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Gefühlte Gedanken 3

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01.02.2017 13:26
von:
Femalien
Status: offline  

Für C.

Ich mag die kleinen Wegbegleiter,
gesehen und beachtet von wenigen
erkannt vermutlich von nur ein paar achtsamen Augen.
Zauberkräfte sollen ihr innewohnen,
Traumgesichte und Liebesschwüre,
aber am schönsten finde ich den märchenhaften Grund ihrer Farbe.

Du kennst sie auch.
Und sie passt zu dir.
Immer schon,
heute wieder ganz besonders.
Kleinod im Wiesengeblüh -
schön, wenn wir einander begegnen….


01.02.2017 21:46
von:
space69
Status: offline  

Danke, dass Du die Gefühlten Gedanken neu eröffnet hast.
Auch wenn meine Gefühlten Gedanken auf dem Meeresgrund liegen,
lese ich weiterhin gerne mit.

01.02.2017 21:55
von:
CakesFabrik
Status: offline  

wie sehr doch schnee die dunkelsten ecken beleuchtet.
vorgestern noch tastend bewegt, kann heute erhobenen hauptes geschritten werden. milchig wirkt es und doch ist man sehend.
das geäst, wirr und doch mit system gewachsen, ist auf der einen seite schwarz, auf der anderen weiß. kein grauton. die grenzen sind gezackt, sichtbar und nicht ineinander fließend. ganz anders als im leben, in dem vieles fließend ineinander übergeht.
schnee. so ganz anders.
und doch werde ich ihn nicht vermissen. er ist schön. aber nicht bleibend.

04.02.2017 09:47
von:
KarlOtto
Status: offline  

...

editiert am 06.05.2018 10:18 Beitrag melden Zitatantwort
04.02.2017 19:01
von:
Femalien
Status: offline  

Am vierten Februar ist es noch zu früh
die Ecken sind noch feucht,
ein bisschen schmuddelig vom Tauwasser,
die Schneeglöckchen lugen gerade erst aus dem Boden,
die Sonne lockt und narrt mich doch, steht immer noch tief, die Schatten sind nach wie vor lang,
aber ahnen kann ich den Frühling,
schließe ich die Augen höre ich ihn fast,
rieche die feuchte Erde, die sich vorbereitet,
der Rechen kratzt zu meinen Füßen,
ich bekomme eine Blase auf dem Handballen,
die Wärme auf dem Rücken macht Lust auf die kommende Jahreszeit.

Gartentag,
vorsichtiges Räumen,
eher ein Besuch als geballte Tatkraft,
mehr schauen und wundern,
staunen und freuen.
Bald…aber jetzt noch nicht.
Ich mag diese jährliche Geduldsprobe.



10.02.2017 08:13
von:
Femalien
Status: offline  

Nackt bis auf die Haut,
selbst die Knochen liegen bloß.
Kalt ist es auf der Anhöhe,
der Wind kommt auch hier von vorn,
bläst mir eisig ins Gesicht,
hat nichts mehr von dem Freund, den ich kenne.
Ich schaue auf die Talebene.
Sonst kann ich hier den Horizont mit der Erdkrümmung verschmelzen sehen,
heute reicht mein Blick nicht mal eine Armeslänge weit.
Grau,
dunkelgrau,
und auf dem kahlen Baum hinter mir zupft sich die Krähe ihr Federkleid zurecht.
Ich hocke mich hin,
mach mich ganz klein,
verkrieche mich in mir selbst und warte.
Abwarten,
ausharren,
es werden andere Tage kommen,
und den schwarzen Vogel strafe ich mit einem Blick der Verachtung.
Soll er doch da rumsitzen und zupfen,
ich bin ja nackt,
da gibt's nix mehr zu holen.



19.02.2017 01:29
von:
entre2tierras..
Status: offline  

"Fall ab,Herz,vom Baum der Zeit .. "


Unbeirrt in seiner Erde steht der alte Baum
in dessen Rinde einst wir unsre Zeichen gruben;
sie sind verheilt bis zur Unkenntlichkeit,
wie auch unsre Namen.
Vielleicht löscht in einer Nacht
ein Brand,der züngelnd an dem Stamme steigt,
auch letzten Narbenwulst,der uns noch künd'.
Vielleicht fällt auch der Baum zuerst
hinab zu seinen müden Blättern

19.02.2017 01:58
von:
Quilma
Status: offline  

Sternumtrommel

Damals die Jecken im Tv, trommelte ich die Sternumtrommel, Marschkapelle während sich Kalte wunderten, dass ich die Schmerzen genoss um das zu feiern was ich fühlte. Verstanden werden brauchte ich nicht, das spüren erfüllte mich von Herzen, verband mich mit allem und hob mich geborgen empor. Später dann schlug ich das Sternum zum Angriff, bis ich keinen Anlass mehr sah und das Donnern für immer verklang. Nun trommeln andere auf ihr und ihr Echo schall ich wider aus meinem Herzen.


