine Behandlung.
- Du hast eine Partnerin, sogar verheiratet. Das macht vieles viel einfacher. Obwohl homosexuelle Paare noch nicht die gleiche Rechte wie herosexuellen haben, hat eine verpartnerte Frau mehr Möglichkeiten zur medizinischen Behandlung als eine Single.
- Wie ich aus deinem Text verstanden habe, hast du schon sehr viel geleistet: einen Spender gefundern, auch ein Praxis, das die Insemination durchführt, die notwendige Checks vor Schwangerschaft wahrscheinlich auch gemacht... Diese sind wichtige Meilensteine, die schon erreicht sind!

Ja, wegen die Corona-Situation kannst du den wichtigsten Schritt noch nicht machen. (Bzw. kannst du schon, aber ich gebe dir Recht, das ist ein Risiko). Aber das heißt nicht, dass du machtlos bist und gar nichts für dein zukunftiges Kind machen kannst.

Hier sind ein paar Ideen:
- Du kannst intensiver Sport machen. Je bessere Form du hast, desto besser wird die Schwangerschaft verlaufen.
- Du kannst eine Blutanalyse machen, schauen ob deine Eisen-, Vitamin B12-, Schilddrüsen-Werte in Ordnung sind und falls nicht - dies zu beseitigen.
- Du kannst deine Ernährung verbessern, damit du für die Schwangerschaft Vorräte an Mikroelementen hast.
- Du kannst zahlreiche Themen rund ums Kind rescheschieren (Schlaf, Stillzeit, Abstillen, erste Hilfe)
- Du kannst dir das Kindbett, Wickeltisch etc. aussuchen
- Du kannst prüfen, ob deine Wohnung potenzielle Gefahrstellen fürs Kind hat (z.B. eine Komode, die umkippen kann, ein Kabel, der rumliegt etc.)
- Und, und, und....

Ich wünsche dir alles Guteund viel Kraft!


19.06.2020 22:58
HiddenNickname

P.S. Ich kann auch dein Bedenken zum Thema Samenspender sehr gut verstehen. Aber nach einem Jahr von Treffen mit potentiellen Co-Vätern kann ich sagen, dass Samenspender für ein Paar eine bessere Lösung ist. (Außer, ihr habt einen guten schwulen Freund).

20.06.2020 19:41
HiddenNickname

Hi peroundia,

vielen Dank für deine Antwort. Ich mag, dass du mich mit den Fakten etwas aus der Grübelfalle holen konntest und ich mich wieder etwas mehr auf die Lösung als auf das Problem konzentrieren konnte.

Leider schlagen die Gefühle aber trotzdem oft durch. Gerade eben hatte ich eine Unterhaltung mit einer sehr nahestehenden Person, der ich auch sehr vertraue. Aber selbst in solchen Situationen, in denen das Gespräch in diese Richtung führt, kann ich das Thema, dass ich so sehr darunter leide nicht ansprechen, weil mir schon beim gedachten Wort die Tränen in die Augen kommen, so dass ich schnell auf ein anderes Thema lenken muss.



22.06.2020 13:14
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Vor anderen Leuten in Tränen ausbrechen ist doch nicht die totale Katastrophe?
Dann bist Du halt bei dem Thema übertrieben emotional, aber das zerstört doch nicht Deine Glaubwürdigkeit auf ewig?
Ok, bei einzelnen Leuten vielleicht , aber sicher nicht bei den meisten, besonders nicht bei Deinen Freunden.
Viele Grüße, trix

22.06.2020 16:11
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 22.06.2020 um 13:14:

Vor anderen Leuten in Tränen ausbrechen ist doch nicht die totale Katastrophe?
Dann bist Du halt bei dem Thema übertrieben emotional, aber das zerstört doch nicht Deine Glaubwürdigkeit auf ewig?
Ok, bei einzelnen Leuten vielleicht , aber sicher nicht bei den meisten, besonders nicht bei Deinen Freunden.
Viele Grüße, trix


Naja ich weine sehr ungern vor anderen Menschen. Vorallem eben bei dem Thema. Weil ich das Gefühl habe, dass ich mich da nicht "beschweren darf". Weil ich ja "selbst schuld bin".
Tatsächlich habe ich ein paar mal solche Reaktionen bekommen, wenn ich mit anderen über das Thema gesprochen habe. So sitzt mir meine Mutter gegenüber, die das Glück hatte 4 Kinder gesund grozuziehen, und sie sagt mir, ach so toll sei das auch nicht. War bestimmt trösten gemeint, aber ungeheuer verletzend. Genauso wie meine schwangere Schwester sagte: Was du wünscht dir ein Kind? Also ich wäre froh, wenn ich lesbisch wäre, dass hätte ich den Druck nicht gehabt, unbedingt eines zu bekommen, weil man es von uns als Paar erwartet.
Sowas ist...

