Frau Berg will ich sein und sie hat Recht
Und wieder ein abgestandener Text, zwo drei, kost ja nichts hier, und wo gibt es schon noch etwas frisches umsonst. Apropos nicht mehr frisch - ist
euch auch schon aufgefallen, wie ernst die meisten alles nehmen? wie verschissen politisch verkrampft korrekt und zum scheissen langweilig alles ist, was wir lesen und diskutieren, und wie man sich über jeden furz aufregt, der irgendwen stören könnte?hier gab es in der zeitung, also hier mein schweiz und zeitung meint zeitung, eine lustige diskussion über
deutsche in der schweiz. drollig und scheissegal. und wie dann aber alle empört waren, wie rassitisch das sei, wie volksverhetzend, und ich denk:
seid ihr alle noch gebacken? machen wir einen auf mohammedkarrikaturen in allem was wir lesen, schreiben, drucken. oder ist auch das letztlich
egal, und die menschen regen sich nur gerne auf, jeder fühlt sich angepisst von irgendwas, irgendeiner Meinung in irgendeinem Heft, und jeder meint, seine scheiss Meinung wäre über jeden zweifel erhaben. na was könnt ich mich wieder aufregen, über die menschen, ich schreib grade mal einen Leserbrief.
und das ist doch eine galante überleitung zum Text, udn euch eine frischfermentierte woche
eure hasengleiche frau berg
"Früher las ich manchmal am Abend in alten Zeitungen. Heute habe ich jede Beziehung zu ihnen verloren. Das einzige, was mich hier im Wald gelangweilt hat, waren alte Zeitungen. Wahrscheinlich haben sie mich schon immer
gelangweilt.
(Marlen Haushofer. „Die Wand“)
Diese Erschütterung, man könnte sie elementare Entrüstung nennen, der man begegnet, wenn man nicht jederzeit aktuell und umfassend informiert ist.
Putsch in Nicaragua, was ist heute in Bagdad explodiert, welcher Tsunami rast durch welche Ortschaft, und welcher Präsident ist gerade der
Korruption angeklagt. Muss man alles wissen. Unbedingt. Mit tausend guten Gründen: Umfassend informiert sein, um die Welt zu verstehen, um
mitzureden, um Relationen zu begreifen. Ist Bush gut oder böse--die kleinsten gemeinsam Nenner werden dann zu Stammtischthemen, und wehe man äußert zu solch brennenden Fragen ein langweilendes: Ist es nicht alles ein wenig egal?
Dass die Welt ein bescheuerter Ort ist, sollte man doch in einem gewissen Alter begriffen haben. Den Traum die Erde zu retten, die Entrüstung ob der
täglichen Ungerechtigkeit, können uns erregen, wir können Unterschriften sammeln, eine Partei gründen, eine Revolution machen. Aber--regt die Lektüre des täglichen Elends uns wirklich dazu an? Was ist mit den Medienaufregern von gestern? Sicher, durch den Tsunami Hype wurde viel gespendet. Segen der modernen Medien. Vor 50 Jahren hätten die armen
Leute unbemerkt vom Weltinteresse vor sich hingewurstelt. Was ist mit Pakistan.
Interessiert schon weniger, da war kaum wer in Urlaub. Die Operntoten in Russland, all die Terrortoten, die Flugzeugabsturzopfer, die
eingepflanzten toten Babys,das Erdölgeschenk Kolumbiens an die armen USA Bürger, was stellen wir mit diesem gefilterten Wissen an? Waren es einfach ein paar Zeilen mehr auf dem Inneren Informationshaufen? Hat es uns ein grusliges
Schauern bereitet, uns dankbar dem eigenen Schicksal gegenüber seien lassen?Oder waren all die tollen Informationen, die Tageszeitungen, Magazine, die Boulevardmagazine im Fernsehen-- nur kleine bunte Kekse mit der wir unsere Langeweile fütterten?
Wie vortrefflich es sich ohne jeden aktuellen Zeitbezug leben lässt, merkt man im Urlaub. Irgendwo, recht weit weg,ein verkrüppelter Ort, eine
Stunde entfernt. Vielleicht rennt man am Anfang noch von Kiosk zu Kiosk, und erlegt am Ende eine zwei Wochen alte Bild Zeitung. Die liest man dann.
