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Gedankenbeutel 1

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11.08.2019 08:21
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Dieser Thread entstand aufgrund meines und das Bedürfnis anderer User*Innen, sich mal genauer mit ausgewählten Themen auseinanderzusetzen, sich auszutauschen, etc., das in der Threadreihe „Gedanken, die dich beuteln...“ von Konsortium kommuniziert wurde. Daher erhält dieser (und ich hoffe noch viele Weitere) Thread den Titel „Gedankenbeutel“, denn es ist ein Raum, der mit Gedanken, etc. zu einem bestimmten Bereich/Thema/Person befüllt werden kann.

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Gedankenbeutel 1: Prof. Dr. María do Mar Castro Varela (im Folgenden Castro Varela genannt)

Castro Varela ist Psychologin, Politikwissenschaftlerin und Pädagogin. Sie interessiert sich besonders für die Themenbereiche Gender und Queer Studies, Postcolonial Studies, Critical Migration Studies, Holocaust Studies, Critical Education und Critical Media Praxis (sie arbeitet auch zu den Themen „Fluchtforschung“ und „Utopieforschung“, was ich hier erwähne, da ich nicht weiß, ob die Themen Bestandteil oder eigene Teilbereiche der zuvor genannten Fachbereiche sind).

Castro Varela promovierte mit dem Thema „Utopiediskurse migrierter Frauen“ an der Uni Gießen, im Jahr 2005. In den Folgejahren arbeitete sie an verschiedenen Universitäten (Östereich und Deutschland).

Derzeit ist sie Vertrauensdozentin der Heinrich-Böll-Stiftung (berliner Stiftung für politische Bildung von der Partei „Die Grünen“) und der Studienstiftung des Deutschen Volkes (politisch unabhängige Begabtenförderung auch mit Sitz in Berlin). Außerdem arbeitet Castro Varela als Professorin an der Alice Salomon Hochschule (kurz ASH mit Studienangeboten in den Bereichen Soziale Arbeit, Gesundheit, Erziehung) in Berlin-Hellersdorf.
Ein Großteil ihrer Veröffentlichungen sind wohl bei Wiki zu finden (siehe Quellen).

Geboren ist sie 1964.
Zitat
Tehejekuetrheed
schriebene Eindeutigkeiten nicht.
(Zitat aus dem Interview zwischen Taz und Castro Varela, siehe Quellen)

Quellen:
https://www.ash-berlin.eu/
https://de.wikipedia.org/ [...] o_Varela
https://fluechtlingsforsc [...] -varela/
https://taz.de/Montagsinterview/!5180501/


11.08.2019 08:27
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Mich beschäftigt nun erstmal ein Video von ihr, in dem sie „Solidarität“ neu definiert.
https://www.youtube.com/w [...] NerDefy4
Unmögliche Solidarität? Migration, Bildung & Demokratie: "Kurz gefragt" mit Prof. Castro Varela

Im Video antwortet Castro Varela u.a. auf die Frage:
ZitatWarum findet die populistische Unterscheidung zwischen „Wir und die Anderen“ zunehmend Zustimmung?


Sie antwortet u.a. damit, daß Bildung vor allem politische, in der Vergangenheit teilweise versagt haben könnte, jedoch heute politische Bildung und kulturelle Bildung eine wichtige Rolle spielen, um z.B. nationalistischen Strömungen, wie sie kurz nach dem zweiten Weltkrieg nicht so öffentlich artikuliert wurden wie heute, entgegen zu treten.
Castro Varela beschreibt, daß die gegenwärtige politisch-gesellschaftliche Situation sehr Gewalt-beladen ist. Als eine Art Ursache dafür nennt sie, daß gesellschaftliche „Räume“ verschlossen seien u.a. aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus.
Hier müsse ihres Erachtens nach interveniert werden, eben auch durch politische und kulturelle Bildung.

Eine weitere Frage an sie ist:
ZitatBrauchen wir eine neue Form von Solidarität?


