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26.01.2007 20:14
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0 "Was soll ich mich zu Hause langweilen" Marlies Emmerich Hektik auf dem Betriebshof der Berliner Stadtreinigung (BSR) an der Friedrichshainer Mühlenstraße: Es ist fünf Uhr. Fahrer und Hilfskräfte müssen schnell zu ihren Einsatzgebieten, weil es erstmals in diesem Jahr geschneit hat. Die Erwerbslosen Peter M. und Ingo S. sollen in Mitte rund um die Mollstraße, die Landsberger Allee und rund um das Prenzlauer Tor Kreuzungen schneefrei räumen und Kies streuen. Die Männer tun dies gern, sie sind als sogenannte Schnee-Winter-Kräfte (SWK) schon im Herbst vom Jobcenter ausgesucht worden. Je 54 Euro gibt es für die Tour bis 13 Uhr bar auf die Hand. Peter M. bezeichnet sich als Nachtmensch. Deshalb war er morgens um zwei noch wach. Und beim Blick aus dem Fenster ist ihm der unerwartete Schneefall aufgefallen. "Ich gehe erst zum Einsatz los, wenn es schneit", sagt er. Die Männer sind trotz der frühen Stunde ausgesprochen gut gelaunt. "Was soll ich zu Hause sitzen und Fernsehen schauen", sagt Peter M. Der 42-jährige gelernte Elektriker, seit mittlerweile sieben Jahren ohne festen Job, fühlt sich nicht ausgelastet, langweilt sich meistens. Er geht zum Wintereinsatz aber auch wegen des Geldes. Bis zu drei Tagesverdienste werden nämlich nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Der Kreuzberger hat schon vor einem Jahr mehrmals bei der BSR als SWK-Kraft gejobbt, weiß also, was zu machen ist. Ob die Tätigkeit eigentlich Spaß mache? "Teils, teils", antwortet er. Der 49-jährige Ingo S., seit vier Jahren arbeitslos, ist ebenfalls vor allem wegen des zusätzlichen Salärs gekommen. "Die Arbeit ist kein Problem, ich kann etwas tun", ist er sich mit dem ihm bisher unbekannten Peter M. einig. Allerdings denkt der ehemalige Gartenarbeiter Ingo S. viel lieber an seine Ein-Euro-Stelle als Hausmeister in einer Schule zurück: "Das war ganz schön." Die Stelle allerdings ist vor Monaten nicht verlängert worden. Beim ersten Halt an der Kreuzung Moll-/Otto-Braun-Straße braucht das Team - neben den Erwerbslosen noch zwei langjährige BSR-Mitarbeiter - eine Viertelstunde, um die Überwege zu säubern. "Das geht hier schnell, nur noch ein wenig Pulverschnee", sagt Peter M. fachmännisch. Im ganzen Gebiet müssen etwa 30 Kreuzungen bis mittags fertig sein. Viel gesprochen wird beim Einsatz nicht. Aber dass in großen Teilen Bayerns und Österreichs der Schnee ein Meter hoch liegt, muss dann doch mal gesagt werden. Und mit Blick auf die Prognosen für Berlin glaubt Ingo S.: "Morgen melden sich mehr Leute bei der BSR. Mit dem Schneefall heute hat wahrscheinlich kaum einer gerechnet." Neben den beiden Männern waren nur zwei andere Erwerbslose in die Mühlenstraße gekommen. Berliner Zeitung, 26.01.2007
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