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Der Fischer

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25.01.2020 14:28
HiddenNickname

Eine schöne, kluge Geschichte, über die ich heute gestolpert bin ... leider ohne Verfasser:

In einer abgeschiedenen ländlichen Gegend Südeuropas sitzt ein Fischer am flachen Meerestrand und angelt mit einer alten, herkömmlichen Angelrute. Ein reicher Unternehmer, der sich einen einsamen Urlaub am Meer gönnt, kommt auf einem Spaziergang vorbei, beobachtet den Fischer eine Weile, schüttelt den Kopf und spricht ihn an.
Warum er hier angle, fragt er ihn. Draußen, auf den felsigen Klippen könne er seine Ausbeute doch gewiss verdoppeln. Der Fischer blickt ihn verwundert an. ‚Wozu?‘, fragt er verständnislos. Na, die zusätzlichen Fische könne er doch am Markt in der nächsten Stadt verkaufen und sich von den Einnahmen eine neue Fiberglasangel und den hoch effektiven Spezialköder leisten. Damit ließe sich seine Tagesmenge an gefangenem Fisch mühelos noch einmal verdoppeln.
‚Und dann?‘, fragt der Fischer, weiterhin verständnislos. Dann, entgegnet der ungeduldig werdende Unternehmer, könne er sich bald ein Boot kaufen, hinausfahren ins tiefe Wasser und das Zehnfache an Fischen fangen, sodass er in kurzer Zeit reich genug sein werde, sich einen modernen Hochseetrawler zu leisten! Der Unternehmer strahlt, begeistert von seiner Vision.
‚Ja‘, sagt der Fischer, ‚und was tue ich dann?‘
Dann, schwärmt der Unternehmer, werde er bald den Fischfang an der ganzen Küste beherrschen, dann könne er eine ganze Fischfangflotte für sich arbeiten lassen.
‚Aha‘, entgegnet der Fischer, ‚und was tue ich, wenn sie für mich arbeiten?‘
Na, dann könne er sich den ganzen Tag lang an den flachen Strand setzen, die Sonne genießen und angeln.
‚Ja‘, sagt der Fischer, ‚das tue ich bereits.‘

25.01.2020 14:41
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Die Antwort auf unser wirtschaftliches, moralisches und menschliches Dilemma in ein paar Zeilen wunderbar veranschaulicht.

25.01.2020 15:02
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Eine sehr schöne Geschichte in der Tat!

25.01.2020 15:29
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der Autor war

Heinrich Böll

Die Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral ist eine Anekdote von Heinrich Böll. Sie handelt von einem Touristen, der einen Fischer kennenlernt und im Gespräch mit ihm begreift, dass man auch ohne große Karriere glücklich sein kann. Böll schrieb sie für eine Sendung des Norddeutschen Rundfunks zum „Tag der Arbeit“ am 1. Mai 1963.

https://de.m.wikipedia.or [...] itsmoral

The story, with its several adaptions, has been circulated widely on the Internet, and has been quoted in many books and scholarly papers. In one of the most popular versions, the tourist is an American (an MBA from Harvard in some versions), and the fisherman is Mexican.

The story is also part of the syllabi of several universities. It is often quoted in texts that discuss the relationship between money and happiness, and has been included in textbooks teaching the German language.

https://en.m.wikipedia.or [...] itsmoral

editiert am 25.01.2020 15:36 Beitrag melden Zitatantwort
26.01.2020 09:45
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@Rosedawson06

Toller Fund!

@Pflaenzchen

Danke für die Aufklärung!

26.01.2020 10:11
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Was lernt man eigentlich noch in der Schule ?

Diese Geschichte kennt doch jeder.

Ach nee ... Schreiben wie Hören sind ja wichtiger.



26.01.2020 10:35
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 10:11:

Diese Geschichte kennt doch jeder.



Ich kannte die Geschichte noch nicht ... und das obwohl Deutsch mein Lieblingsfach war (unsere Lehrerin legte aber eher Wert auf Goethe und Schiller) und obwohl ich ein Bücherwurm bin.
Man kann nicht alles kennen.

26.01.2020 11:11
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Ja, ich kannte sie auch. Aber nur, weil in meinem Elternhaus viel von Böll lungerte, in der Schule tauchte der auch erschreckend wenig auf, trotz Deutschleistungskurses.

Was ich aber irgendwie beruhigend finde ist, dass sowas dann aber auf anderem Wege entdeckt wird. Rosedawson, magst Du schreiben, wo sie Dir begegnet ist?
Und danke dafür, denn nun begegnet sie hier anderen, die sie auch nicht kannten.

26.01.2020 11:13
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Zum Glück gab es bei mir die Fächer Provokation und Verbissenheit nicht.

26.01.2020 11:26
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:13:

Zum Glück gab es bei mir die Fächer Provokation und Verbissenheit nicht.


Das ist ja auch schon lange her, du bist 47.

Neues Schulfach: entspannt bleiben.



26.01.2020 11:33
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:26:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:13:

Zum Glück gab es bei mir die Fächer Provokation und Verbissenheit nicht.


