Um LESARION optimal zu gestalten und fortlaufend zu verbessern verwenden wir zur Auswertung Cookies. Mehr Informationen über Cookies findest du in unseren Datenschutzbestimmungen. Wenn du LESARION nutzst erklärst du dich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.




Forum » Allgemeines » Thread

Wieviel Intoleranz verträgt LGBTQ?

Thema abonnieren antworten

Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |

24.02.2020 20:27
HiddenNickname

Weil es mir im Moment hier im Forum auffällt, aber auch regelmäßig in Lesbengruppen andernorts, möchte ich in diesem Thread Raum für Austausch darüber schaffen.
Mitglieder der LGBTQ-Gemeinde verwenden bewusst oder aus Gewohnheit Begriffe, bei denen im harmlosesten Fall ein Kopfschütteln angebracht ist ... mal geht es um Zickenterror, mal um Titten, mal wird einem mitgeteilt wie eine Frau aussieht und dass man doch gleich einen Kerl nehmen kann, wenn man auf bestimmte Attribute steht.

Kernfrage: Warum ist es für viele so ganz unmöglich das zu akzeptieren, was dem eigenen Geschmack missfällt?

Warum wird Abwertung scheinbar zur Notwendigkeit? Ist es Erziehung? Ist es mangelndes Selbstbewusstsein? Sozialisation? Die Gesellschaft? Alles irgendwie?

Warum ist es für einige so schwer die Brücke zwischen niveauvollem Austausch und offener Meinung zu schlagen? Zum Teil machen einzelne Wörter den Unterschied zwischen Meinung und Diskriminierung.
Und dann oft zu lesen die Ansicht frau solle sich mal nicht so anstellen.

Warumwarumwarum.



24.02.2020 20:37
HiddenNickname

Bei den Meisten tippe ich auf Gedankenlosigkeit.

Ich empfehle das Buch "Was Weiße nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" von Hasters. Da geht's zwar eigentlich um Rassismus, aber die Mechanismen sind die gleichen.

Bei wieder Anderen ist Abwertung Teil ihrer Identität, habe ich manchmal den Eindruck (oft auch Gewalt. Gegenüber anderen, aber auch sich selbst). Die sind dann so davon überzeugt, dass die Ausübung verbaler Gewalt angemessen und verdient (!) ist, dass sie sich bei Kritik persönlich bedroht fühlen und gleich total defensiv werden.

Beides gleichermaßen anstrengend, wobei Ersteres eigentlich automatisch abgestellt wird, wenn ein Problembewusstsein geschaffen wird.

24.02.2020 21:27
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb öffentlich auf Facebook heute:

Im Übrigen. Ich will keine Dick Pics. Ich will nicht als humorlos bezeichnet werden, weil ich nicht über sexistische Witze lache. Ich will nicht noch ein einziges Mal das Wort hysterisch in Bezug auf Frauen hören. Ich will es überhaupt nicht hören. Ich will mich Feministin nennen, ohne, dass Augen gerollt werden. Ich will nicht lieb sein müssen. Auch nicht nett. Ich will gleich bewertet werden wie mein Arbeitskollege, den man für Willensstärke lobt, während man zu mir sagt, ich sei zu emotional. Ich will Sachlichkeit. Ich will neue Ideen zu Schönheit und Ästhetik, in denen Frauen in ihrer Vielfalt wahrgenommen werden. Ich will nackte, weibliche Nippel sehen. Ich will nicht, dass diese ständig erotisiert werden. Ich will, dass wir über Schwangerschaftsabbrüche reden. Ich will nicht lachen müssen, um sympathisch zu wirken. Ich will Tampons auf Toiletten. Ich will nicht Angst haben in der Nacht am Heimweg. Ich will LGBTQ repräsentiert in Sprache ohne wenn und aber. Ich will keine Tücher über Stillbusen. Ich will keine Stielaugen bei Bodyhair. Ich will rosa als Farbe und nicht als Statement. Ich will Cellulite zurück an den Platz des sekundären Geschlechtsmerkmals. Ich will Frauen in Führungspositionen. Und ihre Bilder in Museen. Und ihre Musik in Opernhäusern. Ich will kein aber Querstreifen tragen auf mehr hören. Ich will Sinnlichkeit anstatt Porno. Ich will, dass Frauen Sex haben können, ohne als billig oder Schlampe bezeichnet zu werden. Ich will nicht mehr über Frauenoutfits bei Podiumsdiskussionen sprechen. Ich will keinen einzigen Arschgrapscher mehr. Und kein Catcalling. Ich will dicke Frauen in Bikinis auf Werbeplakaten. Ich will, dass wir Chimamanda Ngozi Adichie zuhören. Ich will Jugendliche, die Vulven auf Papier kritzeln. Ich will kein Nein zweimal sagen. Ich will für die Kinderbetreuung bezahlt werden und eine angemessene Pension. Ich will mehr Informationen zu Scham und wie wenig uns diese nützt. Ich will Respekt. Ich will weibliche Crashtest Dummies. Ich will nie wieder, dass man wooooow sagt, wenn ich mich klar positioniere. Ich will kein aber Männer sterben früher in einer Unterhaltung. Ich will breitbeinig dasitzen. Ich will mehr Männer in Care Berufen. Ich will Lesbe nie wieder als Schimpfwort hören. Oder behindert. Oder fett. Ich will Worte für Übergriffe. Und, dass Frauen aufhören, sich die Schuld zu geben. Ich will nicht mehr die Spielverderberin sein bei einem Spiel, das keines ist.


