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Gedichte - lost & found (nur in Deutsch.)

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13.06.2019 05:08
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Guten Morgen

Dieser Thread ist für die, die kein Englisch lesen können oder möchten,
so wie ich.
Darum bitte nur Dedichte in Deutschersprache Posten!

Mit Gedichten möchte ich etws sagen oder besser Aussagen und daß in meiner Muttersprache, schließlich sind wir ein Volk mit Dichtern und Denkern in der Vergangenheit und Zukunft.

Und hier soll ein kleiner Raum sein um sie sprechen zu lassen.

Danke

Euer hai8.



13.06.2019 05:09
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Der Traum

Ich hatte diese Nacht einen seltsamen Traum.
Wieso g’rade ich, das glaubt man doch kaum?
Ich bin ja kein Muslim, kein Jude, kein Christ,
sondern nur ein ungläubiger Atheist.
In meinem Traum, der mich machte betroffen,
habe ich den lieben Gott getroffen.

ER sagte zu mir, was machst du für ein Gesicht?
Ich fragte ihn, ja siehst du denn nicht,
was hier auf der Erde so vor sich geht
und wie der Mensch Nächstenliebe versteht.
Er liebt sicher das, was am nächsten ihm liegt.
Er liebt Geld und liebt Macht. Dafür führt er auch Krieg.

Die Natur wird zerstört. Die Tiere, die leiden.
Uns’re Enkel sind wirklich nicht zu beneiden,
um das, was wir ihnen mal hinterlassen
und im Endeffekt, es ist nicht zu fassen,
sagen diejenigen, die hier alles zerstören,
sie würden auf deine Worte nur hören.
Sag, lieber Gott, ich kann es nicht raffen,
wie konntest du solche Menschen erschaffen?

Ich machte eine Pause. Da sprach Gott zu mir,
hier liegst du falsch, doch ich erkläre es dir.
Was ihr Menschen auch macht, da kann ich nichts dafür.
Ich seh das auch alles. Manchmal graust es auch mir.
Ihr braucht keinen Koran, keine Bibel zu fragen.
Worauf es wirklich ankommt, das will ich dir sagen.
Damit ihr wisst, was ihr wirklich tun sollt im Leben,
habe ich euch dereinst das Gewissen gegeben.

Hätt ich gewollt, dass ihr tut nur, was der großen Sache nützt,
dann hätt ich mir dereinst Marionetten geschnitzt.
Ich hab euch stattdessen den freien Willen gegeben,
mit der Hoffnung, dass ihr etwas macht aus eurem Leben.

Ich fragte den lieben Gott, was kann ich als Einzelner machen.
Er sagte, da gibt es so viele kleine Sachen.
Du glaubst ja doch nicht an mich, also mußt du mich nicht fragen.
Was du tun sollst, das kann dein Gewissen dir sagen.
Ist es noch nicht ganz verkümmert, dann wird es dir raten
deinem Nächsten zu helfen, anstatt ihm zu schaden.
Warte nicht auf die Andern, die mehr als du besitzen.
Nur wenn selbst du etwas tust, wird es der Gesellschaft nützen.
Du bist nur ein Einzelner, das seh ich schon ein,
Doch viele wie du könnten eine Mehrheit sein.

Ich erwachte am Morgen, vom Traum ganz benommen.
Es wenigstens zu versuchen, hab ich mir vorgenommen.

Dietmar Geister

13.06.2019 05:52
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Meine Worte, wie Wellen

Wie Wellen fließen Worte
An den Strand des Hörens
Und schwappen ins Meer
Der Vorstellung zurück.

Du kannst sie nicht halten,
Sie sind nur wie Pünktchen
Im großen Gemälde
Der stillen Gefühlssee,
Die hörbar wird dann,
Wenn die Wellen sich brechen
Im Jetzt und im Hier
Immer neu, immerzu.