Castro Varelas Antwort dazu ist, daß es hier nicht eine bestimmte Methode/Entwurf als Handlungsmöglichkeit gibt, um u.a. verschlossene Räume wieder zu öffnen. Sie meint, daß „kontraintuitive Strategien“ entworfen werden sollten.
Jo, da denk ich mir so: WTF is bitte kontraintuitive...whaaaat?
Sie erläutert das dann noch zwei Mal.
1. Kontraintuitive Strategien folgen nicht immer dem selben Muster.
2. Wo findet Frau in z.B. Literatur und kulturellen Produktionen Dinge, die sie dazu annimiert in einer anderen Welt zu denken, eben die eigene Imagination (Phantasie, bildhaftes Denken) zu erweitern.

Dies würde dann eine neue Art von Solidarität (gegenseitige) schaffen, die über die derzeitig allgemeine Definition von Solidarität hinaus ginge, welche ihrer Ansicht nach heute oft hierarchisch gedacht wird (im Sinne von "helfen".

Eine gegenseitige Solidarität führe dann dazu, daß sozusagen verschlossene Räume geöffnet werden und generell offenere Räume entstehen könnten, weil eine Gleichzeitigekeit von verschiedenen Narrativen entstehen würde („Narrativ“ meint sie vermutlich, da sie in diese Richtungen studiert hat, die Definition von Narrativ im sozialwissenschaftlichen Sinn: „Ein Narrativ ist eine sinnstiftende Erzählung, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und Emotionen, ist in der Regel auf einen bestimmten Kulturkreis bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erzählungen, die mit einer Legitimität versehen sind“. {wikiauszug})

Ich frage mich zum Einen nun, ob ich sie richtig verstanden habe. Zum Anderen ob ich in einigen Teilen schon ihre Definition von „gleichzeitiger“ Solidarität lebe und wo ich selbst evtl. hierarchisch und damit nicht „kontraintuitiv“ denke/handle, wodurch ich ja sowas wie verschlossene Räume wie auch nationalistische Strömungen bestärken würde, was ich nicht will.

Da Castro Varelas in dem, von mir im Eingangsbeitrag verlinkten, Interview in der Taz auch Judith Butler erwähnt, erinnert mich ihre „gegenseitige“ Solidarität auch an das Video, in dem J. Butler den Zivilcourage-Preis ablehnt aufgrund ihrer Meinung nach u.a. antisemitischer Strömungen innerhalb der LSGBTIAQ*-Community.
https://www.youtube.com/w [...] PfC35W4o
Eklat beim CSD. Philosophin Judith Butler lehnt Zivilcourage-Preis ab.

Hier stellt sich für mich die Frage, ob J.Butler genau hier schon „gegenseitig solidarisch“ also im Sinne von Costra Varelas handelt, indem sie kritisiert, daß innerhalb der Community eben diese „neue“ Art Solidarität nicht ausreichend gegeben ist, sondern in hierarchischer oder nach Costra Varelas nicht „kontraintuitiver“ Denke gelebt wird?

11.08.2019 08:30
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{ich distanziere mich hiermit von den in vorigen Beiträgen aufgeploppten Emoticons, die durch Lesarion eingefügt wurden, da jede Klammer plus Satzzeichen nicht so stehen bleiben, wie im Textfeld ursprünglich eingegeben und ich dies jetzt nachträglich nicht ändern werde, da ansonsten alle gesetzten Links von Lesarion zerschossen werden könnte... }

11.08.2019 08:41
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Moin

Danke, Quilma! Werde mich Stück für Stück einlesen und freue mich auf den neuen Input, Wissensstoff und einer Diskussion!

P.S Ja, das ist blöd mit den automatisch eingefügten Emoticons bei Klammern in Texten.

11.08.2019 08:49
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 11.08.2019 um 08:41:

Moin

Danke, Quilma! Werde mich Stück für Stück einlesen und freue mich auf den neuen Input, Wissensstoff und einer Diskussion!

