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Laterne im Schneesturm Teil 3

Opheliana
HiddenNickname
offline
16.10.2006 10:30
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„Ich habe Dich schon erwartet!“ sagte Stephen mehr gereizt als erfreut, als er die Tür öffnete.
Lässig trat er ein und ließ sich seinen Mantel von Stephens Frau Claudia, abnehmen.
„Schön Dich zu sehen Benjamin!“ sagte sie und spannte seinen Mantel über einen Kleiderbügel.
„Wir geht es Dir?“ fragte er höflich
„Sei so nett und hol unseren Gast einen Drink, ja?“ unterbrach Stephen sie und seine Mimik zeigte deutlich, das er es wünschte in der nächsten halben Stunde nicht gestört zu werden.
Claudia, die diesen Wink verstanden hatte, fragte: „Wie immer ohne Eis?“
„Ohne Eis!“ gab er charmant lächelnd zurück.
Claudia lächelte freundlich, bevor sie das Zimmer verließ, doch den Blick den sie ihn zuwarf, als sie sich noch einmal umdrehte, war schon beinahe anrüchig zu nennen.
Stephen, der vorgab dies nicht bemerkt zu haben, deutete auf die weiße Ledercouch. „Setz Dich!“ sagte er unwirsch. „Wenn ich das am Telefon heute Morgen also richtig verstanden habe, dann hast Du es geschafft, Julie wieder um den Finger zu wickeln?“
„Allerdings!“ antwortete er und lehnte sich entspannt zurück. „Ich weiß gar nicht, warum Du Dir solche Sorgen gemacht hast, denn das hatte ich vor fünf Wochen auch schon!“
„Weil Frauen unberechenbar sind, deswegen! Und wenn Du nicht so dumm gewesen wärst und Dich erwischen lassen hättest, dann wären wir in unserem Plan schon längst dort, wo wie sein sollten!“ fuhr Stephen ihn an, während er sich wütend durch seine graumelierten Haare fuhr.
Beschwichtigend antwortete er: „Ich weiß, dass wir dadurch Zeit verloren haben, aber es wird ein leichtes sein, sie wieder so weit zu kriegen!“
„Macht Jennifer Schwierigkeiten?“ Beunruhigt lief Stephen auf und ab, während er sich eine Zigarette anzündete.
Nonchalant schlug Benjamin die Beine übereinander. „Wie gesagt, ich habe alles im Griff!“

„Wie viel Zeit bleibt uns noch?“ fragte er und zog nervös an seiner Zigarette.
„Knapp 3 Monate!“
Drohend sah Stephen ihn an, während er plötzlich stehen blieb und sich zu ihm nach vorne beugte. „Dann sorg dafür, dass die Sache wie geplant läuft und wir beide ersparen uns eine Menge Ärger!“ Die letzten Worte waren nur ein gefährliches Zischen.
Unerschrocken blickte er Stephen in die Augen. „Du kannst Dich auf mich verlassen!“
Zufrieden richtete Stephen sich wieder auf und inhalierte sichtlich entspannter den Zigarettenrauch ein. „Verdammt Claudia, wo bleiben die Getränke?“ rief er lautstark, bevor er sich diabolisch grinsend neben ihm aufs Sofa setzte.