Christiane El-Nahry

13.06.2019 16:33
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kleine grammatologie

nein,
das
steht
hier
nicht
geschrieben,
denn ich
ahme
schrift
nur nach
& die
hat
nicht a,
nicht o
& die
liest
sich
manchmal
so:
ich
gerinne
nicht zu
text,
nein,
ich
gerinne nicht zu
text.
ich
verstolp
re
meinen
einsatz,
ich
verholpr
e´s
abc,
bin der
dinge
nicht
geläufig
,
darum
schreib
ich sie
hier
auf.
nein,
das weht
hier
nicht
gestiebe
n,
nein,
das reh
hat
nichts
gerieben
,
nein,
das lebt
hier,
nichts
gemieden
,
ich
gerinne
nicht zu
text.

Carolin Callies

17.06.2019 19:41
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Zum Beispiel

Die eine Kachel war knallgrün. Das ließ sich nicht ändern.
Sie war es, ist es, so ist es. Wenn sie noch ist.

Daran läßt sich nichts ändern. Eingesetzt sitzt sie fest.
Unzureichend gebilligt. Wirkt an erträglich vorbei.

Es bedarf einer Zutat, einer gewissen Dosis von Absehn,
Vorbeisehn an ihr, im Wissen, da sitzt sie.

Dessen bedurfte es wohl. Spürbarer Duldung sozusagen,
bei aber nicht verminderter Aufmerksamkeit.

Ein Knall ist ein Phänomen. Denke: Knall.

Elke Erb

19.06.2019 13:52
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der Raum, das Bild

ich suche dich

bleibt offen stehn
lass dein Auge
fallen

Anja Bayer

editiert am 21.06.2019 07:55 Beitrag melden Zitatantwort
19.06.2019 14:39
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gedanken zerren

wenn die moleküle flimme
rn in den zellen die meine ge
danken machen sollen wenn
zwischen synapsen kurzschl
üsse funken flackern machen
wenn die gedanken sich im chaos
zerren durch meine bahnen
um vielleicht zu wort
en zu werden wenn die
moleküle flimmern u geda
nken zerren machen wenn
ich mit zerrungen geplagt bin
u für mich wort e finde we
nn die moleküle flimmern zw
ischen synapsen kurzsch
lüsse funken flackern mach
u durch bahnen keine wo
rte durchdringen die ich spre
chen kann.

özgül dünder


editiert am 19.06.2019 14:47 Beitrag melden Zitatantwort
21.06.2019 07:50
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freiheit I - es wird als gegeben angesehen

es wird als gegeben angesehen
dass die menschliche rasse zugrunde gehen wird

dass sie in kürze in einer flut versinkt
oder verbrennt mit haut und haar

und wir sind gehalten
das gas herunterzudrehen

wir die wir an das feuer glauben
und es uns zunutze gemacht haben uns zu erheben

aufwärts stets höher und höher
wir die uns nichts auf der erde hielt

außer der anziehungskraft
wir die wir frei waren von zwang

frei von den gespenstern des kaltes kriegs
frei vom glauben an die gemeinschaft der heiligen

frei von allem außer dem geheul des ausgesetzten kindes
im rauen nordostwind außerhalb des gartens

Linda Vilhjálmsdóttir

22.06.2019 12:04
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Die alten Bäume rauschen

Die alten Bäume rauschen
Bewegt vom Abendwind
Noch einmal will ich lauschen
Wie einst ich that als Kind.
Es säuseln leis die Wipfel,
Was flüstern sie sich zu?
Und wieder steh'n die Gipfel
In hoheitvoller Ruh.

Der Heimat alte Bäume,
Ich kannte sie als Kind;
Sie schüttelten mir Träume
Herab im Abendwind.
Ein süßes Glück hob leise
Die kleine junge Brust —
Was willst du Wunderweise?
So frug ich unbewußt.

Dann schwoll zum Strom das Leben,
Es rauscht' an mich heran —
Erst war's ein sanftes Schweben
Auf sonnbeglänzter Bahn;
Dann schaut' ich auch hinunter
In seinen dunkeln Grund,
Drin ging ein Stern mir unter —
Es ward das Herz mir wund.

