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14.08.2005 21:13
HiddenNickname
.....
das finde ich mal interessant!
Quelle:
http://www.abendblatt.de/ [...] 136.html
Zitat
Glück: Sieben Faktoren, die Lebensfreude bestimmen
"Es küßt dich rasch und flattert fort", dichtete Heinrich Heine über das Glück. Heute wissen wir, daß wir es selbst beeinflussen können. Aber ohne Gemeinwohl gibt es kein privates Glück, sagt der Ökonom Richard Layard
Von Heike Gätjen
Was für ein wunderbarer Zustand! Die Seele gerät in Schwingungen, das Leben erscheint leicht und luftig wie in der Sonne tanzende Schmetterlinge. Das Glück ist da. Einmal im Jahr glaubt fast jeder, es ganz sicher in der Hand zu halten. Für zwei oder drei Wochen. Im Urlaub, "der populärsten Form des Glücks", so der Hamburger Freizeitforscher Horst W. Opaschowski. Jetzt ist er vorbei - der Urlaub zumindest. Die Ferien in Hamburg und einigen anderen Bundesländern sind zu Ende. Der Alltag kehrt zurück.
Und das Glück? Läßt es sich so einfach mitnehmen? Konserviert in Fotos, ein bißchen Strandsand in den Schuhen, Meeresrauschen im Ohr. Schönen Erinnerungen. Jederzeit abrufbar. Oder verschwindet es einfach wieder, unter Rechnungen, Routine, Stress und Hektik?
Es ist schon ein schwieriges Ding, dieses Glück. Es richtet sich nicht nach unseren Erwartungen, paßt sich keinen Forderungen an, läßt sich nicht planen oder vorhersagen. Und schon gar nicht erzwingen oder festhalten. "Weil es keine feststehende Größe ist, es dafür keinen allgemeingültigen Bewertungsmaßstab gibt", sagen die beiden Sozialwissenschaftler Alfred Bellebaum und Hans Braun in ihrem Werk "Quellen des Glücks - Glück als Lebenskunst".
Glück, das kann genauso gut der Traumurlaub unter Palmen in der Südsee sein wie die Blumenwiese vor der Haustür. Die Currywurst am Kiosk oder das Gourmetmenü im Drei-Sterne-Restaurant. Eine heiße Liebesnacht oder eine zärtliche Umarmung beim Spazierengehen. Am nächsten Tag kann alles wieder anders sein. Der Glücksauslöser von gestern kann morgen schon wieder passé sein. Das Glück ist eben eine "launische, kapriziöse und etwas wankelmütige Dame", so der Soziologe Hans-Georg Soeffner. "Es küßt dich rasch und flattert fort", dichtete Heinrich Heine. Und deswegen ist es so begehrenswert und Ziel menschlicher Sehnsüchte. Ein Dauerthema.
Die Amerikaner hielten das Streben nach Glück denn auch für eines der unverzichtbaren Menschenrechte und verankerten es am 4. Juli 1776 in ihrer Unabhängigkeitserklärung. Für den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer war es kurz danach aber schon ein "angeborener Irrtum, daß wir da sind, um glücklich zu sein". Irgendwo dazwischen muß es also liegen, das Glück.
Neurologen haben es geortet. Es liegt in der linken Hirnhälfte, wo es zu gesteigerten Aktivitäten und vermehrter Ausschüttung der Botenstoffe Serotonin und Dopamin führt. Neurologen schreiben die Tendenz zum Glücklichsein den Genen zu. Es gebe Menschen, so sagen sie nicht ganz unumstritten, die einfach besser in der Lage seien, positive Empfindungen und jenen Kick zu spüren, der sich entgegen aller Erwartungen nicht in einen Dauerzustand manifestieren läßt.
Soziologen und Psychologen, die heute unter dem trendigen Begriff Glücksforscher auftreten, reicht diese Erkenntnis nicht. Sie wollen weltweit wissen, was solche biochemischen Vorgänge auslöst. Der niederländische Soziologe Ruut Veenhoven hat sogar eine World Database of Happinessentwickelt, eine Hitliste des Glücks anhand von Untersuchungen in 76 Nationen.
Das Ergebnis ist erstaunlich: Die Skala des Glücks hat sich in den letzten fünfzig Jahren in Gesellschaften, in denen die größte materielle Not überwunden ist, verschoben. Nicht steigender Wohlstand macht die Menschen glücklicher. Das Glücksgefühl hat mit den Einkommenssteigerungen der letzten Jahrzehnte nicht Schritt gehalten. Es hinkt einfach hinterher. Das hat jetzt auch die Wirtschaftswissenschaftler auf den Plan gerufen.
