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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » ThreadAus Kinderaugen
16.04.2012 00:00
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0 Aus Kinderaugen Gerade traf ein kleines Mädchen mit glänzenden Augen auf einen erwachsenen Menschen, der nachdenklich die Stirn runzelte. „Warum guckst du so?“, fragte das kleine Mädchen voller Neugier. Darum bemüht, sich seine Emotionen nicht zu sehr anmerken zu lassen, antwortete die erwachsene Person sachlich: „Mir ist gerade danach, etwas zu tun. Ich wäge die Vor- und Nachteile ab.“ Das kleine Kind verstand nicht ganz und diese kurzzeitige Überforderung spiegelte sich auch in seinem Gesicht wider. Weil es aufgrund des Alters und der fehlenden Reife keine kluge und scharfsinnige Antwort geben konnte, tat es das, was Kinder am Besten können. Einfach das sagen, wonach ihnen gerade ist. „Ich denke an sie! Und ich bin ein bisschen traurig!“ Obwohl der Erwachsene mit allen Mitteln versuchte seine emotionslose Haltung zu wahren, löste die Ehrlichkeit des kleinen Kindes etwas in ihm aus. Plötzlich hatte er das Bedürfnis, das traurige Kind zu trösten und aufzumuntern. Doch es geschah noch etwas anders. Der Erwachsene musste unwillkürlich lächeln, denn das Kind hatte völlig unbewusst ausgesprochen, was er selbst verschwieg und nicht einmal zu denken wagte. Die kleinen Hände griffen nach den großen Händen des Erwachsenen. „Du siehst aber auch traurig aus.“ Der Erwachsene zögerte eine Weile, doch dann siegte auch in ihm das Kind und er nickte. „Bin ich auch. Ich muss nämlich auch an sie denken.“ „An die Puppe, die ich verloren habe?“, fragte das kleine Mädchen leicht verwirrt. „Nein, an meine Freundin!“, antwortete der Erwachsene ehrlich. „Dann sag das deiner Freundin doch!“, schlug das kleine Mädchen prompt vor. Der in gedankenversunkene Erwachsene lag also auf seinem Bett, als das Kind in ihm zaghaft Kontakt zu ihm aufnahm und sich gegen den vernünftigen Erwachsenen durchsetzte. Er fasste sich ans Herz, rief seine Freundin an und lies das Kind in sich sprechen. „Bist du mir noch böse?“, erkundigte er sich. Reue schwang in seiner Stimme mit. „Nein!“, antwortete die Freundin glücklich. „Ich habe gehofft, dass du dich melden würdest. Wie geht es dir denn?“ „Gut. Und dir?“, gab er automatisch zurück. "Aber du bist doch traurig!“, widersprach das kleine Kind, das sich niemals für seine Gefühle schämen würde und schüttelte verständnislos mit dem Kopf. „Ja, aber das muss ja niemand außer mir wissen“, verteidigte der Erwachsene sich. Hitze stieg ihm in den Kopf. Er fühlte sich ertappt. "Lügen ist aber verboten!", belehrte ihn das Kind. "Man muss immer die Wahrheit sagen. Hörst Du? Immer! Sonst kommt man in die Hölle!"
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18.04.2012 12:30
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