|
|
Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadGay Africa
20.04.2004 17:38
HiddenNickname
0 Ängste vor Schwulen und Lesben in Afrika Von der Gesellschaft geächtet - vom Staat kriminalisiert Schwule und Lesben haben es in Afrika nicht leicht. Von der Gesellschaft ausgestossen und vom Staat nicht selten kriminalisiert, können sie sich meist nur im Geheimen lieben. In letzter Zeit ziehen vor allem anglikanische Bischöfe gegen Schwule vom Leder. Homosexualität wird in Afrika oft als Auswuchs westlicher Dekadenz interpretiert. K. P. Nairobi, 16. April Als ob Afrika nicht schon genug Probleme hätte, mischen sich Staat und Gesellschaft in vielen Ländern auch noch in die Intimsphäre ihrer Bürger ein. Unabhängig von der religiösen Ausrichtung ist es vielen Afrikanern nämlich nicht egal, was in den Schlafzimmern ihrer Verwandten oder Nachbarn geschieht. Besonders schwer haben es Schwule und in geringerem Ausmass auch Lesben, die quer durch den Schwarzen Kontinent stigmatisiert und nicht selten auch kriminalisiert werden. Jüngster Auswuchs dieser Kampagne gegen «unmoralische, unnatürliche oder gegen Gott gerichtete» Sexualpraktiken ist ein auf dem tansanischen Archipel Sansibar verabschiedetes Gesetz, das Geschlechtsverkehr zwischen Homosexuellen unter drakonische Strafen stellt. Die Gewürzinseln vor der ostafrikanischen Küste sind zwar stark vom Islam geprägt, doch ist das Strafrecht dort - anders als zum Beispiel im Norden von Nigeria - nicht durch die Scharia definiert. Trotzdem befanden es die sansibarischen Politiker nun für nötig, die bereits bestehenden tansanischen Paragraphen mit einer eigenen Vorlage zu verschärfen. Schwule, die sich beim Sex erwischen lassen, riskieren laut einem Bericht der BBC bis zu 25 Jahre Gefängnis. Weniger hart ins Gericht wollen die Behörden dagegen mit Lesben gehen. Ihnen drohen bis zu 7 Jahre Haft. Bevor das Gesetz allerdings in Kraft treten kann, muss es noch von Präsident Amani Karume unterzeichnet werden. Nicht nur eine Sache der Muslime Die Angst vor Schwulen und Lesben ist offenbar so stark, dass die Regierungspartei Chama cha Mapinduzi (Kisuaheli für Revolutionspartei) und die oppositionelle, den Muslimen nahestehende Civic United Front bei der Abstimmung über die Gesetzesvorlage gemeinsame Sache machten. Mit den neuen Bestimmungen solle verhindert werden, dass die Kultur von Sansibar «korrumpiert» werde - gemeint ist damit wohl der Einfluss durch homosexuelle Touristen aus den Industriestaaten. Um jeden Preis verhindern wollen die Behörden Eheschliessungen homosexueller Paare. Nach Angaben der International Gay and Lesbian Human Rights Commission ist Sex unter Männern in nicht weniger als 37 afrikanischen Staaten strafbar; in 29 dieser Länder dürfen auch Frauen einander nicht lieben. In den islamischen Republiken Sudan und Mauretanien sowie im islamisch geprägten Norden Nigerias kann sogar die Todesstrafe gegen Homosexuelle verhängt werden. Es wäre jedoch falsch zu glauben, dass sich die afrikanischen Muslime im Kampf gegen die Homosexualität besonders hervortun. Derselbe Eifer der Intoleranz ist auch unter Christen und Anhängern von Naturreligionen verbreitet. Selbst mit westlich gebildeten afrikanischen Intellektuellen ist eine Diskussion über Schwule und Lesben oft nicht möglich. Diese Leute wollen sich nicht mit der Vorstellung abfinden, dass sie die Sexualpraktiken ihrer Mitbürger schlicht und einfach nichts angehen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, wenn sich Schwule und Lesben fast immer im Geheimen lieben. Für dieses Verhalten sind wohl weniger die Gesetze verantwortlich als die drohende Ächtung durch die Gesellschaft. Erstaunlich starke Beachtung gefunden hat in den afrikanischen Medien auch die Debatte über die Trauung homosexueller Paare in einigen Industriestaaten. Die nigerianische Tageszeitung «Daily Champion» prophezeite der «westlichen Kultur» deshalb schon den Untergang und warnte die Afrikaner, dem schlechten Vorbild zu folgen. Die Heirat unter Homosexuellen werde früher oder später die wichtigsten Prinzipien der menschlichen Existenz in Frage stellen. Falls der «Daily Champion» damit die Unfähigkeit zur Fortpflanzung homosexueller Paare anspricht, so können die Afrikaner beruhigt sein: Mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 2,7 Prozent braucht der Schwarze Kontinent keine Angst vor kinderlosen homosexuellen Paaren zu haben. Auch die Vorstellung, die Homosexualität in Afrika sei eine Folge des westlichen Kulturimperialismus, ist natürlich Unsinn - eine typische Verschwörungstheorie afrikanischer Halbgebildeter. Tatsächlich hat es Schwule und Lesben in Afrika schon lange vor der Ankunft der weissen Kolonialisten gegeben. Die Anglikaner als Eiferer der Intoleranz Ein Dorn im Auge der afrikanischen Moralapostel und Sittenwächter ist auch der anglikanische Bischof Gene Robinson im amerikanischen Gliedstaat New Hampshire, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. Dass Robinson zum Bischof geweiht wurde, ist für die afrikanischen Anglikaner ein Affront sondergleichen. Als Folge davon haben die Anglikaner unter anderem in Kenya, Uganda und Nigeria ihre Beziehungen zur anglikanischen Kirche Amerikas stark eingeschränkt. So boykottiert der nigerianische Erzbischof Peter Akinola internationale Treffen, an denen Vertreter der amerikanischen Anglikaner teilnehmen. Akinola, immerhin der Vorsteher der rund 17 Millionen Mitglieder starken anglikanischen Kirche Nigerias, wurde in der Presse mit den Worten zitiert, die afrikanischen Kirchen müssten jetzt finanziell unabhängig werden. Dann könnten sie nicht nur den spirituellen Bankrott der reichen Kirchen im Norden anprangern, sondern auch deren finanzielle Unterstützung zurückweisen.
0
![]()
20.04.2004 17:53
20.04.2004 17:53
20.04.2004 17:47
HiddenNickname
0
20.04.2004 17:40
0
![]() |
|