Der britische Ökonom Richard Layard ist einer von ihnen. Er hat den entscheidenden Grund für das wachsende Unbehagen, die Tendenz zum großen allgemeinen Jammern gefunden. Das eigene, ganz private Glück sei einfach zu stark vom sozialen Umfeld abhängig. Und das, so sagt er in seinem vielbeachteten Buch "Die glückliche Gesellschaft", sei eine echte Herausforderung für Wirtschaft und Politik in den nächsten Jahrzehnten. Er fordert einen radikalen Kurswechsel in der Politik und zugleich ein Umdenken des einzelnen innerhalb der Gesellschaft.
Das hört sich nüchtern an, weit entfernt von Seelenheil und Schmetterlingsflügeln. Doch Layard versucht es zu erklären. Sozialneid ist für ihn einer der stärksten Wurzeln allen Übels und der Grund dafür, daß es in der modernen Leistungsgesellschaft nicht so recht klappt mit dem Glück: "Du bist nur zufrieden mit deinem Haus, deinem Auto, deinem Einkommen, solange du unter Freunden, Nachbarn, Kollegen nicht zu weit zurückstehst." Das Glücksempfinden - so eine Studie in den USA - nimmt um ein Drittel mehr ab, wenn auch jeder andere ein Prozent Lohnsteigerung erhält, als es zunehmen würde, wenn der Betroffene als Einziger eine Gehaltserhöhung von einem Prozent bekäme. Dasselbe gilt für den eigentlich ganz komfortablen Gebrauchtwagen, wenn alle Nachbarn plötzlich einen schnellen Flitzer fahren. Oder den Traumurlaub auf dem Balkon, wenn alle Freunde in die Karibik reisen. Oder das sichere Sparbuch, wenn um einen herum der Konsumrausch wütet. Es ist wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau, in dem die Ilsebill immer mehr und weiter will und doch nicht glücklich wird und auch ihren an sich zufriedenen Mann mit jedem neuen Wunsch ins Unglück stürzt.
Nichts Neues also, könnte man meinen, und doch: für Richard Layard steht fest, daß "wir nicht glücklich sein können, ohne ein Ziel zu haben, daß außerhalb unseres Selbst liegt". Das Ideal vom größtmöglichen Glück für alle sei nicht möglich ohne ein Nachdenken darüber, wie die Gesellschaft in Zukunft aussehen soll. Sieben Glücksfaktoren gibt es für ihn, die dringend einer politischen und wirtschaftlichen Überarbeitung bedürfen:
# familiäre Beziehungen
# finanzielle Lage
# Arbeit
# soziales Umfeld
# Gesundheit
# persönliche Freiheit und
# eine Lebensphilosophie, die das Gemeinwohl über Eigeninteresse und Leistungsdruck stellt.
Studien haben gezeigt, daß Menschen, die sich mehr um das Wohlbefinden anderer kümmern, auch glücklicher mit sich selber sind.
Eine glückliche Gesellschaft also als Basis für das persönliche Glück - oder nur eine schöne Utopie? Der britische Entwicklungspsychologe Dylan Evans sieht sogar eine Gefahr. Für ihn wären dauerhaftes Glück und Zufriedenheit das Ende der menschlichen Spezies. Um erfolgreich zu überleben, sagt er in "Time", sei es für eine Gesellschaft lebensnotwendig, unglücklich zu sein. Eine provokante These.
Es ist eben wirklich nicht einfach mit dem Glück. Den von außen geschaffenen glückseligen Dauerzustand zu erhoffen und die Verantwortung für das eigene Glück auf andere abzuwälzen macht nicht empfänglicher. Die wichtigste Übung auf der Suche nach dem Glück, schreibt Stefan Klein in seinem Buch "Die Glücksformel", sei die, sich selbst kennenzulernen. Das bedeute, innezuhalten, die Erwartungshaltung ein bißchen herunterzuschrauben, sich dem Teufelskreis von Begehren und Belohnung zu entziehen und das Glück nicht für einen einklagbaren Besitzstand zu halten. Sondern für einen wunderbaren, wohligen, ganz persönlichen Ausnahmezustand der Seele.
erschienen am 13. August 2005
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