P.S Ja, das ist blöd mit den automatisch eingefügten Emoticons bei Klammern in Texten.


Um schneller in eine Diskussion rein zu kommen habe ich eben nicht direkt viel Lesestoff gewählt, sondern nur kurz die Person vorgestellt und zwei kurze Videos eingebracht. Das Interview aus der Taz ist eher hilfreich, um die Perspektiven und den Menschen dahinter etwas kennenzulernen.

11.08.2019 09:45
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Ging doch schneller als ich dachte, mit dem Einlesen

Das Montagsinterview mit Castro Verela fand ich sehr interessant zu lesen, da ich Vieles davon kenne.

Und dann im Nachzug Judith Butlers Begründung für die Ablehnung des Preises zu hören, ist eine spannende und sinnvolle Kombination.

Ich muss es aber erst mal etwas sacken lassen bzw. durchdenken, hinsichtlich deiner Frage, ob Judith Butler hier kontraintuitiv handelt oder nicht. Auf den ersten Blick ja - sie durchbricht ein Muster - wie kann man einen Zivilcouragepreis des CSDs ablehnen und Homophobie und Rassismus vorwerfen? Das passt auf den ersten Blick nicht, ausser, man wechselt die Perspektive

Und hier mag ich Castro Verelas Punkt bzgl. "Bildung" einwerfen - ja, in vielen Punkten ist sie gescheitert. Gleichzeitig ist sie die Hoffnung, gerade, wie sie auch betont, in Kunst und Kultur.

Denke ich z.B. an Musik - hier denkt wohl jemand selten darüber nach, ob der_die Sänger*in die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, Migrant*in ist, Ausländer*in etc.
Auch wenn es hier spezielle Förderprogramm für z.B. Migrant*innen, Flüchtlinge gibt, so denkt man zumindest in der Populärmusik völlig selbstverständlich in viele Richtungen. So ist es "normal", dass z.B eine Helene Fischer neben einer Joy Denelane und einer Ebow etc. etc. existiert.

In ernster Musik (Klassik) sieht das ganze aber schon anders aus. Und je weiter man weg von Kunst und Kultur geht, um so mehr ist diese Diskrepanz zu sehen.

So stellt sich die Frage für mich, ob die Community Migrant*innen, Ausländer*innen, Flüchtlinge etc. selbstverständlich mitdenkt oder eher nur im Sinne von "Helfen" und somit im Alltag, im tatsächlichen Tun im Denken und Handeln eher ausgrenzt.
Ganz abgesehen von offen gezeigtem Rasssimus und Ausländerfeindlichkeit innerhalb der Community.



11.08.2019 13:10
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Wow, schön! Ich hatte nur was ma Rande davon mitbekommen, bin erstmal weg, vielleicht schaffe ich es heut Abend spät noch was dazu zu schreiben.

Edit: Alles was jetzt kommt:
Also Referenzrahmen ist immer noch Kulturelle und Politische Bildung:

An der Stelle, würde ich aber eben nicht nur Deutsch-Nationalistische Strömungen sehen, sondern auch andere Teil- Nationalistische Strömungen und weitere Communities und Untercommunities die teil verdeckt oder geschlossen sind, die sich gebildet haben und bilden. Direkt aus der Angst heraus, aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus.

Zu den Narrativen, aus verschiednen Perspektiven meine ich auch vll. Dass es innerhalb eines Narrativs eben auch unterschiedliche Erfahrungen gibt, das eine ist vll, das Leid, aber auch das Glück, oder Handlungsstrategien, die Umstände, die Vorteile..oft sind etablierte Erzählungen eben ach nur aus einer Perspektive aufgenommen und dargestellt. Beispielsweise auch, von einer Minderheit zwar, aber die Etablierten davon. Wer bildet die Narrative mit? Was gibt es da für möglichkeiten Narrative zu erweitern?

Narrative können vll ergänzt oder umgeschrieben werden, durch Neuzusammensetzung. Entweder welche aus der Vergangenheit, aber eben durch Neuformierung und Ergänzung in die Zukunft.