Und heut' nach Jahren wieder
Im Thal zu kurzer Rast,
Da schau'n die Bäume nieder
Auf einen müden Gast;
Ich stehe still und sinne
Ob meines Lebens Traum —
Jawohl, nun wird mir's inne:
Bill auch ein alter Baum.

Die alten Bäume rauschen
Bewegt vom Abendwind —
Magst meinem Lied nun lauschen
Du, junges Menschenkind?
Es flüstern leis die Wipfel
Ein tiefes Leid sich zu —
Doch um die höchsten Gipfel
Webt milde Abendruh'.

Marie Hunziker-Thommen.

22.06.2019 12:19
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Lebensinhalt

Der Liebe Glück, die Nacht des Leides
Ich hab' geseh'n, gekostet beides.
Ich hab' geglaubt, gehofft, gesungen,
Und blutend hat mein Herz gerungen
Ich hab' geirrt, ich kenn' die Reue —
Ich rafft' mich auf und fiel auf's neue,
Und all' mein Müh'n war oft vergebens
Es reift nur karg die Frucht des Lebens,
Der Wahrheit Bild blieb mir verhüllt,
Mein tiefstes Sehnen ungestillt.

Und über diesem Erdenwallen
Sind leis die Blätter abgefallen
Vom schönen grünen Lebensbaum —
Sein Welken kam im Schlaf, im Traum.
Nun steh' ich da an öden Borden,
Wo einsam schon der Pfad geworden,
Doch eines ist mir treu geblieben:
Ich kann die Menschen herzlich lieben,
Und in den Menschen Gott zugleich —
So ist mein Abend friedereich.

Marie Hunziker-Thommen.

28.06.2019 20:02
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wollen

im warmen sitzen
im gleißenden
lüsterlicht
niemals wunschlos
glücklich einer
schenkt uns noch
immer einen wunsch und
noch einen und mehr
und mehr und
wenn schon
auf der andern
seite der kugel
das licht
ausging

Verena Blecher

29.06.2019 09:56
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Wer sieht das Ich
Das gestern noch nicht war?
Wer ist sich nicht
Nach allem was geschah?
Und doch ist
Der Zweifel das Prinzip
und bleibt der Freund der Zeit
Und dem Mensch bleibt nichts
Übrig außer der Sinneinheit in
einer Welt aus Gedanken die
Welt und Leben sind

Und doch kennt man all die Worte
Die durch den Gedanken rennen
Um weiter zu bestehen in einer Welt
So unwirklich doch wundervoll
als alles was man denkt
Durch Fragen im Bewusstsein
Traum vom Wachsein trennt



editiert am 29.06.2019 10:44 Beitrag melden Zitatantwort
29.06.2019 23:10
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 13.06.2019 um 05:08:

Guten Morgen

Dieser Thread ist für die, die kein Englisch lesen können oder möchten,
so wie ich.
Darum bitte nur Dedichte in Deutschersprache Posten!

Mit Gedichten möchte ich etws sagen oder besser Aussagen und daß in meiner Muttersprache, schließlich sind wir ein Volk mit Dichtern und Denkern in der Vergangenheit und Zukunft.

Und hier soll ein kleiner Raum sein um sie sprechen zu lassen.

Danke

Euer hai8.



Hallo Hai8,
Dein Bedürfnis Gedichte in Deiner Muttersprache zu lesen kann ich nachvollziehen. Aber warum schreibst Du das dann nicht so im Thread Titel in deutscher Sprache? Denn "Lost and found" ist nicht gerade ein deutscher Titel

Von Anfang an waren die Gedichte in Gedichte - Lost and found international und in verschiedenen Sprachen.
Es schafft nur Verwirrung für die jenigen, die es seit 2010 gewohnt sind, dass der Thread Lost and found Gedichte aus allen möglichen Ländern und nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum beinhaltet und diese Threads auch als Sammlung betrachten, in der sie nachlesen und suchen können.