Yes!

24.02.2020 21:35
HiddenNickname

Ja...


24.02.2020 21:38
HiddenNickname

Vllt ist es auch einfach die Sorge, Privilegien zu verlieren oder die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten, dem bis dato Ungesagten, der Veränderung.

24.02.2020 21:45
HiddenNickname

'Feminist consciousness can thus be thought of as consciousness of the violence and power that are concealed under the languages of civility and love, rather than simply consciousness of gender as the site of restriction of possibility. We learn from this so much, too much. We learn to see what is concealed by signs of happiness. You can cause unhappiness merely by noticing something. And if it can cause unhappiness simply to notice something, you realize that the world you are in is not the world you thought you were in. [...] There is solidarity in recognizing our alienation from happiness, even if we do not inhabit the same place (as we do not). There can even be joy in killing joy. And kill joy, we must and we do.'

(Sara Ahmed, The Promise of Happiness, Duke 2010, S. 86-87).
Bei Übersetzungsproblemen bitte Bescheid sagen. [/...]

editiert am 24.02.2020 21:47 Beitrag melden Zitatantwort
24.02.2020 22:04
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 24.02.2020 um 21:38:

Vllt ist es auch einfach die Sorge, Privilegien zu verlieren oder die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten, dem bis dato Ungesagten, der Veränderung.


Sicher Einige der Möglichkeiten, plus was rosedawson schon aufgeführt hat.

Es gibt ja nicht umsonst eine queere Bewegung. Queer im Sinne einer polit. Haltung bzw. den Finger in die Wunde zu halten. Sei es innerhalb von lgbtq*, oder ausserhalb.

Internalisierte Homofeindlichkeit wäre nur ein Beispiel.


24.02.2020 22:11
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 24.02.2020 um 21:27:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb öffentlich auf Facebook heute:

(...)


Yes!






editiert am 24.02.2020 22:25 Beitrag melden Zitatantwort
24.02.2020 22:14
HiddenNickname

Was bedeutet "Stielaugen bei Bodyhair"?

24.02.2020 22:18
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 24.02.2020 um 22:14:

Was bedeutet "Stielaugen bei Bodyhair"?


Ich tippe mal auf dumme, abwerte Blicke, wenn Beine, Achseln oder Schambereich nicht rasiert sind. Völliges Unbegreifen, dass (Frauen-)Körper nicht von Natur aus haarfrei und glatt sind.

24.02.2020 22:27
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 24.02.2020 um 22:18:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 24.02.2020 um 22:14:

Was bedeutet "Stielaugen bei Bodyhair"?


Ich tippe mal auf dumme, abwerte Blicke, wenn Beine, Achseln oder Schambereich nicht rasiert sind. Völliges Unbegreifen, dass (Frauen-)Körper nicht von Natur aus haarfrei und glatt sind.


Ah! *hand an stirn patsch* ich hatte das Wort "Stielaugen" in dem Zusammenhang nicht gecheckt.
Und stimmt krass, grade Beinbehaarung, wie sich da teils einges...öhm, empört wird unabhängig von Geschlecht, schlimm ist das.