Winkend stand Julie auf dem kleinen Parkplatz neben dem Restaurant
und sah wie das Auto mit einem aufflackernden Licht hinter der Kurve verschwand. Zitternd drehte sie sich um, denn draußen war es frostig kalt geworden, so kalt, das sie das Gefühl hatte, das sogar der Schnee sich nicht zu fallen traute, da er wahrscheinlich sofort zu Hagel gefrieren würde.
„Selbst für den Schnee ist es zu kalt!“ hörte sie es hinter sich leise fluchen.
Neugierig drehte sich um und sah wie Georgina fröstelnd zu ihrem Auto stapfte.
„Genau dasselbe habe ich eben auch gedacht!“ rief sie ihr lachend zu, die daraufhin erschrocken stehen blieb und verwundert zu ihr rüberblickte.
„Ich dachte, Sie sind schon längst weg!“ sagte sie, während sie langsam auf sie zukam.
„Ich dachte, ich warte im Auto auf Sie und frage ob alles O.K ist, da sie verdächtig lange auf der Toilette verschwunden waren!“
Stöhnend lachte sie auf und hielt sich die Hand vor dem Magen.
„Wenn ich Ihnen jetzt verrate, das ich kein Französisch kann und daher auch keine Ahnung hatte, was „Les nouilles avec le goulasch de viande de veau » war, dann stehe ich sicher als Trottel dar!“
„Nein!“ sagte sie amüsiert schmunzelnd. „Sondern als Heldin, da sie trotzdem alles aufgegessen haben!“
„Wofür ich auch die Rechnung bekommen habe!“ grinste sie gequält.
Besorgt sah sie sie an. „Soll ich Sie nach Hause fahren und Ihnen für heute Nacht noch was verschreiben?“
„Machen Sie sich nicht lächerlich!“ wehrte sie ihren Vorschlag ab. „Mir geht es gut!“ beteuerte sie, doch jetzt wo Julie genauer hinsah, sah sie, das Georgina ziemlich blass aussah. Entschlossen hakte sie sich bei ihr ein. „Keine Widerrede!“ sagte sie zu Georgina, die für einen Moment versuchte ihren Arm abzuschütteln, sich dann aber resigniert von ihr zum Auto führen ließ. Nachdem sie eingestiegen und schweigend eine kleine Weile gefahren waren, sagte Georgina, nachdem sie die ganze Zeit erschöpft mit geschlossenen Augen dagesessen hatte.
„Ich weiß, dass es ziemlich dumm war, trotz Glutenunverträglichkeit,
den Teller leer zu essen, doch in dem Moment, wollte ich mir einfach keine Blöße geben!“
„Und das, nachdem ich den ganzen Abend nur Wasser getrunken habe!“ gab sie schmollend zurück, lächelte sie dann aber verschmitzt an.
Sie schluckte, da sie nicht wusste, was er darauf erwidern sollte.
„Es tut mir leid, dass ich gestern so unhöflich zu Ihnen war!“ war alles was Georgina herausbrachte.

Als Julie die Tür zur ihrer Wohnung aufschloss, hörte sie, dass leise Musik aus den Badezimmer drang und das Rauschen von Wasser.
„Benjamin?“ rief sie vorsichtig, während sie sich die Schuhe von den Füßen streifte.
„Im Bad Liebling!“ vernahm sie gutgelaunt seine Stimme.
Sie zog Handschuhe und Mantel aus. „Ich wusste gar nicht, dass Du noch einen Wohnungsschlüssel von mir hast!“ sagte sie und wickelte sich den Schal vom Hals.
„Das habe ich auch nicht!“ sagte er, während er aus dem Bad und auf sie zukam. „Ich habe mir heute Morgen erlaubt, Deinen Ersatzschlüssel mitzunehmen, damit ich Dich heute Abend überraschen kann!“ sagte er und zog sie zu sich ran.
„Du weißt doch, dass ich solche Überraschungen nicht leiden kann!“ sagte sie und schob ihn ein Stückchen von sich weg.
„Diese hier wirst Du lieben!“ sagte er und nahm ihre Hand und zog sie ins Bad.
„Ich bin müde Benjamin!“ sagte sie, während sie ihm eher widerwillig folgte. Im Badezimmer angekommen, sah sie, dass er überall Kerzen und Dutzende von weißen Rosensträußen aufgestellt hatte, die üppig ihr betörendes Aroma verströmten. Auch hatte er ihr ein Bad eingelassen, in dem ebenso Blütenblätter schwammen und aus den Lautsprechern, die sie beim Einzug im Bad installiert hatte, kam ihre Lieblingsmusik.
„Und jetzt sag noch mal, dass Du meine Überraschung nicht magst!“ flüsterte er ihr ins Ohr und holte hinter seinem Rücken ein Glas Champagner hervor.
„Heute trinke ich keinen Alkohol!“ sagte sie lächelnd. „Heute ertrage ich meine lächerlichen Träume!“ scherzte sie, nahm ihn das Glas aus der Hand und goss den Inhalt in die Badewanne. Lachend über seinen verunsicherten Blick, schmiegte sie sich an ihn. „Du hattest Recht!“ hauchte sie mit verführerischer Stimme. „Ich liebe…“ Sie trat zwei Schritte zurück.
„Ich liebe…“ wiederholte sie, während sie langsam anfing die Knöpfe ihres Oberteils zu öffnen. „Diese…“ sprach sie weiter, während sie lasziv das ausgezogene Kleidungsstück fallen ließ.
Kokett hob sie ihr Bein, um vor seinen Augen langsam die halterlosen Strümpfe runterzurollen zu lassen. „Überraschung!“ beendete sie den Satz, bevor kurz danach ihr Rock auf den Boden fiel. Aufreizend zu der Musik tanzend, bewegte sie sich auf ihn zu. „Und was liebst Du?“ flüsterte sie während sie ihn an sich zog und atemlos küsste.
„Ich liebe Dich!“ log er, während Julie nicht aufhörend ihn zu küssend, mit den Kopf nach unten ging. „Ich liebe Dich!“ log er noch einmal, bis er im nächsten Moment den Kopf stöhnend nach hinten warf.

