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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadBittere Realität
16.10.2006 23:21
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0 "Eine nationale Katastrophe" Deutsche Kinderhilfe: Misshandlungen trauriger Alltag Berlin - Mehmet starb an Hirnblutungen, Kevin lag tot im Kühlschrank, Nico erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen: Die Deutsche Kinderhilfe hat am Montag in Berlin die Misshandlung von Mädchen und Jungen als "nationale Katastrophe" bezeichnet und einen "Kindergipfel" mit Bund, Ländern und Kommunen gefordert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte mit Blick auf eine Vielzahl bekannt gewordener Fälle misshandelter oder verwahrloster Kinder indes mehr gesellschaftliche Verantwortung an. "Es wirkt wie ein Albtraum, aber es ist die bedrückende Realität in Deutschland: Nahezu täglich werden Kinder mitten unter uns gequält, misshandelt und getötet", sagte der Vorstandsvorsitzende der deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, am Montag in Berlin. Allein in fünf Tagen seien vier Fälle in Bremen, München, Sangerhausen und Zwickau bekannt geworden. Mehmet starb an massiven Hirnblutungen Nach dem Tod des zweijährigen Kevin in Bremen und der sieben Wochen alten Leonie aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt war am Sonntag ein weiterer schwerer Fall von Kindesmisshandlung mit Todesfolge bekannt geworden. In Zwickau in Sachsen starb der vier Jahre alte Mehmet an massiven Hirnblutungen. Der Junge soll vom 45 Jahre alten Lebensgefährten seiner Mutter misshandelt worden sein. Es gebe ein Teilgeständnis des Paares, sagte Staatsanwalt Frank Hoffmann. Mehmet war am vergangenen Freitag nach einem angeblichen Treppensturz in eine Klinik gebracht worden und dort gestorben. Er war nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch "ausgeprägt mangelhaft" ernährt. Zwickaus Sozialbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) räumte im MDR-Mittagsmagazin ein, dass sich das Jugendamt von 2002 bis 2005 mit der Familie beschäftigt habe. Allerdings hätten die Verantwortlichen im Mai 2005 eine positive Prognose gestellt. Weil es nicht aufhörte zu schreien ... Und weitere Fälle beschäftigten die Justiz: Ein 31 Jahre alter Vater aus Niedersachsen gestand am Montag vor dem Landgericht Hildesheim, seinen drei Wochen alten Sohn Nico schwer misshandelt zu haben. Der wegen versuchten Mordes Angeklagte gab zu, dass er das Baby geschüttelt, auf die Matratze gedrückt und gegen das Eisengestell des Bettes geschlagen habe, weil es nicht aufhörte zu schreien. Der Säugling erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen. In Würzburg wurde eine 24 Jahre alte Frau zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil sie ihren zwölf Wochen alten Sohn im vergangenen Dezember mehrfach mit dem Kopf gegen die Holzstreben einer Kinderwiege schleuderte und dabei tötete. Todesursache von Kevin und Leonie noch unklar Im Fall des vor einer Woche in Bremen im Kühlschrank seines drogensüchtigen Vaters gefundenen Kevin wird die genaue Todesursache nach Angaben der Staatsanwalt ebenso noch ermittelt wie im Fall Leonie. Das sieben Wochen alte Baby war am vergangenen Freitag in Sangerhausen in Sachsen-Anhalt tot in der Wohnung seiner alkoholkranken Mutter gefunden worden. Nach dem Tod von Kevin waren grobe Fehler der Bremer Sozialbehörde bekannt geworden. Der inzwischen suspendierte Leiter des Jugendamtes hat nach Polizeiangaben einen anonymen Drohanruf erhalten. "Im Osten ist die Not noch größer als im Westen" Nach Ansicht des Kriminologen Christian Pfeiffer handelt es sich bei Fällen von Kindstötung fast immer "um Familien am extremen sozialen Rand, von Armut betroffen und überfordert, mit dem zumeist ersten Kind klarzukommen". Der "Passauer Neuen Presse" sagte Pfeiffer, bei einem leichten Rückgang der Fälle von Kindstötungen in den letzten 15 bis 20 Jahren gebe es aber große regionale Unterschiede. "Im Osten ist die Not noch größer als im Westen. Im Osten gab es ein früher dreifaches, heute etwas mehr als doppeltes Risiko für kleine Kinder, Opfer von Kindestötungen zu werden." Besonders gefährdet sind einem Leipziger Forschungsprojekt zufolge ein bis vier Jahre alte Kinder. "Zum Tod kommt es meist durch wiederholte Gewalt am Kopf, durch Tritte in den Bauch, oder das Kind verhungert", sagte die Leipziger Rechtsmedizinerin Ulrike Böhm in einem dpa-Gespräch. "Auffällig ist, dass dem Jugendamt die problematischen Fälle häufig schon im Vorfeld bekannt waren. Häufig spielen sich die Dramen in schlechten sozialen Verhältnissen ab. Oft sind die Eltern noch jung, oder es gibt einen neuen Partner." Lückenlose Vorsorgeuntersuchungen gefordert Deutschlands Kinderärzte fordern als Konsequenz einen Rechtsanspruch auf lückenlose Vorsorgeuntersuchungen bis zum 18. Lebensjahr. Die Politik müsse Worten endlich Taten folgen lassen und Netzwerke zur Frühprävention knüpfen, damit Risikofamilien auch mit Hilfe von Medizinern rechtzeitig ermittelt werden könnten, forderte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bei seiner Herbsttagung in Bad Orb (Hessen). Die hessische Landesregierung drängt auf eine zügige Umsetzung dieser Forderung. "Wenn der Bund das jetzt nicht auf den Weg bringt, dann wird Hessen im Alleingang ein eigenes Modell umsetzen", kündigte Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) in Wiesbaden an. In Düsseldorf existiert ein Frühwarnsystem, wie es die Bundesregierung plant, bereits seit dem vergangenen Jahr. Nach Angaben der Verantwortlichen in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt werden dort Eltern, die mit ihren Kindern überfordert sind, bereits von der Geburt der Kinder an unterstützt. Kliniken, Krankenkassen, Kinderärzte und Beratungsstellen seien über eine so genannte Clearingstelle miteinander verbunden. (joe/dpa/ddpAFP) Es ist zum Kotzen...und nein dies ist keine Polemik sondern schlicht die Wahrheit...
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