21.02.2017 11:02
von:
Femalien
Status: offline  

Sand -
immer noch,
nicht mehr zwischen den Zehen,
aber im Rucksack,
an den Schuhen,
in den Jackentaschen.

Bilder -
nach wie vor,
nicht mehr unmittelbar vor Augen,
aber im Kopf,
auf der Kamera,
in meinem Skizzenbuch.

Liebe -
unerschütterlich,
auch ganz ohne Sand,
braucht keine Bilder,
ist fest verankert in meinem Ich,
ist Lebenselixier und Atemluft zugleich.

Inselgedanken,
immer auch gefühlte Gedanken.



22.02.2017 01:55
von:
Quilma
Status: offline  

Nebenhöhlenfrieden

Kein Druck mehr auf den Augen, ihre Lider schweben ruhig in Hitze. Kiefer kost die Luft und streichelt flaumig kleine Muskeln. Die Wangen hohl vom Rauch gelassen, versiegt das Salz in Wiederkunft. Frackingstopp in Tränendrüsen, Nasenhaare aufgestellt. Sinn der im Innersten die Stirn erhellt.



22.02.2017 11:50
von:
Femalien
Status: offline  

Sturmgeheul -
der Wind ist ungehalten.
Es ist Frühjahr -
und das gehört dann irgendwie dazu.

Ich versteh ihn schon,
den Wind,
kenne diesen Wunsch, an etwas zu rütteln und zu zerren,
aber gerade ist dies unbändige Wollen,
im Gegensatz zum losgelassen Element,
eher leise
verhält sich still, sitzt brav in seiner Kiste,
tut mir nix,
und der Welt auch nicht.

Ich schaue raus,
beobachte das Treiben,
staune, wie die Natur die Dinge regelt -
und staune über mich.
Es ist gut so - und alles andere trägt der Wind davon.
Nicht ungehalten, aber schön weit weg….



editiert am 22.02.2017 12:05 Beitrag melden Zitatantwort
06.03.2017 14:33
von:
KarlOtto
Status: offline  

...

editiert am 06.05.2018 10:20 Beitrag melden Zitatantwort
06.03.2017 19:25
von:
CakesFabrik
Status: offline  

Anders ist es. Das morgendliche Erwachen gestaltet sich schon ganz anders. Die Stille bleibt still. Das doch recht fordernd klingelnde Telefon ist still. Es steht völlig reglos. Kein empörter Anruf über die neuesten Nachrichten, kein Essenswunsch, keine Reise in die Vergangenheit. Nichts. Nur maßlose, alles erdrückende Stille.
Das gefangen sein im Zählwerk ist beendet. Ich könnte nun laufen, alles tun, was im letzten Jahr unmöglich schien. Vieles wäre nun möglich.
Möglich.
Es sollte sich Erleichterung bei diesem Wort einstellen.
Sollte.
Nichts ist stattdessen. Einfach nichts. Außer dieser furchtbaren Stille. Sie ist gegenwärtig. Erinnert mich stündlich, lässt mich nicht los. Dieses Ding mit den Türen. Schließt sich eine, öffnet sich eine andere. Ich finde diese andere nicht. Sehe nichts, welches nur annähernd einer Tür gleichkommen würde. Selbst eine Luke würde reichen. Nichts.
Wenn der Schmerz vergeht, wird der Blick wohl klarer. Vielleicht sehe ich sie dann.



08.03.2017 13:28
von:
KarlOtto
Status: offline  

...

editiert am 06.05.2018 10:20 Beitrag melden Zitatantwort
09.03.2017 08:29
von:
wellies
Status: offline  

Metamorphose

nach kurzem Tanz
fliegt mir die Leichtigkeit davon
und ich werde
vom Schmetterling zur Raupe.

12.03.2017 09:23
von:
Femalien
Status: offline  

Die Stille eines Sonntagmorgen,
nur unterbrochen von dem friedvollen Läuten der Kirchenglocken.
Sanft streicht der Wind durch den grossen Ahorn, die Ringeltauben plauschen verliebt von Hochzeitsplänen.
Es duftet nach warmer Milch, Brot und Druckerschwärze.
Ich denke an Gaylord und die geschenkten Stunden außerhalb des Weltgeschehens.
Aus-Zeiten.

12.03.2017 14:36
von:
BIaupause
Status: offline  

Nein, ich kann nicht sagen, dass ich dich immer liebte.
Die Liebe war da, doch ich liebte dich nicht. Ich liebte dich nicht wirklich.
Gut maskiert und unerkannt, berührte ich dich und blieb dabei unberührbar.
Dachte ich.

Ein Jahr ist nun vergangen. Ein Jahr voller Arbeit mit mir, für mich.
Es war gut so.
Ich lernte. Ich lernte zu spüren, was Distanz und Nähe bedeuten.
Ich lernte, dass trotz aller Differenzen, aller Kämpfe, tiefe Bindung dennoch geschah.
.., dass Verstehen, Empathie und wahre Intimität heilen.
.., dass Identität erkannt und entwickelt werden kann.
.., dass ich ICH bin und du DU bist.

