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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadDie Angst im Nacken
31.10.2006 07:12
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0 Für jeden sechsten Deutschen ist Halloween 365 Tage im Jahr. Denn jeder Sechste glaubt an Geister. Ernst genommen werden die Geplagten nicht. Dabei hat Spuk immer eine Botschaft. Ein Freiburger Geisterjäger kennt sie. Meist sind es verzweifelte Anrufe wie dieser: „Ich höre Geräusche aus dem Keller. Unser Säugling kreischt dann jedes Mal hysterisch. Der Hund sträubt sein Fell vor Angst. Sogar ein Küchenmesser ist schon auf mich zugeflogen. Es hat sich neben meinem Kopf in die Wand gebohrt.“ Spätestens jetzt hätte jeder normale Zuhörer aufgelegt, Walter von Lucadou nicht. Lucadou ist Deutschlands profiliertester Geisterjäger, auch wenn sich der promovierte Physiker und Psychologe selbst nie so bezeichnen würde. Rund 3000 Anfragen beantwortet der Wissenschaftler Jahr für Jahr. Meistens hören seine Gesprächspartner Stimmen oder sehen Gespenster – spukende Mitbewohner, vor denen sie sich fürchten. Die Anekdote vom sprechenden Teekessel Jeder sechste Deutsche glaubt an Geister, jeder siebte an den Teufel. Kein böser Zauber, so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage. „Die meisten Spukfälle lassen sich auf Basis der klassischen Naturwissenschaften erklären“, sagt Lucadou, der zu diesem Thema in jeder Woche zwei Vorträge hält. Die Anekdote vom sprechenden Teekessel gibt er oft zum Besten. Ein Mann hört Stimmen aus seinem Wasserkessel, sobald er ihn auf die Herdplatte stellt. Lucadous Lösung: Physik. Das Metall auf dem Elektroherd wirkt wie ein Empfänger für einen starken Mittelwellensender aus der Umgebung. Konsequenz: Topf von der Platte – Lizenzentzug für den Geistersender. Hausbesuche unternimmt der Leiter der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie, der einzigen staatlich geförderten Beratungsstelle dieser Art in Deutschland, vergleichsweise selten. „Das ist ohnehin nicht so spannend wie bei den Ghostbusters“, sagt Lucadou nachdenklich. Seine Geisterfalle ist auch kein elektromagnetischer Fangstrahl, sondern reine Empirie. Schallmessungen von Geräuschen und Stimmen, thermodynamische Untersuchungen oder Elektrosmog-Analysen führen ihn für gewöhnlich ans Ziel und die Heimgesuchten zurück ins Leben der Tatsachen. „Die Leute sind zwar froh, dass die Ursache erforscht ist, aber auch irgendwie enttäuscht, dass nun doch nichts Übernatürliches vorliegt.“ Der Reiz des Wohlig-Schaurigen Helmut Rellergerd dürfte Deutschlands erfolgreichster Autor sein. 300 Millionen Heftromane und Taschenbücher hat er schon verkauft. Bekannt ist der 61-jährige Westfale unter seinem bürgerlichen Namen aber nur Nachbarn, Freunden und Verwandten. Sein Pseudonym ist dafür am Bahnhofskiosk allgegenwärtig: Jason Dark. Noch bekannter als sein Künstlername ist nur noch Rellergerds Romanheld – der Geisterjäger John Sinclair. „Gruselgeschichten haben die Menschen schon immer fasziniert. Sie tauchen ab in einen dunklen Keller, können aber jederzeit das Licht anmachen. Das ist der Reiz des Wohlig-Schaurigen.