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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Thread

Die falsche Liebe

29.10.2008 19:36
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Ich erwachte eines Morgens und sah - wie jeden Morgen - auf mein Handy, ob sie mir geschrieben hatte, wie sie es immer tat.
Sie hatte mir geschrieben.
Gegen zwei Uhr Nachts des letzten Tages.
Ihre nachricht umfasste 7 SMS.
Und je weiter ich las, desto entsetzter war ich.
Ihre Mutter hätte sie beinahe umgebracht, als sie am Tag zuvor auf Drängen ihrer Mutter hin endlich angedeutet hatte, sich mehr zu Mädchen hingezogen zu fühlen, als zu Jungen.
Ich war entsetzt.
Ich war wütend.
Ich musste etwas tun.
Und so schrieb ich...

Die falsche Liebe

Es hat sie seit jeher gegeben - Menschen, die die falsche Liebe fühlen.

Personen, die wie plus-oder minuspolige Magnete sind. Die nicht gewillt sind, dem heiligen Schlüssel-Schloss-Prinzip Folge zu leisten.

Manche erdreisten sich, die falsche Liebe sogar körperlich zu leben, andere zittern, zu Recht, genug vor gesellschaftlichen und früher auch juristischen Sanktionen. In den vergangenen Jahrhunderten galten strikte Verbote, inzwischen aber sind diese fast gänzlich verschwunden.

Und das, obwohl schon Gott sagte: "Die Frau ist für den Mann geschaffen"!

Man verlangt auf Biegen und Brechen eine klare Rollenverteilung in der Gesellschaft und konnte sich jederzeit auf diese Aussage stützen.

Am besten besinnen wir uns auf frühere Zeiten zurück, in denen die Frau, ob sie wollte woder nicht, Gebärmaschine, Haushaltsroboter und Lustobjekt für den Mann darstellte und dieser Arbeitstier und Ernährer der Sippe. Lasset uns in alten Mustern erstarren. Diese haben es uns schließlich so einfach gemacht, die Menschen mit falscher Gesinnung fast vollständig auszublenden. Und wenn schon nicht das, dann haben sie wenigstens jegliche Boshaftigkeiten gegen die abnormen Gesellschaftsfremdkörper gerechtfertigt und bagatellisiert.

Wer braucht schon Toleranz?

Und welches Land hat schon soetwas wie Randgruppen nötig?

Menschen aus anderen Ländern, mit anderen Religionen, anderem Erscheinungsbild, anderen Gesinnungen, Philosophien und Traditionen?

Wer denkt schon, dass Xenologismen eine Sprache beleben können und interessanter machen?

Wer findet schon eine bunte Gesellschaft mit vielen Facetten und den unterschiedlichsten Typen Mensch ansprechender als eine matschige, einheitliche Masse, deren Mitglieder alle gleich aussehen und das Gleiche tun?

Andersartige Menschen sind gefährlich!

Das hat uns doch schon der gute, alte Hitler gelehrt. Vorbildlich wurden seinerzeit alle Exemplare, die sich nicht sachgemäß im Einheitsbrei der Willenlosen vermatschen ließen, ausgesondert und direkt in die Hölle geschickt. Einige Menschen scheinen diese Zeit zurückzuersehnen,wenn man den Blick auch nur geringfügig tiefer in sie gehen lässt.

So viel Fremdenhass.

So viel Menschenhass.

Manchmal scheint es beinahe, als bräuchten Menschen ein Hassobjekt, als hätten sie sonst keine Probleme.

Und was bietet sich da besser an, als Minderheiten, die kaum eine Chance sich zu wehren haben?

Wer in der Überzahl ist, hat schließlich immer Recht. Und genau aus diesem Grund ist die Heterosexualität auch die einzig wahre und gesunde Ausrichtung, die ein Mensch haben kann. Aus der Bibel haben wir gelernt, dass die Zuneigung zum eigenen Geschlecht als frevelhaft gilt, doch warum man damals zu solcherlei Formulierungen griff, scheint dem ein oder anderen bis heute noch nicht klar geworden zu sein.

Kinder waren zu dieser Zeit und noch lange danach die einzige Garantie für ein langes Leben und zum Zeugen solcher Mann und Frau notwendig.

Dies war vielen zur Zeit der fehlenden Bildung und Aufklärung aber schlicht und ergreifend nicht klar und so konnte die heterosexuelle Ehe als das Göttlichste übrhaupt über Jahrhunderte gepredigt und gepriesen werden.

Der noch heute zu beobachtende Hass Homo- und Bisexuellen gegenüber ist psychologisch mit dem Gerüchte-Prinzip erklärbar, aber nicht zu rechtfertigen.Wird ein Gerücht erzählt, setzen sich in den Köpfen der Menschen, die es hören, assoziative Gedanken fest, welche das Gerücht wahr erscheinen lassen sollen, denn das Gehirn des Menschen ist mechanisiert, nach jeder Aussage eine Erklärung zu suchen, sodass alles, was wahrgenommen wird, möglichst viel Sinn ergibt. Bestätigt sich eindeutig die Unwahrheit des Gerüchtes, wird diese Informatin zwar ebenfalls registriert, aber alle assoziativen Gedanken und der schlechte Eindruck bleiben erhalten.

