|
|
Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadGysi - Das Leben der anderen
19.01.2007 15:17
HiddenNickname
0 Im Auftrag – für oder gegen? Gerade erreichte uns die Nachricht, dass die DVD des Stasi-Dramas „Das Leben der Anderen“ gestoppt wurde. Jedenfalls die ursprüngliche Ausgabe, die seit 16. November 2006 zu erhalten war. Was ist passiert? Geht es doch um einen preisgekrönten Film, der vom Publikum und Kritikern einmütig geschätzt wird (was selten genug ist) und auch international sehr beachtet worden ist – warum sollte dieser also vom Markt? Die Nachrichtenagentur dpa meldet, dass ein Rechtsstreit den Auslieferstopp bewirkte. Weil es gar nicht um den Film geht, sondern um den Audiokommentar. Weil Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck es nicht beim Film belassen konnte, sondern noch die angeblichen Stasi-Tätigkeiten von Gregor Gysi und der inzwischen verstorbenen Schauspielerin Jenny Gröllmann ansprach, obwohl sich beide in juristischen Verfahren erfolgreich gegen diese Vorwürfe gewehrt hatten. Weil „Das Leben der Anderen“ von Anfang an mehr sein musste als ein Film. Als Ulrich Mühe im Oktober 2005 ein Interview – für das Buch zum Film – gab, bezichtigte er seine frühere Frau Jenny Gröllmann für die Stasi gearbeitet zu haben (wir berichteten). Und plötzlich wirkte es so, als ließe sich aus einem Schauspiel ohne Weiteres auch eine Dokumentation machen. Florian Henckel von Donnersmarck, der das Buch vorbereitete und sein Darsteller Mühe – diesen beiden Protagonisten muss die Brisanz der Aussage klar gewesen sein. Und sie haben sich trotzdem oder gerade deswegen für die Provokation entschieden. Bis hierhin konnten ihnen viele Beobachter möglicherweise noch folgen. Bis hierhin wirkte es noch so, als ginge es um das Recht. Aber von da wandelte sich die Herausforderung zur Kampfansage, die auch noch nach dem Tod Jenny Gröllmanns verlautbart wurde. Erst am vergangenen Freitag verbreitete eine Public Relation Agentur eine Erklärung – im Auftrag Mühes: Darin äußert er sein Unverständnis nicht mehr „unbehelligt und unbedroht das äußern zu können, was die Birthler-Behörde eindeutig und klar bestätigt hat.“ Deshalb wolle er seine Zeit „nicht länger damit verbringen, diesen ungeheuerlichen Vorgängen in meinem Leben Raum zu geben, denn es ist sinnlos.“ Da wirkte die Auseinandersetzung schon längst nur noch so, als ginge es um Rechthaberei. Es mag dem Film im Vorfeld genutzt haben. Mit Sicherheit hat es ihm aber auch geschadet: Allein in meinem Umfeld gibt es sechs Menschen, die dadurch das Interesse am „Leben der Anderen“ verloren. Immerhin fünf von ihnen wollen sich in Zukunft keine Mühe-Filme mehr anschauen. Alles Menschen, die sich für die Stasi-Aufarbeitung interessieren. Sie glauben den anderen, dass der Film einen „Golden Globe“, für den er ja nominiert war, verkraftet hätte – aber hätten das auch seine Haupt-„Darsteller“? IA, so fingen damals im Osten Berliner Autokennzeichen an. Im Volk machte die Behauptung die Runde, IA seien Autos der Staatssicherheit und ihrer Zuträger. Schon stand die Abkürzung IA für „Im Auftrag“. Normalerweise sind Menschen „im Auftrag für“ etwas unterwegs. Damals – und leider schon wieder – sind sie es „im Auftrag gegen“. P.S. Übrigens, die DVD ist weiterhin erhältlich. Die Auslieferung mit den strittigen Passagen soll bereits vor dem Jahreswechsel gestoppt und der Kommentar entsprechend geändert worden sein. In einvernehmlicher Absprache mit dem Regisseur. Am Dienstag werden die Nominierungen für den Oscar bekannt gegeben. Die Macher des Films hoffen auf gute Nachrichten. Verfasst am 17.01.07, 19:59 Uhr
0
![]() |
|