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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadSo was wie ne Fortsetzung....
15.10.2010 21:14
HiddenNickname
0 Hallo, zusammen. Jetzt mach ich mal was, was ich sonst nie tu - ich setze sozusagen ein Thema fort. Allerdings nur "sozusagen", denn inzwischen hat sich das "Domian-Anruf-Thema" ja in eine andere Richtung weiterentwickelt. Zuletzt gab es Statements, die ich einfach nicht unkommentiert stehen lassen kann. Welche also noch Lust hat, mitzudiskutieren und vielleicht auch die Motivation, mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen, mag das gerne hier tun. Ich zitiere den letzten Beitrag des vorherigen Threads: Zunächst: Ich bin keine "neutrale, nicht betroffene" Person. Sowohl als Überlebende sexueller Gewalt, als auch als Beraterin einer Selbsthilfegruppe und durch meine berufliche Tätigkeit (unter anderem als Fachberaterin zum Thema "sexuelle Gewalt an Kindern" ) hatte und habe ich mit diesem Thema zu tun. Im vorhergehenden Thread fand zu keiner Zeit eine "Umkehrung von Täternund Opfern" statt. Es gab lediglich Versuche, pädophile Menschen (mit und ohne Täterschaft) und sexuelle Straftäter mit anderem Hintergrund/anderen Motiven zu unterscheiden. Und so leid es mir tut, da sind diejenigen auf dem Holzweg und zeigen "wenig Ahnung", die diese Dinge nicht auseinanderhalten können. Es ist mir ein ehrliches Anliegen, über diesen Unterschied aufzuklären, weil er (und zwar gerade, was die Arbeit mit Betroffenen sexueller Gewalt und vor allem die Prophylaxe betrifft) zu wichtig ist, um ihn zu übergehen. Pädophilie ist eine psychische Störung in Bezug auf die Präferenz der SexualpartnerInnen. Diese Leute fühlen sich vorwiegend und dauerhaft von Kindern emotional und sexuell angesprochen, die noch wenige Zeichen von körperlicher Reife zeigen. Es mag bei ihnen internal eine "Macht-Problematik" vorhanden sein; was ihr Gefühlsleben angeht, so empfinden diese Menschen ihre Hinwendung zu Kindern als nicht gewaltgeprägt. Viele von ihnen "verlieben" sich in Kinder. Allgemeiner Konsens ist, dass ein erwachsener Mensch, dessen bevorzugte Liebes- und Sexualpräferenz sich auf Kinder richtet, psychisch nicht gesund sein kann (wenn auch Interessenvertretungen verschiedener Gruppen das anders einordnen mögen und lediglich von einer "emotional-sexuellen Neigung" sprechen). Es kann zwischen einem pädophilen Menschen und einem Kind keine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe geben. Demzufolge auch kein "Einvernehmen". Daher ist "Pädophilie" für mich keine "erwachsene Sexualität". Die Entwicklung dahin muss gestört worden sein - durch welche Einflüsse auch immer. Nicht alle Pädophilen, sondern Untersuchungen zufolge ein eher kleinerer Teil, werden im Laufe ihres Lebens überhaupt zu Tätern. Die, die es werden, sind strafrechtlich ebenso zu belangen wie alle anderen Straftäter auch - da kann und darf es keine Unterschiede geben. Die meisten Täter aber, die sich der sexuellen Gewalt Kindern gegenüber schuldig machen, sind in Bezug auf ihre Präferenzen nicht dergestalt festgelegt, dass sie sich ausschließlich für Kinder interessieren - sie sind schlicht Gewalttäter, die sich des Mittels der sexualisierten Gewalt bedienen, um Macht auszuüben. Das gilt für überwiegend viele der Täter aus dem sozialen Nahbereich (Familie, Freundeskreis der Familie) des Kindes - und diese bilden die Hauptgruppe derer, die sich an Kindern vergehen. Die Informationen, auf die hier mit dem Link zu wildwasser hingewiesen worden ist, beziehen sich ganz grundsätzlich auf sexualisierte Gewalt. Für Opfer und Überlebende spielt es tatsächlich oft keine maßgebliche Rolle, ob sie durch eine pädophile Person oder einer anders motivierten Person sexualisierte/sexuelle Gewalt erfahren haben - sie wurden auf eine besonders üble Art verletzt und geschädigt. In Bezug auf Prävention macht diese Unterscheidung aber durchaus Sinn. Und zwar weil pädophile Menschen, die schuldlos an ihrem Empfinden in Gefahr sind, Täter zu werden, anders geholfen werden kann und muss als solchen Menschen, die eine reine Machtmotivation für ihre Taten/Tatvorhaben haben. Mir ist einfach wichtig, dass hier nicht Wichtiges durcheinander geworfen wird - denn ich nehme an, dass es allen, die sich bisher zu wort gemeldet haben, um dasselbe geht. Darum, möglichst VOR einer Tat Maßnahmen ergreifen zu können, um Kinder wirksam zu schützen. Inzwischen gibt es viele pädophile Menschen, die sich freiwillig in Behandlung begeben möchten. Noch immer gibt es aber zu wenige Stellen, wo ihnen wirklich fachkundig geholfen werden kann. Das liegt vor allem daran, dass keine Stelle Geld locker machen möchte für eine Gruppe von Menschen, die derart geächtet ist in der Gesellschaft. Ein Wahrnehmen des genannten Unterschiedes und tatsächlich angebotene Hilfe, die ohne riesige Scham und Angst angenommen werden kann, kann diese Menschen jedoch dauerhaft davor bewahren, zu Tätern zu werden. Und das ist es doch, worauf es ankommt. Mo
editiert am 15.10.2010 22:02
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