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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » ThreadEinmal noch Kind sein...
12.04.2012 01:34
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0 Einmal noch Kind sein... wie gern würde ich einmal noch Kind sein... vor Dir stehen und Dich mit großen Kulleraugen ansehen. Augen, aus denen Tränen strömen. Unaufhaltsam. Auf den Boden tropfen. Hände, die Halt suchen. Schutz. Ein aufgewühltes Herz, das Wärme sucht. Zuwendung. Trost. Wie ein kleines Kind möchte ich in Deine Arme entgleiten, die Augen schließen und mich dem Augenblick ganz und gar hingeben. Ich möchte es spüren, wie Du mir sanft über den Kopf streichelst. Immer und wieder wieder. Deine Finger, die mir die Tränen aus dem Gesicht streichen. Ganz behutsam. Vorsichtig. Als hättest Du Angst, mir weh zu tun, mir zu nahe zu treten. Mit Augen voller Wärme, voller Zuneigung sollst Du das kleine hilflose Wesen vor Dir ansehen. Es ist ok, dass es schutzbedürftig ist. Es ist ok, dass es sich danach sehnt, zu Dir aufzusehen. Es ist völlig ok, dass das kleine Kind eine Schulter zum Anlehnen braucht. Schick das Kind nicht weg. Es braucht Dich. Dich und deine Wärme. Dich und deine Zuneigung. Dich und deine unmittelbare Präsenz. Jeden einzelnen deiner Atemzüge. Es braucht Dich und will Dich bei sich haben. Ganz nah. Hab keine Angst, nimm das kleine Geschöpf in deine Arme. Es ist genauso unsicher wie du. Genauso ängstlich. Genauso zurückhaltend. Nimm es in deine Arme und halte es fest umschlossen... Wiege es in Sicherheit... Schütze es vor Gefahren. Schütze es vor Enttäuschungen. Schütze es vor Schmerz. Wiege es in deinen Armen hin und her... So lange, bis es sich wieder beruhigt hat... So lange, bis auch die letzte Träne ihren Weg auf den Boden gefunden hat. So lange, bis die Munkwinkel ein zaghaftes Lächeln andeuten. So lange, bis es wieder die Kraft hat, auf eigenen Beinen zu stehen. Sich selbst Schutz zu bieten. Erhobenen Hauptes durch die Welt zu stolzieren. Bis es wieder die Kraft hat, erwachsen zu sein und das zu tun, was zum Erwachsen sein dazugehört. Das Leben nicht nur leben, Augenblick für Augenblick, sondern das Leben auch organisieren. Verantwortung übernehmen für sein Handeln. Wiege es so lange hin und her, bis es wieder fähig ist, seine Aufgaben selbststängig zu erledigen, wie es sich für einen Erwachsenen eben gehört. Selbstbewusste Haltung. Aufrechter Gang. Vernünftig sein. Impulse unter Kontrolle halten. Gefühle unter Kontrolle halten. Sich der Gesellschaft anpassen und den jeweiligen Rahmenbedingungen unterordnen. Erwachsen sein versteht in der heutigen Zeit den Versuch, Stärke vorzutäuschen. Und das in jeder Lebenslage. Funktionieren. Möglichst gut funktionieren. Perfekt funktionieren. Sich selbst halten können, möglichst wenig Hilfe in Anspruch nehmen und bloß keine Schwäche zeigen. Wenn das kleine Kind die Kraftquellen in seinem Inneren gefunden hat... Wenn es zufrieden ist und die enstandene Energie auf positive Weise für sich einsetzen kann, kannst Du es langsam wieder loslassen. Kannst Du es seinen eigenen Weg gehen lassen. Erwachsen sein. Selbstständig sein. Doch siehst Du in die Augen des erwachsenen Menschen... siehst Du das Glitzern in den Augen. Den unvergesslichen Glanz aus unbeschwerten Tagen. Das Strahlen, das Du nur aus glücklichen Kinderaugen kennst. Und fühlst Du das Herz, das in einem ungleichmäßigen Rythmus vor sich hin gallopiert, erkennst Du das Herz eines Kindes, das Angst hat, verletzt zu werden und nur einen einzigen, kostbaren Wunsch in sich trägt: Dass liebevoll mit ihm umgangen und es behutsam behandelt wird!
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18.04.2012 12:51
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