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Das ICH ist ein Anderer

15.04.2012 23:32
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Das ICH ist ein "Anderer"

Die Suche nach der eigenen Identität

"Unter Identität versteht man bei einem Menschen die ihn kennzeichnende und als Individuum von anderen Menschen unterscheidende Eigentümlichkeit seines Wesens. "

Doch was genau macht eine Identität aus? Wie kommt diese zustande?
Entfaltet sie sich von selbst... oder braucht sie wie die Blume intensive Pflege, um in allen ihren bunten Farben zu erblühen?
Fragen über Fragen.
Gedanken, die mich seit vielen Jahren begleiten.

Wer bin ich? Wer sind die anderen? Und warum lebe ich?
Lebe ich, um zu leben, oder steckt ein Sinn dahinter?
Ein individueller Sinn.
Mein Lebenssinn.

Beginnen wir, um es einfach zu machen, mit der Unterscheidung der Wir-Identität und der Ich-Identität.
Meine Fußballmannschaft und ich stellen gemeinsam eine Wir-Identität dar. Wir als Mannschaft sind also bekannt dafür, dass wir uns zwar gute Torchancen herausspielen, diese aber nur in den seltensten Fällen nutzen. Unser ganz individuelles Manko. Die Schwäche unserer Mannschaft.
Während ich somit Teil der Wir-Idenität bin, Teil der Mannschaft, habe ich zugleich auch eine Ich-Identität auf dem Fußballplatz. Ich als Individuum, ich als einzelne Spielerin aus der Mannschaft, spiele vorzugsweise im linken Mittelfeld, habe sowohl Kondition und Ausdauer als auch eine gewisse Schnelligkeit und eine gute Ballführung. Was mir persönlich dagegen große Schwierigkeiten bereitet, ist das körperbetonte Spielen. Ich versuche jeglichen Körperkontakt zu meinen Gegenspielern zu vermeiden, ganz abgesehen davon, dass ich niemals auch nur auf die Idee käme, jemanden zu foulen. Ja, man könnte meine Spielweise als zurückhaltend beschreiben.

Genauso wie in einem Verein, ist es in der Schule. Die Klasse, in der ich damals war,
war dafür bekannt, auf Fragen der Lehrer mit ratlosen Blicken und einem großen Schweigen zu antworten. Ja! Wir schwiegen gerne! Etwas, das uns als Klasse ausgemacht hat! Etwas, das uns identifiziert hat. Würde sich jemand über das unerträgliche Schweigen beklagen, hätten alle uns unterrichtenden Lehrer sofort gewusst, um welche Klasse es sich handelt.
Klar. Unsere Wir-Identität. Hinzu kommt in einer Klasse natürlich die Ich-Identität eines jeden einzelnen Schülers zur Geltung. Denn trotz gemeinsamer Wir-Identität, sind wir noch lange nicht alle gleich. Weder vom Aussehen, noch vom Charakter oder von unseren Neigungen.

Genauso wie man in seinem Leben in verschiedene Rollen schlüpfen muss, ob Tochter, Schülerin, Vereinsmitglied, Freundin, Partnerin, Angestellte usw., hat man offenbar verschiedene Ich-Identitäten. Denn wenn ich eine Ich-Identität auf dem Fußballplatz habe, habe ich doch auch eine Ich-Identität, wenn ich in der Schule bin, eine Ich-
Identität, wenn ich zu Hause bin und eine Ich-Identität, wenn ich mich unter Freunden befinde. Da stellt sich natürlich die Frage: Gibt es überhaupt die EINE Identität oder ergibt vielleicht das Zusammenspiel aller aufgeführten Rollen und Ich-Identitäten eine Gesamtheit? Vielleicht bilden alle Identitäten zusammen ja mein ICH. Mein ganz individuelles ICH, das mich von anderen Individuen hervorhebt.

Denn:
Niemand hat meine Fingerabdrücke.
Niemand hat meine Stimme.
Niemand sagt so „ich liebe Dich“ wie ich.
Niemand glaubt wie ich.
Niemand denkt so ans Sterben wie ich.
Niemand hat meine Geschichte.
Niemand spürt die gleiche Trauer,
das gleiche Glück wie ich.
Niemand ist wie ich.
Niemand in meinem Land.
auf meinem Kontinent,
auf dem dritten Planeten dieses Sonnensystem.

Gut. Gehen wir davon aus, dass aus der Gesamtheit aller Ich-Identitäten ein ICH entsteht. Ein ICH, das aus seiner ganz individuellen Perspektive die Welt betrachtet.
Ein Ich, das handelt wie kein anderer.
Ein Ich, das sich durch seine Individualität, durch seine Einzigartigkeit von anderen unterscheidet.
Gleichzeititig zur eigenen Individualtät ist der Mensch jedoch mit der Aufgabe konfrontiert, seine Wir-Identität einzunehmen. Nicht nur im Verein, in der Schule oder auf der Arbeit, sondern vor allem auch in der Gesellschaft.

Eigene Interessen, Wünsche und Bedürfnisse.
Ein Leben nach eigenen Vorstellungen.
Ein Leben als Individuum.

Gleichzeitig sich dazugehörig fühlen. Ein Wir-Gefühl entwickeln.
Eine allgemeingültige Position einnehmen. Sich anpassen, wo es nötig ist. Sich nach Werten und Normen richten.
Die eigenen Vorlieben auch mal hinten anstellen.

Beides zugleich... ist das möglich?
Können beide Identitäten, sowohl ICH-Identität als auch WIR-Identität zueinander in einem Gleichgewicht stehen? Miteinander harmonieren? Eine Einheit bilden?

