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Arsch huh - Zäng ussenander, 9.11.2012, Köln

12.10.2012 09:32
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http://www.arschhuh.de/

Am 9. November 1992 versammelten sich 100.000 Menschen auf dem Chlodwigplatz in Köln. Künstler der Kölner Musikszene hatten zu einem Konzert „gegen Rassismus und Neonazis“ aufgerufen. Vorausgegangen war eine Welle von Übergriffen mit ausländerfeindlichem Hintergrund, so zum Beispiel im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. „Wir […] wollen […] dazu beitragen, die weitverbreitete Sprachlosigkeit zu der Entwicklung in unserem Land zu beenden“, schreiben die beteiligten Künstler in der vorab veröffentlichten Erklärung zur Großveranstaltung.

Der Titelsong wurde von Nick Nikitakis komponiert und von Wolfgang Niedecken getextet.

Gleichzeitig wurde die AG Arsch huh gegründet, die seitdem immer wieder Projekte und Initiativen gegen Rechts unterstützt, so zum Beispiel die Ausstellung Zwangsweise Kölsch im Jahre 2000, die sich mit der Zwangsarbeit in Köln während des Dritten Reiches beschäftigte.

Am 20. September 2008 gab es unter dem Motto „Köln stellt sich quer“ eine Neuauflage der Aktion auf der Domplatte in Köln. Anlass war der Versuch der vom NRW-Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Wählergruppe Pro Köln, in Köln ein als „Anti-Islamisierungs-Kongress“ bezeichnetes europaweites Treffen von Rechten und Rechtsextremen zu inszenieren. 16 Jahre nach dem ersten, inzwischen legendären „Arsch-huh“-Konzert versammelten sich wieder zehntausende Menschen in der Kölner Innenstadt, um ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Das Treffen der Rechten wurde so erfolgreich verhindert.

Was ist daraus geworden?

In den vergangenen 20 Jahren hat die Frage nach Rassismus und Diskriminierung von Schwachen in unserer Gesellschaft nichts von ihrer Relevanz verloren. Immer wieder zeigen sich die Nazis völlig unverhohlen – auch hier bei uns in Köln. Ihre populistische Ausgabe in Gestalt von ProKöln schafft es immer wieder, Plätze im Kölner Stadtrat zu besetzen. Sie waren es auch, die mit der Moschee-Frage den Versuch unternahmen, unsere Stadtgesellschaft weiter zu spalten. Auch gibt es seit einigen Monaten die traurige Gewissheit, dass Neonazis bereit sind mit mörderischer Gewalt ihre Ideologie in die Tat umzusetzen. Der Anschlag in der Keupstraße brachte die Spur dieses Terrors auch nach Köln.

Am erschreckendsten ist aber sicherlich, dass dieses menschenverachtende Gedankengut weiterhin die Lufthoheit über den deutschen Stammtischen hat. 20 Jahre nach den ersten Brandanschlägen gegen Flüchtlingsheime ist „Fremdenfeindlichkeit“ in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die neueste Studie Wilhelm Heitmeyers liefert ernüchternde Zahlen: 50% der Deutschen sind einer repräsentativen Befragung zufolge der Ansicht Deutschland sei „in gefährlichem Maße überfremdet.“ Dieser Trend wird dadurch verschärft, dass nicht nur der Ton gegen die Ausgegrenzten schärfer wird, sondern auch die Bereitschaft wächst, gegen sie „auf die Straße zu gehen“ oder gar Gewalt zu billigen oder selbst auszuüben. Am 20. Jahrestag von Arsch huh, Zäng Ussenander gibt es also keinen Grund zu Feiern. Es kann nur ein Tag des Protests sein.

Doch wie würde unsere Gesellschaft heute aussehen, wenn es nicht eine Vielzahl von Einzelpersonen und Initiativen in Deutschland gäbe, die immer wieder für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben gekämpft haben? So wollen die Musiker und Künstler der AG Arsch huh den Jahrestag auch nutzen, um sich bei all denen zu bedanken, die sich in den letzten Jahren für die gemeinsamen Ziele engagiert haben und bestärken weiter für diese Ziele einzutreten.

Aber Heitmeyers aktuelle Studie „Deutsch Zustände“ aus dem Jahr 2011 zeigt auch, das Eintreten für eine gerechte und solidarische Stadtgesellschaft mehr bedeutet als sich nur gegen Rassismus zu wenden. Zu den gesellschaftlichen Verlierern gehören vor allem die Armen in unserer Stadt, von denen es immer mehr gibt: Ob Langzeitarbeitslose oder Hartz-IV-Empfänger, Obdachlose oder Asylanten. Die Benachteiligung der Schwächeren ist auch immer die Benachteiligung der „Fremden“. Wir richten uns gegen das soziale Auseinanderbrechen unserer Stadtgesellschaft.

Am 9. November 2012 heißt es deshalb „Arsch huh – Zäng ussenander“ gegen Neonazis, Rassismus und Ausgrenzung für eine solidarische Stadtgesellschaft.

Wer geht auch hin und wer war auch schon vor..räusper..20 Jahren dabei??

In diesem Sinne.."wenn mir der Arsch net huh kreje is et eines Daachs ze spät.."[/…][/…]


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