Gleichgeschlechtliche Liebe war immer schlecht - also ist sie es noch heute.

Selbst wenn wir mittlerweile wissen, wie unfair diese Art zu denken ist.

Wir sind aufgeklärt, haben die Pathologisierung der Homosexualität, die längst nicht mehr als Inversion und "Verkehrung des Geschlechtsempfindens" aufgefasst wird, überwunden und trotzdem wird tabuisiert, ausgegrenzt und verachtet.

Allein die Verwendung des Wortes "schwul" anstelle von "aufdringlich", "verweichlicht" oder "seltsam" und "Lesbe" als Schimpfwort lässt keine Zweifel daran mehr offen. Großzügig übersieht man dabei, dass zu diesen "Kampflebsen" und "warmen Brüdern" die französische Philosophin Simone de Beauvoir, Filmstars und Sängerinnen wie Marlene Dietrich und Edith Piaf, Deutschlands berühmtester Musicaldarsteller Uwe Kröger, Thomas Mann, dessen Kinder Erika und Klaus Mann, Anna Freud, William Shakespeare, Plato, Sappho, Ludwig II, Tschaikovski, Michelangelo, Lagerfeld, Coco Chanel, Andy Warhol, Oscar Wilde und auch der regierende Bürgermeister unserer Hauptstadt Berlins, Klaus Wowereit gehören.

Allein die Tatsache, dass große Meschen wie diese stolz auf ihre "Andersartigkeit" sind, müsste aufrütteln.

Festivals wie PRIDE beweisen, dass weder abartig weder schlecht weder unnatürlich ist, sich nicht auf das komplette Gegenteil zu versteifen.Warum die halbe Welt lieben, wenn man die ganze Welt lieben kann? Und selbst wenn es doch nur die eine Hälfte der Welt und zwar jene ist, der man selbst entstammt, sollte auch dies in Ordnung sein. Die Menschheit wird nicht aussterben, nur weil gleichgeschlechtliche Liebe existiert und geduldet wird.

Von Eltern, die enttäuscht über ihre Kinder sind, weil sie sich in das gleiche Geschlecht verliebt haben, sollte man enttäuscht sein.

Eltern, die sich über eine gleichgeschlechtliche sexuelle Präferenz ihrer Kinder empören, zeigen damit einzig und allein den eigenen Egoismus.

Keine Enkelkinder, keine Weiterführung ihrer Blutlinie - eine Katastrophe. Und dazu die gesellschaftlichen Zwänge und die mit ihnen einhergehenden Sanktionen, die folgen müssen, da alle so sind wie sie selbst.Vielleicht ist es für den ein- oder anderen eine Neuigkeit, aber auch gleichgeschlechtliche Partner können Familen gründen, sobezeichnete Regenbogenfamilien. Bei zwei Frauen sind die Kinder meist sogar mit einer von beiden blutsverwandt. Doch das beruhigt viele Eltern eben nicht.

An dieser Stelle sollte man sich allerdings die Frage stellen: Ist es ihr Leben oder das Leben ihrer Kinder, über das sie so in radikaler Art und Weise bestimmen wollen, wenn Kontaktverbote verhängt werden?

Gern wird argumentiert, dass sie gewisse körperliche Merkmale doch selbst aufwiesen, ergo nicht nocheinmal das Gleiche nötig hätten.

Setzte man diese Denkweise fort, käme man früher aoder später zur Erkenntnis, dass letztendlich gar keine Beziehung eingegangen werden müsste, denn ein Hirn, ein Herz und Gefühle hat man schließlich auch selbst.

Rufen wir uns kurz ins Gedächtnis, dass nicht jeder Mensch gleich ist. Es gibt zahllose Frauen, die eine starke Schulter und Männer, die ein zerbrechliches Wesen an ihrer Seite brauchen, was auch immer so bleiben soll. Doch man darf dabei nicht vergessen, dass es eben auch Mädchen und Frauen gibt, die zärtliche Gefühle und die größte Hingabe nur für das schönere Geschlecht aufbringen können, ebenso wie es Männer und Jungen gibt, die mit einem kleinen Prinzesschen nichts anfangen können und selbst einmal an einer starken Schulter schwach sein können wollen.

Wer nimmt sich das Recht, Liebe, egal welcher Art, zu verteufeln?

Wer fühlt sich dazu berufen, das Glück fremder Menschen zu zerstören, nur weil er nicht nachvollziehen kann, wie sie fühlen?

Was zählt?

Das Geschlecht oder das Wesen eines Menschen?

Die "falsche" Liebe gibt es nicht, denn solange sie ehrlich und aufrichtig ist, ist jede Liebe richtig und echt.

Warum das innigste aller Gefühle an ein Geschlecht fesseln?

Im Mittelpunkt steht der Mensch.




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