24.02.2020 22:44
HiddenNickname

https://youtu.be/ai8TD3aFn8M
Work in Progress (2019) Official Trailer | New Abby McEnany SHOWTIME Series
"Abby is a 45-year-old self-identified fat, queer dyke whose misfortune and despair unexpectedly lead her to a vibrantly transformative relationship."

Endlich auf sky zu sehen und ich glaube, die Serie passt gut zum Thema.



24.02.2020 23:53
HiddenNickname


Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 24.02.2020 um 20:27:

Kernfrage: Warum ist es für viele so ganz unmöglich das zu akzeptieren, was dem eigenen Geschmack missfällt?

Warum wird Abwertung scheinbar zur Notwendigkeit? Ist es Erziehung? Ist es mangelndes Selbstbewusstsein? Sozialisation? Die Gesellschaft? Alles irgendwie?

Warum ist es für einige so schwer die Brücke zwischen niveauvollem Austausch und offener Meinung zu schlagen? Zum Teil machen einzelne Wörter den Unterschied zwischen Meinung und Diskriminierung.
Und dann oft zu lesen die Ansicht frau solle sich mal nicht so anstellen.

Warumwarumwarum.



Ich glaube, dass es einigen Menschen schwer fällt, etwas einfach stehen lassen zu können.
Vielleicht haben sie die Befürchtung, dass ein Schweigen zu etwas (und damit meine ich keine Extreme, die Zivilcourage erfordern) gleichzeitig als Zustimmung oder gar eigene Vorliebe gewertet werden könnte... vielleicht aber auch als Gleichgültigkeit und Desinteresse.
Dann bleibt ihnen oft nur, zu allem und jedem ihre Meinung kund zu tun und damit ihr zurechtgebasteltes Selbstbild zu erhalten.

Dieses Selbstbild ist oft ein Sammelsurium aus vorgelebten (Rollen)Bildern, gesellschaftlichen Zwängen und daraus resultierenden eigenen Erwartungen... auch an sich selbst. Und ich glaube, dass es jemandem, der sich Mühe gibt, mit diesem Korsett zu leben, schwer fällt, Menschen zu akzeptieren, die sich daraus befreien konnten... oder womöglich gar nicht erst darin lebten. Vielleicht spielt da auch sowas wie Neid eine Rolle... nicht der plumpe Neid, sondern der, der verhindert, dass man seinem Gegenüber einfach dies und das gönnt, weil man es schließlich auch mit Korsett schaffen (musste).
Oft genug hört man Sätze wie "ich musste da auch durch", "mir hat das auch nicht geschadet" etc. Und all das trägt dazu bei, dass man seinem Gegenüber nichts wirklich gönnt... weil man selbst dieses Liebevolle und Gönnende nie erfahren hat...

Zudem leben wir in einer Gesellschaft, in der das Vergleichen und der Wettkampf stark ausgeprägt sind. Tagtäglich sind wir mit der Versuchung konfrontiert, uns mit anderen vergleichen zu sollen... warum wir besser sind, als die/der Kollege... als die andere Mutter... als die/der Ex... als die/der andere Frau/Mann... als das Geschwisterkind... etc.

Dieser Versuchung nicht zu erliegen, erfordert ein hohes Maß an Selbstreflexion und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Stärken. Nicht jeder ist da schon bei und in sich angekommen. Und nicht jeder kann eine Unterstützung in diese Richtung erkennen oder gar annehmen.... denn beides kann verdammt weh tun und am eigenen Bild kratzen...

Und dann gibt es da noch den eigenen Charakter und den Blick, den jemand grundsätzlich auf Menschen hat....

Wieviel Intoleranz verträgt nun also LGBTQ... ich würde sagen: Nicht mehr und nicht weniger als jedes System innerhalb unserer Gesellschaft. Ich drehe die Frage mal um...

Wieviel Toleranz kann jeder geben und was braucht er dafür?

***
Edit: Zitatbezug eingefügt

editiert am 25.02.2020 00:16 Beitrag melden Zitatantwort
25.02.2020 00:01
HiddenNickname

Wie tolerant es zgeht zeigt doch das es laut Umfrage von Queer.de es einen nicht unerheblichen Teil afd Wähler in der Community gibt...

Fur mich völlig unverständlich


25.02.2020 06:50
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 25.02.2020 um 00:01:

Wie tolerant es zgeht zeigt doch das es laut Umfrage von Queer.de es einen nicht unerheblichen Teil afd Wähler in der Community gibt...

