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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadArtikel dpa: Eine Kerze gegen das Vergessen
11.09.2007 15:36
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0 Hamburg (dpa) - Hilal Ercan: Vermisst seit 27. Januar 1999. Alter zum Zeitpunkt des Verschwindens: 10 Jahre. Wohnort: Hamburg. "Hilal ist vom Einkaufen nicht nach Hause zurückgekehrt. Seither fehlt von ihr jegliche Spur", heißt es in einer Suchmeldung. Verschwunden Hinter diesen Zeilen verbergen sich für die Eltern acht Jahre voll schrecklicher Ungewissheit. Für Hilal haben Hamburger Kinder an diesem Freitag eine Kerze angezündet. Ein Ballon mit dem Bild des Mädchens stieg in den Himmel auf - verbunden mit der Hoffnung, dass Hilal noch lebt. In Hamburg fand am 25. Mai die zentrale Veranstaltung zum "Tag der vermissten Kinder" statt. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) werden 1.653 Kinder und Jugendliche in Deutschland vermisst. Seit zehn Jahren versucht die Eltern-Initiative vermisste Kinder (EvK), verschwundene Töchter und Söhne zurück zu bringen. Die Initiative sucht nicht nur per Internet mit Porträts nach vermissten Kindern, sondern kooperiert in Hamburg und Berlin mit den Betreibern von U-Bahn-TV. Außerdem zeigt sie in Zusammenarbeit mit "TV-Wartezimmer" in tausenden Praxen die Bilder von Kindern wie Hilal auf Bildschirmen. "Wir haben pro Tag 10 bis 15 Anfragen von Eltern", sagt Carl Bruhns, der mit seinem Sohn Lars und 16 ehrenamtlichen Mitarbeitern das Vermisstenportal betreut. Von 1997 bis 2007 wurden immerhin 49 Kinder, davon 40 aus Deutschland, wiedergefunden. "Ende der 90er Jahre wurde ein vermisstes neunjähriges Mädchen aus Deutschland bei einem Mann in einem Wohnwagen in den USA wiedergefunden", berichtet der 67-jährige Bruhns. Ein anderes Mal konnte ein Kind aus dem Kosovo nach Deutschland zurückgeholt werden. Seit 2003 veranstaltet die Initiative alljährlich bundesweit den "Tag der vermissten Kinder". Bei den in Statistiken geführten Vermissten handelt es sich um Minderjährige, die Verbrechen oder Unglücken zum Opfer fielen, von zu Hause ausgerissen sind oder von einem Elternteil verschleppt wurden - oft ins Ausland. Ein Fall wie der der vierjährigen Madeleine aus Großbritannien, die am 3. Mai in Portugal aus einer Ferienanlage entführt wurde, erregen die Öffentlichkeit. "Genauso schnell ebbt das Interesse aber oft auch wieder ab", sagt Bruhns. So auch bei Hilal aus Hamburg, nach deren Verschwinden die Sonderkommission "Morgenland" zunächst bis März 2000 fast 400 Spuren verfolgte. Doch dann wurde es immer stiller - und die Ängste der Eltern wuchsen. Auch Fernsehfahndungen in Sendungen wie "Aktenzeichen XY - ungelöst" blieben ohne Erfolg. Ein Verdächtiger widerrief 2005 sein Geständnis, auch Ausgrabungen nach Hilals möglicher Leiche blieben ohne Ergebnis. "Es gibt keine neue Spur", sagt eine Sprecherin der Hamburger Polizei. "Sie wird gefunden, wenn sie nicht vergessen wird", erklärte vor einiger Zeit Hilals Mutter. Die Entwicklung des Internets macht die Suche nach Vermissten heute grenzübergreifend - und dadurch Erfolg versprechender. Vor 15 Jahren revolutionierte die amerikanische Rock-Band Soul Asylum die Suche nach spurlos verschwundenen Kindern. Im Video zu ihrem Welt-Hit "Runaway Train" flimmerten die Bilder vermisster Kinder über den Fernsehschirm. Auch auf Milchtüten wird in den USA seit einigen Jahren das Konterfei Vermisster abgedruckt. Ab August 2007 soll es EU-weit für vermisste Kinder die Hotline 116000 geben. Den lange verschwundenen Kindern wird das wohl nicht helfen. Wenn für sie an diesem Freitag Kerzen angezündet werden, soll es auch ein Zeichen sein: Sie sind vermisst, aber nicht vergessen.
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