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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadAllahs wahre Konkurrenten...
29.09.2006 04:30
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0 Jetzt reichts mir langsam mit Allah und dem ganzen Gedönse darum!!! Ich als Betroffene, das schon mal vorab, habe es nicht nötig, Konkurrentin zu sein. Und zwar von niemand!!! „Künstler gelten als Konkurrenten Allahs“ VON MICHAEL HESSE, 26.09.06, 07:03h Der Karikaturen-Streit, so die Religionswissenschaftlerin, habe die Debatte auf unterstes Niveau geführt. KÖLNER STADT-ANZEIGER: Frau Bruckstein, Sie setzen sich mit der Bildlichkeit Mohammeds auseinander. Welches Bild kann oder darf man sich vom Propheten machen? ALMUT SH. BRUCKSTEIN: Die islamischen - wie auch die jüdischen Traditionen - kennen kein eindeutiges Verbot der Bilder. Kritisiert und abgelehnt, aus theologischen und politischen Gründen, wird die bildliche Darstellung Gottes. Warum? BRUCKSTEIN: Man wollte sich abgrenzen von der Götterverehrung in der vorislamischen Kultur. Dann kam ein theologisches Argument hinzu, das eine spannende Frage aufwirft: Inwieweit konkurriert der „Bildermacher“, wie es in islamischer Überlieferung heißt, mit der schöpferischen „Hand“ Allahs? In den Bildern eines Künstlers wird also etwas fundamental Neues gesehen - mehr als nur ein Abbild der Wirklichkeit, eher so etwas wie eine Konkurrenz zur Kraft des Schöpfers der Welt. Bildermacher wurden als Konkurrenten Allahs kritisiert. Daraus spricht ja Wertschätzung. BRUCKSTEIN: Ja, es ist ein großes Kompliment, das sich hinter dem „Verbot“ von Bildern verbirgt. Im Vergleich dazu galten die Bilder ja in „unserem“ Kulturkreis, der vor allem platonischen Traditionen folgt, über lange Zeiten hinweg nur als Schatten, als unvollkommene „Abbilder“ einer allein als göttlich geltenden Ideenwelt oder des göttlichen Vorbilds der Natur. Vielleicht liegt ja in der islamischen Kritik der Bildermacher die Würdigung von etwas ganz Originärem in der schöpferischen künstlerischen Tätigkeit, die der platonischen Verharmlosung der Bilder Paroli bietet. Das ist umso überraschender, wenn man sich die Reaktionen im Karikaturenstreit vergegenwärtigt. BRUCKSTEIN: Der sogenannte Karikaturenstreit hat die Differenziertheit dieser Diskussion auf eine grotesk primitive Ebene heruntergefahren. Mit den Karikaturen wurde inmitten einer von Konflikten zerrissenen Welt vor allem die Grenze der politischen Satire überschritten. Denn auch in einer westlichen Demokratie ist es ja verboten, andere öffentlich in Schrift und Bild verächtlich zu machen oder zu verletzen. Beispiele dafür gibt es in der jüngsten deutschen Rechtsgeschichte zuhauf. Sie sagen, antiislamische und antijüdische Darstellungen haben eine eigene Bild-Geschichte. Fließt diese auch in den Karikaturen-Streit ein? BRUCKSTEIN: Die Bildpolemik gegen den Nicht-Christen, den Muslimen und den Juden, ist tief in der Geschichte der westlichen Kultur verankert. 2001 habe ich mit Freunden und Kollegen in Berlin eine jüdisch-islamische Werkstatt für Philosophie und Kunst gegründet. In diesem Rahmen haben wir 2003 in Berlin eine Ausstellung im Museum für Islamische Kunst mit Bildern von Claudio Lange gezeigt: „Islam in Kathedralen. Bilder des Antichristen in der romanischen Skulptur“. Beschnittene Steinfiguren, nackt, mit Turban und Oberlippenbart verdeutlichen, wie der Muslim an vielen Kirchenfassaden des 11. und 12. Jahrhunderts in Frankreich und Spanien zu Zeiten der Kreuzzüge einer Bildpropaganda ganz eigener Art ausgesetzt war. Der Muslim - zu der Zeit einzigartiger Träger von Zivilisation, Wissenschaft und Kunst - bietet an diesen mittelalterlichen Kirchenfassaden die Projektionsfläche eines zu sich selbst findenden Europas, das sich die Vernunft, Wissenschaft und Kultur des Besiegten aneignet. Der Muslim - Träger griechischer Bildung - wird zum Außenseiter Europas, zum Träger der Unvernunft. Womit der Bogen zur Papst-Rede geschlagen werden kann . . . BRUCKSTEIN: Die akademische Rede des Papstes unterstreicht den Prozess dieser Veräußerung der (muslimischen) Vernunftstradition, ein Prozess, der - wie Abdelwahab Meddeb in seinem mutigen Buch „Die Krankheit des Islam“ zeigt - seine folgenschweren Entsprechungen in der innerislamischen Entwicklung hat. Für den europäischen Prozess der Stilisierung des Muslimen zum Antichristen und zum Träger der Unvernunft gibt es auch außerhalb der Kirchen eindrucksvolle Bildbeispiele. Illuminierte Manuskripte von Dantes Höllenszenarien der Göttlichen Komödie etwa zeigen einen aufgeschlitzten nackten Mohammed im Gespräch mit dem Philosophen Vergil und mit Dante selbst. Botticelli nimmt diese Bild-Tradition in seinen Bildzyklus zu Dantes Inferno auf, und so gibt es eine Geschichte des Bildzitats, die sich in der bildenden Kunst als Topos bis hin zu Salvador Dalí überliefert, ohne die desaströsen kulturpolitischen Hintergründe zu reflektieren. Die Ausstellung „Islam in Kathedralen“ hat die Frage aufgeworfen, ob sich die jahrhundertelange antisemitische Bild-Polemik nicht weitgehend an der Bildpolemik gegen die Muslime orientiert und nicht umgekehrt. Beide: Juden und Muslime repräsentieren je auf ihre Weise „den Orient“ - die dunkle „Unvernunft“ oder aber das unberechenbare, fremde Kalkül des Orientalen. Auf den politischen Karikaturen der Moderne sehen sich diese beiden „verfeindeten Brüder“- der Muslim, der Jude - zum Verwechseln ähnlich. Welches Bild hat Europa vom Islam? BRUCKSTEIN: Europa hat in seinem eigenen Gedächtnis die rationalen Traditionen des Islams wegfallen lassen, und im Zuge dessen, besonders dann in den Orientalismus-Debatten im 19. Jahrhundert, auch die ästhetischen muslimischen Traditionen in eine exotisch-verklärte Welt der Tausend-und-einer-Nacht Geschichten verbannt. Das Gespräch führte Michael Hesse Quelle: ksta.de
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