Wie bringt man Perspektiven rein? Kunst, Literatur. Zu Kunst hat jetzt Veintidue viel geschrieben schon. Aber man könnte Mosaike machen bsp. Man könnte nicht nach Nation sondern Farbenwahl gehen, oder die einen arbeiten liebe mit einem und andere mit anderen Materialien, Gruppenarbeiten anders zusammenstellen. Wo findet man Literatur: Ich hab da grad was interessantes eingeblendet bekommen:

https://youngmigrants.blo [...] nt-mama/

Es gibt ja schon diese Versuche, diese Multikultifeste, wo jede Nation so ihr Essen an einem Stand vorzeigt und sich representiert, am Ende des Festes bleibt doch jede Gruppe wieder bei sich. Ist an sich ja auch ok, wenn noch andere Kooperationsmöglichkeiten entdeckt werden.

Z.B. Solche Begegnungscafés, mit einem Raum wo die TN stück für Stück eben selbst mitgestalten.
Und aushandeln, welche Form von Bildung ist denn von Interesse.

Zu Kontraintuitive Strategien gibt es ziemlich viel information.

Kontraintuitiv ist eben nicht so handeln wie man sonst handeln würde aus dem Inneren heraus. Das heißt aber auch nicht, genau das Gegenteil davon zu tun was man sonst tun würde. Also wenn ich einen Impuls habe zu „helfen“ heißt es nicht, dass ich eben nicht mehr helfe. Hier denke ich, geht es um dieses Paternalistische, ich mach das für Dich, ich stelle mich vor Dich, ich zeig Dir wies geht. Eher vll Fragen, kann ich etwas für Dich tun? Was brauchst Du? Eben nicht den Menschen wohlwollend dazu bringen das zu tun, was man meint, dass der Mensch brauch um keine Probleme mehr zu haben. Oder: Wie machst Du das? Das finde ich toll, zeig mal wie das geht?

Der erste Gedanke war mir: Ein Dozent sagte...wenn etwas stört, nicht passt etc...ist die Tendenz da, es irgendwie passend zu machen, weil es irritiert. Irritationen wollen schnell abgeschafft werden, sind es doch Reize die unangenehm aus der Ordnung stechen. Lasst euch irritieren hieß es. Damit verstehe ich also, ah das stört, das ist komisch, anders….ok anstatt zu ändern, erstmal beobachten ohne zu urteilen.
Das wäre für mich kontraintuitives handeln als direkt in die anpassende Handlung zu gehen.

Nicht Paternalistisch vorgehen, da gab es eine Story, wie ein europäisches Helferteam einem Dorf in Südamerika einen Brunnen gebaut hat. Damit wurde aber binnen 1 Monats die ganze Daseinsberechtigung der im Dorf lebenden Frauen zunichte gemacht. Diese zerstörten den Brunnen, es gab mehrere Faktoren dafür. Leider habe ich keinen Link, keine Quelle hierzu. Wenn ich suche, geht es bei den Meldungen über solcherartiger Entwicklungshilfen eher um die Mafiösen Umstände oder Unterschlagungen. Bei der Geschichte ging es eher Darum, dass das der Job war, der die Frauen am Leben hielt, und ihren Tag ausfüllte und sie auch von den Männern lange fernhielt, auch die Komplette Erziehung der Kinder fand unterwegs statt, das ganze System wurde auf einmal durch einen Brunnenbau komplett verändert.

An der Stelle gibt es z.B. NGO´s die mit ehemaligen Refugees zusammenarbeiten, das Bild neu zusammensetzen, und sie selbst in Aktion bringen. Diese machen dann Vorschläge, oder nehmen langsam Kontakt auf und bilden von Außen heraus den Kontakt wieder in ihre Heimat und schauen wie Hilfe von außen überhaupt wirklich hilft. Bsp. Kooperativen in der Heimat stützen durch eigene kleine Handelsketten fernab von den großen Fairtrade Händlern. Eben Rahmen geben, damit Rahmen aber neu entwickelt werden.