Kapitel 3

„Gratuliere, Sie haben den Job!“ sagte die männliche Stimme am anderen Ende der Leitung. „Arbeitsbeginn ist Montag, also Morgen um Punkt 12 Uhr. Haben sie verstanden?“
Begeistert nickte Georgina: „Ich werde pünktlich sein!“
Nachdem sie aufgelegt hatte, konnte sie ihre Freude über den Job kaum in Grenzen halten! Denn sie wusste, das es jetzt nicht mehr lange dauern würde, bis sie sich eine eigene Wohnung suchen und nach dem Tod ihres Bruders, endlich anfangen würde, ihr eigenes Leben zu leben. Sie schaute auf die Uhr, die viertel nach eins anzeigte. Da sie sich in diesem Moment sowieso in der Stadt befand und sie gerade dabei war, sich die Anzeigenzeitung zu kaufen, beschloss sie zur Feier des Tages, das Mittagessen, in ihrem Lieblingscafe einzunehmen, das sie vor drei Wochen, auf einem Spaziergang entdeckt hatte und seitdem dort regelmäßig ihren „fünf Uhr Tee“ trank.
Jetzt, wo sie aber eine Arbeit gefunden hatte, würde auch das sich ändern!

Ungeduldig schaute Julie auf die Uhr. Benjamin und sie waren um dreizehn Uhr verabredet gewesen und der Zeiger zeigte bereits zwanzig nach an und mit jeder Minute die verstrich, erschien es ihr schwerer den Ärger zu unterdrücken, der in ihr aufstieg.
So wunderschön die letzten beiden Nächte mit ihm auch gewesen sein mochten, in diesem Augenblick kam es ihr sehr töricht vor, dass sie sich wieder mit ihm eingelassen hatte! Sie beschloss ihn noch fünf Minuten Zeit zu geben, bevor sie ihr Mittagessen zum Mitnehmen ordern würde und Nachhause gehen würde, um dort alleine ohne seine Gesellschaft zu essen. Sie hatte Angst, dass sie einen Wutanfall kriegen würde, wenn er dann doch noch hier erscheinen würde.
Die Hand auf das Kinn gestützt, blickte sie aus dem Fenster neben dem sie saß. Auf den Straßen herrschte vorweihnachtlicher Trubel. Unermüdlich schienen die Leute bepackt mit Tüten und Paketen vorwärts zu hasten, woran auch die Schneeflocken nichts änderten, die ebenso beharrlich vom Himmel hinab fielen und vom eisigen Wind direkt in die, vor Kälte rotwangigen Gesichter bliesen. Eine der vermummten Gestalten, die an ihrem Fenster vorbeilief, sah genau wie Georgina aus, dachte sie und während sie ihm noch nachschaute, fing ihr Handy an zu klingeln. Eilig ging sie ran, da Benjamins Name auf dem Display erschien.
„Es tut mir Leid Süße, aber wir müssen unser Essen leider auf heute Abend verschieben!
Es ist mir etwas Dringendes dazwischengekommen! Sei bitte nicht allzu böse auf mich ja?“
Sie hörte wie im Hintergrund Autos vorbeirauschten. „Hat das Dringende auch einen Namen?“ fragte sie kühl.
Benjamin lachte auf. „Ja, den Namen Mutter und manchmal auch: Hey Du! Hör zu!“ sagte er ernst. „Ich bin gerade auf den Weg zu ihr und mache jetzt kurz Halt auf einer Tankstelle. Als ich nämlich auf den Weg zu Dir war, hat sie mich im Auto angerufen und irgendwas von: „Ich solle sofort kommen!“ gefaselt. Da bin ich natürlich gleich auf die Autobahn abgebogen!“
Innerlich rang sie mit sich, ihm zu glauben.
„Es tut mir ehrlich leid, dass ich Dich jetzt erst anrufe!“ sagte er mit geknickter Stimme. „Aber wie gesagt, es ging vorher leider nicht!“
Stumm fuhr Julie mit den Fingerspitzen den Rand ihrer Tasse entlang. Sie wollte ihm nicht Unrecht tun, andererseits wusste sie nicht, ob sie ihn schon vertrauen durfte?! Seufzend brachte sie schließlich heraus: „Fahr vorsichtig und grüß Deine Mutter bitte von mir ja?“
„Mach ich und ich melde mich, sobald ich zurück bin! Und Julie…“sagte er bedeutungsvoll.
„Ja?“ fragte sie und versuchte nicht allzu ängstlich zu klingen.
„Du warst gestern einfach unglaublich!“
Müde lächelte sie. „Bis bald!“ sagte sie matt und legte auf.

