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Ende der Höflichkeit


24.02.2007 12:54
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Washington - Seit Mittwoch haben die US-Medien einen neuen Krieg im Visier, und über ihn erregen sie sich nur Stunden nach seinem Ausbruch fast noch mehr als über den Irak. Es ist der Krieg Obama-Clinton, verursacht durch den Irak und ausgelöst durch den Geffen-Zwischenfall in der "New York Times".

David Geffen, Mitbegründer des Filmstudios DreamWorks, ist ein erklärter Parteigänger Obamas. Denn Obama habe den Feldzug im Irak von Anfang an verurteilt, Hillary Clinton hingegen weigere sich, ihr Ja zum Krieg zu bereuen. Geffen organisierte am Dienstag ein Spendendinner für Obama und sprach zuvor mit der "Times"-Kolumnistin Maureen Dowd. Sie publizierte Zitate, die ein präzedenzloser Angriff aus den eigenen Reihen auf Clinton waren.
"Es ist nicht besonders schwierig zu sagen: ,Ich habe beim Krieg einen Fehler gemacht', und es ist typisch für Hillary Clinton, dass sie sich dazu nicht durchringt", wurde Geffen zitiert. Hillary und Bill Clinton seien ohnehin ein Geschenk für die Republikaner. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand denkt, Bill Clinton sei in den letzten sechs Jahren plötzlich zu einem anderen Menschen geworden." Geffen erwähnte Marc Rich. Der Clinton-Spender, von der Justiz gesucht, wurde von Bill Clinton am letzten Amtstag 2001 begnadigt. "Noch so ein Moment, an dem die Clintons nicht für ihre Prinzipien standen. In der Politik lügt jeder - aber die tun es so leichthin, das es beunruhigend ist." Geffen sieht im Wahlkampf 2008 eine "Clinton Incorporated" am Werk, "und diese Maschine wird sehr ungnädig sein, ziemlich hässlich und sehr effizient."
Schon Geffens Spendendinner war ein Schlag ins Gesicht Hillary Clintons. Hollywood zählte seit 1991 zu den verlässlichen Spendern des Ehepaares. In einem Wahlkampf, der vermutlich bis zu eine halbe Milliarde Dollar kosten kann, sind abspenstige Geldgeber ein Desaster. Bei Geffen erschienen nun Stars wie Jennifer Aniston, Tom Hanks oder Eddie Murphy und ließen 1,3 Millionen Dollar für "Obambi" zurück - den Spitznamen hat Maureen Dowd für Obama erfunden.
Das Clinton-Lager reagierte panisch und machte die Sache so zum Politikum. Kaum war die Kolumne erschienen, faxte Clintons Wahlkampfmanager an die Presse: "Während Senator Obama gestern Schläge unter die Gürtellinie verurteilte, teilte sein Finanzchef eben solche aus, indem er Senatorin Clinton und ihren Mann auf gemeine Art persönlich angriff. Wenn es Senator Obama ernst mit seinen wiederholten Bekundungen ist, den Ton der Politik ändern zu wollen, sollte er schleunigst die Äußerungen zurückweisen, Herrn Geffen entlassen und dessen Spenden zurückgeben." David Geffen ist freilich gar kein Stabsmitglied Obamas. Zwei Stunden später legte Clintons Manager nach: Wo bleibt Obamas Distanzierung?! Die Hektik ließ Clinton als bissige Konkurrentin erscheinen, die Kritik nicht ertragen kann und hitzig reagiert. Obama konterte schließlich, er sehe keinen Grund, sich für Äußerungen privater Dritter zu entschuldigen.
Der Rivalenkampf ist damit freilich nicht beendet. Salopp gesagt, stehen beim Thema Irak Wendehälse gegen Weitsichtige, und Letztere fangen an aufzubegehren. Von neun Bewerbern um die Kandidatur haben vier 2002 für den Krieg votiert, unter ihnen Clinton. Zwei der vier, Christopher Dodd und John Edwards, haben ihr Ja öffentlich bereut. Edwards sucht dies mit Blick auf Clinton zu einer Frage der Ehrlichkeit und Verlässlichkeit hochzureden. Schon das wurmt die Kandidatin.
Clintons andere Rivalen waren 2002 nicht Senatoren, aber nur drei von ihnen haben damals Bush kritisiert. Von ihnen hat Obama eine reale Chance. Er kommt bei Umfragen inzwischen auf über 20 Prozent; Clinton liegt bei 40. In Iowa hat er in einer Mittwoch publizierten Umfrage zu ihr aufgeschlossen.
Hillary Clinton geht nach langem Taktieren beim Thema Irak aufs Ganze: Sie verweigert die Reue für ihr Ja. Wenn Bush den Krieg bis 2009 nicht beende, "tue ich es anschließend", sagte sie in einer Videobotschaft. Nicht im Video, aber vor Zuhörern in New Hampshire fügte sie hinzu: "Wer einzig danach urteilt, ob jemand für den Krieg gestimmt hat oder das jetzt bereut, der kann zwi-schen vielen anderen Bewerbern wählen."
Clinton will nicht als Umfallerin gelten, Obama nicht als "Obambi". Beide sind deshalb reizbar. Womöglich hat Clinton vor drei Wochen den ersten Schuss abgefeuert. Gerüchte, der Hinweis auf Obamas angebliche Schulzeit in einer Koranschule sei aus ihrem Stab gekommen, halten sich hartnäckig.


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