Also eben innehalten und nicht gleich helfend nach eigener Logik handeln. Fragen.

Wichtig ist auch vll zu schauen, wie bekommt man denn die Leute zusammen. Es ist ja auch nicht so, dass alle immer gleich wollen und juhu schreien, jetzt werden wir wieder gebildet und integriert. Damit hier alles seine Ordnung hat.

Es wurde z.b. ein Film über Wasserträgerinnen gezeigt und zur Diskussion gestellt, auf den Sexismus hingedeutet, betroffene Landsfrauen und Männer im selben Raum, es wurde zu ner offenen Diskussion gebeten, die Frauen sind geschlossen weggegangen. Scheint natürlich sehr verschlossen.

Zu Judith Buttler: Ja könnte schon solidarisch und Kontraintuitiv sein, sich über einen lobenden Preis nicht zu freuen, und sehr viel Enttäuschung dafür in Kauf zu nehmen. / Allerdings könnte es für sie in dem Moment eine klar politisch Motivierte Handlung gewesen sein. Denn sie wurde ja bestimmt eingeladen und nicht überraschend prämiert. Also ich denke mal so wie ventidue an der Stelle.

Es geht eben auch nicht darum alles komplett zu öffnen und durcheinander zu würfeln, dazu ist es auch schon zu lange nicht so schön, war es wohl nie, und gehört auch dazu dass es Communities gibt. Aber ne Öffnung wäre ja schon was gutes.

Alles brauch auch seine ZEIT.

Zu außerschulischer politischer Bildung kann ich auch sagen. In den 80ern gab es viel davon, ab den 90ern wurde dies stark zurückgefahren, weil es nicht mehr nötig zu sein schien. Jezt fährt sie wieder hoch, denn der Staat kommt nicht klar…. Und jetzt habe ich wieder keine Quelle. Weis jemand vll wo man das Statistisch finden kann? Ansonsten seht dieses bitte als unter Vorbehalt.

Nagut….falls Du konkretere Dinge oder wissenschaftlichere Vorgehensweisen wünschst, dann lass es mich wissen. Wäre schön weiterzumachen.

editiert am 12.08.2019 18:21 Beitrag melden Zitatantwort
12.08.2019 18:22
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Wegen Edit wirds net als neue Meldung angezeigt.

12.08.2019 18:36
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Hallo Tortugaya,
habe deinen Text gelesen und greife den Punkt "Helfen" auf - du hast viele gute Sachen geschrieben und auch Helfen mit einer subjektiven/individuellen Logik beschreiben.

Mir kommt Helfen oft so vor: Aus Perspektive von white privilege, aus Perspektive von denjenigen, die Macht haben (egal, welcher polit. Coleur). feministische Perspektive kommt vor, ist aber nicht die Regel.

Wer "hilft" hat meistens auch die Macht, und meistens wird diese Macht ungerne geteilt.

Und da Macht ungerne geteilt wird, ist es "normaler" zu helfen, als nicht auszugrenzen.

Und hier verstehe ich, dass manche einfach keinen Bock darauf haben. Keinen Bock darauf haben zu einer Minderheit zu gehören, denen geholfen wird, sondern einfach dazu gehören wollen.

Dieser Song drückt es viel besser aus als ich es jemals könnte:
Es nervt - Die Goldenen Zitronen feat. LaToya Manly-Spain
https://youtu.be/ekusWGS2wtQ

editiert am 12.08.2019 18:40 Beitrag melden Zitatantwort
12.08.2019 20:44
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 11.08.2019 um 09:45:
{...}
Und hier mag ich Castro Verelas Punkt bzgl. "Bildung" einwerfen - ja, in vielen Punkten ist sie gescheitert. Gleichzeitig ist sie die Hoffnung, gerade, wie sie auch betont, in Kunst und Kultur.