22.06.2020 18:04
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@ gentja

Hast du dich vielleicht selbst gefragt, warum du die Aussagen von deiner Mutter und deiner Schwester als verletzend empfunden hast? Ich kenne selbstverständlich den Kontext nicht, aber so wie es mir scheint, haben die beiden über IHRE Erfahrungen und Gefühle gesprochen. Mit dir hatte es nichts zu tun, das war kein Vorwurf dir gegenüber.
Ich denke, jeder erwachsener Mensch, Frau vor allem, versteht, dass Kinder zu krigen kein pures Glück zu jedem Zeitpunkt bedeutet. Es ist mit viel körperlichen und seelischen Leiden, Angst, Sorge, Schlaflösigkeit, Unsicherheit usw. verbunden. Und es gibt sicherlich Momente, wenn man sich ein leichteres Leben wünscht. Aber man macht es trotzdem, weil mein ein neues Leben in die Welt bringen will.
Bitte versteh mich nicht falsch und nimm das nicht als persönlichen Angriff... Aber ich habe den Eindruck, dass du vielleicht in einer Depression gefallen bist? (Ich spreche hier von eingener Erfahrung). Vielleicht wäre es gut für dein zukünftiges Kind, wenn du die Pause durch die Corona dafür nutzen würdest, um deine Gesundheit zu verbessern?
Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute!

editiert am 22.06.2020 18:09 Beitrag melden Zitatantwort
22.06.2020 23:56
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Meine Erfahrung ist, dass je länger der Kinderwunsch unerfüllt ist, desto überladener die Erwartung, wie toll einfach alles mit Kind wäre. Nicht selten endet‘s in einer Wochenbettdepression, die sich gewaschen hat, weil das Kind plärrt, die Brüste schmerzen und der Himmel eben nicht voller Geigen hängt, zusätzlich Schuldgefühle, weil man ja jetzt glücklich sein müsste und Mütter sowieso...

Es sind nicht nur persönliche Erfahrungen, auch berufliche. Ich selbst habe vier Kinder, leibliche und Pflegekinder. Ich hab sie alle gerne und will keins missen, aber so toll wie man sich das vorstellt, ist es ehrlich gesagt nicht. Paare mit Kind sind unglücklicher und gefährdeter als Paare ohne (sagt die Forschung). Und auf dem Weg zum Großwerden warten eine Menge Herausforderungen, von denen man nicht weiß, wie man sie meistern wird. Ich bin in den 20 Jahren demütig und mild geworden, glaube nicht mehr daran, durch Erziehung bestimmen zu können, wie die Kinder sich verhalten werden und was für Menschen sie sind, welche Werte ihnen wichtig sein werden. Das kann sehr ernüchternd sein (und meine Kinder geraten wirklich wohl und gesellschaftstauglich, nur nicht immer so, wie ich es mir entsprechend meiner Werte wünschen würde).

Bestimmt ist kein Kind haben ein Kummer. Er wirkt aber gewiss viel größer, weil man sich das alles so romantisch und wunderschön vorstellt.

Bei so extremem Kinderwunsch sind Pflegekinder ehrlich gesagt auch eher nicht geeignet. Die haben schon Eltern, mit denen ihr immer konfrontiert sein werdet, das müsst ihr aushalten. Die Kinder sind meist irgendwie speziell, schließlich haben sie schon viel erlebt. Und trotz allem was ihr reingebt, kann es sein, dass das Kind euch spätestens in der Pubertät wegbricht, sich an der leiblichen Familie orientiert. Es ist oft *wirklich* ein hartes Brot.

