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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Thread„Die Hund“
27.08.2013 23:11
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0 Heute war wieder einer dieser Tage. Das erinnert mich an meine Freundin, die schon vorschlug, ich solle meine "Anekdötchen" mal auf ein Diktiergerät sprechen, und sie würde einen Verleger dafür suchen. Einen Verleger? Hilfe, ich hab mich doch nicht verlegen? Oder legt der mich woanders hin? Ich werde verlegt! Von Haus A nach Haus B? Oder von der geschlossenen auf die mit Freigang? Aber lassen wir das. Schon wieder einer dieser Tage. Irgendwas ist ja immer! Heute war es der Hund. Nein, „die“ Hund. Ist ja schließlich eine Sie. Die Hund verspürte wohl ureigene Fraueninstinkte und entwand sich meiner Obhut und der des heimischen Gartens. Normalerweise dauern solche Ausbrüche aus dem Hundealltag nur und höchstens zwei Stunden. Aber heute war „Gelber-Sack-Tag“. Ein Schelm, wer Böses denkt. Die mit dem grünen Punkt, nicht die mit den Bartstoppeln und dem Bierbauch. Die gelben Dinger, wo immer sofort die Strippe reißt, wenn man seine unabgewaschenen Joghurtbecher, Maisdosen, Pizzaverpackungen und eben sämtlichen Müll, der mit einem grünem Punkt versehen ist, verschnüren will! - Ach ich liebe Schachtelsätze! Man kann immer so viel auf einmal loswerden, wie im richtigen Leben! Aber lassen wir das. - Die Hund war weg! Irgendwas ist ja immer! Wegen dem „Gelbe-Sack-Tag“ gab ich ihr 3 Stunden. Die riechen zu gut, als dass die Hund an ihnen vorbeitrottet, ohne die Speisekarte zu inspizieren. Um 18 Uhr waren bereits 7 Stunden vergangen und wir wurden nervös. Wir? Nein, ich nicht. Ich bin eine Frau. Ich verstehe das. Außerdem wollte ich die Hund sowieso nie, mein Mann – ähm, Exmann, wollte sie – so als Ausgleich wofür auch immer. Nach 4 Jahren Ehe besitze ich nun einen Hund und 2 Kinder. Die Kinder wurden nervös: "Mama, wenn Xena nun überfahren wurde?" .... "Mama, was ist, wenn sie jemand gestohlen hat?" – „Wer soll denn die Hund stehlen? Hä?“ Aber ich beugte mich der Allgemeinheit. Rechner hochfahren, Google aufrufen, Polizeirevier vom Nachbardorf anrufen. Wie peinlich. "Guten Tag, ich weiß nicht, ob ich bei ihnen richtig bin? Ich suche meine Hund!" Ich hätte erwartet, dass Obermeisterhauptpolizei mir antwortet: "Viel Glück!" ... aber nein, er antwortete schnöde, eben wie ein richtiger Polizeihauptobermeister, dass ihm keine Meldung über einen Unfall vorliege, notierte sich meine Festnetznummer und fragte idiotisch, ob ich noch anderweitig zu erreichen wäre? "Klar, Herr .... ähm, schreiben sie einfach die Handynummer auf, die sie vor sich auf dem Display sehen, das Handy befindet sich in meinem persönlichen Besitz." Ich höre ihn irgendetwas von sich geben, das wie "rrrrargsrrrr" klingt, ich glaube, er knurrte und wollte aber ein Räuspern vortäuschen. "Sie können ja mal im nächsten Tierheim anrufen, ob er abgegeben oder aufgefunden wurde." ….. "Prima, und welches ist das nächste Tierheim?" .... "rrrargsrrrr... *schnauf* .... Wesendahl!" "Oh wie lieb, Danke sehr Herr Meisterpolizeihauptober" und klick. Wo ist mein Google? Wo ist bitte Wesendahl??? "Tach! Ich such meine Hund!" "Wie war der werte Name?" "Den werten Namen habe ich noch nicht gesagt, aber der werte Name ist Timmel!" "Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa aaaaaaja, ist hier. Bringen sie 40 Euro mit!" "Ääääääääääääääääääääääää ääääähm, schön, bis gleich." Was? 40 Euronen? Wofür? Was haben die die Hund gegeben? 