Denke ich z.B. an Musik - hier denkt wohl jemand selten darüber nach, ob der_die Sänger*in die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, Migrant*in ist, Ausländer*in etc.
Auch wenn es hier spezielle Förderprogramm für z.B. Migrant*innen, Flüchtlinge gibt, so denkt man zumindest in der Populärmusik völlig selbstverständlich in viele Richtungen. So ist es "normal", dass z.B eine Helene Fischer neben einer Joy Denelane und einer Ebow etc. etc. existiert.

In ernster Musik (Klassik) sieht das ganze aber schon anders aus. Und je weiter man weg von Kunst und Kultur geht, um so mehr ist diese Diskrepanz zu sehen.

So stellt sich die Frage für mich, ob die Community Migrant*innen, Ausländer*innen, Flüchtlinge etc. selbstverständlich mitdenkt oder eher nur im Sinne von "Helfen" und somit im Alltag, im tatsächlichen Tun im Denken und Handeln eher ausgrenzt.
{...}


Ah, voll geil, danke für deine Beispiele, dadurch verstehe ich noch besser was Castro Varela genau meint bezüglich auch kulturelle Bildung und Ausgrenzung...

Und da fällt mir dann auch wieder das eine Interview von Schauspielerinnen ein...ich suche mal eben...
https://www.youtube.com/w [...] lWxFZHYY
The Big Television Debate | Ellen Pompeo, Emma Roberts, Gina Rodriguez and Gabrielle Union

ab etwa Minute 13:00 kommt das Thema doch auch sehr klar zur Sprache. Also daß im tatsächlichen Tun und Denken Ausgrenzung da ist.

12.08.2019 21:33
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@Tortugaya

Ich kenne diese pädagogischen{?} Begriffe nicht so gut bzw. ich muß da nochmal nachfragen, um deinen Beitrag zu verstehen...

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 11.08.2019 um 13:10:
{...}
Zu den Narrativen, aus verschiednen Perspektiven meine ich auch vll. Dass es innerhalb eines Narrativs eben auch unterschiedliche Erfahrungen gibt, das eine ist vll, das Leid, aber auch das Glück, oder Handlungsstrategien, die Umstände, die Vorteile..oft sind etablierte Erzählungen eben ach nur aus einer Perspektive aufgenommen und dargestellt. Beispielsweise auch, von einer Minderheit zwar, aber die Etablierten davon. Wer bildet die Narrative mit? Was gibt es da für möglichkeiten Narrative zu erweitern?
{...}


Auch wenn ich oben eine wikidefinition von "Narrativ" gepostet habe, ich verstehe das nicht ganz. Ich raffe den Begriff einfach nicht und die Beispiele bei Wiki checke ich auch nicht
Ein Narrativ kann ein Mythos sein, ist aber ein Narrativ...hä?

12.08.2019 21:54
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Megalol!

ZitatHinz und Kunz schwafeln heutzutage vom „Narrativ“
Es scheint, als hätten wir uns bisher getäuscht über das, was Gesellschaften und Nationen zusammenhält. Es sind nicht Verträge, Verfassungen, Gründungsmythen, gemeinsame Sprache und Kultur, Religion oder Ideologie. Es ist das Narrativ, Dummchen!

https://www.welt.de/debat [...] tiv.html

12.08.2019 22:13
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Haste das jetzt verstanden?

12.08.2019 22:18
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Nee, nicht wirklich. Ein Narrativ kann alles mögliche sein...Glaubenssätze, Ideologie, Mythos, all sowas.
Ich checke das nicht...ich dachte am Anfang des Threads es ginge um Erzählungen in der Form, wenn man Menschen kennenlernt und sich gegenseitig etwas von sich erzählt


12.08.2019 22:28
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Gibt es auch positive Narrative oder nur manipulative Narrative?

Also, ich frage mich grade, ob ich auch eins habe, um den Begriff nachzuempfinden, weil ich ansonsten damit nix anfangen kann.