Das ist ja auch schon lange her, du bist 47.

Neues Schulfach: entspannt bleiben.



Wahrnehmung, finde ich, wäre ein tolles Fach!

26.01.2020 11:37
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:33:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:26:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:13:

Zum Glück gab es bei mir die Fächer Provokation und Verbissenheit nicht.


Das ist ja auch schon lange her, du bist 47.

Neues Schulfach: entspannt bleiben.



Wahrnehmung, finde ich, wäre ein tolles Fach!


Ist nicht mehr meine Baustelle

26.01.2020 11:41
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:37:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:33:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:26:

(quote max. 3 Ebenen)
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:13:

Zum Glück gab es bei mir die Fächer Provokation und Verbissenheit nicht. (/quote max. 3 Ebenen)

Das ist ja auch schon lange her, du bist 47.

Neues Schulfach: entspannt bleiben.



Wahrnehmung, finde ich, wäre ein tolles Fach!


Ist nicht mehr meine Baustelle


Zug schon abgefahren, wah?!

26.01.2020 11:46
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:41:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:37:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:33:

(quote max. 3 Ebenen)
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:26:

(quote max. 3 Ebenen)
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:13:

Zum Glück gab es bei mir die Fächer Provokation und Verbissenheit nicht. (/quote max. 3 Ebenen)

Das ist ja auch schon lange her, du bist 47.

Neues Schulfach: entspannt bleiben.

(/quote max. 3 Ebenen)

Wahrnehmung, finde ich, wäre ein tolles Fach!


Ist nicht mehr meine Baustelle


Zug schon abgefahren, wah?!


Schon erledigt.
Und so lange eine Kanzler-Aspirantin Kobalt und Kobold verwechselt ist Bildung nicht mehr das Wichtigste in unsere Gesellschaft.
Schämen tut sich auch keiner mehr. Also alles bestens.



26.01.2020 13:17
HiddenNickname

Vllt können wir ja den Bogen wieder ein bisschen zurückschlagen...und von Böll reden.
Gibt es hier Böll Liebhaber*innen? Und wenn ja, was von ihm spricht euch besonders an?

26.01.2020 13:21
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 13:17:

Vllt können wir ja den Bogen wieder ein bisschen zurückschlagen...und von Böll reden.
Gibt es hier Böll Liebhaber*innen? Und wenn ja, was von ihm spricht euch besonders an?


Du hast Recht - Entschuldigung.

Auch die Botschaft der Geschichte ist interessant.



26.01.2020 14:21
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:11:

Rosedawson, magst Du schreiben, wo sie Dir begegnet ist?
Und danke dafür, denn nun begegnet sie hier anderen, die sie auch nicht kannten.


Tatsächlich sehr unerwartet in den Kommentaren eines youtube-Videos in dem es um die Ausbeutung und Ausnutzung von Arbeitnehmern in asiatischen Ländern ging, die sich aufgrund der vorherrschenden Mentalität, z. B. in Japan, zu Tode arbeiten und vielfach an Burnout erkranken bzw. in den Suizid getrieben werden.
Darunter hat ein User die Geschichte gepostet, auch mit dem Verweis, dass er den Autor nicht kennt.

26.01.2020 14:28
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:37:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:33:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:26:

(quote max. 3 Ebenen)
Tehejekuetrheed
schrieb am 26.01.2020 um 11:13:

Zum Glück gab es bei mir die Fächer Provokation und Verbissenheit nicht. (/quote max. 3 Ebenen)

Das ist ja auch schon lange her, du bist 47.

Neues Schulfach: entspannt bleiben.



Wahrnehmung, finde ich, wäre ein tolles Fach!


Ist nicht mehr meine Baustelle


Eine reicht da nicht, da hast du recht

26.01.2020 15:05
HiddenNickname

Wenn ich die Geschichte lese, erkenne ich 2 Seiten:
Zum einen natürlich die konsumkritische - stammt ja auch von Böll.
Zum anderen aber auch einen Anstoß in die Richtung zu schauen, wann und wo es mir gut geht - obgleich es nur die 'vermeintlich kleinen Dinge' sind. Ich erlebe so viele Menschen, die sagen "Wenn ich das und das habe, bin ich glücklich." Oder "Wenn ich das erlebt, gemacht, gesehen habe, werde ich glücklich sein." Natürlich können (und sollten) wir träumen und uns etwas erarbeiten oder auf etwas warten. Und natürlich sind wir nicht immer glücklich und ein "Jetzt sei zufrieden mit der Situation, was heulste rum!" ist übergriffig. Aber manchmal verliere ich persönlich den Blick und auch das Können, den Alltag und das Jetzt nicht nur im Hinblick auf die Zukunft, auf das Was-noch-nicht-ist zu leben, sondern auch die Gegenwart aktiv zu spüren.

26.01.2020 15:30
HiddenNickname

@ Steppenkind

der Schluss "das tue ich bereits" meint wohl, ob man sich anstrengt oder nicht, es kommt aufs gleiche raus.

was ja nicht stimmt.




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