Wie peroundia empfehle ich, mal zu gucken, was den Wunsch so übermächtig werden lässt und dich erstmal um dich zu kümmern. Das ist egal ob du noch ein Kind bekommst oder nicht eine gute Wahl. Dem Kind sollte die Last dich glücklich machen zu müssen nicht aufgebürdet werden.

Alles Gute euch.

23.06.2020 09:47
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Guten Morgen,

auch wenn es hart klingen mag, aber ich schließe mich meinen Vorrednerinnen an. Demnach was du schreibst, geht es gerade in erster Linie um dich, deine Bedürfnisse, deine Sehnsüchte und Wünsche. Diese liegen in dir und du kannst sie nur selbst anschauen und bearbeiten, die Erfüllung liegt nicht im Außen. Ein Kind bedeutet vor allem eines: GEBEN! Liebe geben, Zeit geben, Kraft geben. Deswegen finde ich die Formulierung "ein Kind bekommen" auch manchmal schwierig. Klar, mein Kind ist wunderbar und eine Bereicherung für mich und mein Leben. Aber in erster Linie geht es nicht darum, dass die Mutter etwas bekommt. Sondern darum, dass sie einem kleinen Wesen einen Platz in dieser Welt gibt. Und zwar bedingungslos und ohne darin eigene Forderungen an das Kind zu transportieren.

Ich habe mal eine ganz tolle Podcastfolge mit Sandy Urban gehört. Sie ist selber eine Frau mit unerfülltem Kinderwunsch und hat sich über diese Zeit des "Wartens" sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.
Wenn du magst, hör mal rein, vielleicht findest du da ein paar gute Anstöße für dich:

https://open.spotify.com/ [...] orU-YYjw

Hier noch mal der Short Link, falls der lange kaputt geht:

https://spoti.fi/2CxB0NE

Liebe Grüße und alles Gute!

23.06.2020 13:05
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 22.06.2020 um 18:04:

@ gentja

Hast du dich vielleicht selbst gefragt, warum du die Aussagen von deiner Mutter und deiner Schwester als verletzend empfunden hast? Ich kenne selbstverständlich den Kontext nicht, aber so wie es mir scheint, haben die beiden über IHRE Erfahrungen und Gefühle gesprochen. Mit dir hatte es nichts zu tun, das war kein Vorwurf dir gegenüber.
Ich denke, jeder erwachsener Mensch, Frau vor allem, versteht, dass Kinder zu krigen kein pures Glück zu jedem Zeitpunkt bedeutet. Es ist mit viel körperlichen und seelischen Leiden, Angst, Sorge, Schlaflösigkeit, Unsicherheit usw. verbunden. Und es gibt sicherlich Momente, wenn man sich ein leichteres Leben wünscht. Aber man macht es trotzdem, weil mein ein neues Leben in die Welt bringen will.
Bitte versteh mich nicht falsch und nimm das nicht als persönlichen Angriff... Aber ich habe den Eindruck, dass du vielleicht in einer Depression gefallen bist? (Ich spreche hier von eingener Erfahrung). Vielleicht wäre es gut für dein zukünftiges Kind, wenn du die Pause durch die Corona dafür nutzen würdest, um deine Gesundheit zu verbessern?
Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute!


Danke für deine Antwort und ja, ich glaube, nein ich weiß, dass micht dieses Thema durchaus depressiv macht. Leider bin ich da etwas anfällig für.
Diese Aussagen haben ich verletzt, weil sie in einem Zusammenhang gesagt wurden, in dem ich mich geöffnet habe und von meiner Trauer erzählte und anstatt tröstende Worte, flapsige Sprüchen kamen. .. Mh wie soll ich es beschreiben... Wenn du auch Erfahrung mit Depression hast... Ich könnte es so beschreiben wie, dass ich von meiner Traurigkeit erzähle und als Antwort bekomme ich: Ach reiß dich doch zusammen, oder so schlimm kann das doch gar nicht sein, du hast doch eben noch gelacht.
So in der Art. Ich habe diese Antworten als eine Herabstufung meiner Gefühle und Trauer erlebt und soetwas möchte, denke ich, in einer solchen verletzbaren Situation niemand gerne hören. Zumindest ich nicht

23.06.2020 13:14
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Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure Meinungen. Ich verstehe was ihr mir sagen wollt und da ist bestimmt sehr viel wahres dran!

