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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » ThreadDer Plan der Außerirdischen
21.01.2014 00:16
HiddenNickname
0 Da die letzte Geschichte von Horst Evers so gut angekommen ist, hier nochmal ein auszug aus seinem Buch "Für eile fehlt mir die Zeit" Bei uns in der Straße stehen seit ein paar Wochen zwei große Holzkübel mit Blumenerde auf dem Bürgersteig. Herr Carl, der ja bereits genug damit zu tun hat, die Fahrräder bei uns im Hof zu beschimpfen, meinte, darum könne er sich jetzt nicht auch noch kümmern, das müsse ich machen. Ich habe mich nicht getraut, Herrn Carl zu fragen, warum er findet, dass ich das machen müsse, sondern einfach mal in den umliegenden Geschäften nachgeforscht. Niemand hat diese Kübel da hingestellt. Auch beim Bezirk und beim Grünflächenamt weiß keiner etwas. Trotzdem sind diese beiden Kübel nun mal da. Wie ja immer wieder irgendwelches Zeug plötzlich da ist. Nicht nur auf der Straße oder im Hof, sondern manchmal auch in der Wohnung. Zeug, von dem niemand weiß, wo es herkommt. Warum es existiert. Irgendwelche Töpfe zum Beispiel. Töpfe, bei denen ich manchmal aber auch Freunde im Verdacht habe. Freunde, die vielleicht zum Essen da waren, und hinterher steht da dann plötzlich so ein Topf. Wenn man anruft, tun sie ahnungslos: «Ein Topf, nein, wir hatten keinen Topf dabei, warum auch, wir haben überhaupt nie so einen braunen Topf gehabt... Was? Woher ich weiß, dass der braun ist? Na, das hast du doch ... Nein, ich weiß von keinem Topf, wir haben keinen dabeigehabt.» Sie streiten natürlich alles ab, aber der Verdacht bleibt. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass sie das waren, denn ich mache es ja schließlich auch. Überzeugungsarbeit endlich den Punkt erreicht, wo sie plötzlich sagen: «Ja, genau, die ist uns ja so ans Herz gewachsen, wir sind so froh, dass wir die haben!» Und dann kann man auftrumpfen und sagen: «Jaha, und wisst ihr, wie die hier in den Haushalt gekommen ist? Wer die heimlich mitgebracht und hier stehen gelassen hat? Jaha, wer hat euch wohl dieses wunderbare Geschenk gemacht? Hahaaaa!» Und dann ist man nämlich der Held und wird bewundert und mit Dankbarkeit überschüttet und gelobt und alles. Leider habe ich diesen Punkt bislang noch kein einziges Mal erreicht Bei mir ist es aber immer nur zum Besten der Freunde, wenn ich ihnen heimlich Sachen in ihre Wohnung stelle. Es sind nur ausgewählte Dinge, die wirklich gut in die Wohnung passen. Viele meiner Freunde haben ja die Angewohnheit, ihre Räume viel zu leer zu lassen. Da ist es schön, wenn ein anderer mitdenkt, was man da noch alles reinstellen könnte. Dinge, die die Wohnung wirklich bereichern und die bei mir ja sowieso nur sinnlos rumstehen und vollstauben. Dort, in den Wohnungen der Freunde, können sie nochmal richtig Freude bereiten. Oft muss man allerdings ein bisschen helfen, beim dran Gewöhnen. Zunächst muss man die Sachen irgendwo stehenlassen, wo sie nicht sofort auffallen, versteckt in einem Schrank oder der Abstellkammer, dann entdeckt man den Schatz bei einem der nächsten Besuche ganz zufällig und sprudelt über vor Begeisterung, so in der Art: «Mensch, das ist ja eine tolle Schale, die passt ja gut hier rein, dass ihr so was Schönes habt! Hui, die ist wirklich super!» Das wiederholt man jahrelang bei jedem Besuch. Möglichst immer euphorischer, bis man irgendwann nach langer Zeit und viel. Die Kübel auf dem Bürgersteig sind aber definitiv nicht von mir. Wenn man alle wahrscheinlichen Antworten ausschließen kann, und es bleibt nur eine Antwort übrig, dann ist sie laut Sherlock Holmes die richtige, auch wenn sie noch so unwahrscheinlich klingen mag. Hinsichtlich dieser Kübel sind Sherlock Holmes und ich zu einer zwar verblüffenden, aber letztlich allein logischen Antwort