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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadDer Papst tut es - Meisner verbietet es
07.12.2006 11:56
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0 Erlass gegen "multireligiöse Feiern" im Erzbistum Köln Das Bild ist noch sehr präsent: Papst Benedikt XVI. steht in der Blauen Moschee von Istanbul neben dem Großmufti Mustafa Cagrici und betet still, nach Mekka gewandt, wie für Muslime üblich. Diese wortlose Geste hat viele in der Türkei tief beeindruckt, sie fehlte auf keiner Titelseite einer türkischen Zeitung. Was macht ihre Kraft aus? Das Gebet ist für religiöse Menschen die intensivste Form, ihren Glauben auszudrücken. Es gibt deshalb auch, bei allen Worten des Dialogs, keine tiefere Begegnung zwischen Gläubigen verschiedener Religionen als die eines gemeinsamen Betens. So weit, so fromm. Aber kaum ist Benedikt aus der Türkei zurück, wird ein Erlass des Kölner Erzbischofs bekannt, der "multireligiöse Feiern" an Schulen verbietet. Gebet dürfe es nur getrennt geben. Man könne ja nachher zu einem gegenseitigen "kurzen Grußwort" zusammen kommen. Haben wir da irgend etwas falsch verstanden? Das weniger Wichtige vorweg: Erstens zeigt der Erlass, wie meilenweit Meisner von der Realität in Kindergärten und Schulen entfernt ist. Die religiöse Trennung wird in der Praxis meist das Ende der Beteiligung muslimischer Kinder und Jugendlicher an religiösen Feiern bedeuten. Eine eigene religiöse Betreuung steht für sie ja meist gar nicht zur Verfügung. Zweitens atmet der Erlass einen - gelinde gesagt - unangenehmen Geist von Gängelung und Gewissenskontrolle: Katholische Religionslehrer sollen nämlich dafür sorgen, dass auch an staatlichen Schulen keine interreligiösen Feiern mit katholischer Beteiligung stattfinden. Faktisch heißt das: Sie sollen boykottieren, was sie bislang aufgebaut und mitgetragen haben. In der Sache schlimmer ist jedoch der religiöse, der theologische Kurs rückwärts, den der Erlass markiert. Sprecher des Erzbistums wollen das nicht wahr haben. Sie verweisen darauf, der Papst habe zwar mit dem Mufti gebetet, aber nicht gemeinsam, nicht das selbe Gebet. Das ist wahr. Und es ist auch unbestritten, dass ein Gottesdienstmix aus ein bisschen Messe, ein wenig Freitagsgebet und etwas Sabbatfeier Blödsinn ist. Bei gut gemachten interreligiösen Feiern geht es auch nicht darum, dass die einen die Gebete der anderen sprechen. Es geht aber wohl darum, dass Menschen unterschiedlicher Religion zusammenkommen und beten. Das hat Johannes Paul II. in Assisi getan und Benedikt XVI. in Istanbul. Aber im Erzbistum Köln soll es das nicht geben. Zur Begründung steht in Meisners Erlass ein Satz, der theologisch so unsinnig wie entlarvend ist: "Das Gottesbild der nichtchristlichen Religionen ist nicht identisch mit dem Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist." Dieser Satz ist peinlich unlogisch: Ein Gottesbild ist niemals mit dem lebendigen Gott selbst identisch - Gott sei Dank. Der Satz steht aber auch im Widerspruch zur Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das erklärte schon 1965 von den Muslimen, dass sie "sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten". Es ist also gute katholische Lehre, dass jedenfalls Christen, Juden und Muslime zu dem einen, selben Gott beten - auch wenn sie tatsächlich unterschiedliche Lehren und Bilder von ihm haben. Kann es sein, dass Kardinal Meisner - ganz im Gegensatz zum Konzil und den Päpsten - sein Gottesbild so sehr mit Gott selbst in eins setzt, dass ihm diese Unterscheidung nicht mehr gelingt? Der Rückzug schadet der Religion So viel Theologie muss sein. Denn das Erzbistum behauptet jetzt, der neue Erlass sei gar nicht neu, sondern bestätige kirchliche Praxis. Das stimmt nicht einmal für das Erzbistum Köln. Auf dessen Homepage findet sich nämlich ein Arbeitspapier aus dem eigenen interreligiösen Referat, das Hilfen für interreligiöse Gottesdienste an Schulen gibt. Auch dort wird ein synkretistischer Misch-Gottesdienst abgelehnt, nicht aber das Beten in einer gemeinsamen Feier. Das Papier gibt dazu sogar schöne Ratschläge, wie etwa die Heiligen Schriften der Religionen gemeinsam im Raum ausliegen könnten. Und es stellt fest: "Die Vorbereitung der Feier selbst kann für Schüler zu einem Lernfeld werden." Ist Lernen jetzt nicht mehr angesagt, weil es ja verwirren könnte? Traurig, aber wahr: In Köln will man mal wieder päpstlicher als der Papst sein, und liegt gerade dadurch voll daneben. Schlimm ist das nicht deshalb, weil es das Fundamentalisten-Image des Kölner Kardinals in der Öffentlichkeit bestätigt, auch nicht deshalb, weil es die Katholische Kirche weiter isoliert. Schlimm ist das, weil es der Religion schadet, auch und gerade der katholischen. (Gregor Taxacher, WDR.de-Autor) Da kann man nur mit den Kopf schütteln über den KanalMeister (Kardinal Meisner) !
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