01) 04.03.2010- 19.08.2010
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
02) 19.08.2010-03.11.2010
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
03) 03.11.2010-13.03.2011
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
04) 14.03.2011- 07.07.2011
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
05) 07.07.2011-12.10.2011
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
06) 12.10.2011-18.02.2012
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
07) 03.11.2011-21.02.2012
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
08) 21.02.2012-04.06.2012
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
09) 04.06.2012-19.08.2012
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
10) 20.08.2012-02.11.2012
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
11) 02.11.2012-31.01.2013
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
12) 31.01.2013-09.04.2013
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
13) 09.04.2013-25.05.2013
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
14) 25.05.2013-02.07.2013
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
15) 02.07.2013-05.09.2013
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
16) 06.09.2013-21.11.2013
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
17) 21.11.2013-20.02.2014
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
18) 20.02.2014-21.04.2014
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
19) 21.04.2014-15.06.2014
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
20) 17.06.2014-16.08.2014
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
21) 25.08.2014-17.10.2014
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
22) 17.10.2014-14.02.2015
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
23) 14.02.2015-26.12.2015
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
24) 03.01.2016-05.12.2017
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1
25) 05.12.2017-17.05.2019
https://de.lesarion.com/f [...] d=401138
26) 08.06.2019-
https://de.lesarion.com/f [...] ;block=1

Was das Volk der Dichter und Denker betrifft, es ist gibt und gab da kein deutschsprachiges Volk der Dichter und Denker und es ist noch nicht einmal zwingend die selbe oder die gleiche Kultur (gewesen).

Goethe und auch andere Dichter und Denker liesen sich von anderen Kulturen inspirieren und das ist genau das was einen Dichter und Denker wohl auszeichnet.

Beispiele zu Goethe:
Iphigenie auf Tauris Literarische Vorlage: Aischylos: Orestie, Euripides: Iphigenie bei den Taurern)
West-östlicher Divan (erschienen 1819, erweitert 1827) ist die umfangreichste Gedichtsammlung von Johann Wolfgang von Goethe. Sie wurde durch die Werke des persischen Dichters Hafis inspiriert. Durch die Aufnahme des Goethe-Schiller-Archivs der Klassik-Sammlung Weimar im Jahr 2001 ist Goethes Reinschrift des Werkes Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes
.......
https://de.wikipedia.org/ [...] er_Divan

Über Goethe und China
http://www.rotfuchs.net/r [...] ina.html

zum Abschluss noch Goethes
West-östlicher Divan
https://gutenberg.spiegel [...] n-3656/2

30.06.2019 10:34
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Guten Morge

@Corvuscorone , du hast recht. Es müsste Gedichte - gefunden heissen.

Danke für den Denk anstos.

Und zu Goethe und den anderen Dichtern, sie liesen sich von anderen Kulturen inspirieren Schrieben aber alles in Deutscher Schrieft um s einer breiten menge an Menschen zugänglich zu machen.

So sehe ich das.

30.06.2019 10:55
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Aus Johann Wolfgang von Goethe: West-östlicher Divan - Kapitel 3

Wink

Und doch haben sie recht, die ich schelte:
Denn, daß ein Wort nicht einfach gelte,
Das müßte sich wohl von selbst verstehn.
Das Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben
Blicken ein paar schöne Augen hervor,
Der Fächer ist nur ein lieblicher Flor,
Er verdeckt mir zwar das Gesicht,
Aber das Mädchen verbirgt er nicht,
Weil das Schönste, was sie besitzt,
Das Auge, mir ins Auge blitzt.

02.07.2019 21:02
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Danke für die vielen Links, Corvuscorone, mir war nicht klar dass es schon so viele „Gedichte lost and found“ Threads gab...

