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Vorstoß zur 50-Stunden-Woche


07.07.2004 15:09
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ZitatIrre mit SystemKommentar von Klaus Fischer
Kaum haben Bundestag und Bundesrat die planmäßige Verelendung von Millionen Erwerbslosen mit »Hartz IV« in Gesetzesform gegossen, treiben die Neoliberalen eine neue Sau durchs Dorf: »50-Stunden-Woche soll neue Jobs schaffen«, posaunte Bild am Dienstag in die Welt. Was wie ein makaberer Witz anmutet, ist dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, offenbar bitterer Ernst. Es müßten »auch mal 50 Stunden pro Woche gearbeitet werden, erzählte der Chef eines der sogenannten sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute dem Boulevardblatt.

Neu ist es nicht, daß sich die »offiziellen« Ökonomen des Landes als fünfte Kolonne des Kapitals begreifen. Neu ist auch keineswegs, daß diese Institute inzwischen den Teil des Kapitals lobhudeln, der für eine noch intensivere Bereicherung der High Society Massenelend durchaus in Kauf zu nehmen gedenkt. Und leider ist auch nicht neu, daß Vertreter dieser Lobby mit immer blödsinnigeren Forderungen in der veröffentlichten Meinung den Ton angeben. Auf dem ersten Blick scheinen da Irre am Werk zu sein. Unter dem Deckmantel des Begriffes »Reform« reden diese Leute nicht nur einem gnadenlosen Sozialabbau das Wort, sondern fordern auch, den Ausbeutungsdruck auf diejenigen zu erhöhen, die noch einen Arbeitsplatz haben. Längere Arbeitszeiten schaffen keine neuen Jobs. Im Gegenteil. Massenerwerbslosigkeit gepaart mit Sozialkürzungen und Lohndumping wirkt sich zudem verheerend auf die Binnennachfrage aus. Oskar Lafontaine hat unrecht, wenn er in derselben Bild-Ausgabe schreibt: »Die Jünger dieser Irrlehre glauben: Die Volkswirtschaft wächst, wenn es dem Volk schlecht geht.«

Irre ist nämlich, daß die Volkswirtschaft solche Leute nicht mehr interessiert. Ansonsten wissen sie sehr wohl, was sie sagen und tun. Und damit sind nicht nur Wirtschaftsprofessoren gemeint, die auf Kosten des Steuerzahlers das Geschäft der Oberklasse betreiben, zu der sie sich wohl auch selbst zählen. Große Teile der bürgerlichen Medien, Berufspolitiker und Verbandslobbyisten betreiben nichts als Klassenkampf. Wenn die »Renditen« der Unternehmen ? und natürlich auch die eigenen hohen Bezüge ? stimmen, ist für sie alles gut. Scheinheilig beklagen sie, daß die Deutschen immer nur »jammern« würden, kein »Ruck« durch das Land ginge. In einem solchen Klima aus Ignoranz und kalter Herablassung braucht es tatsächlich einen Ruck. Der aber muß von Gewerkschaften, von Erwerbsloseninitiativen und all jenen kommen, denen man die Luft zum Atmen nimmt.

http://www.jungewelt.de/2 [...] /002.php


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