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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » ThreadSommergedichte / Ferienliteratur
15.08.2009 10:22
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0 Hans Magnus Enzensberger "Der Urlaub" Jetzt, wo er frei hat, verhältnismäßig, schlurft er oft um die Tennisplätze, lässt sich rasieren, liest. Schwarzhändler wispern, Turnschuhe hächeln vorbei. Starrend vor Palmen denht sich die Welt am Sonntag. Im Palace brüten die ersten Huren über dem Frühstück. Alles klar, alles fusselt. Menschenskind, Mecki, ruft es vom Nebentisch. Heulendes Elend am Strand. Umständehalber schmelzen Peseten. Zufallsbekanntschaften, sehnsüchtig eingekremt. "Was sagst du dazu, José, wenn ich heut nacht mit dir geh? Olé, olé, olé." Ekelhaft, dieser Tintenfisch auf dem Teller. Das gähnende Zimmer. Sand in den Handtüchern. Ein helles Insekt, das sich gegen eine Birne wirft. Siebzehn senkrecht: Griechische Fruchtbarkeitsgöttin. Die Dusche riecht muffig. Auf der Straße kichert es. Motorräder starten. Dann ist nur noch das Meer da, das in der Ferne ächzt. Nein, nebenan ist es, nebenan stirbt eine Frau oder liebt sich selbst. Olé, olé, was sagst du dazu, José? Er horcht. Weiß im Zahnputzglas wimmeln die Schlaftabetten. Was habt ihr sonst noch zu bieten? LG und einen schönen Samstag - fahre jetzt einkaufen
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