gekommen: Vermutlich sind die Kübel von Außerirdischen. Mehr noch, vermutlich beamen uns Außerirdische ständig irgendwelches Zeug auf die Erde. Was natürlich die Frage erzeugt: Warum? Warum machen Außerirdische so was? Ich sehe drei Möglichkeiten: Möglichkeit 1: Es ist ein Test. Außerirdische sind ja höchstwahrscheinlich irrsinnig intelligent. Sie verfügen über eine Intelligenz, die schon unser Vorstellungsvermögen von Intelligenz bei weitem übersteigt. Eine Form der Intelligenz, die wir gar nicht beschreiben und noch viel weniger begreifen können. Diese Intelligenz ermöglicht es ihnen, anhand unseres Umgangs mit scheinbar sinnlosem Müll, den sie auf die Erde beamen, direkt zu errechnen, wie lange unser Hirn und letztlich die Menschheit insgesamt noch braucht, um den Photonenantrieb, den Materie-Antimaterie-Reaktor, einen Koaxial-Warp-Antrieb und den Flux-Kondensator oder was auch immer zu entwickeln, also irgendeine Technologie, die es uns ermöglichen würde, unsere Galaxie in respektabler Geschwindigkeit mit einem Raumschiff zu durchqueren und sogar zu verlassen. Das ist für die Außerirdischen natürlich interessant, schon jetzt zu wissen, wann wir bei ihnen ankommen könnten. Deshalb testen sie uns permanent mit sinnlosem Zeug, das sie auf die Erde beamen. Möglichkeit 2: Die Außerirdischen sind Idioten. Das ist überhaupt eine Möglichkeit, die meines Erachtens in der gesamten Science-Fiction-Literatur bislang viel zu wenig behandelt wurde. Was ist, wenn die Außerirdischen Idioten sind? Also sie sind zwar nicht so richtig bösartig, aber Idioten, das sind sie schon. Sie waren mal hoch entwickelt, daher haben sie auch noch die Raumschiffe, aber dann haben sie leider aus Versehen das Privatfernsehen oder so was erfunden und sind jetzt halt verblödet. Sie haben oft nichts zu tun, langweilen sich, wissen nichts mit sich anzufangen und sagen sich dann: Komm, lass uns zur Erde fliegen, da Scheiß hinbeamen, was allerdings auch bei den Außerirdischen dann nur eine sehr, sehr niedere Form der Samstagabendunterhaltung ist. So was, wie hier vielleicht in die Vorstädte fahren und Mülltonnen umtreten, aber weil die Außerirdischen weder Vorstädte noch Mülltonnen haben, fliegen sie eben schnell zur Erde, beamen Müll auf den Planeten und amüsieren sich dann über die Menschen, die davorstehen und sich wundern. Möglichkeit 3: Die schlimmste Variante. Die Außerirdischen wollen uns nur mit irgendetwas beschäftigen. Sie sind nämlich noch viel, viel intelligenter als ohnehin schon angenommen. Sie wissen längst, wann wir so weit sind, unsere Galaxie zu verlassen. Aber die wollen das gar nicht. Die wollen gar nicht, dass wir zu ihnen fliegen. Die sind eher so ablehnend, sarrazinmäßig drauf. Denken, die Menschheit würde ihnen sowieso nicht weiterhelfen. Die Menschen würden nur nerven und sollen bloß bleiben, wo sie sind. Und deshalb beamen die uns sinnloses Zeug auf die Erde, um uns abzulenken, zu verwirren. Damit wir mit Mist beschäftigt sind und nicht den Warp-Antrieb entwickeln. Wahrscheinlich schicken sie uns auch noch entsprechende Finanzmanager oder Politiker, die dafür sorgen, dass wir unsere Ressourcen möglichst sinnlos verballern, aber das ist eigentlich ein anderes Thema, jetzt geht es um den Kram, den sie auf die Erde beamen. Seit ich diese Variante im Kopf habe, schaue ich die beiden Kübel in unserer Straße und auch alles andere unnütze Zeug, welches irgendwo rumsteht, nochmal mit ganz anderen Augen an. Wenn man sich überlegt, dass wir nur wegen diesem Kram nicht durch den Weltraum fliegen und fremde Welten erkunden können - unglaublich. Das sind ja Zusammenhänge, die macht man sich sonst gar nicht klar.
editiert am 21.01.2014 01:38
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21.01.2014 00:44
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