Ist ein "Narrativ umschreiben" sowas wie die zunächst als Abwertung genutzte Bezeichnung "Gutmensch" als etwas Positives umzukehren so alla..."nur Mut zum Gutmenschdasein"?

12.08.2019 22:29
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Hmm...eher das Versprechen des goldenen Kalbs - Make America great again - Ost-West-Konflikt - Religionen sowieso - Nationalstaat (je mehr Patriarchat, um so besser)

Alle sitzen am Lagerfeuer und jemand erzählt eine Geschichte, die einen angeblich selbst größer machen kann, aus der man sich eine Aufgabe, einen Sinn ziehen kann. Und weil man an diese große Geschichte glaubt, übersieht man mögliche Risiken und Nebenwirkungen.

Zumindest verstehe ich so das Narrativ.

Die Fridays for Future Bewegung wäre für mich ein Ansatz eines Narrativs - aber, vielleicht irre ich auch. Irgendwie sind Narrative meist negativ besetzt, oder?

Tortugaya - Help

editiert am 12.08.2019 22:30 Beitrag melden Zitatantwort
12.08.2019 22:34
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Puhh..es gibt die Postitivbeispiele

Bundeszentrale hilft

https://www.bpb.de/gesell [...] ng?p=all

"Narrative für eine nachhaltige Entwicklung".

Vielleicht ist fridays for future doch ein Beispiel. Die Geschichte eines Mädchens, das alleine loszog und einfach streikte.

Ich klammere mich auch manchmal an Narrative, wenn ich so recht überlege - die Frauenbewegung, Martin-Luther-King, Stonewall.

Alles Geschichten, die etwas Großes erzählen.

editiert am 12.08.2019 22:37 Beitrag melden Zitatantwort
12.08.2019 22:44
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Aaah, danke, das Lagerfeuerbeispiel verknüpft meine Anfangssynapsen, sehr erleichternd.

Und das die Bundeszentrale auch was dazu zu melden hat, war ja irgendwie klar Ist wie so ein Einführungsschinken im Studium, der irgendwann einen Spitznamen bekommt: "Shit, hat jemand den Bundi dabei, schreibe gleich Klausur und muß nochmal was gucken" ...

12.08.2019 22:51
HiddenNickname

Narrative sind erstmal Erzählungen aus einer bestimmen Perspektive heraus. Man kann sie eben durch viele menschen, die diese Erzählungen teilen, bestätigen und somit als wahr Festlegen oder eine Machthabendere Personen Ihre Erzählung durchsetzen und somit als Wissen und Wahrheit festlegen.

Narrative sind nicht gut sind nicht schlecht. Sind Erzählungen. Wir alle leben von und mit ihnen und produzieren welche. Ich weis nicht ab wann ein Narrativ ein Narrativ ist.

Narrative werden schon hier wo Antikes Griechenland und so behandelt. Da können dann die Literatötinnen dran.

So wie ich dieses Narrative verstehen, eben ein Allgemeingültiges Bild und so von Menschen und Gruppen, Begebenheiten, durch andere Erzählungen ergänzen zu lassen, eben diejenigen die nicht geschrieben haben oder die, die noch nicht erzählt haben, die das Bild verändern könnten. Und eben auch ab jetzt die Geschichte zu ändern durch durchmischte Erfahrungen, die von einer neuen Perspektive noch nicht gesehen wurden. Geht nach vorn, geht nach hinten. Zumindest habe ich das so verstanden.

12.08.2019 22:52
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Bundi Süßer Name

Ich glaube, mein erste bewußtes, politisches Narrativ in der Schule war

"Erst wenn
der letzte Baum gerodet,
der letzte Fisch gefangen,
der letzte Fluss vergiftet ist,
werdet ihr merken, dass man
Geld nicht essen kann."

Und es war natürlich glaubwürdig und cool, da es angeblich ein Indianergeschichte war. Stimmt zwar nicht (zumindest nicht in der Form), aber dennoch eine gute Geschichte, mit der man sich identifizieren kann, die man interpretieren kann und nach der man handeln kann.


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