Zum Thema "geben". Ja es ist mir bewusst, dass ein Kind viel "nimmt" und ich viel "geben" muss. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich genau das brauche und mich nur das glücklich macht. Ich bin, glaube ich ein Mensch, der seine Erfüllung im Kümmern findet. Ich kümmere mich meist mehr um die Wunscherfüllung anderer, als um meine. Ich habe zwei Hunde großgezogen, auch wenn man das logischerweise nicht mit einem Kind gleichsetzen kann. Aber auch bei diesen Tieren sind die ersten 2,3 Jahre sehr anstrengend. Und auch wenn ich manchmal Nachts völlig übermüdet das 10. Mal raus musste, weil der kleine Durchfall hatte und ich ihm danach den Hintern abputzen musste und mein Tag dadurch ... anstrengend wurde.. Das erfüllt mich. Gebraucht zu werden, erfüllt mich. Herausforderungen erfüllen mich. Und immer wenn das Gefühl durch kommt, dass meine Existenz nutzlos ist und mich niemand braucht, werde ich wirklich depressiv.

23.06.2020 14:07
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was ich in meiner Antwort oben vergessen habe: ich kenne ein paar (mann/frau) wo sie ihn verlassen hat, weil er keine kinder zeugen konnte. Mit ihrem neuen Mann bzw der Affäre wurde sie sofort Mutter. Ich kenne aber auch ein Paar (Mann /Frau) dass die Kinderlosigkeit regelrecht zusammengeschweißt hat. Und ich selber habe vor einigen Jahren eine Frau verlassen, weil sie sich absolut nicht vorstellen konnte, mit mir Kinder zu bekommen.
Es ist wohl nicht zwingend gesagt, dass Paare ohne Kinder oft glücklicher sind. Tatsächlich höre ich dieses Argument oft und auch das, was gleichzeitig meist eine Mutmaßung ist, finde ich verletzend. Weil es pauschalisierend ist. Genauso wenig wie jemand sagt oder glaubt Mutter sein wird immer nur schön sein, kann davon ausgegangen werden, dass kinderlose Paare glücklicher sind. Oder nicht?

23.06.2020 15:15
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Was Matthea oben angesprochen hatte, beruht glaube ich eher auf statistischen Werten. Natürlich schließt das nicht aus, dass es Paare mit Kind gibt, die glücklich sind! Es heißt nur, dass statistisch gesehen Paare ohne Kinder glücklicher sind als Paare mit Kinder. Auf den Einzelfall bezogen hat das nicht so viel Aussagekraft. Fakt ist, dass ein Kind eine Partnerschaft sehr belasten kann und darüber sollten sich Paare im Klaren sein.

Auch wenn es sich für dich vielleicht so anfühlen mag, aber wenn du deinen eigenen Wert darüber definierst, dass ein Mensch / ein Kind dich braucht, dann ist das kein bedingungsloses Geben. Auch dann nicht, wenn du dich über die Maßen aufopferst (was im übrigen für keine Elternschaft gesund ist). Was du da machst, ist deinem zukünftigen Kind eine ganz bestimmte Rolle aufzutragen: "Du wirst mich brauchen, du wirst mir zeigen, dass ich zu etwas nutze bin, du wirst mich wieder glücklich machen." Das ist eine ungeheure Bürde für so ein kleines Wesen.
Stell dir mal den Extremfall vor (das soll nicht heißen, dass du so extrem wärst, aber es hilft vielleicht die Dynamik zu verstehen):
Eine Mutter, die NUR für ihr Kind lebt! Es rund um die Uhr behüten, beschützen, betüddeln will, für es da sein will, von ihm gebraucht werden will. Das mag in den ersten Monaten vielleicht noch gut gehen, da es da in der Regel genau das ist was ein Kind braucht. Aber mein Kind ist jetzt noch kein Jahr alt und selbst jetzt gibt es schon ganz viele Situationen, in denen ich loslassen muss. Ihn machen lassen. Ihm sein eigenes Ding zugestehen.
Was Kinder brauchen, ist ein Raum, indem sie wachsen und ihre eigene Persönlichkeit entdecken und entfalten können. Das geht aber nur, wenn wir als Umfeld nicht schon vorgeben, wie dieser kleine Mensch zu sein und zu werden hat. Aber genau das tust du, wenn du deinem Kind eine Rolle aufträgst. Und wenn du deine eigenen Bedürfnisse über dein Kind erfüllen möchtest, dann geschieht genau das - du weist ihm eine Rolle zu, eine Aufgabe, die es vielleicht überhaupt nicht erfüllen will.
Bitte versteh mich nicht falsch! Das alles soll nicht heißen, dass du keine gute Mutter wärst oder deinen Kinderwunsch überdenken sollst. Es geht mir nur darum zu vermitteln, dass du trennen musst zwischen deinen eigenen Bedürfnissen und deiner bevorstehenden Mutterschaft. Wenn du merkst, dass du JETZT unglücklich bist, dann schau was du brauchst, um wieder mehr Erfüllung zu finden. Aber danach musst du in dir suchen, das kann nicht dein zukünftiges Kind übernehmen.