50 kg Trockenfutter, Sekt und Kaviar? Oder wohnt die Hund im 10-Sterne-Zwinger? Nichts wie hin da, vielleicht verdoppelt sich der Betrag stündlich? "Kindeeeeeeeeeeeeeeeeeeee eeeeeeeeer, anziehen, die Hund lebt noch!" Helle Aufregung macht sich auf der Rückbank im Auto breit: "Wie ist Xena dahingekommen? Das ist ja so weit! So weit ist sie doch nicht gelaufen? Ob sie uns vermisst? Ob sie ein schlechtes Gewissen hat? Ob sie froh ist, wenn wir sie abholen? Ob es ihr da gut geht? Sie hat bestimmt Angst, dass sie dort bleiben muss!" Genervt drehe ich den CD-Player lauter. Die Lieblingsband hilft immer. Die Kinder verstummen auf dem Rücksitz und rollen nun ebenso genervt mit den Augen. Wir rumpeln durch den Wald und finden das Tierheim auf Anhieb. Nur die Hund nicht. Zwei unterhalten sich auf einer gemütlichen Bank im Schatten, da stört man ungern. Einer lässt eine Blechtür vor meiner Nase laut zuscheppern. hallo? Nach einem Spaziergang spricht uns jemand an, den ich der Gattung "Waldschrat" zugeordnet hätte. "Ich will meine Hund abholen!" .... "Timmel?" ... Ich nicke nur, damit man mir die Gattung "genervte allein erziehende Mutter, die ihre Hund abholen will" nicht anmerkt. "Ich hole ihn." "Nein" verbessere ich mich, "SIE". Nun ist der Waldschrat an der Reihe, genervt die Augen wegzurollen. Er holt Luft und will offensichtlich etwas sagen, aber er hat nicht meine Schlagfertigkeit und trottet Schulter zuckend und verbal geschlagen davon. Sieg! Helle Aufregung macht sich noch breiter. Meine Güte, die Hund war nur 7 Stunden weg, wir haben die Hund gefunden, alles wird gut! Ich sehe sie kommen. Ehe ich die Hund mit "Hey du Schlampe, was treibst´n dich so lange rum?" begrüßen kann, ist es zu spät. Die Hund ist außer sich, uns zu sehen. MICH zu sehen. 2 Sekunden und am Shirt meiner Lieblingsband klebt unendlich viel Hundesabber und Hundehaare. Das habe ich mir schon immer gewünscht! Nochmal 2 Sekunden, und am Shirt meiner Lieblingsband klebt noch mehr Hundesabber und Hundehaare! Mich dünkt, ich muss mich übergeben. Habe ich erwähnt, dass ich jenes Shirt am Körper trug und nicht in der Hand oder so? Vielleicht kommen sich andere irgendwie erotisch vor, so nass und behaart, ich hingegen spürte, wie mir augenblicklich schlecht wurde! Dann roch ich es. Einer der Typen Gattung "Waldschrat" versuchte mir freudestrahlend zu erklären, dass es diesmal glimpflich für mich ausgegangen war. (Sabbern und Haaren andere Hunde mehr auf Shirts der Lieblingsband ihrer Besitzer?) Nein, mir würden keine Kosten entstehen, da der Hund gebracht und nicht geholt wurde. Was war das? Der Geruch wurde stärker. Hatte der Typ versucht, die Hund zu ertränken? Die Hund war irgendwie nass. So wie mein Shirt meiner Lieblingsband. Und die Hund roch! Nein, die Hund stank zum Himmel! War das der typische Tierheimhundegeruch? Igitt! Ja ich hatte ziemlich viel Glück, dass der Hund gebracht wurde. Die 40 Euronen hätten gerade ziemlich wehgetan. Was das für eine Rasse ist? Für die Unterlagen? Na