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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadLösungen, Betreuung, Assistenz, wo hin?
17.01.2011 17:25
HiddenNickname
0 Ich habe in den letzten Monaten viele Threads eröffnet, in denen ich über die unhaltbaren Verhältnisse, unter denen Menschen mit geistiger und Mehrfach Behinderung leben (und arbeiten) so wie auch die Unhaltbaren Arbeitsverhältnisse als Mitarbeiterin in dem Bereich, geschrieben habe. Hier nun meine Gedanken dazu, was sich ändern müsste, damit es den M.m.B. (Abkürzung für "Menschen mit Behinderung" ) besser geht und auch das arbeiten in diesem Bereich wieder Spaß macht. Ganz allgemein sollten alle Heime aufgelöst werden. Menschen die nur eine leichte bis mittlere geistige Behinderung haben (die also sprechen können, ihren Willen äußern, zum Teil sogar lesen und schreiben können und in der Lage sind, ein Telefon zu bedienen), sollten in eigenen Wohnungen leben. Je nach Wunsch, alleine oder mit Mitbewohnerinnen, die sie sich selber ausgesucht haben (eventuell PartnerIn, etc.). Es ist nicht zumutbar, dass Menschen in "Wohngemeinschaften" leben müssen, mit bis zu 14 (war die größte Gruppe, die ich in einem Heim erlebt habe) MitbewohnerInnen, auf deren ein und Auszug sie keinen Einfluss haben! Dies schafft Aggressionen und Rückzüge, die meistens medikamentös beantwortet werden, mit sog. Neuroleptika und gehört abgeschafft. Menschen mit starker geistiger Beeinträchtigung und Mehrfachschwerstbehinderungen (die meist nicht sprechen können oder nur einzelne Worte wiederholen uns also nicht mitteilen können, was sie wollen) und/oder einen erheblichen Pflegebedarf haben, also nicht laufen können, meist auch nicht alleine essen können, etc., sollten meiner Ansicht nach in Großfamilien und andere funktionierende Gemeinschaften aufgenommen werden, ähnlich wie Pflegekinder. Die meisten Menschen die zu dieser "Gruppe" gehören. (Klar ist jede Person anders und manche passen in keine der genannten Gruppen), sind sehr lärmempfindlich und empfindlich auf Stimmungen aus der Umgebung. Wenn also Pflegerinnen gehetzt sind, werden sie nervös und oftmals auto-aggressiv, etc.. Auch die ganzen Streitereien im Team und unter den Bewohnerinnen, spiegeln sie oft direkt wieder. Deshalb sind solche großen Wohngruppen ein völlig ungeeigneter Lebensraum für sie. Ich glaube die meisten von ihnen, wären in guten Gemeinschaften, wie Familien, Biokommunen, langjährigen Wohngemeinschaften, wesentlich glücklicher. Meistens suchen sie eher zu den Betreuungspersonen als zu den MitbewohnerInnen Kontakt. Sie entwickeln starke Bindungen an sie und sind oft am Boden zerstört, wenn MitarbeiterInnen wechseln. Die Fluktuation der MitarbeiterInnen in solchen Heimen ist aber (auch aufgrund der Arbeitsbedingungen) sehr hoch. Viele Stellen werden von vorne herein nur mit FSJ-Kräften und Ziwis besetzt, oder es werden nur noch befristete Verträge vergeben. Beide Möglichkeiten (für Menschen mit leichten ud schweren Behinderungen) gibt es schon. Sie werden aber sehr erschwert. Jedes Bundesland hat hier eigenen Gesetze und einen eigenen Etat. In Niedersachsen ist es beispielsweise relativ günstig. Die genauen Wochenstunden, die finanziert werden, weiß ich aber nicht. In Baden Würtemberg dagegen kann ein M.mB erst in eine eigene Wohnung ziehen, wenn sie/er mit 2 Stunden Betreuung pro Woche auskommt. Das schafft natürlich kaum eine/r. Folglich bleiben die Menschen in den Heimen. Dies ist mir völlig unverständlich, da ein Heimplatz mit Sicherheit wesentlich teurer ist, als beispielsweise 7 Stunden Betreuung pro Woche in einer eigenen Wohnung. Was für Interessen stecken da jetzt wieder dahinter, die diese Idee hintertreiben? Investitionen der Kirchen und anderer Verbände in den Bau von Heimen beispielsweise? Die Idee für Menschen mit schwereren Behinderungen gibt es auch schon. Ist aber kaum bekannt. Ich weiß auch nichts näheres über die rechtlichen und praktischen Bedingungen. Ich weiß nur, dass es sehr viel Spaß machen kann, einen Menschen mit solch einer Behinderung zu betreuen. Das es aber natürlich auch nicht immer einfach ist. Vielleicht dient dieser Thread hier ja der einen oder anderen als Anregung, sich das mal zu überlegen, einen M.m.B. aufzunehmen, oder sogar eine Vermittlungsstelle zu gründen. (Ich selbst habe leider eine Bürokratiephobie, deshalb bin ich nicht dazu geeignet.)
editiert am 17.01.2011 17:31
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