Einsichten. Erkenntnisse. Schmerz. Veränderungen. Handlungen. Wachstum.
Gewässer und Boot sind das, was sie sind. Jedoch der Kurs ist nun ein anderer.
Es ist gut so.
Saat. Ernte.

Nein, ich kann nicht sagen, dass ich dich immer liebte. Ich liebte dich nicht.
Doch ich liebe dich jetzt.
Ich liebe uns beide.

Manchmal, in Gedanken, frage ich mich, wie es dir wohl gehen mag?
Dann schweife ich weiter, nehme dich in meine Arme und streichle liebevoll dein Gesicht.
Mein Herz lächelt dich an.


14.03.2017 13:07
von:
KarlOtto
Status: offline  

...

editiert am 06.05.2018 10:22 Beitrag melden Zitatantwort
20.03.2017 19:44
von:
CakesFabrik
Status: offline  

Alles wie gehabt.
Termine, Einkäufe, Gänge, Erlebnisse.

Der Morgen beginnt.
Der Tag verrinnt.
Der Abend endet,
nahtlos kommt die Nacht.
Die Erde.
Sie dreht sich, bewegt sich.

Im Geschäft betrachte ich die Dinge, die ich gekauft hätte. Satt ist das Rot der Tomaten, grün das der Gurken. Wie kommt zu dieser Zeit eine winzig kleine Melone ins Regal? Ich hätte sie gern gekauft.
Von der ewigen Baustelle würde ich erzählen.
Zuhören würde ich.
Und mich mitteilen.

Die Erde.
Steht still und verharrt.
Nichts ist mehr, wie es war.


25.03.2017 16:12
von:
CakesFabrik
Status: offline  

Während ich die Baustelle betrachte, denke ich an Dich. Es scheint im Moment die einzige Verbindung zu Dir zu sein.
Wobei Baustelle übertrieben ist. Seit Oktober reißen sie nur ab. Stück für Stück. Soviel stand da nicht, um diese lange Zeit zu rechtfertigen. Aber es ist interessant zu beobachten. Mit welcher Sorgfalt und Überlegung die Gebäude zerlegt werden. Dieser Bagger, wechselnd eine Kralle oder Schippe nutzend, zerlegt sorgsam, fast schon liebevoll, die Gebäude. Er schichtet nach jedem Griff seine Stapel. Holz, Metall und Stein.
Seit wenigen Tagen ist er an diesem Gebäude aus rotem Backstein beschäftigt. Ich mochte es. Ein wenig nahm es mir die Sicht des Himmels, aber wirklich nur wenig. Nun liegt es zerlegt. Einzig das gelblich weiße Granitfundament ist noch sichtbar in all den gehäuften Backsteinen. Ich mochte das Rot der Ziegel. Die Architektur des Hauses an sich, auch die dem Zahn der Zeit ausgesetzten Fenster. Geschichten schrieb ich in Gedanken, die dieses Haus wohl gesehen haben mag. Nun weicht es einigen Hundert neuen Wohnungen.
Sie werden mir definitiv die Sicht des Himmels nehmen. Auch werde ich meine freien Fenster schützen müssen. Schade.
Am Wochenende, wenn die Bagger schlafend ruhen, liegt der Fuchs in der Sonne und genießt die Stille. Er humpelt. Und gähnt. Wechselt die Plätze, schleicht der Sonne nach. Legt sich und betrachtet das Umfeld. Wo er wohl bleiben mag, wenn sie anfangen auszuschachten? Die kreisenden Krähen werden sich woanders niederlassen. Er auch? Oder wird er bleiben und seinen Raum im Dunkeln weiterhin nutzen?
All das hätte ich Dir erzählt. Da du den Anfang der Geschichte kanntest.
Aber ich kann mich nicht mit Dir so beschäftigen, wie es Not täte. Ich habe unendlich gedeckelt um zu bestehen. Sie sind über mich hergefallen, wollten wissen und verstehen. Was fragen sie mich? Sie hätten Dich jederzeit fragen können und es versäumt.
Nun ist es verschlossen und ich betrachte die Baustelle. Meine einzige Verbindung zu Dir. Sie besteht. In Gedanken bin ich Dir nah, dann überschlagen sich die Bilder, Fragmente einer Information reihen sich an andere, aber es sind Fragmente. Nichts ergibt ein Bild.
Weißt Du noch? So begann es damals. Bilder im Sekundentakt, überlappten sich und ergaben keinen Film. Blitzen gleich schossen sie durch. Danach nannten wir es schlicht durchbrennen.
Da sind auch Gedanken, die blitzartig schwirren. Aber nicht zum Ende kommen. Ich kann sie sehen und doch nicht erfassen. Was wollten sie? Was sagten sie? Weg.

Die Versiegelung sitzt. Die Bilder nehmen Tempo auf und die Baustelle ruht.
Bilder, die begleiten. Manchmal bremsen sie, manchmal brennen sie…



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