Oder wird die Pflege der ICH-Identität, die Pflege der eigenen Bedürfnisse, dadurch, dass man sich zu jeder Zeit als Teil einer bestimmten Gruppe sieht, vernachlässigt?

Viele Menschen bevorzugen ein Leben als Marionette der Gesellschaft statt sich auf den mühsamen Weg zum eigenen ICH zu begeben. Während der erste Weg aufgrund seiner Bequemlichkeit favourisiert wird, wird die Bereicherung, die das eigene Selbst mit sich bringt, häufig unterschätzt.

Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden. Funktionieren. Sich anpassen. Den Weg der breiten Masse gehen. Bloß nicht auffallen. Kein Aufsehen erregen.
So lautet unbewusst die Lebenseinstellung vieler Menschen, die sich "Individuum" nennen.

Doch wenn alle Menschen nur danach streben, sich bestimmten Erwartungen der Gesellschaft und klischeehaftem Denken unterzuordnen, was unterscheidet sie dann voneinander? Was lässt sie zu einem individuellen Wesen werden?
Wo bleibt das ICH, wenn die Menschen ihr Handeln nach dem WIR richten?
Wo bleiben die Originale?
Wo bleibt Individualität?
Überall, wo man hinsieht, Kopien.
Auf den ersten Blick vielleicht hier und da kleine Unterschiede, doch beim genaueren Hinsehen ist kein Individuum zu erkennen. Alles Boten der Gesellschaft. Sklaven der Gesellschaft, in der das Wohl des Einzelnen völlig ausgeblendet wird.
Stark sein, lautet die Devise. Funktionieren.
Erhobenen Hauptes entlang stolzieren und das Lächeln nicht vergessen. Ob im Inneren eines Menschen gerade tausend Stürme toben, spielt keine Rolle.
Die Fassade aufrechterhalten.
Kein Platz für Schwäche, für Traurigkeit, für tiefgreifende Emotionen.
Kein Platz für individuelle Bedürfnisse.
Kein Platz für Echtheit.
Lieber Heucheleien nachgehen. Sich ganz nach Klischees und Traditionen richten. Weihnachten feiern.
Das Fest der Liebe.
Das Fest der Familie.
Ein wahres Fest für Schauspieler.
Das ganze Jahr über kann Stress herrschen, aber an Weihnachten, ja, da lieben sich plötzlich wieder alle. Wieso sich an Weihnachten gegenseitige Liebe beteuern?
Wieso sich an Weihnachten gegenseitig mit Geschenken versorgen? Nur, weil es verlangt wird? Weil es selbstverständlich ist? Was ist denn schön, kostbar, einzigartig daran, nach einer Selbstverständlichkeit zu handeln? Ist es nicht viel schöner, wenn man intuitiv handelt? Aus einem Gefühl oder Bedürfnis heraus? Wenn ich Menschen liebe, dann zeige ich ihnen das nicht an Weihnachten, sondern immer, wenn mir danach ist! Vorrausgesetzt, meine Liebe ist aufrichtig!

Individualität statt blinder Anpassungsfähigkeit!
Die wahre Kunst des Lebens besteht darin, sich nicht nach dem zu richten, was andere sagen, sondern einen Weg zu gehen, den niemand zuvor gegangen ist.

Nur so kann dein Leben einen höheren Sinn haben, einen ganz besonderen Wert. Nur so ist es lebenswert.
Nur so hinterlässt du mit deinem Fortgehen eine Lücke, die kein anderer Mensch jemals wieder füllen kann.
So wie auch ich einen ganz persönlichen Sinn des Lebens für mich gefunden habe.

Das größte Ziel in meinem Leben ist es, wertvolle Spuren auf dieser Welt zu hinterlassen. Spuren der Kreativität. Spuren der Liebe. Eines Tages ist das Leben vorbei und alles, was man sich gekauft hat, ist nichts mehr wert. Von einem Tag auf den anderen. Doch hat man Spuren hinterlassen... Spuren in Herzen anderer Menschen... So werden diese auch über den Tod hinaus bestehen bleiben.So wie Musiker mit ihrer Musik Spuren hinterlassen... Pädagogen mit ihrer Pädagogik... Schauspieler mit ihrer Schauspielkunst... Künstler mit ihren Bildern... Dichter mit ihren Gedichten... So möchte auch ich Spuren hinterlassen... mit meinen Buchstaben. Meinen Worten. Meinen Sätzen. Mit meinem gesamten Wesen.
Spuren in Herzen anderer Menschen... Spuren, die über den Tod hinaus bestehen bleiben... Spuren, die niemand einfach so ersetzen kann.... Einzigartige Spuren. Spuren von mir... Wenn mir das gelingt, erst dann kann ich davon sprechen, dass es sich für mich gelohnt hat zu leben. Gelohnt hat zu leiden. Gelohnt hat zu lieben.

Wofür lebst du? Für die anderen? Oder für dich?
Was ist Dir wichtig im Leben?
Was macht Dich glücklich?
Und die Frage aller Fragen: Wer bist du?
Ist auch dein ICH ein anderer?
Entstanden durch das Übernehmen von dem, was die Gesellschaft einem vorlebt?
Was als richtig und falsch eingestuft wird?

Wenn dem so sein sollte, lies bitte den folgenden Satz. Lies ihn, schließe deine Augen und lasse ihn auf dich wirken. Lass ihn einen Teil von Dir werden. Und ich verspreche dir, du bist auf einem guten Weg.

"So wie Du bist, so sollst Du sein. Nur, wenn Du lebst, was Du bist und fühlst, was Dich ausmacht, gehst Du deinen eigenen einzigartigen Weg"


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