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Some kind of... story

von Camuseauflauf


Es war ein fiebrig heißer Tag. Schon heute morgen hatte die Sonne durch die Fensterscheiben so in mein Zimmer gebrannt, dass ich es nicht mehr ausgehalten hatte. Ausschlafen war sowieso nicht drin gewesen, denn ich fuhr zu meiner Tante und obwohl der Koffer bereits gepackt war, hatte ich Chaotin doch wieder die Hälfte vergessen. Nachdem ich also die Herausforderung gemeistert hatte, noch die letzten wichtigen Dinge in den Koffer zu stopfen, der ohnehin schon aus den Nähten platzte, war ich zum Hauptbahnhof gelaufen. Schon nach fünf Minuten hatte ich das Gefühl, in der Sonne zu verbrennen, denn es gab nirgends Schatten, in dem ich hätte geschützter gehen können. Zu allem Übel erfuhr ich dann an der Haltestelle des Fernbusses, dass der Bus eine halbe Stunde später kommen würde, weil er auf der Autobahn im Stau gestanden hatte. So blieb mir nichts anderes ürbig, als mich in den Schatten zu setzen und vor mich her zu vegetieren. Hoffentlich hatte der Bus eine ordentliche Klimaanlage, denn ansonsten würde sich das Gefährt in Null-Komma-Nichts in eine Sauna verwandeln. Ich sah gerade zum vierten oder fünften Mal nach, ob ich auch ja mein Ticket eingesteckt hatte, als sich sonnengebräunte Füße in braunen Ledersandalen in mein Blickfeld schoben. Ich hob den Kopf und ließ meinen Blick von den unbekannten Füßen die Beine hinauf gleiten und stockte kurz, als ich schließlich bei dem Gesicht angekommen war. Die Fremde war eine wirkliche Schönheit. Sie hatte kurze, dunkelrot gefärbte Haare, dunkle, braune Augen, in denen ich zu versinken drohte, als mir bewusst wurde, dass ich sie anstarrte. Es hatte keine zwei Sekunden gedauert, da hatte sich mein Herzschlag in unerwartete Höhen geschraubt und mir war, als wäre es plötzlich nochmal gut zwanzig Grad heißer geworden. Doch die Unbekannte stand nur da, ungerührt vom Wetter und dem sich streitenden Pärchen, das neben ihr stand. Stattdessen blickte sie auf ihr Handy und ignorierte die Welt um sich herum gänzlich. Was mir die Möglichkeit gab, sie ein wenig genauer zu betrachten. Sie trug ein einfaches Top und eine zugegeben doch sehr kurze Jeans. Um ihren Hals baumelte an einem Lederband ein Surfboard. Sonst trug sie keinen Schmuck, wie es aussah. Ihre Lippen waren sanft geschwungen und verzogen sich just in diesem Moment zu einem Lächeln, das mir den Atem nahm. Irgendetwas musste sie erheitert haben, vielleicht eine Nachricht oder ein witziges Bild. Und ich stand nur wie versteinert da, starrte sie an und realisierte, dass mein restlicher Körper sie genauso attraktiv fand wie meine Augen. Sie sah hoch und rein vorsichtshalber schoss mein Blick nach unten auf das Straßenpflaster. Sie musste ja nicht mitbekommen, dass ich sie förmlich anstarrte. Ich traute mich wirklich einige Minuten lang nicht mehr zu ihr herüber zu sehen, stattdessen setzten sich in meinem Kopf immer beharrlicher Bilder fest, die ich beim besten Willen nicht vertreiben konnte. Ihr Lächeln, das wie ein Foto vor meinem inneren Auge schwebte, der Wunsch, nichts anderes zu tun, als sie zu beobachten, ihre Lippen die praktisch dazu einluden, sie Bekanntschaft mit meinen eigenen machen zu lassen. Irgendwo am Rande mein pochendes Herz, das zu kollabieren drohte. Endlich traute ich mich, wieder hochzusehen. Entsetzt musste ich feststellen, dass sie spurlos verschwunden war. Aber ihr Koffer stand noch am selben Platz. Das war ein gutes Zeichen. Tatsächlich kam sie einen Augenblick später um die Ecke, eine Zigarette lässig zwischen die Lippen geklemmt, während sie ihren Tabak in ihrer Hosentasche zu verstauen versuchte. Sie rauchte also. Eigentlich eine Eigenschaft, die ich so gar nicht mochte. Doch in ihrer Hand sah selbst die Kippe gut aus. Sie lehnte sich an die Wand, das eine Bein angewinkelt, immer mal wieder einen Blick auf ihren Koffer werfend. Plötzlich sah sie zu mir herüber und ich war nicht schnell genug, um wegzusehen. Und weil alles andere komisch gewirkt hätte, versuchte ich dem Drang wegzurennen und irgendwo im Erdboden zu versinken und erwiderte ihren Blick. Nun, nicht direkt, ich sah praktisch durch sie hindurch, weil ich mir nicht erlaubte, ihr wirklich in die Augen zu sehen. Und da lächelte sie. Einfach so, direkt zu mir herüber. Hätte ich nicht schon gesessen, hätte ich es spätestens jetzt tun müssen. Denn augenblicklich wurden meine Knie weich und das war für mich das Zeichen, wegzusehen. Sie selbst hatte sich wieder ihrem Handy gewidmet, als sei es nichts außergewöhnliches, dass eine Frau in ihrer Anwesenheit den Verstand verlor. Ich betete, sie möge lesbisch sein, auch wenn ich weder an Gott glaubte noch in der Lage gewesen wäre, sie anzusprechen, wenn sie auf Frauen stünde. Ihr äußeres Erscheinungsbild suggerierte zumindest nicht, dass sie auf Männer stand, auch wenn das ein grässliches Vorurteil war und ich selbst schon oft hatte feststellen dürfen, dass das Aussehen rein gar nichts zu sagen hatte.



copyright © by Camuseauflauf. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.




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