All diesen Dreck liest man dann. Und fühlt sich ein wenig wie beschmutzt im Anschluss. Und dann vergisst man. Weiß nach einiger Zeit nicht mehr, wer Kurt Felix ist, und Pocher, und was sie mit dem eigenen Leben zu tun haben sollen, das mag einem gar nicht mehr einfallen. Und nach noch einer weiteren Woche beginnt man ein Leben zu führen, wie es vielleicht allen Menschen auf der Welt zustände, wenn die Welt ein freundlicher Ort wäre.
Man lebt mit der Sonne, die auf und untergeht, man beginnt zu lächeln und sich Stundenlang in der Betrachtung kleiner Insekten zu verlieren.
Kocht, hackt Holz, kauft ein, schleppt das Zeug eine Stunde Bergan, wäscht sich in einem Bach, friert am abend und wird mit der Dunkelheit müde, und eine
große, merkwürdige Ruhe überkommt einen. Man realisiert auf einmal, was Städte sind: unnatürliche Zwangsgemeinschaften. Viele Menschen einander zu dicht, und viel Ablenkung von sich, von der Aggression, die entsteht, wenn man zuviel Menschen zu dicht hat, und arbeiten muss, etwas, was einen nichts angeht. Um einen Platz zu bezahlen, da man andere zu dicht hat.
Und all das verzweifelte Interesse an fremder Leuts Leben, das lebt nur in ungesundem Klima, in der Stadt, im Stress, da man sehen möchte, das es
anderen schlechter geht, als einem selbst. Das begreift man nicht, im Urlaub, weit weg von allem, wenn er nur lange genug dauert, sondern man lebt es. Merkt wie das Gesicht sich entspannt, wie die Eitelkeit einem abhanden gerät, wie eine große Faulheit, der naturgegebene Zustand des Menschen , über einen kommt. Und leider wird man alles wieder
vergessen.
Zurück zu Hause. Mit der Morgenzeitung, den Mails, den Nachrichten, den Infotickern, dem Radio, den Events, den Haufen, all diesen Haufen, die wir in unser Hirn packen, und wozu, das wüssten wir, wenn wir ehrlich wären, nicht zu sagen.
euch auch schon aufgefallen, wie ernst die meisten alles nehmen? wie verschissen politisch verkrampft korrekt und zum scheissen langweilig alles ist, was wir lesen und diskutieren, und wie man sich über jeden furz aufregt, der irgendwen stören könnte?hier gab es in der zeitung, also hier mein schweiz und zeitung meint zeitung, eine lustige diskussion über
deutsche in der schweiz. drollig und scheissegal. und wie dann aber alle empört waren, wie rassitisch das sei, wie volksverhetzend, und ich denk:
seid ihr alle noch gebacken? machen wir einen auf mohammedkarrikaturen in allem was wir lesen, schreiben, drucken. oder ist auch das letztlich
egal, und die menschen regen sich nur gerne auf, jeder fühlt sich angepisst von irgendwas, irgendeiner Meinung in irgendeinem Heft, und jeder meint, seine scheiss Meinung wäre über jeden zweifel erhaben. na was könnt ich mich wieder aufregen, über die menschen, ich schreib grade mal einen Leserbrief.
und das ist doch eine galante überleitung zum Text, udn euch eine frischfermentierte woche
eure hasengleiche frau berg
"Früher las ich manchmal am Abend in alten Zeitungen. Heute habe ich jede Beziehung zu ihnen verloren. Das einzige, was mich hier im Wald gelangweilt hat, waren alte Zeitungen. Wahrscheinlich haben sie mich schon immer
gelangweilt.
(Marlen Haushofer. „Die Wand“)
Diese Erschütterung, man könnte sie elementare Entrüstung nennen, der man begegnet, wenn man nicht jederzeit aktuell und umfassend informiert ist.
Putsch in Nicaragua, was ist heute in Bagdad explodiert, welcher Tsunami rast durch welche Ortschaft, und welcher Präsident ist gerade der
Korruption angeklagt. Muss man alles wissen. Unbedingt. Mit tausend guten Gründen: Umfassend informiert sein, um die Welt zu verstehen, um
mitzureden, um Relationen zu begreifen. Ist Bush gut oder böse--die kleinsten gemeinsam Nenner werden dann zu Stammtischthemen, und wehe man äußert zu solch brennenden Fragen ein langweilendes: Ist es nicht alles ein wenig egal?