“ Wer keine übernatürlichen Nachbarn hat, holt sie sich mit den Sinclair-Heften bequem ins Haus. Der Oberinspektor bei Scotland Yard teilt den Dachboden seines Zweieinhalb-Zimmer-Appartement s in einem Londoner Hochhaus mit finsteren Gesellen, während Rellergerd in einem beschaulichen Reihenhaus in Bergisch-Gladbach lebt. Solange seine Kinder noch klein waren und in die Schule gingen, wusste niemand in der Gegend, dass der Ghostwriter von nebenan mindestens so besessen wie Jack Nicholson in Shining auf seine Schreibmaschine hämmert. Bis zu 35 Seiten sind Tagespensum, damit sich die Fans jede Woche mit einem neuen Heft gruseln können. Die, die Gespenster sehen Für Lucadou wächst mit jedem Sinclair-Leser die Chance auf einen neuen Fall. Denn Vorgaben aus Literatur, Kunst und Film verankern sich in den Köpfen ihrer Konsumenten:„Wenn dann jemand etwas erlebt, das er nicht versteht oder erklären kann, orientiert er sich an den bekannten Erzählmustern.“ Als „Einkleidung“ bezeichnet der Parapsychologe diese Synthese von Realität und Fiktion. Vor allem betroffen sind Menschen ohne soziale Bezugspunkte. Menschen, die isoliert leben – verwitwet sind, pensioniert oder arbeitslos. Wenn sie mit Lucadou über übernatürliche Phänomene wie Geistererscheinungen, Gedankenübertragung oder Telepathie reden, haben sich die Geplagten oft schon in das vermeintlich Erlebte hineingesteigert. Einen Ausgang finden sie dann von allein nicht mehr. Seine Aufgabe sei es aber nicht, den Leuten etwas auszureden, sagt Lucadou: „Nicht jeder, der ein Gespenst sieht, hat gleich eine Psychose.“ Das aber denken die Betroffenen von sich, zumal auch medizinisch geschultes Personal zu voreiligen Diagnosen neigt. Viele glauben immer noch: alles Spinner. Lucadou erklärt apodiktisch, dass Spuk immer eng mit den Menschen in Verbindung steht, die ihn erleben. Nicht immer handele es sich dabei um Einbildung. „Der Spuk findet tatsächlich statt.“ Nur habe er in den meisten Fällen eine empirisch nachweisbare Ursache. „Echter Spuk hat immer eine Botschaft,“ hat Lucadou in 20 Berufsjahren als Leiter des Freiburger Gespensterbüros herausgefunden. Von Spiritisten und Animisten Welche, das ist die Frage. Die klassische Parapsychologie unterscheidet zwei Denkschulen: Spiritisten und Animisten. Spiritisten gehen von einem Weiterleben der Seelen und Geister aus. Diese 1848 in den Vereinigten Staaten entstandene Lehre erklärt den größten Teil übernatürlicher Phänomene mit der Existenz und dem Versuch der Kontaktaufnahme verstorbener Seelen. Eine zweite, feinstoffliche Welt sei dafür Voraussetzung. Lucadou sagt es diplomatisch: „Ich halte das für nicht realistisch.“ Animisten, zu denen auch der Freiburger Lucadou zählt, führen Begegnungen mit Verstorbenen hingegen auf Wirkungen des Unterbewusstseins zurück. „Spuk ist fast immer eine psychosomatische Reaktion, die ein Problem in der Umgebung widerspiegelt.“ Auch bei der verzweifelten Anruferin mit kreischendem Baby auf dem Arm und Angst im Nacken war das der Fall. Zunächst ermittelte die Polizei, eine Alarmanlage wurde installiert, das Haus überwacht. Lucadou kam und spielte die psychologische Karte. Kellergeräusche und fliegende Küchenmesser hatten eine tiefere Ursache – Ehekrise. Die Frau fühlte sich vernachlässigt, weil ihr Mann nur selten zu Hause war. Ein ungelöster Konflikt, der sich zu einer hochexplosiven Spannung aufbaute und sich irgendwann entladen musste. „Wird eine solche psychosomatische Reaktion aus dem Körper heraus nach außen verlagert, dann kann das zu Spuk-Phänomenen führen. Manche Menschen haben diese besondere Veranlagung“, sagt Geisterjäger Lucadou. So viel Spannung lässt sogar Messer fliegen. msn.de
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01.11.2006 12:58
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31.10.2006 20:16
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31.10.2006 19:54
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