schön, ich hätte sagen können, dass es ein Schäferhund-Stafford-Mix ist, aber das will ja keiner wissen, oder? Ich tat so, als ob ich überlegen würde und starrte auf die Sabberflecken auf dem Shirt meiner Lieblingsband. Er erlöste mich mit der bezaubernden Idee, die Hund könnte ein Collie-Schäferhund-Mix sein. Ich starrte weiter auf die Sabberflecken auf dem Shirt meiner Lieblingsband und schlug vor, einfach irgendwas mit Schäferhund und Mix aufzuschreiben. Ich denke, er entschied sich für den Collie. Froh darüber, einmal in seinem Leben eine eigene Entscheidung getroffen zu haben, lächelte er glückselig vor sich hin. Ich sagte irgendwie das Zauberwort "Nach Hause" und die Hund rannte los. Ich flog an der Leine hinterher. Hinter mir johlend und gröhlend meine Kinder. Am Auto zog die Hund die Notbremse, und ich hatte Mühe, nicht wegen der Geschwindigkeit und Richtung - irgendwas dazu wurde mal im Physikunterricht erwähnt - gegen den neben mir parkenden Transporter zu prallen, und mir zum Sabber auf dem Shirt meiner Lieblingsband auch noch eine Beule in meinem Antlitz zu holen. (Achtung, das war ein Schachtelsatz, ein ziemlich langer sogar.) Die Hund im Auto verstaut, die Kinder festgezurrt und ab geht´s nach Hause. Kaum 2 Meter weiter plagte mich das schlechte Gewissen. Was sagte der glückselige Waldschrat? Ich hatte Glück? Irgendwas mit glimpflich? In Gedanken hatte ich die 40 Euronen ja schon abgeschrieben. Rückwärtsgang, noch mal rein. Der glückselige Waldschrat dachte wohl, ich hätte es mir anders überlegt und würde die halbertränkte stinkende Hund nun doch lieber dalassen. ich sagte nur dümmlich, dass ich wohl wirklich Glück gehabt hätte, irgendwas faselte ich von: "Fürs Tierheim" und "Danke" und drückte ihm einen Zehner in die Hand. Manchmal bin ich wirklich nett. Ich hastete zum Auto und warf mich auf den Fahrersitz. Es erschlug mich fast. Jetzt und hier war es unüberriechlich. Ich gab an alle Insassen des Kraftfahrzeuges das Kommando zum Fenster runterkurbeln. das half nicht viel. Statt zu rumpeln raste ich durch den Wald. Aber auch der Fahrtwind vermochte den Gestank nicht zu vertreiben. Im Gegenteil, er verteilte sich nur gleichmäßiger. Ich schaute grimmig in den Rückspiegel und schimpfte mit die Hund. Wie kann man nur so stinken? Mein Verdacht erhärtete sich, als ich an mir runter roch. Die Hund hatte mich angesprungen, besabbert, ihren Pelz an mir abgeschmiert. Die Hund und ich hatten nun den gleichen Duft. Ich roch noch vorsichtig an meinen Händen, aber es war nichts zu rütteln an dieser Tatsache. Noch ein grimmiger Blick nach hinten und völliges Entsetzen machte sich breit. Ich sah, wie die Hund ihren kopf über die Lehne des Rücksitzes beugte und wie aus ihrem gierigen Schlund Bäche von Sabber auf die Rücksitze tropften. Die Kinder machten sich noch immer über ihre Mutter lustig, die genauso roch und aussah wie die Hund. Bis ich ihnen mitteilte, was da grad 2 cm über ihren Hälsen runtertropfte und wohl gleich selbige erreichen würde. Manchmal bin ich wirklich nett, und mal eben nicht. Unter großem Protest gegen Sabber und Gestank kamen wir zu Hause an. Das Auto steht immer noch mit geöffneten Türen zum Auslüften in der Einfahrt.
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