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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadFreiheit, Selbstverantwortung, Zensur und Eig
06.10.2005 15:10
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0 ACHTUNG! Langer Text, 2,5 DIN A4 Seiten, (Neben-)wirkung: gering "Von Zensur, die sich nicht lohnt, und Freiheit, die nichts ändert" "Zensur entsteht dort, wo es sich lohnt zu zensieren" Zwei Überschriften, die ich in einem Interview über Meinungsfreiheit in Russland und die Nutzung des Mediums Internet in Russland fand. Ich möchte den Inhalt nicht wiedergeben, aber vertieft man sich in diese Sätze, so steckt enorm viel Potenzial in diesen Gedanken. Schade, dass sich die Diskussion um „Zensur“ so sehr auf bestimmte Personen konzentriert hat. Das Ziel, wenn es denn überhaupt eins war, über dieses Thema in ein GESPRÄCH zu kommen ist leider weit gefehlt. Beide Seiten haben zu wenig Engagement für das eigentliche Thema aufgebracht, was ich schade finde. Dabei ist es für mich unerheblich, dass es sich nur um eine Community handelt, die für viele „nicht das eigentliche Leben ist“. Es gibt grundlegende Themen, die überall wirksam sind. Wer nicht an jeder Stelle für Freiheit eintritt, ist auch kein Mensch, dem dieses Thema am Herzen liegt. Wer allerdings die Selbstverantwortung abgibt, indem er starr auf Rechte und Bringpflichten pocht, dem fehlt vielleicht nicht der Wille zur Freiheit, aber sicherlich eine notwendige Distanz zu sich selbst und eine Form der Selbstreflexion, die ebenso Grundlage von wirklicher Freiheit ist. Zensur, Freiheit, Selbstverantwortung- das sind große Begriffe. Wer beschäftigt sich schon umfassend mit Freiheit? Zensur ist immer eine Einschränkung persönlicher Freiheit, da sie nur dort wirkt, wo sie eingreift. Zensur ist aber mitnichten nur eine willkürliche und freiheitsbeschränkende Form des Eingriffs. Nimmt man dieses Thema ernst (eine weitere Voraussetzung für Freiheit), so ist das Mittel der Zensur immer auch das Eingeständnis, dass Menschen mit Freiheit nicht umgehen wollen oder umgehen können. Freiheit ist eine Willensäußerung. Doch wer Freiheit und Willen mit „tun was man will“ oder „ohne Einschränkung leben“ übersetzt, ist gleichzeitig die Begründung dafür, warum es Zensur gibt. So, wie Zensur persönliche Freiheit beschränkt, schützt sie auf der anderen Seite persönliche Freiheit. Das macht das Thema schwierig. Um diesen beiden Bedürfnissen gerecht zu werden, gibt es Regeln und Gesetze. Diese sind eigentlich nur Krückstöcke und zeigen die allgemeine Unfähigkeit, wirklich mit Freiheit umgehen zu können und zu wollen. Nicht die Abschaffung von Regeln ermöglicht die Freiheit, sondern das Leben von Freiheit schafft Regeln ab. Das ist ein aktiver Vorgang, der enorm viel Willenskraft, Disziplin (ja ja;-), und Selbstreflexion abverlangt, und wenn es auch verpönt ist, es erfordert ein großes Maß an emotionaler Akzeptanz (nicht zu vertauschen mit Toleranz, die leider oft nur Denkfaulheit und die Bequemlichkeit Standpunkte einzunehmen ist). Die eigene Freiheit akzeptiert die Freiheit des anderen. Somit beschränkt sich Freiheit immer selbstverantwortlich. Jede Zensur, die selbstverantwortliche Menschen einschränkt, ist totalitär. Allerdings bezeichnen wir uns natürlich alle als „selbstverantwortlich“ ;-) Um das zu denken bedarf es einer gewissen Denkkraft, um das zu leben bedarf es „nur“ eines gesunden Menschenverstands und Selbstliebe. Sich anmaßen zu wollen, dass man für „Freiheit“ eintritt, weil man auf akademischem Niveau revoltiert, ist misserstandene Freiheit. Dieses Thema ist zwar kein Massenthema (außer in totalitären Staaten), sondern immer ein elitäres Thema, aber um den Vorwurf der Arroganz zu vermeiden: es bedarf keiner akademischen Bildung, sondern es bedarf einer allgemeinen Wertschätzung von „Anderssein“ und „Andersdenkenden“, und das tat und tut „Masse“ nie (auch nicht die akademische Masse) wobei Bildung immer eine gute Basis ist, komplexe Vorgänge zu hinterfragen. Was ist Lesarion? Lesarion ist eine (ich weiß, ich wiederhole das sehr oft) eine Massenkommunikationsplattform, die durch die Masse „durchschnittlich“ wird“. Das meine ich sogar mathematischer als es scheint *s*. Es werden also immer viele Sichtweisen kollidieren. Das ist ein unveränderlicher Umstand. Jeder Versuch, andere „erziehen“ zu wollen, ist ein vergeblicher Versuch von Erwachsenenpädagogik, einziges Gegenmittel: das Gespräch. Das bedeutet immer auch, dass man seine Gedanken nachvollziehbar begründet. Ich finde es deswegen nicht so schlimm und aufregend, wenn jemand (m)eine Meinung als „dumm“ bezeichnet und begründet, warum er das so findet. Ich werde eine Meinung wie z.B.: „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg“, immer als „dumm“ bezeichnen. Ich finde, im Gegensatz zu den Nutzerregeln nicht, dass jede Meinung gleichwertig ist. Es gibt beschissen fundierte Meinungen, und