Erleichtert, dass sie keinen Verdacht geschöpft hatte, klappte Benjamin sein Handy zu und verstaute es in seiner schwarzen Ledertasche. Nun müsste er nur noch dafür sorgen, dass er Elise anrief, die am Telefon seine Mutter spielen würde, falls Julie auf die Idee kommen sollte, dort anzurufen. Seine wirkliche Mutter war zu diesem Zeitpunkt, an irgendeinem Strand von Hawaii, wo sie es sich gut gehen ließ. Sie hatten seit Jahren keinen Kontakt mehr gepflegt und er hoffte dass das auch so bleiben würde! Schließlich hatte er nicht umsonst alles in die Wege geleitet, damit sie bis zu ihrem Tod finanziell abgesichert wäre und sie ihm im Gegenzug dafür in Ruhe ließ, wie er es im Grunde von ihr auch gar nicht anders kannte! Entschlossen streifte er sich seine Handschuhe über. Er durfte sich jetzt keinen Fehler erlauben! Nicht den allerkleinsten! Entschieden stapfte er durch den Schnee zu seinem Auto, wo Claudia, lässig am Wagen gelehnt auf ihn wartete.
„Hat sie es Dir abgenommen?“ fragte sie, während sie ihm die Wagentür aufhielt.
„Ja, aber wir müssen trotzdem vorsichtig sein Claudia!“ sagte er, bevor er sich für einen Moment abwägend umschaute.
„Hier ist niemand den wir kennen Darling!“ versuchte Claudia ihn zu besänftigen, während sie ihn sanft an sich zog, um ihn zärtlich auf den Mund zu küssen. „Wie lange wirst Du Julie noch becircen müssen, bis wir unseren Plan durchführen können?
„Schon bald Schatz! Es dauert nur noch eine kleine Weile!“ versprach er ihr, während er ihr liebevoll durchs Haar strich.
Sie verzog ihre Lippen zu einem kirschroten Schmollmund. „Lange halte ich dieses Versteckspiel nämlich nicht mehr aus!“ sagte sie und trommelte ihn dabei mit der rechten Hand leicht auf die Schulter. „Und außerdem habe ich langsam Angst, dass dir die Nächte mit ihr gefallen!“
Amüsiert lachte Benjamin auf. „Gefallen Dir denn die Nächte mit Stephen?“ fragte er sie scheinheilig und sah sie grinsend an.
„Vielleicht!“ provozierte sie ihn und sah ihn mit herausforderndem Blick an.
Ungestüm zog er sie an sich, um sie leidenschaftlich zu küssen, ehe seine Zunge fordernd von ihren Mund Besitz nahm. Claudia, die ihre gemeinsamen kleinen Spielchen liebte, stöhnte leise auf.
Nicht mehr lange! dachte sie und schlang ihre Arme um ihn.
Nicht mehr lange!

Tori89
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16.10.2006 10:42
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