Fur mich völlig unverständlich


Hast Du einen Link zu der Umfrage.
Gegoogelt habe ich schon, aber einfacher wär ein Link.
Danke!

25.02.2020 07:04
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 25.02.2020 um 06:50:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 25.02.2020 um 00:01:

Wie tolerant es zgeht zeigt doch das es laut Umfrage von Queer.de es einen nicht unerheblichen Teil afd Wähler in der Community gibt...

Fur mich völlig unverständlich


Hast Du einen Link zu der Umfrage.
Gegoogelt habe ich schon, aber einfacher wär ein Link.
Danke!

Hier 2017 Planet Romeo
https://www.queer.de/deta [...] id=29696

25.02.2020 08:10
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 25.02.2020 um 00:01:

Wie tolerant es zgeht zeigt doch das es laut Umfrage von Queer.de es einen nicht unerheblichen Teil afd Wähler in der Community gibt...

Fur mich völlig unverständlich


Noch viel unverständlicher, dass in der AfD Führungsriege eine Lesbe agiert.
Gestern bei Facebook gelesen: Die wahrscheinlich einzige homophobe Lesbe der Welt.

Da wird Sinnsuche zu einem Spießrutenlauf. Vielleicht muss man sich damit abfinden, dass manche Menschen keinen Sinn ergeben ...

Übrigens genau wie in dem Thread, der mich zu genau diesem hier "inspiriert" hat, als Tropfen, der das Hass-Fass zum Überlaufen brachte.
(Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt diesen Smiley verwendet habe, aber er ist der einzige, der noch angemessen ist. Neben dem: )

25.02.2020 09:07
HiddenNickname

Ich habe manchmal das Gefühl, dass Menschen hier keine Lust haben an Andere zu denken, denn sonst kann ich mir nicht erklären warum es kritisiert wird, dass auf eine Beleidigung/Diskriminierung hingewiesen wird.
(Damit meine ich jetzt das Hinweisen an sich und nicht die Art und Weise)

Einige von den hier schreibenden Usern*innen vergessen vll manchmal, dass sich in diesem Forum auch (jüngere) Menschen rumtreiben, die vielleicht gerade noch in ihrer Selbstfindungsphase sind.
Bei diesen Menschen sind abwertende Kommentare darüber was eine "echte" Frau, Lesbe, Butch,...u.s.w. ausmacht "nicht nur" beleidigend/diskriminierend sondern können diese Menschen auch in ihrer Selbstfindung negativ beeinflussen/hemmen.

Deswegen finde ich es wichtig, dass eine diskriminierende Wortwahl (auch wenn sie einfach nur unbedacht gewählt wurde) angesprochen wird und ich bin froh darüber, dass dies Einige auch tun.

25.02.2020 09:14
HiddenNickname

Ich finde es gibt Grenzen des Tolerierbaren. Ich kann z.B. etwas nicht mögen, oder persönlich mit etwas nicht klar kommen, was mich sber nichts angeht, Vorlieben, Haarfarbe, Haarlänge etc. Dies kann ich dennoch tolerieren und einen guten Umgang mit den betreffenden Menschen haben.

Wenn aber jemand rassistisch, misogyn, menschenfeindlich, Hass predigend, zerstörerisch, Gewalt verherrlichend, bösartig, gewalttätig, provozierend etc unterwegs ist, dann muss ich das definitiv nicht tolerieren, sondern gsnz klar Stellung beziehen.

Für mich gibt es keine Toleranz für AfD Wähler* und AfD Verteidiger* auch kein Verständnis. Erst recht nicht, wenn sie Teil der Community sind.

25.02.2020 09:43
HiddenNickname

Mir wurde vor gut 20 Jahren mal gesagt ich wäre ja keine richtige Lesbe. Grund dafür war mein damals langes Haar und dass ich mich hin und wieder schminkte und dass ich mit meinem damals besten schwulen Freund manchmal Hand in Hand lief

editiert am 25.02.2020 09:45 Beitrag melden Zitatantwort

Thema abonnieren antworten

Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |








ButterweichXY: Spende an Kai für die Freischaltung des Politikforums und Verbesserungen an Lesarion mach mit sei dabei!! Regenbogen Grüße von ButterweichXY      +++     Schneckerle1974: Wo hast du dich versteckt ?ich suche dich ich bitte dich finde mich ;-)      +++     >>> Laufband-Message ab nur 5,95 € für 3 Tage! <<<