23.06.2020 21:59
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Hey @EnyaLejon

Ich nehme es dir nicht übel was du schreibst.
Meine Meinung ist, dass ein Kind zu bekommen immer eine egoistische Handlung ist. Es ist immer die Entscheidung der Erwachsenen ein Kind auf die Welt zu setzen, es vor allem in der ersten Zeit zwar zu unterstützen, aber im Endeffekt muss es dann selber zurecht kommen. Und das obwohl es niemals entscheiden durfte, ob es auf der Welt sein möchte. Überspitzt gesagt. Von dem her denke ich, ist es hintergründig von beinahe jeder Mutter die Intention "ich will ein Baby haben, ich will mich darüm kümmern, ich will Mama genannt werden und der wichtigste Mensch im Leben meines Kindes zu sein." Das haben mir schon Mütter direkt so gesagt. Andere streiten das ab, an ihrem Verhalten spürt man aber, dass sehr wohl dieser "Egoismus" dahinter steckt. Weil sie zB wie du beschrieben hast, ihrem Kind alles vorschreiben wollen, es abhängig machen wollen o.ä.

Es ist nie mein Gedanke, dass mich ein Kind retten kann. Nein. Und ich habe nie die naive Vorstellung, dass alles toll wird. Ich sehe an meiner eigenen Familie und jetzt an der Elternschaft meiner Geschwister was alles schief gehen kann. Mein Kind soll mich nicht retten. Ich weiß, dass ich auch oder vielleicht sogar noch mehr schwierige Phasen haben werde, als Mutter. Auch weil meine Beziehung weniger Raum haben wird. Ich weiß das alles. Aber genau das will ich. Ich will mich auch darüber beschweren können, dass ich zu wenig geschlafen haben. Ich will die Zweifel haben, die man als Mutter hat.

Vielleicht kam das anders rüber in meinen Schreiben bisher. Es geht mir einfach nur darum, dass ich Mutter sein möchte. Mit allen schwierigen Seiten und Zeiten, und natürlich auch mit den schönen. Vom Muttersein wird nicht alles schlagartig besser. Das weiß ich und das meinte ich so auch nie.



24.06.2020 08:02
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EnyaLejon und gentja:

Genau, ich meinte statistische Werte, über die einzelne Beziehung sagen sie nichts aus. Man kann also durchaus mit Kind eine glückliche Beziehung führen. Es ist allerdings statistisch wahrscheinlicher, dass man es nicht tut.

Elternwerden ist immer ein egoistischer Akt, selbstverständlich. Der Grad der Bedürftigkeit der Eltern (ehrlicherweise meist Mütter) ist sehr unterschiedlich, manche wollen selbst so gerne liebgehabt werden, gebraucht sein, überhöhen das Glück der Mutterschaft völlig und werden so alsbald zur Bürde fürs Kind und auch für sich selbst. Ein Leben, das ohne Kind gut ist, ist es sehr vermutlich auch mit. Eins das sich irgendwie leer anfühlt, wird auch mit Kind nicht besser, sehr vermutlich spitzt sich die Lage noch zu, wenn das Kind nicht das erfüllt, was man sich erhofft hat.
Es ist gut, wenn man das für sich klar hat.

Liebe Grüße und alles Gute
matthea

24.06.2020 10:13
HiddenNickname

Danke für eure Meinungen ich werde für mich darüber nachdenken.


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