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Papst vergleicht Abtreibung mit Holocaust


19.02.2005 16:04
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Papst vergleicht Abtreibung mit Holocaust

Rom (dpa) - Papst Johannes Paul II. (84) vergleicht in seinem neuen Buch die Abtreibung mit dem Holocaust. Zwar habe die Vernichtung der Juden nach dem Sturz des Nazi-Regimes aufgehört. "Was jedoch fortdauert, ist die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener menschlicher Wesen."

In diesem Zusammenhang kritisiert der Papst in seinem Buch "Erinnerung und Identität - Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden" zudem die Schwulenehe: "Und auch an anderen schweren Formen der Verletzung der Gesetze Gottes fehlt es nicht. Ich denke z. B. an den starken Druck des Europäischen Parlaments, homosexuelle Verbindungen anzuerkennen als alternative Form der Familie (...). Es ist zulässig und sogar geboten, sich zu fragen, ob nicht hier - vielleicht heimtückischer und verhohlener - wieder eine neue Ideologie des Bösen am Werk ist, die versucht, gegen den Menschen und gegen die Familie sogar die Menschenrechte auszunutzen."

Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hatte im Januar mit einem ähnlichen Vergleich in Deutschland heftige Proteste ausgelöst und sich später dafür entschuldigt. In einer Predigt am Dreikönigstag hatte er gesagt: "Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht."

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hatte daraufhin kritisiert, wenn Meisner den NS-Völkermord mit der heutigen Abtreibung gleichsetze, beleidige er damit Millionen Holocaust-Opfer. Die FDP hatte die katholische Kirche aufgerufen, sich von Meisners Holocaust-Vergleich zu distanzieren.

Das Papstbuch erscheint am 23. Februar im Weltbild Buchverlag (Augsburg). In dem 224-Seiten-Werk geht es um Themen wie Demokratie, Freiheit und Frieden aus christlicher Sicht. Es basiert auf Gesprächen, die der Papst 1993 mit den beiden polnischen Philosophen Józef Tischner und Krzysztof Michalski geführt hatte, teilte der Verlag mit. Der Papst habe die Texte später überarbeitet und aktualisiert.

Unterdessen hat Spiegel auch auf die Aussagen aus dem Buch von Papst Johannes Paul II. reagiert. Der "Netzeitung" sagte der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, "die Spitze der Katholischen Kirche" habe "nicht begriffen", dass man den Holocaust nicht mit Abtreibung vergleichen könne. Im Papstbuch "Erinnerung und Identität - Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden" sei laut Spiegel "ein unzulässiger Vergleich" hergestellt worden. Spiegel weiter: "Es gibt einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen einem fabrikmäßigen Völkermord und dem, was Frauen mit ihrem Körper tun".



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