—-

das gegenteil von verführung

dieses dörren, ist das jetzt noch protest gegen den fortgang der zeit –
oder dieses unmerkliche wachstum trotz schlechter behandlung,
seit jahren hab ich den gammligen rest aus den tassen – will hier
einer noch kaffee – in die töpfe gekippt oder sie wurden wochenlang
gar nicht gegossen, lockere, holzige stängel in so etwas wie erde.
dass sie weiterhin wachsen oder so tun: sie parodieren das leben.
und in meinen rücken stemmen sie stumm ihre kippligen schwerter,
ausgehebelt beim transport von einem büro in das andre. sie lehnen
in ecken, betreiben tristesse und photosynthese. was eben noch
den prozessor kühlte, verbrauchen jetzt unsere achtstündigen lungen.
was ist denn das fürne pflanze? die hat heidrun mitgebracht, man hat
schon hunde ohne fell gezüchtet, hat man, aber pflanzen ohne blätter?
vor diese pflanze stell ich mich hin und sage in das surren der rechner:
"einst ruhe ich ewige zeit." und denke das draußen, ein wehen, zärtlich,
die blätter, die blätter, bewegt im verbund und unter ihres-irisgleichen,
und diese eine hässliche pflanze hier als erlösergestalt, sodass wir alle,
alle auferstehen in eine nicht mehr brauchbare zeit, in der wir nicht säen,
nicht ernten, nur ausharren im gegenteil von verführung. alle sagen:
morgen bringe ich torf mit. es kommt der morgen, keiner bringt torf mit.

Monika Rinck

19.07.2019 18:44
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Siebenmal mein Körper

Mein Körper ist ein schutzlos Ding,
wie gut, daß er mich hat.
Ich hülle ihn in Tuch und Garn
und mach ihn täglich satt.

Mein Körper hat es gut bei mir,
ich geb' ihm Brot und Wein.
Er kriegt von beidem nie genug,
und nachher muß er spein.

Mein Körper hält sich nicht an mich,
er tut, was ich nicht darf.
Ich wärme mich an Bild, Wort, Klang,
ihn machen Körper scharf.

Mein Körper macht nur, was er will,
macht Schmutz, Schweiß, Haar und Horn.
Ich wasche und beschneide ihn
von hinten und von vorn.

Mein Körper ist voll Unvernunft,
ist gierig, faul und geil.
Tagtäglich geht er mehr kaputt,
ich mach ihn wieder heil.

Mein Körper kennt nicht Maß noch Dank,
er tut mir manchmal weh.
Ich bring ihn trotzdem übern Berg
und fahr ihn an die See.

Mein Körper ist so unsozial.
Ich rede, er bleibt stumm.
Ich leb ein Leben lang für ihn.
Er bringt mich langsam um.

Robert Gernhardt

19.07.2019 22:43
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Freilich können Langsame auch

schnell sein, Schwung nehmen,
tun ja nichts anderes all die Zeit, als
ihre Karrenochsenfasern auf!!
zu wiegeln,
und wenn dann der feste Körper des Denkens
& Fühlens, der gedrungene ihrer
langsam gewonnenen Ansicht
ihnen hochfliegt, das nenne ich aberschnell,
schnellend schnell, hellauf schnell,
an Schwirrkraft
fehlt nichts, und Sorgfalt ist gar
kein Wort für ihr vorher
unerbittliches Vor-
bereiten, Anwachsenlassen, bis
die Nötigung reift,
also Beachten, also Genügen den
stehenden Umständen, - also deren
getreues Abbild, und
keinen Widerspruch duldend
(weil nicht einmal einen erwartend),
das Tempo der Langsamen ist,
in syntaktischem Doppelsinn, nämlich so oder so,
freilich niemals so schnell, wie die Schnellen,
die gleichsam ja kaum
daß sie und – schwupp! – schon wieder
verschwunden sind und während noch
x-mal schon wieder – geschwind, in derart winzigen
Intervallen Winzigsteln flügelig wie schon
Luftteilchen nur noch, - auch
imposant das!

Elke Erb


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