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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Thread

Kurzgeschichte von mir

24.10.2008 02:22
HiddenNickname
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Hallo Ihr Lieben,

ich habe mich langer Zeit mal wieder an den PC gesetzt und was geschrieben und würde mich generell über Eure Meinungen und konstruktive Kritik freuen. Die Inspiration kam vom Pennergame. Kennt ja sicherlich der ein oder andere von Euch.

Here we go:

Pennerleben

„Jessica, Dein Vater und ich haben Dir was zu sagen!“ Jess schaute erwartungsvoll, denn schließlich war heute ihr 18. Geburtstag, allerdings wusste sie auch, dass sie von ihren Eltern nicht viel zu erwarten brauchte. „Da heute Dein 18.Geburtstag ist, haben wir etwas für Dich!“ Ihre Mutter drückte ihr einen Umschlag in die Hand, Jess fing an zu zittern und öffnete diesen langsam. Sie fand darin 5000€. „Da Du nun volljährig bist und Dein eigenes Leben leben kannst und auch willst, haben wir Dir etwas Startkapital in den Umschlag gepackt. Agathe hat bereits Deine Habseligkeiten zusammen gepackt. Fürs erste wirst Du sicherlich bei deinen verkommenen Freunden unterkommen können. Sobald Du eine Wohnung hast, holst Du alles andere ab. Und nun verschwinde, wir können Dich nicht mehr ertragen!“

Jess war äußerst schockiert, sie hatte mit allem gerechnet, aber damit? Sie war es gewohnt, von ihren Eltern schlecht behandelt zu werden, sie war es auch gewohnt, keine Gefühle zu zeigen. So auch dieses mal. Nur, weil sie anders war. Anders in den Augen ihrer Eltern. Jess war durchaus intelligent, ,sie brachte gute Noten nach Hause und machte so gut, wie keinen Ärger. Außer dieses eine mal, als sie sich ein Nasen und ein Unterlippenpiercing verpassen hat lassen und dadurch die Unterschrift der Eltern gefälscht hatte. Mit 14 hatte sie festgestellt, dass sie lesbisch ist. Sie outete sich bei ihren Eltern, was ein reines Desaster war. Sie liebte die Musik der „Böhsen Onkelz“, ihre Eltern unterstellten ihr, sie sei ein Nazi… Und dies sind nur einige der vielen Dinge, die Jess in den Augen ihrer Eltern, zu einem abscheulichen Menschen machte. Ein „lesbischer Nazi“…

Jess ging in den Flur und packte ihre Sachen zusammen und verließ schweigend und ohne sich umzudrehen, das Haus. Dieses eine mal hatte sie Tränen in den Augen und das sollte nicht das letzte mal gewesen sein. Sie flüchtete zu ihrer Freundin, bei der sie erst mal eine Weile unterkommen konnte. Aber auch schon nach kurzer Zeit, war das Geld weg und die Freundschaft kaputt. Sie stellte zum ersten mal fest, dass alle nur an ihrer Freundschaft interessiert waren, solange sie noch Geld hatte. Jess packte mal wieder all ihre Habseligkeiten zusammen und verschwand. Aber was tun,? Sie stand vor den Scherben ihres Lebens und 3 Taschen mit Gepäck. Zu aller erst musste Geld in die Kasse kommen. Jess schlief an Bahnhöfen und unter Brücken. Sie streunte an der Domplatte rum und schnorrte sich ein Abendessen und ein paar Zigaretten zusammen. Immer darauf bedacht, dass sie niemand erkannte und schon gar nicht ihre Eltern. Ihr Handy funktionierte nicht mehr und das einzige was sie noch hatte, war ihr MP3 Player, auf denen sie wenigstens noch Musik hören konnte. Und das war schon purer Luxus. Sie schnorrte sich Batterien zusammen und verzichtete lieber auf ein Essen. Denn die Musik, war das einzige was ihr noch Kraft gab….