es gibt Meinungen, die sich um mehr bemühen, als um den kleinen eigenen Horizont. Es gibt fragende Meinungen und es gibt feststellende Meinungen. Es gibt Stammtischgerede und es gibt engagierte Meinungen usw. Für mich steht es allerdings nie zur Diskussion, ob ich den Menschen dahinter als „minderwertig“ betrachte, ich will nur keinen Umgang mit jedem Menschen. Nehmen wir an, der begründete Vorwurf „dumm“ würde als „beleidigend“ gelöscht- auf Dauer und bei Wiederholung wäre die Community kein Platz für mich, weil ich sie für mich als unwürdig betrachtete. Das ist Eigen-Wille und Selbstverantwortung. So lange ich Kompromisse mache, also in diesem Falle einfach wohlklingendere Begründungen formuliere, bedeutet das für mich, das es mehr Dinge gibt, die mich halten, als die mich abhalten. Da schenke ich diesem coolen Gerede von Dauernutzern, die das „Hiersein“ als „ganz ganz unwichtig“ darstellen keinen Glauben. Jeder Mensch, der sich als selbstbestimmt wahrnimmt, beendet einen Zustand, wenn die Kompromisse zu viel Selbstaufgabe bedeutet oder ihm das Ganze einfach auf den Sack geht. Oder man handelt nicht besonders selbstbestimmt. Dann ist Zensur logischerweise die Folge. Ich halte die meisten Regeln eher für Selbstverständlichkeiten, geht mir jemand auf den Keks, kann es trotzdem sein, das ich beleidige. Begründe ich meine Beleidigung, dann kommt es evtl. zu einem Gespräch oder/und Streit. Im Streit kann man Regeln verletzen (ab hier wäre eine gekonnte! Moderation überhaupt erst sinnvoll), man kann aber auch einfach die Lust an der Auseinandersetzung genießen. Die genieße ich dann, wenn ein gleichwertiger Gegner den Ring betritt. Ich bin gerne emotional, aber mich packt das absolute Desinteresse, wenn mein Gegenüber keine Kampfregeln beherrscht, über eine abgedroschene und kopierte Schlagfertigkeit verfügt oder Kampf mit „Krieg“ vertauscht. Komme ich da mit Begründungen nicht weiter, ignoriere ich. Nicht immer weil ich will, sondern, weil ich alles andere als Energieverschwendung ansehe. Viele benutzen das leider als Ausrede, wenn sie andere Meinungen einfach nicht ertragen. Nein, der Gegner muss nicht studiert haben oder sich besonders kompliziert ausdrücken, er muss einfach Spaß daran haben, seinen eigenen Horizont zu erweitern, er muss neugierig sein, Spaß am Kräftemessen haben. Einen solchen Streit zu reglementieren deutet nur darauf hin, dass jemand mit selbstbestimmten Auseinandersetzungen nicht umgehen kann. Auf einen schwachen Gegner einzuprügeln (schwächer nicht gleich dümmer), ist schon immer ein Armutszeugnis gewesen (für mich ist das in einem gewissen Sinne „unsportlich“ bzw. keine Herausforderung), nicht nur hier. Insoweit finde ich die meisten Streitereien hier auch langweilig, weil es um Rechthaberei und nicht um die Sache geht *s*. Jemand, der einfach nur „Recht behalten“ will, keine Argumente benennt ist ebenso wenig in der Lage bereichernd zu streiten wie jemand, der jede Äußerung ins Kleinste demontiert und Schwachpunkte aus dem Kontext löst. Zensieren würde ich keine dieser Haltungen. Aber es gibt sie, die bereichernden Gespräche, für mich weniger im offiziellen Teil des Forums, sondern in selbstgewählter Form. Die Auswahl kann man jedoch hervorragend über das Forum treffen, frei nach dem Motto: „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Es ist mir egal (geworden), was der Betreiber denkt und macht, es handelt sich nicht um eine sehr politische Plattform (weil sie von der Masse nicht so gewünscht ist/gemacht wird und, weil sie nicht so konzipiert ist). Kai ist eher ein durchschnittlicher Denker (ich leite das einfach mal aus seinen Antworten und aus seinem Verhalten ab), aber er ist ein Macher. Ich bin leider elitär und sage: „Wer macht hat die Macht.“ Das ist kein Wunsch oder eine positive Überzeugung, aber nun mal Tatsache *s*. Ich kann und will Kai und sein Team nicht erziehen. Keiner kann ihn zu etwas zwingen. Der einzige Zwang, den es gibt, ist die massenweise (Selbst-)löschung. Das ist nicht der Fall, also keiner Diskussion wert. Also ist der Eigen-Wille gefragt. Kompromisse schließen, so lange sie nicht wehtun, eigene „Räume“ und Gemeinschaften bilden, Themen posten, die kaum jemanden interessieren ;-), eigene Standpunkt darlegen, ohne zu lügen oder auf Applaus zu hoffen (Falle Nr. 2;-), bei sich selbst bleiben (guckt von den Egozentrikern ab) und Selbstverantwortung übernehmen. Wenn man will, kann man sogar etwas über sich bzw. seine Wirkung lernen. Denn eines ist klar, Zensur trifft nie die Masse, sondern diejenigen, die die Freiheit anderer nicht akzeptieren oder diejenigen, die Regeln für sich selbst VERNÜNFTIGERWEISE als zurückgeblieben ansehen. Im doofsten Falle bleibt nichts anderes übrig, als zu gehen oder zum glücklichen Außenseiter zu werden. Das ist auf einer Massenplattform schwierig, aber nicht unmöglich.
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