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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadPolitik oder Philosophie - Hannah Arendt
16.01.2010 08:43
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0 "Der Sinn von Politik ist Freiheit." In der Vergangenheit sind mir zu vielen politischen Themen immer wieder die Thesen Hannah Arendt in den Sinn gekommen. Für mich gehört sie zu den Denkern, die der Freiheit zutiefst verbunden sind und in deren Kritik immer eine große menschliche Verbundenheit und aufrichtige Sorge zu finden ist. U.a. weist Hannah Arendt darauf hin, dass mit dem Zusammenbruch des Totalitarismus die Elemente des Totalitarimus selber nie verschwunden sind. Sie siedelt das aber nicht -wie so oft- in den Randzonen der Gesellschaft an, sondern benennt Grundsätzliches und Ursächliches. Sie vertritt das Prinzip „Pluralität“ im politischen Raum. Nach Arendt besteht zwischen den Menschen eine potenzielle Freiheit und Gleichheit in der Politik. Wichtig ist es dabei für sie immer, auch die Perspektive des anderen einzunehmen. Eines ihrer Hauptthemen ist das Politische, aber nicht die Politik. Freiheit ist für sie mit dem Politischen identisch und gleichursprünglich. Für sie ging es weniger darum, sich politikwissenschaftlich zu äußern, sondern sie zeigte auf mit welchen Grundbedingungen menschlichen Daseins das Politische zu tun hat. Wie weit oder nah sind "wir" an dieser Form des Politischen? "Ohne Freiheit wäre das politische Leben als solches sinnlos. Die raison d’être der Politik ist Freiheit; und ihr Erfahrungsort ist Handlung." Jeder Totalitarismus ist vom Standpunkt der Freiheit einfach zu kritisieren. Aber es scheint "uns" schwerer zu fallen, die totalitären Elemente in den freiheitlichen Staatsformen zu finden - nicht in Form von Parteien und parteipolitischen Ideologien, sondern im Sinne von Handlungen, Haltungen, Gesinnungen, an denen Jede von uns Anteil hat. "Politisch hat sich vermutlich kein anderer Bstandteil des traditionellen philosophischen Freiheitsbegriffs als so verderblich erwiesen wie die ihm inhärente Identifizierung von Freiheit und Souveränität." "Souveränität, nämlich unbedingte Autonomie und Herrschaft über sich selbst, widerspricht der menschlichen Bedingtheit der Pluralität." Für Arendt ist Handeln und Freisein ein und dasselbe. Unter Handeln versteht Hannah Arendt "die höchste, für die Bildung einer humanen Welt ganz unverzichtbare Tätigkeit. Es vollzieht sich in einem öffentlichen Raum, in dem eine Pluralität von Menschen miteinander verkehrt und in öffentlicher Rede um das Wohl ihrer Gemeinschaft besorgt ist." "Welt bezeichnet den von den Menschen konstituierten politischen Raum, der immer zugleich durch ein Mit- und Füreinander der Menschen, und nicht durch ein einfaches Nebeneinander bestimmt ist." Nach Arendt hat die grundsätzliche Bedingung menschlicher Pluralität den zweifachen Charakter von "Gleichheit und Verschiedenheit". Sowohl Worte wie Taten, durch die wir in Erscheinung treten, geben impliziten Aufschluss darüber, wer wir sind. Die Freiheit entsteht, wo immer Menschen handelnd miteinander umgehen und damit eine gemeinsame Welt schaffen. Darum sieht Hannah Arendt die Hauptgefahr der Moderne in der "Weltentfremdung", nicht in der "Selbstentfremdung". Ein sehr eigensinniger und inspirierender Denkansatz, wie ich finde. "Der Mensch ist nicht frei geboren, sondern für Freiheit geboren."
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22.01.2010 15:58
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