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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadMännerverächterin vs. Dämchen um 1928
02.03.2007 22:45
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0 Ich pack das ewig aktuelle Thema "Bisexuelle. Unser Untergang?" mal nicht zu Beziehung & Erotik, weil der Text eher in die Frauenforschung gehört. Die Anschaffung dieses Buches lohnt auf alle Fälle. Bei dem Textauszug kam ich allerdings aus dem Staunen nicht raus, wie wenig sich in der Diskussion um Bisexualität geändert hat... ----------------------- In der Frauenliebe wurde 1928 ein Meinungsaustausch unter folgender Fragestellung eingeleitet: „Was würden Sie, meine Damen, tun, wenn Sie heute eine Frau kennen lernen, wüssten sie ist verheiratet, lebt mit dem Manne in engster Gemeinschaft, möchte aber auch die Freundin nicht missen“[…..] „Ich persönlich würde mich viel zu schade halten mit derartigen Dämchen Verkehr zu pflegen, musste es aber schon oft zu meinem tiefsten Bedauern beobachten, dass es doch noch Frauen, die nicht verheiratet sind, gibt, die sich freuen und vielleicht noch stolz darauf sind, eine oben geschilderte Frau besitzen zu dürfen.“ […] „Wir wollen nur erstens die Sache vom Gesundheitsstandpunkt betrachten. Heute ist die Freundin Gattin – morgen ist sie mit ihrer Freundin zusammen. Sehr angenehm, gelt?“ Cläre bezog sich auf die Annahme, dass Männer die maßgeblichen Verbreiter sexueller Krankheiten sein. Eine zeitgenössische Vorstellung, die nicht zuletzt in den größeren sexuellen Freiheiten von Männern begründet war. „Außerdem muss es für die allein stehende Freundin einen gewissen Ekel hervorrufen zu wissen, dass sie mit einem Manne teilt.“ Die Betonung des Mannes an dieser Stelle, anstatt einfach von einem anderen Menschen zu schreiben, verweist auf einen prinzipiellen Ekel vor dem männlichen Körper. Der Mann ist hier das Bedrohliche im Gegensatz zu dem „Männlichen“, was in den Zeitschriften meist idealisiert wurde. Wenige Wochen später, im Schlussbeitrag der Debatte, wird sich Cläre als ehemals verheiratete Frau positionieren. Lina, eine weitere Autorin in der Debatte, war der Meinung: „dass man seine Liebe nur einer echten Männerverächterin und keiner bisexuellen Frau – mag sie Junggesellin, verheiratet oder verwitwet sein – schenken soll.“ In ihrer Radikalität schloss sie alle Frauen als potentielle Partnerinnen aus, die „einen Mann schon besessen oder ihn gar noch besitzen“. Ein solches Kriterium schloss sicherlich einen großen Teil der sich als homosexuell empfindenden Frauen aus der Gemeinschaft aus. Daher verwundert es auch nicht, dass Lina allein mit dieser radikalen Haltung blieb. (…..) aus Schader, Heike: Virile, Vamps und wilde Veilchen. Sexualität, Begehren und Erotik in den Zeitschriften homosexueller Frauen im Berlin der 1920er Jahre. ------------------------------ - Ich nehme an, Lina blieb nicht nur in der Diskussion allein....[/…][/…..]
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