Sie fasste sich ein Herz und plante ein Konzept. Das Leben auf der Straße war verdammt gefährlich für so ein junges Mädchen und das schnorren allein reichte nicht aus. Jess fing an sich bessere Plätze zum schnorren zu suchen und sie fing an in Mülltonnen zu wühlen oder in S Bahnen zu schauen, ob jemand seine Pfandflaschen dort gelassen hatte. Sie hatte nach kurzer Zeit genug Geld um sich 2 Mahlzeiten am Tag zu leisten, Batterien für ihre Musik und hin und wieder Zigaretten. Duschen konnte sie auch, somit bekam sie immer mehr und mehr Spenden. Jess begann zu sparen. Aber dies war verdammt hart. Denn die anderen Menschen auf der Straße, die den Tag damit verbrachten sich die Birne mit Alkohol und Drogen zuzudröhnen und schnorrten, wurden langsam aber sicher eifersüchtig und neidisch. Jess war nirgends mehr sicher, ständig wurde sie überfallen und verlor ihr gespartes Geld wieder und hatte die ein oder andere schwerwiegende Verletzung. Sie dachte nach, sie schlief nur noch in Ecken Kölns, die keiner kannte und besorgte sich verschiedene Waffen. Mittlerweile war sie gewappnet, aber ihr fehlte die Wärme und Geborgenheit eines Menschen, an den sie sich wenigstens mal 5 Minuten anlehnen konnte und einfach Mensch sein konnte. Da passierte es ihr eines Abends, dass ihr ein Hund zulief. Er legte sich zu ihr, schaute sie mit seinen treuen Augen an und Jess beschloss, dass sie ihn behalten würde. Sie kaufte Futter und eine Leine, die sie nicht brauchte, denn „Stinker“ blieb treu an ihrer Seite. So kam es, dass sie sich wieder in andere Ecken trauen konnte, denn Stinker bewachte Jess wie seinen Augapfel und biss zu, wenn sie in Gefahr kam. Jess konnte sich mittlerweile ein Schließfach am Bahnhof leisten und konnte somit ihr Geld wegschließen. Wenn sie denn mal wieder überfallen würde, würde man ihr nur noch kleine Beträge wegnehmen können. Sie kaufte sich ein Zelt und einen Schlafsack und einen kleinen Gaskocher, an dem sie sich und ihre Mahlzeiten erwärmen konnte. Jess fing wieder an zu leben. Sie wurde mutiger im Umgang mit fremden Leuten und stellte sich nun sogar hin und machte ihren MP3 Player an und sang die Lieder lauthals mit und legte eine super Performance hin. Was ihr alles noch viel mehr Geld einbrachte. Jess bunkerte alles schön und holte sich nur ein paar Euro am Tag ab, denn aus dem reichen Girly Jess war ein Überlebungskünstler geworden. Sie stand früh auf, sammelte den ganzen Tag über Flaschen und schaute zu den Spitzenzeiten am Bahnhof vorbei und schnorrte sich dort ihr Geld zusammen. Immer wieder auf der Flucht vor der Polizei und dem Ordnungsamt. Aber sie hatte ihre Tricks und wusste sich zu helfen. Eines Tages ging sie zur Bank um ihre ganzen Münzen zählen zu lassen und das in Scheine umzutauschen. Sie staunte nicht schlecht, dass sie nach ein paar Monaten schon weit über 10.000€ zusammen hatte. „Nur nicht abheben, Du brauchst das Geld!“ Sie ging ihrem Trott Stunde um Stunde, Tag für Tag, Monat um Monat und Jahre um Jahre nacht. Zwischenzeitlich hatte sie es in eine Wohnung in der Kiefernstraße in Düsseldorf geschafft. Eine alte Besetzungsgegend, wo sie monatlich 200€ an Warmmiete zahlte und hatte somit schon ein warmes Dach über dem Kopf. Aber sie hatte Gefallen an dem Leben gefunden und mittlerweile auch ihre große Liebe gefunden. Sie sparte eisern, damit sie sich und ihrer Frau eines Tages eine schöne Wohnung leisten konnte, die sie ihr eigen nennen konnte… Und dieser Tag kam nach rund 20 Jahren… Sie hatte mittlerweile einen festen Job und konnte sich und ihrer großen Liebe Marie eine Eigentumswohnung kaufen.

Nach 20 Jahren hatte Jess nur noch einen Gedanken: Sie wollte sich bei Ihren Eltern bedanken, dass sie so einen wunderbaren Menschen aus ihr gemacht hatten… Sie rief sie an:“Hallo Mutter, hallo Vater!“ Ihre Eltern waren schockiert, dass sie nach über 20 Jahren ein Lebenszeichen ihrer damals so verhassten Tochter erhielten. Ihre Mutter zeigte das erste mal in ihrem Leben Gefühle und weinte bitterlich: „Jessica es tut uns so leid, was wir damals mit Dir gemacht haben, Dein Vater liegt im sterben, er hat einen Gehirntumor und es tut uns so leid!“ Jess antwortete daraufhin nur schroff: „Vater, es tut mir leid, dass Dich Dein ganzes scheiß Geld vor dieser Krankheit nicht retten konnte, aber es tut mir nicht leid, dass Du bald sterben wirst. Mutter, Du weinst und es tut Dir leid? Warum habt Ihr nicht versucht mich zu finden? Aber auch das ist mir jetzt egal, denn Eure Aktion hat mir bewiesen, dass ich ein verdammt starker Mensch bin, ich habe alles erreicht, was ich bis jetzt erreichen wollte und ich bin ein glücklicher lesbischer Nazi!“ „Aber Kind, wir wussten doch nicht, wie wir damit umgehen sollten, wir haben viel nachgelesen und wissen nun, dass die „Böhsen Onkelz“ nicht so schlimm sind und das lesbisch sein keine Krankheit ist….“ „Mutter sei still, ich will Euch nur noch eins sagen: IHR SOLLT DEN TAG NICHT VOR DEM ABEND LOBEN!!!!“ und Jess legte, zufrieden mit sich und der Welt den Hörer auf….



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25.10.2008 02:20
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