Dass die Welt ein bescheuerter Ort ist, sollte man doch in einem gewissen Alter begriffen haben. Den Traum die Erde zu retten, die Entrüstung ob der
täglichen Ungerechtigkeit, können uns erregen, wir können Unterschriften sammeln, eine Partei gründen, eine Revolution machen. Aber--regt die Lektüre des täglichen Elends uns wirklich dazu an? Was ist mit den Medienaufregern von gestern? Sicher, durch den Tsunami Hype wurde viel gespendet. Segen der modernen Medien. Vor 50 Jahren hätten die armen
Leute unbemerkt vom Weltinteresse vor sich hingewurstelt. Was ist mit Pakistan.
Interessiert schon weniger, da war kaum wer in Urlaub. Die Operntoten in Russland, all die Terrortoten, die Flugzeugabsturzopfer, die
eingepflanzten toten Babys,das Erdölgeschenk Kolumbiens an die armen USA Bürger, was stellen wir mit diesem gefilterten Wissen an? Waren es einfach ein paar Zeilen mehr auf dem Inneren Informationshaufen? Hat es uns ein grusliges
Schauern bereitet, uns dankbar dem eigenen Schicksal gegenüber seien lassen?Oder waren all die tollen Informationen, die Tageszeitungen, Magazine, die Boulevardmagazine im Fernsehen-- nur kleine bunte Kekse mit der wir unsere Langeweile fütterten?
Wie vortrefflich es sich ohne jeden aktuellen Zeitbezug leben lässt, merkt man im Urlaub. Irgendwo, recht weit weg,ein verkrüppelter Ort, eine
Stunde entfernt. Vielleicht rennt man am Anfang noch von Kiosk zu Kiosk, und erlegt am Ende eine zwei Wochen alte Bild Zeitung. Die liest man dann.
All diesen Dreck liest man dann. Und fühlt sich ein wenig wie beschmutzt im Anschluss. Und dann vergisst man. Weiß nach einiger Zeit nicht mehr, wer Kurt Felix ist, und Pocher, und was sie mit dem eigenen Leben zu tun haben sollen, das mag einem gar nicht mehr einfallen. Und nach noch einer weiteren Woche beginnt man ein Leben zu führen, wie es vielleicht allen Menschen auf der Welt zustände, wenn die Welt ein freundlicher Ort wäre.
Man lebt mit der Sonne, die auf und untergeht, man beginnt zu lächeln und sich Stundenlang in der Betrachtung kleiner Insekten zu verlieren.
Kocht, hackt Holz, kauft ein, schleppt das Zeug eine Stunde Bergan, wäscht sich in einem Bach, friert am abend und wird mit der Dunkelheit müde, und eine
große, merkwürdige Ruhe überkommt einen. Man realisiert auf einmal, was Städte sind: unnatürliche Zwangsgemeinschaften. Viele Menschen einander zu dicht, und viel Ablenkung von sich, von der Aggression, die entsteht, wenn man zuviel Menschen zu dicht hat, und arbeiten muss, etwas, was einen nichts angeht. Um einen Platz zu bezahlen, da man andere zu dicht hat.
Und all das verzweifelte Interesse an fremder Leuts Leben, das lebt nur in ungesundem Klima, in der Stadt, im Stress, da man sehen möchte, das es
anderen schlechter geht, als einem selbst. Das begreift man nicht, im Urlaub, weit weg von allem, wenn er nur lange genug dauert, sondern man lebt es. Merkt wie das Gesicht sich entspannt, wie die Eitelkeit einem abhanden gerät, wie eine große Faulheit, der naturgegebene Zustand des Menschen , über einen kommt. Und leider wird man alles wieder
vergessen.
Zurück zu Hause. Mit der Morgenzeitung, den Mails, den Nachrichten, den Infotickern, dem Radio, den Events, den Haufen, all diesen Haufen, die wir in unser Hirn packen, und wozu, das wüssten wir, wenn wir ehrlich wären, nicht zu sagen.